Welche Biene passt zu meiner Gegend?

  • Hallo Imkers,


    ableitend aus dem Faden, wo es um die mögliche Auswahl über den Preis von Königinnen geht, möchte ich hier mal ein anderes Auswahlkriterium anstoßen.


    Wie finde ich eine lokal angepasste Biene?


    Mir leuchtet ein, dass Hochleistungshonigmacherinnen in einer intensiv landwirtschaftlich geprägten Region (Getreide, Mais, Rüben) nicht performen können.
    Gibt es Frühentwicklerinnen, die mit Trachtpausen klar kommen?
    Gibt es Linien die auf Brutpausen im Winter selektiert werden?



    Und wie in aller Welt finde ich einen Züchter, wenn mir die "Rasse" egal ist?


    Gibt es ein Verzeichnis, wo man Prioritäten eingibt und man kann dann den Züchter finden?


    Das alles fragt sich


    Jule

    Begeisterung ist der Schlüssel zum Tor der ungeahnten Möglichkeiten.

  • Anderer Ansatz, warum soll ein Züchter denn bessere Bienen als du? Wie willst du, anhand welcher Kriterien auch immer, in der Ferne eine bei dir lokal angepasste Bie finden?


    Vielleicht haben sich die Bienen bei mir bisher ja einfach vermehrt, ohne dass ich eine großartige Auswahl betrieben habe. Wenn ich dann jetzt anfange nach meinen Kriterien auszuwählen, dauert es einige Generationen bis ich "meine" Biene bekomme. Bei wenigen Völkern ist die Selektion auch schwer, weil man zu wenig vergleichen kann (zumindest nur mit großem Zufallseinfluss). Diese Problematik muss ich dir als erfahrenem Züchter ja nicht erklären.


    Für Kleinimker oder Anfänger (bei mir also Doppelquote) wird es deutlich einfacher sein, eine einigermaßen passende Biene bei einem Züchter zu suchen als die in vernünftiger Zeit selbst hinzubekommen. Mit der kann man dann ja weiterarbeiten und "züchten" (selbst in " " ein großes Wort bei Selektion aus 5 Völkern). Somit ist für mich die Frage von Jule sicher nicht unberechtigt, weil es nicht unbedingt der Nachbar sein muss, der diese Bienen hat.


    Somit glaube ich, dass man einen Züchter suchen muss, der ähnliche Bedingungen und Arbeitsweisen hat wie man selbst vor Ort hat/haben will. Eine Suchmaschine dafür wirds nicht geben also bleibt nur Empfehlungen, mit Leuten reden, Augen offen halten...und probieren. Vielleicht gibts sowas ja auch irgendwo gelistet und dann kann man es in Zukunft hier finden. Das war ja die eigentliche Frage.

    In der Natur gibt es weder Belohnungen noch Strafen. Es gibt Folgen.
    (Robert Green Ingersoll)

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  • Moinsen,


    ich hab zwar noch keine Langzeiterfahrung, aber ich halte das Thema der lokalen Anpassung für überschätzt. Hier ein paar Gründe:


    1. Ich wohne auf dem platten Münsterland. Hier gibt es 0,0 Berge und wir liegen auf 60 meter über 0. Ich hatte jetzt schon lokale Carnica Königinnen, Königinnen vom Luffi (Bayern), von der Heike (Bayrischer Wald), von Jungels als F2 (Luxemburg) und von Gerdes (Münsterland). Die besten Königinnen sowohl in der Tracht als auch in der Überwinterung waren die, die nicht aus meiner Gegend kommen - also die vom Luffi, von Heike und von Jungels. Die lokal angepassten waren zickig, Schwarmteufel oder schlecht im Honigertrag.
    2. Was heißt denn lokal Angepasst? Woher soll diese Anpassung kommen? Weil die Biene seit ein paar Jahren bei einem Züchter lebt? Der dann zur Anpaarung auf die Insel, die Berge oder zur künstlichen Besamung fährt? Richtig lokal angepasst an einen typisch germanischen Winter war wohl die schwarze Biene. Aber auch hier gab es immer wieder Wetterkapriolen, die die Bienen auch so überlebt haben (z. B. kurze Eiszeit im 18. Jahrhundert) oder die Warmzeit mit einem grünen Grönland im 13. Jahrhundert. All das überstehen die Bienen. Also warum soll eine Biene aus dem Bayrischen Wald nicht an der Küste funktionieren? Weil sie im Winter keinen Schnee sieht?


    Wichtiger ist es, die Eigenschaften der Bienen zu beachten. Also wenn ich mir als eingefleischter Carnica-Imker ne Buckfast hole, die dann noch viel länger und früher und umfangreicher brütet, könnten die 10 oder 12 Kilo Futter, mit der die Carnica immer aus kam knapp werden! Also ggf. muss man seine Betriebsweise anpassen und vielleicht die des Züchters übernehmen. Aber der Biene ist die Gegend egal. Und seihen wir mal ehrlich. So unterschiedlich ist doch unser Wetter im kleinen Deutschland nicht. Wir haben keine Wüsten, keinen Urwald keine Tropen oder ähnliches. Alles ist gemäßigt. Die einen haben vielleicht zwei Wochen früher Frühling, die anderen etwas mehr Schnee aber im großen und ganzen ist es doch ähnlich. Sogar die tracht ist ähnlich. Ich kenne keine Pflanze, die nicht grundsätzlich in Bayern wächst, in Hamburg aber nicht. Gut, Weintrauben wachsen an der Mosel besser als an der Elbe, aber wachsen tuen sie an beiden Flüssen.


    Also ich achte mehr auf den Züchter als den Hort der Herkunft.

  • gut gekontert!:wink:


    Aber ich bin kein Züchter und habe auch nicht vor einer zu werden.


    Wenn ich nun als Kleinimkerin mal "frisches Blut" in meine Bienenherde bringen will...?


    Mit irgendwas muss man ja anfangen...und vielleicht habe ich dann nach mehreren Jahren Standbegattung eine lokal angepasste Biene...aber sooo isoliert lebe ich hier auch nicht.


    Ausprobiert habe ich schon ein bissl was, aber letzlich bin ich nicht schlauer geworden:
    Hinterbehandlervölker mit Carnicahintergrund von einem 80-jährigen Imker hier in der Gegend: supersanft, aber die Völker blieben seltsam klein und leider hab ich sie an die Varroa verloren.
    Buckfast verhungern mir hier, jedenfalls fast.
    Carnica, gefühlte F35, na, da brauche ich nix mehr sagen, die waren zwar vital, aber sonst nicht Imker-und nachbarschaftsfreundlich...


    Versteht mich jemand?

    Begeisterung ist der Schlüssel zum Tor der ungeahnten Möglichkeiten.

  • Wann muß die Biene laufen? Wenn bei Dir nach dem Raps Schluss ist, nützt Dir eine auf Waldtracht oder Heide ausgelesen Bienen nix. Umgekehrt dito. Dann ein früher Brutstop ist fein, aber nicht im Schwarzwald. Sanftmütige wäre schön, aber das behaupten alle, genauso wie schwarmträge. Bis hierhin war einfach. Dann kommen noch so Kleinigkeiten, die Dich verzweifeln lassen können, ohne das Du es überhaupt merkst: wo und wie stapelt die Biene den Honig? Wie geht die mit Propolis um? Am Anfang sind alle Bienen gleich. Mit der Erfahrung wachsen dann die Ansprüche. Manche Kollegen haben es mit viel Können und Gefühl sogar soweit hinbekommen, das die Königin selber schleudert! Gell Luffi?


    Ein weites Feld!


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Hallo Jule,


    verstehe mich nicht falsch, aber an was soll sich deine Biene in ein paar Jahren anpassen? An den Winter von diesem Jahr oder den der letzten drei Jahre? Und wie schnell geht das? Wenn sich die Natur so schnell anpassen könnte, wäre der Klimawandel kein Problem. Eine wirkliche Anpassung im Biologischen Sinne setzt mehrere Punkte voraus:


    1. Ein begrenzter Genpool
    2. Eine lokale Abgeschiedenheit (z. B. große Inseln wie Großbritannien)
    3. Viel Zeit - am bestern ein paar Jahrhunderte. Dann enstehen neue Arten / Unterarten.


    Siehst du woran eine lokale Anpassung hapert? Es wird nicht funktionieren, da es in deinem Umkreis immer Imker gibt, die Bienen aus einem anderen Bereich hinzuholen. Oder es soll ja auch Drohnen geben, die weiter wandern.


    Kauf dir mal, wenn Buckfast nicht funktioniert, von verschiedenen Züchtern zwei drei Carnicas (aber nie nur eine - das gibt keine gute Aussage). Wenn du 6 Völker hast z. B. drei von dem einen, drei von dem anderen. Dann kannst du gut vergleichen. Im nächsten Jahr dann vielleicht das gleiche noch mal - dann drei vom ersten Jahr - dem besten Züchter und drei von einem weiteren Züchter. Das machst du dann ein paar Jahren und schwups, hast du deinen Liebligszüchter.


    Gruß
    Frank

  • Anderer Ansatz, warum soll ein Züchter denn bessere Bienen als du? Wie willst du, anhand welcher Kriterien auch immer, in der Ferne eine bei dir lokal angepasste Bie finden?


    Weil ein echter Züchter aus mehr Völkern als man selber Auswählen kann.
    Weil er über einen längeren Zeitraum selektiert hat.


    Das Argument mit der Ferne lasse ich mal nicht gelten, es ist heute kein Problem einen guten Züchter zu finden wenn man nur 200 km als Radius setzt. 200 km Radius da findet man mit Sicherheit min 5 Züchter mit guter Reputation, ausreichender Völkerzahl und Erfahrung. Es gibt wenig Gründe Bienen von weiter her zu Importieren, vor allem keine vor Ort auch zu findenden.


  • Wie finde ich eine lokal angepasste Biene?


    Ich gebe zu, meine Antwort war schon etwas provokant. Der Titel deines Threads ist IMHO sinnvoller als der Satz den ich zitiert habe. Es gibt bei Bienen ja keine Anpassungsreaktion. Es gibt eine Selektion nach passend oder nicht. Und ich denke genau das hast du auch gemeint. Die Mär von den Hochleistungsbienen glaube ich auch schon lange nicht mehr. Es gibt gute und schlechte Bienen mit unterschiedlichem Charakter. Die von dir erwähnten Hinterbehandlungsbienen hätten es ohne Betreuung wohl gar nicht selber übers Jahr geschafft, auch wenn sie einen guten Charakter hatten. Die Bienen müssen halt soviel Honig eintragen, wie sie selber zum Überleben und Überwintern bräuchten. Selbst das schaffen aber manche nicht.


    Wenn die Buckfast "fast verhungern" geht es Carnicas aber auch nicht gut, denn dann herrscht ein massiver Mangel. Es gilt in der Tat für dich "trial and error". hat bei mir auch ein wenig gedauert, bis ich erkannt habe was für mich richtig ist. Und manchmal zweifle ich immer noch.


    Gruß
    Reiner

    42

    ganz sicher

    nur nicht beim bee-space

  • Wenn ich in einer Gegend wohnte, wo es nach dem Raps nur noch Läppertracht gäbe von den Feldrainen und Gärten, dann würde ich folgendermaßen verfahren:
    1. Eine Biene wählen, die außerhalb der Tracht wenig brütet, also keine Buckfast, eher Carnica.
    2. Sehr frühzeitig die Bienen sehr warm halten, am besten in Styroporbeuten mit dem Wärmebrett arbeiten, damit die früh maximale Brutnester anlegen und zur Rapsblüte in Hochform sind.
    3. Eventuell vor der Tracht Völker vereinigen und nach der Tracht wieder trennen.
    4. Nur starke Völker einwintern, schwache Völker können evtl. zwar auch gute Erträge im Folgejahr bringen, aber nicht aus der Frühtracht.
    Gruß Ralph

  • Ich wohne in so einer Gegend mit wenig Tracht allgemein und 90% Frühtracht.


    Ein alternatives Vorgehen ist nit einer Überzahl an Völkern inbden Winter zu gehen, die Winterverluate überzukompensieren und die Völker die zu viel sind wider u vereinen. Leider ist es halt so das die im Herbst stark einwinternden Völker im Frühling nicht unbedingt die stärksten sind.
    Dieses Jahr ist es sogar so das die am stärksten eingewinterten Völker auch die Völker mit den höchsten Verlusten sind. Dagegen haben sich die Ableger und KS am besten gehalten.

  • Hallo Robirot,


    das klingt für mich so, als solltest du deine Varroa-Strategie mal überdenken. Wenn oft die Ableger stärker sind als die alten Wirtschaftvölker (selbst mit jungen Königinnen) behandelst du falsch.


    Gruß
    Frank

  • frank , das könnte man denken. In diesem Winter ist das bei mir (ähnliche Gegend) auch so zu beobachten: die Wirtschaftsvölker - alle mehrfach mit Oxamat behandelt - sind generell schwächer als die Jungvölker, gebildet im Sommer letzten Jahres. Das überrascht mich nicht, weil diese zumindest bei mir länger in Brut stehen. Klein überwinternde Völker - eher Carnica - sind ja nicht schlecht. Wichtig ist, dass sie bis April nicht zu klein werden... Wenn's läuft wie im letzten Jahr, kommen die dann aber sehr schnell in Gang.


    Zum Thema: Unsere Bienen passen in die Gegend, wie bereits beschrieben. Die Variabilität und Flexibilität sich an diverse Wetterverhältnisse anzupassen, ist erheblich. Was ihnen Probleme bereitet, ist die an Blüten verarmte Umwelt inkl. PSM und Parasiten. Mit dem Rest kommen sie bestens zurecht. Und ob das dem Imker gemäß ist, muss jeder für sich entscheiden. Wer gerne ohne Schleier arbeitet, benötigt ruhige und sanftmütige Völker. Dahin musste ich auch erst auslesen - geht aber. Mit Geduld, ab und zu mal neue Genetik einbauen kommt man schon zu der "angepassten Biene der jeweiligen Gegend".


    Beste Grüße


    Rainer