Über den Preis verkaufen?

  • Wer Preise weit unter den Herstellungskosten verlangt, der wird pleite gehen. Wenn es als Hobby betrieben wird, kann der natürlich nicht pleite gehen. Aber: das sind auch die Ersten, die dann ausverkauft sind. Die Mengen beim Honig und bei den Königinnen sind eher gering. Deswegen erledigt sich das Problem Preisdumping so oder so mit der Zeit.


    Wenn die Königinnen im benachbarten Ausland produziert werden, zu geringeren Herstellungskosten und in Massen – dann ist das halt so. Wir liefern wertvolles Zuchtmaterial hin und bekommen die daraus vermehrten Königinnen wieder zurück. In der Wirtschaft hat man das in der Vergangenheit mit Zöllen geregelt. Heute geht man eher hin und schafft neue EU-Regelungen und -Standards, die manche Betriebe im Ausland nicht einhalten können. So kann man sich die vom Hals halten.


    Wer Honig aus EG-/ und Nicht-EG-Ländern zu Dumpingpreisen kaufen will – soll er machen. Wer Königinnen aus EG-/ und Nicht-EG-Ländern zu Dumpingpreisen kaufen will – soll er machen. Jeder bekommt den Honig und die Königin, die er verdient.


    Die heimischen Produzenten von Honig/Königinnen/... sollten nur ihr Selbstbewusstsein nicht verlieren und sich in den Preisdumpingkampf stürzen. Bleibt bei euren Kalkulationen und verkauft nicht unter den Herstellungskosten. Sondern mit Gewinn. Nur so habt ihr Bestand.


    Und: jeder bekommt den Kunden, den er verdient. :wink:

  • Imker sind auch oftmals sehr komische Kerle.


    Ich kann es am Wochenmarkt sehen, wo zwei Imker sich immer wieder unterbieten und ständig am Vormittag auf der Lauer legen wie viel der andere verkauft.


    Der eine verkauft sogar in Marmeladegläsern, aber wie gesagt billig, der andere geht dann notfalls mit seinem Preis runter.


    Einen Honigkunden freut es am allermeisten wenn der mehrere dumme Imker im Dorf hat.


    Wenn einer der Imkern Verstand hätte, dann würde er sich mehr auf den Völkerverkauf ausrichten, das ist weniger Arbeit und er muss nicht mit den anderen in einen Preiskampf treten.


    Da wäre ich zu stolz, dass ich mich auf so Grabenkämpfe des Hobbys wegen einließe.


  • Da wäre ich zu stolz, dass ich mich auf so Grabenkämpfe des Hobbys wegen einließe.


    Stolz ist wichtiges Wort. Was den Imkern leider oft fehlt, ist Produzentenstolz: das Bewußtsein darum, das man mit viel Wissen und Geschick ein hochwertiges Produkt herstellt.
    Leider fehlt es bei uns weitgehend an dieser stolzen handwerklichen Tradition. Ich blicke immer wieder mit Anerkennung und Neid auf die französischen Kollegen. Das steht auf jedem kleinen Laden "artisanal" (handwerklich). Und die kleinste regionale Besonderheit wird für das Marketing genutzt. Da gibt es z.B. einen "Miel de Bord de Mer" (man kann das in etwa mit "Küstensaumhonig" übersetzen), aus dem man wahrscheinlich kein Meeresaroma herausschmeckt, der aber zu stolzen Preisen verkauft (und offensichtlich auch gekauft) wird.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Wer gerne seine Mitbewerber unterbietet, weil es sich ja nicht rechnen muss, der stelle sich nur mal vor, ein Anderer wuerde dessen berufliche Taetigkeit als Hobby ausueben und auf dem Markt viel guenstiger anbieten als er selbst. Wie fuehlt sich das an?:wink:


    Und genau das findet in fast jedem Bereich statt. Überall. Etwas eingeschränkt in Bereichen, in denen man gewisse Befähigungen nachweisen muss. Aber auch da gibt es immer günstige, billige oder preiswerte Angebote.
    Wenn man Spaß an der Bienenhaltung hat und kein Geld damit verdienen möchte (und muss), ist das grundsätzlich erst mal in Ordnung. Es ist doch auch legitim für die Nachbarin im entfernten Supermarkt mit einzukaufen und nur eine Tasse Kaffee als Bezahlung zu erhalten. Das wird sogar als sozial wertvoll bewertet. Der Vor-Ort-Händler hat damit aber mit Sicherheit Probleme.


    Dann dieser immer währende Vergleich, dass ja genug Geld da ist, weil man für andere, vermeindlich teure Dinge auch Geld aus dem Fenster schmeißt. Ja, die Leute mögen etwas anderes lieber als unseren ach so tollen Honig. Viele merken überhaupt keinen Unterschied zwischen den billigen und den teuren Honigen. Oftmals gibt es auch keinen. Honig ist auch ein unnötiges Luxusgut, auch wenn man es essen kann. Die Bestäubungsleistung in den Honigpreis mit einzurechnen ist auch nur ein Marketingtrick. Geht es um Bestäubung, müsste auch Bestäubung bezahlt werden, nicht Honig.


    Aber es geht hier um Königinnen. Die Kalkulationen der Anbieter sind nun mal sehr unterschiedlich. Wenn jemand nicht kostendeckend arbeitet, ist er entweder strunzendoof, oder es ist ihm überhaupt nicht wichtig, dies zu tun. Schon alleine die Tatsache, dass er gar keine Kalkulation macht, beweist diese Gleichgültigkeit. Warum macht er das? Weil er es kann. Er muss damit kein Geld verdienen und das aus unterschiedlichsten Gründen.
    Was wäre ein Lösungsvorschlag? Mindestpreise für Bienenvölker, Königinnen, Honig? Wenn jemand sich nicht daran hält, werden die "Produkte" mit Strafzöllen belegt? Quotenregelung wie ehemals bei der Milch?


    Es gibt keine Garantie für wirtschaftliche Preise. Geht das Angebot an der Nachfrage vorbei, erlischt der Handel. Das Angebot stirbt aus. Wie vielen Berufen ist das schon so ergangen?
    Außerdem bin ich der Meinung, dass viele der Bienen-Angebote, insbesondere im Kleinanzeigenmarkt, einer Sicherheitsvermehrung geschuldet sind. Somit käme oft der vormals schon erwähnte "Resteverkauf" zum tragen.
    Ich belarve mal 100 Zellen, damit ich in jedem Fall für mich genug habe. Wie viele werden angenommen, gepflegt, begattet? Mein Ziel ist erreicht mit einer ausreichenden Anzahl an Königinnen für mich. Der Überschuss wird (günstig) verkauft, wenn es einen gibt, und egal wie hoch der ausfällt. Das ist dann wieder zusätzliche Einnahme. Die Kalkulation berücksichtigt nur die Königinnenzucht für den Eigenbedarf. Egal, wie gering der Preis ist, die verkauften Königinnen sind Zusatzgewinn. Das dürfte ein nicht seltenes Vorgehen sein.


    Man kann nur versuchen seine Preise der Nachfrage anzupassen. Das kann hohe und auch niederige Preise bedeuten. Für hohe Preise braucht man ein durchgehend hochwertiges Produkt und man muss den potentiellen Käufern klar machen, dass genau dies das Produkt ist, das sie gerne haben möchten.
    Kein Imkerei spezifisches Phänomen.


  • Dann dieser immer währende Vergleich, dass ja genug Geld da ist, weil man für andere, vermeindlich teure Dinge auch Geld aus dem Fenster schmeißt. Ja, die Leute mögen etwas anderes lieber als unseren ach so tollen Honig. Viele merken überhaupt keinen Unterschied zwischen den billigen und den teuren Honigen. Oftmals gibt es auch keinen. Honig ist auch ein unnötiges Luxusgut, auch wenn man es essen kann.


    Wir hatten diese Debatte gerade in einen Imkerkurs mit Dr. Radtke. Der hat einen guten Vergleich gebracht: Wer sich keinen Mercedes leisten kann oder will, kauft eben einen Seat.
    Weil es den Seat gibt, kann sich Mercedes ohne Skrupel an eine andere Käuferschicht wenden, ohne sich dem Vorwurf aussetzen zu müssen, Schuld zu sein, dass die Mehrheit zu Fuß gehen muss.
    Ich sehe nicht ein, dass ich meine Preise am Mindestlohn orientieren muss, bzw. bin im Zweifel für die Erhöhung des Mindestlohns und nicht für die Preisenkung beim Honig.
    Mein Honig ist eben der Mercedes unter den Honigen.


    Quotenregelung wie ehemals bei der Milch?


    Das liegt ziemlich daneben. Wir haben in Deutschland keine Überproduktion an Honig.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Hallo,


    das Spiel Angebot-Nachfrage-Preis ist natürlich nichts imkerspezifisches.
    Wohl aber das außergewöhnlich unterentwickelte Produkt-Preis-Selbstbewusstsein.

    Es geht auch nicht um gesetzliczhe Mindestpreise, Vorschriften und Verbote.
    Es geht um die Selbstdarstellung einer ganzen Branche, um die Außenwirkung.


    Wie in einer Demokratie bestimmt die Summe der Einzelmitglieder, was außen ankommt.
    Daher sollte es keinem einzigen Imker egal sein, was für ein Preisgefüge bei den Produkten vorliegt, denn dieses bestimmt maßgeblich die Außenwirkung mit.
    Ich halte es daher für legitim und notwendig, dass jeder Imker versucht, seine Kollegen zu mehr Preismut zu ermuntern. Noch dazu, wo dies dann auch zum Vorteil des Kollegen selbst ist!


    Neben den Imkern, die Geld damit verdienen wollen gibt es ja noch die vielen, die angeblich nur imkern, weil sie den Bienen und der Natur was gutes tun wollen. Zumindest diese beiden Gruppen sollten doch ein (wenn auch unterschiedliches) Interesse daran haben, dass die gesamte Branche in der öffentlichen Meinung positiv und wertvoll erscheint. Ein eindeutig zu billiges, massenhaft verfügbares Ramschprodukt hilft da ganz bestimmt nicht und weckt negative Assoziationen, siehe industrielle Massenproduktion.
    Genau genommen stimmt das ja sogar, denn die niedrigen Honigpreis trotz einer Inlandsproduktion von nur 20% des Bedarfs rühren ja wieder mal daher, dass industriell gewonnene Massenhonige aus Übersee den Markt fluten dürfen. Wir erinnern uns: Angebot und Nachfrage = Preis! Bauern und Imker haben also das selbe Problem.


    Wem daran liegt (und wer es sich leisten kann), dass die heimische, kleinstrukturierte Imkerei gefördert wird, dass Bienen verantwortungsbewusst und tierschonend gehalten werden, der sollte alles daran setzen, dass das heimische Produkt sich deutlich vom Weltmarktprodukt abhebt und eines der offensichtlichsten und nachvollziehbarsten Merkmale dafür ist in unserer Gesellschaft nunmal der Preis, das ist so.


    Das muss sowohl der Imker, als auch der Kunde verstehen und wollen.
    Für alle, die das nicht wollen, bleibt Aldi & Co (Kunde) oder wenig Geld für die eigene Arbeit (Imker).


    Man zahlt damit halt mehr als nur das reine Produkt, genau wie man in einer Gaststätte auch gern viel mehr als den reinen Bierpreis bezahlt, weil man eben noch andere Dinge mit dazu kauft. Wer auf diesen Mehrwert gut herausstellt, der nicht im Produkt ist, aber am Produkt hängt, kann und darf auch höhere Preise erzielen.


    Denn wie Bergeist schon richtigerweise sagt: Viele Qualitätsunterschiede bei Honig sind für den Durchschnittskunden gar nicht zu schmecken, auch wenn sie vorhanden sind, was aber in der Tat auch nicht immer sein muss. Heimischer Honig hat halt noch weitere, ideelle und ethische Qualitätsmerkmale, die man nicht direkt schmecken kann.


    Und ich persönlich kann überhaupt nicht verstehen, wieso Imker in Niedrigpreisregionen dann so viele Völker halten.
    Ich würde dagegen dann ganz klar weniger Bienen halten, bis Aufwand und Wertschätzung durch Kunden wieder stimmt. Alles andere macht für mich keinen Sinn. Warum Arbeit und Investitionen für viele Völker machen, deren Produkte dann keiner will?


    Die reine Freude an der Bienenhaltung kann ich doch auch mit weniger Völkern haben. Im Gegenteil, bei wenigen Völkern kann ich mich sogar viel mehr auf die Details der einzelnen Völker konzentrieren, ihnen mehr Aufmerksamkeit und Zeit schenken.


    Viele Bienen machen für mich daher nur Sinn, wenn ich die Produkte auch fair verkaufen kann.


    Warum haben die Imker mit Absatzproblemen also so viele Bienen?!


    Gruß
    hornet

  • Noch ein Wort zu honigmayerhofers Beispiel mit den beiden Helden, die sich am örtlichen Markt selbst unterbieten.


    Da verstehe ich einfach nicht, wieso Imker nicht so schlau sind, sich ein wenig zusammenzutun. Die Profis machen es doch vor.
    Warum gehen die nicht auf einander zu und treten gemeinsam mit gleichen, höheren Preisen auf?
    Eine Art "Minikartell", das in dieser Form ganz sicher noch nicht unanständig wäre - Bauern machen das schon lange vor, indem mehrere Betriebe sich locker zusammenschließen und gemeinsam produzieren, aber auch vermarkten.


    Denkt auch da mal drüber nach!


    Unfair ist höchstens umgekehrt, dass die heimischen Produzenten (Bauern, Imker etc.) in unserem Land so schamlos von fremden Großproduzenten mit ihren unfairen Geschäftspraktiken überrollt werden dürfen. Dazu zähle ich auch so Dinge wie niedrigere Standards, Ausbeutung billiger Arbeitskräfte etc.


    Gruß
    hornet

  • Einen wunderschönen guten Morgen an diesem wunderschönen kalten guten Morgen :-)


    Nur so als Info:


    Wir sind dieses Jahr mit den Preisen für die Königinnen dezent nach "oben" und nicht nach unten gegangen.


    Die Geiz-ist-geil-Mentalität oder 'Billig ist toll' hat schon lange auch in der Bienenzucht-Imkerei Einzug gehalten.
    Das sieht man doch schon an den Verkaufspreisen von überwinterten Völker/Ableger oder an die immer noch billig zu habenden Mittelwände.
    Wer seine Königinnen unter Preis, Wertschöpfung-Arbeit, anbietet, hat im Moment mehr Geschäft, aber er muß die Königinnen auch herbringen und da liegt, wie sagt man so schön, der Hase im Pfeffer.
    Vielleicht kauft er Sie billig im Ausland und tütet die Königinnen nur um. Wenn Sie für 12 € das Stück gekauft werden und für 20 € verkauft, hat Er durch wenig Arbeit 8 € pro Königin verdient.
    Die Qualität ist doch da egal.
    Ich will das keinem Billiganbieter unterstellen, aber für diesen Preis kann keine Königin selbst gezogen werden.
    Es ist bei uns ja schon schwierig genug Zellen zu erstellen.
    Entweder es gibt kein Honig, Bienen haben keine Lust und ziehen wenig
    oder das Gegenteil, es honigt wie blöd und die Bienen ist es egal und ziehen nur für Ihre Erhaltung 2 Zellen. Das langt für Sie ja normal.

  • Hornet
    Gut in den Wald gerufen.
    Ihr in und um München lebt ja sowieso in einer anderen Welt.
    Jedes Jahr im Winter wird dieses Thema neu aufgekocht. Und sag mal einen Bauern ,er sollte die Hälfte der Kühe abbauen?!?


    Ich glaube natürlich auch nicht, dass man auf dem platten Land 7 EUR für das Glas verlangen kann, aber 5 oder 5,5 sollten schon möglich sein. Oder sind bei bei euch die Produkte des täglichen Bedarfs auch nur halb so teuer wie bei uns? Ich glaube ja nicht, ein Stück billiger ja, aber doch nicht so viel. Ungefähr da sollte man mit dem Honig dann aber auch hin.


    Dein Vergleich mit den Kühen hinkt in diesem Punkt.
    Denn der Bauer konnte mit der aktuellen Zahl von Kühen in der Vergangenheit bereits sehr gut seinen Lebensunterhalt bestreiten. Jetzt kann er es nicht mehr und muss wachsen oder weichen. Grund: Stark gesunkene Preise.


    Bei dir (den Honigpreisen) hat aber kein Preisrückgang stattgefunden, sondern nur regional ein viel zu schwacher Anstieg der Preise (im Vergleich zu sonstigen Produkten).
    D.h. entweder haben die Imker nur "vergessen", ihre Preise an die allgemeine Preissteigerung anzupassen, oder sie sind schneller gewachsen als sie ihren Honig absetzen konnten.


    Ich denke, beides kann nur Nicht-Berufsimkern passiert sein. Zumindest als Hobbyimker hätte ich in dieser Situation daher kein Problem damit, wenigstens mal anzufangen die Preise anzupassen und dafür die Bienen reduzieren. Denn mein Hobby ist doch mit 5 oder 10 Völkern auch schön und ich habe sogar mehr Zeit für die Einzelvölker.
    Oder sind 30 Völker wirklich schöner als 10? Für mich nur, wenn ich sie auch wirklich brauche, sprich den entsprechenden Absatz habe.


    Sicher geht das vielleicht schleichend, aber irgendwann merke ich doch, dass das Lager immer voller wird und kann reduzieren.
    Reduzieren kostet mich ja nichts, im Gegenteil, ich habe eventuell in naher Zukunft erst mal weniger Arbeit, aber die gleichen Einkünfte bis das Lager leer ist.
    Und wenn ich ganz vorsichtig wenigstens mal anfange die Preise anzuheben, vielleicht bald auch mehr Einnahmen, trotz Reduzierung!


    Nur irgendwann tun muss man es halt, sonst wird's wirklich frustrierend, zumindest in meiner Vorstellung.


    Klärt mich auf, wenn ich da irgendwas naiverweise falsch sehe oder übersehe.


    Gruß
    hornet

  • Noch ein Wort zu honigmayerhofers Beispiel mit den beiden Helden, die sich am örtlichen Markt selbst unterbieten. Da verstehe ich einfach nicht, wieso Imker nicht so schlau sind, sich ein wenig zusammenzutun. Die Profis machen es doch vor. Warum gehen die nicht auf einander zu und treten gemeinsam mit gleichen, höheren Preisen auf?


    Weil die sich schon Jahre KENNEN. Vermutlich im gleichen Verein sind und der eine hat das falsche Rähmchenmaß dafür aber die richtige Frau, die der andere jetzt nicht mehr hat dafür aber Dadant. Was wissen wir denn bitte!? Nix. Hier im Kölner Umland mit seinen jungen Paaren die ihre Brut mit den SUV zum Waldkindergarten bringen und dann im Bioladen einkaufen, da kann ICH so ziemlich jeden Preis realisieren, weil MEIN Produkt ist ja nicht der Honig, sondern die heile Welt im Glas. 80km weiter in Richtung Eifel kostet das gleiche Glas (aber nur mit Honig) 3,5€ und der ist wirklich saugut der Honig. Ich weiß das, weil ich kauf bei dem Kollegen zu, wenn es bei mir nicht reicht. 60 Leute im 'Dorf', alle jungen sind weg und die da sind haben eine schmale Rente, Tourismus gibt es da nicht. Im so ziemlich jedem Nachbardorf ist ein Imker. Der Kollege ist Rentner und hat viel Spaß an Bienen, deswegen hat er viele. Der hat jetzt genau drei Möglichkeiten: weniger Bienen, alles im Großgebinde, oder alles was 'geht' an der Tür und den Rest im Großgebinde. Und so hält er das, bisserl was an die Nachbarschaft für 3,5€ (die gehen sonst ins Nachbardorf zum Schwager, verwandt sind die in den Dörfern eh alle) und den Rest nehm ich. 3,5€/Glas ist irre, aber noch mehr als 5,5€/kg im Eimer. Zeit hat man da mehr als reichlich. Dazu kommt ja der Stolz auf seinen Honig: weil der ist monitär auch nicht wirklich zu beziffern, also mein Stolz schlägt sich jedenfalls nicht im Preis nieder. Der ist und fühlt sich als Imker, der will auch das man ihn so wahrnimmt. Wer mal wissen will, wie das früher wirtschaftlich ausgesehen hat in der Eifel, der soll mal ins Mausefallenmuseum gehen. Danach vergehen einem vielleicht so manche wohlfeilen Sprüche.


    Ich glaub das ist wie mit dem richtigen Termin zur HR-Gabe: bei mir ist das am Termin xy, bei jemandem auf der Alm eben vier oder sechs Wochen später. Das jetzt zu verallgemeinern ist genauso Bullshit wie für alle den richtigen Preis festlegen zu wollen. Und es klingt auch total anmaßend: Ihr seit zu doof für....


    Ganz zum Schluß noch ein wirklich guter Spruch vom Markt (falls sich wer über den Preis beschwert):


    Zitat

    Der Honig ist ja umsonst, den machen die Bienen. Den bekommt ihr geschenkt. Der Preis sind nur die Unkosten für meine Arbeit.


    Zum Thema Königinnen: ich hab letztes Jahr erstmalig einen Haufen unbegattete Königinnen bestellt, ich glaub 4o Stück. Die sind richtig guter oberer Durchschnitt, allemale besser als 90% was da draußen an 'Landbienen' so rumfliegt. 7€/Stück. Eine große Firma mit einer wirklich hübschen Tochter, ich denk schon das die da auch rechnen können. Ich kann es jedenfalls und für mich ist das Preis-/Leistungsverhältnis ok.


    Die Mode zu Imkern treibt halt jetzt die komischsten Blüten, alles außer Dadant/Bienenkiste/Stadtbiene ist doof, die Königin kommt aus dem Internet, weil es muß ja eine Ligustica/Cercopia/Nigra oder sonstwas exotisches sein, weil xy. Wenn ich sehe, was einzelne Anbieter so und zu welchen Jahreszeiten im Programm haben, da brauch ich garnicht auf den Preis zu schauen um zu ahnen, daß das unseriös ist. Na und? Soll jeder das kaufen was er will und ab 10 Kös gibt es 'ne Käferfalle gratis.


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Völker reduzieren? Das ist gut, nach einer gewissen Zeit wird das alles ein Selbstläufer. Das Reduzieren macht mehr Arbeit als wie das aufbauen.
    Nur Schwarm ziehen lassen oder an der Milbe eingehen lassen ist leicht. Und an der Problematik scheitern die Selbstbegrenzer.
    Und bei uns hier ist bis auf die Mieten und die Kneipen alles gleich teuer wie bei Dir.

  • Ich sehe nicht ein, dass ich meine Preise am Mindestlohn orientieren muss


    Das muss ja auch nicht sein, wenn Du deinen Honig für einen dir passend erscheinenden Preis verkauft bekommst.
    Es gibt aber Menschen, die mit weniger zufrieden sind. Aus unterschiedlichen Gründen. Es geht nicht nur um Deutschland. Das ist lange vorbei.


    Das liegt ziemlich daneben. Wir haben in Deutschland keine Überproduktion an Honig.


    Auch hier geht es nicht nur um Deutschland. Wir haben ein (zu) großes Angebot an Honig. Wäre das nicht so, brauchten wir diese Diskussion nicht führen. Wir haben offensichtlich schon eine Überproduktion an Honig in Deutschland. Eine Überproduktion an Honig, der zu einem "hohen" Preis verkauft werden kann. Der Seat-Markt gehört nicht dazu. Ganz andere Baustelle. Mercedes only.
    Gehen wir bei diesem Markt nur von Deutschland aus, haben wir eher ein regionales Verteilproblem.



    Bei den Königinnen gibt es jetzt einige, die den Verkauf wohl in großer Menge machen wollen. Das kann man mit Mindestlohnkräften in Deutschland machen. Das kann man sogar mit noch günstigeren Arbeitskräften im Ausland machen. Selbst bei der Variante in Deutschland käme ich bei den Mindestlohnsätzen auf eine Arbeitszeit von 1,5 - 2 Stunden pro Königin, grob überschlagen. Ich glaube, das kann sich rechnen. Vielleicht auch nicht. Dann ist es sehr schnell vorbei, wie Bernhard schon bemerkte. Allerdings kommen dann wahrscheinlich neue Anbieter. Nur mit einer Einstellung, wie seriöse Züchter in Deutschland das (langfristig) angehen, kann man diese Preise nicht machen, wenn man damit Geld verdienen will/muss. Da bleibt einem nichts anderes übrig, als das eigene Produkt potentiellen Käufern schmackhaft zu machen.
    Von Mercedes gibt es auch wesentlich häufiger Hochglanzprospekte, als von günstigeren Marken. Und das Produkt sollte auch gegenüber den anderen einen Mehrwert haben und nicht nur besser scheinen. Das geht dann auch nicht lange gut. (Wobei nicht ich die Automarken ausgesucht habe.)

  • Zu den Honigpreisen sind hier ja schon (vernünftige) Preise als Beispiel gefallen.


    Im Thema geht es aber eigentlich um Königinnen, was wären denn da für euch ein "gerechter" Preis?


    Also deutsche Herkunft, erfahrener Züchter (F1, bzw. Belegstellenbegattet)?