Über den Preis verkaufen?

  • Ich rätsele bei dieser, sich wiederholenden Diskussion, immer über die Motive der meisten Diskussionsteilnehmer.
    Ist es Mitgefühl mit diesem Imker der seinen Honig "zu billig" verkauft ?
    Bedenken, dass Käufer des eigenen Honigs abspringen, kann es ja nicht sein, denn alle werden nach den Aussagen
    hier, ihren Honig reißend los !
    Was stört euch wirklich daran, dass es, wie ihr sie nennt, Billigheimer gibt ? Es gibt Imker, wie ich einer bin, die über
    eure Preise nur (neidisch) staunen können. Ich wohne auf einem Dorf in Sachsen/Anhalt !
    Wenn wir euch die Preise verderben und unberechtigte Diskussionen heraufbeschwören, dann sagt es doch. Das wäre
    für mich ein wirkliches Argument !


    mfg
    hartmut17


  • Die Preise verderben auf keinen Fall. Vor allem geht es mir darum zu sehen wie man im Vergleich z.Z. liegt und dem, der Interesse daran hat, auch zu erklären wie Preisbildung funktioniert.


    In dieser Diskussion sehr Interessant das jemandem der Trend im Imkernarkt aufgefallen ist, alle gut darzustellenden Preise zu Unterbieten. Dies ist vor allem bei Königinnen gerade sehr beliebt und Funktioniert vor allem z B. Anfang April garantiert nur durch Importe. Wer Anfang April eine Belegstellenbegatte KÖ für 25€ anbietet und Gleichzeitig überwinterte Standbegatte für 42€ muss das über Importe machen.
    D.h. ist die Diskussion hier wichtig damit jeder der darüber Nachdenkt sich im klaren ist, welche Risiken damit verbunden sind.

  • Reiner sagte es ja bereits eingangs, dass er diese Mentalität absolut suboptimal empfindet.
    Ich kann mich hier nur anschließen.


    Königinnen sind insgesamt zu billig.


    Hier mal ein Beispiel für einen recht erfreulichen Königinnenpreis aus dem Neuseeländischen Ligustika-Zuchtprogramm:


    Das sind $ 3.200 NZ müsste irgendwas um die 2.200 € sein und dann noch Steuern und Fracht...


    http://www.bettabees.co.nz/page.php?id=33


    DAS nenne ich doch einmal einen Preis!

    Grüße Luffi


    Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer. :u_idea_bulb02:

    (Lucius Annaeus Seneca - römischer Politiker, Dichter und Philosoph - * 4 v.Chr, † 65)


  • Da hast du insgesamt schon recht, für eine gute Königin standbegatte Königin sollte ein Preis von etwa 40€ gut zu vertreten sein. Vor allem weil Zucht echt viel Arbeit und ressourcen erfordert.


    Der Preis von 2.2k € ist aber schon sehr übertrieben für Deutschland. Bei dieser Königin ist kein Ergebnis oder eine gute Leistung garantiert.
    Der Preis ergibt sich mit Sicherheit aus der Zuchtstruktur in Neuseeland, wenige echte Züchter, Hauptsächlich vermehrer Königinnen werden zugekauft.
    In Deutschland verteilt sich die Zuchtarbeit auf viel mehr Züchter mit kleineren Einheiten an verschiedenen Standorten. Viele Belegstellen, hier betreibt ein Züchter seine Belegstelle bzw. besammt Künstlich. Wenn es da vll 10 Züchter gibt die so etwa betreiben ist dad natürlich für diese auch entsprechend teuer.

  • Guten Abend, Freunde,
    bei Honig ist es mir noch Wurscht.
    Wenn da einer meint, meine 6,95 seien ihm zu teuer, und dies nur, weil mein Imkernachbar für 4,00 verkauft, dem nehme ich notfalls das Glas wieder aus der Hand und schicke ihn weg.
    Aber Bienen sind Lebewesen. Die zu "verramschen" ist eine Sauerei und Qualzucht ist eine Sünde wider die Natur.
    Wir Imker bieten Königinnen für 18 Euro an, aber regen uns über Hundehändler auf, die ihre Ware an Autobahnraststätten ihren Kunden aus dem Kofferraum heraus verkaufen.
    Manchmal wünsche ich mir, Bienen könnten brüllen !
    Ist euch schon mal aufgefallen ? Eine Kuh stirbt, aber ein Bienenvolk "geht kaputt". So läppisch, wie ein kaputtes Spielzeug.
    Sorry, andere Baustelle, aber das musste jetzt mal raus.

  • Hornet, 5,50 € kg ist auch bei Großabnahme nicht viel, ??


    Das weiß ich nicht, habe dort noch nie verkauft und mir noch keine Gedanken über Honigverkauf in Großgebinden statt Gläser gemacht. Aber wenn ich mir die Preise im imkermarkt so ansehe, scheint das sehr nahe an dem zu sein, was die Leute auch im freien Handel haben wollen - sooo wenig scheint es also nicht zu sein für große Mengen nackten Honig im Eimer, also ganz ohne Glas-, Etikett-, Honigpflege-, Abfüll-, Lager-, Vermarktungskosten wie sie bei Glasverkauf anfallen.


    hartmut17 :
    danke, das ist ein sehr berechtigter Einwand von dir, deine Fragen sind gut!

    Ich rätsele bei dieser, sich wiederholenden Diskussion, immer über die Motive der meisten Diskussionsteilnehmer.


    Leider wiederholt sie sich nicht besonders oft, denn Imker diskutieren ständig über alles mögliche aber eben leider genau nicht oder nur höchst selten über Preise, finde ich jedenfalls.


    Zitat

    Ist es Mitgefühl mit diesem Imker der seinen Honig "zu billig" verkauft ?


    In meinem Fall: Ja, ein klein wenig Mitleid ist AUCH dabei. Denn in unserer Region sind es meist gerade die "kleinen" Leute, die als Imker so verschämte Preise verlangen. Also Leute, die eher wenig Geld haben und meist trotzdem ihr Leben lang dafür hart gearbeitet haben. Jetzt hätten sie es mal selber in der Hand und legen sich trotzdem wieder selber rein.


    Zitat

    Bedenken, dass Käufer des eigenen Honigs abspringen, kann es ja nicht sein, denn alle werden nach den Aussagen
    hier, ihren Honig reißend los !


    Auch hier kann ich nur für mich sprechen. Und die Antwort lautet: DOCH! Auch wenn ich derzeit allen Honig sehr gut verkaufen kann, so ist eine Billig-Konkurrenz immer schlecht und macht den Markt kaputt und schwieriger. Hohe Preise kommen nicht von selbst, man muss was dafür tun und das wird um so anstrengender, wenn man sich nicht nur nach außen, sondern auch noch nach innen verteidigen muss.


    Man hat immer erhöhten Verkaufsaufwand dadurch. Man muss aufwändiger erklären und argumentieren. Man verliert definitiv immer wieder auch Kunden oder diese kaufen zumindest zwischendurch auch mal billiger, weil sparen will JEDER und wer unterwegs Honig günstig sieht, kauft halt spontan da und ist dann beim nächsten Besuch gerade versorgt und verzichtet.


    Es gibt sicher auch wieder mal schlechtere Zeiten mit mehr Arbeitslosigkeit und weniger Zahlungsbereitschaft. Die Preise DANN anheben dürfte schwieriger werden. Besser also jetzt ein Polster aufbauen. Erst recht bei Imkern, die sowieso schon Probleme mit Preisanpassungen zu haben scheinen. Preise anheben ist immer schwieriger als senken.


    Mich persönlich stört auch gewaltig das generelle Missverhältnis zwischen Preis und echter Produktwertigkeit, zwischen Kaufbereitschaft und Produktwertschätzung in unserer Gesellschaft.
    Viele Leute zögern nicht, viel Geld für kurzweiliges Vergnügen (z.B. Kino usw.), minderwertige (z.B. Süßigkeiten usw.) oder überflüssige Luxusprodukte (z.B. Markenklamotten, dicke Autos, Playstations, 2-Tages-Städtetrips nach Übersee usw.) auszugeben.


    Aber LEBENSmittel, die müssen billig sein.


    Die Misere in der Landwirtschaft ist im Großen das, was die Honigpreise bei uns sind. Für Blödsinn aller Art sitzt der Geldbeutel locker, aber für die wichtigen Dinge, da wird mit spitzem Stift gerechnet. Die Folgen sind nicht zuletzt die Agrarindustrielandwirtschaft.


    Oder das Beispiel, was ich immer gerne bringe: Marmelade und sogar Nutella. Esse ich gern und schmeckt gut. Aber im Vergleich zu Honig sind das ein vergleichsweise minderwertige Produkte. Farbe und Aromen, der Rest ist totgekocht. Viel billiger in der gesamten Produktionskette, viel weniger Arbeitsaufwand, großindustriell und damit sehr günstig hergestellt. Dennoch im Laden ähnliche Preise wie Honig. Da stimmt einfach das Verhältnis nicht.
    Und wenn dann Honigproduzenten selber dafür verantwortlich sind, dass dieses Missverhältnis zementiert wird, dann ärgert mich das.


    Hinzu kommt, dass ich seit einiger Zeit den Trend sehe, dass immer mehr Kleinimker hinzukommen, die ihren Honig lieber verschenken und in der Nachbarschaft verteilen, weil sie meinen, für ihre paar Kilogramm sei mehr Vermarktungsaufwand nicht nötig und ihr Geld verdienen sie ja anderswo. Dieser Trend kollidiert mit der Wertigkeit des Produktes, macht Honig zur Ramschware und gefährdet damit alles, wofür die Imkerlobby eintritt, wenn sie Werbung für die Wichtigkeit der Bienenhaltung und deren hochwertige Produkte in der öffentlichen Wahrnehmung etablieren will.


    Man kann nichts tun.
    Man kann Gutes tun, nur für die Ehre.
    Oder man kann Gutes tun und Gutes Geld damit verdienen.


    Ich ziehe ganz offen die letzte Variante vor und halte sie auch für die nachhaltigste und fairste Variante in einer kapitalistischen Gesellschaft wie der unsrigen. Alle wollen gutes Geld für ihre Arbeit und Dienstleistung, da sehe ich nicht ein, dass ausgerechnet ein Imker hier zurückstehen soll.


    Und alles, was das gefährdet, ist in meinen Augen eine Diskussion wert, das ist meine Motivation.

    Gruß
    hornet


  • Gerade gesehen Carnica 16 €, das wäre für mich kaum kostendeckend.
    Ja ein Bienenvolk geht kaputt (weil gemeinschafft aus mwhreren Lebewesen, der Bien stirbt aber).

  • bei Honig ist es mir noch Wurscht. ...
    Aber Bienen sind Lebewesen. Die zu "verramschen" ist eine Sauerei und Qualzucht ist eine Sünde wider die Natur.


    Honig ist eine enorme Lebensleistung dieser Lebewesen. Ob man jetzt das Lebewesen oder seine Lebensleistung verramscht, für mich kommt das fast auf's selbe raus, nämlich: Geringschätzung!

  • Ist im Tonfall hier gelegentlich ein bisserl groß****ig. Mit vollen Hosen ist gut stinken. In einem Eifeldorf mit sechzig Häusern und einem Hobby was mehr Spaß macht als der Vertrieb könnte es ganz anders aussehen als bei einem Vertrieb, wo die Imkerei als Hobby dazugekommen ist. Drumherum noch Vereinskollegen, die alle aus Spaß an der Freud zum Selbstkostenpreis oder drunter abgeben - seit wann muß sich denn ein Hobby rechnen!?


    Es gibt mindestend soviel verschiedenen Lebensentwürfe wie Rähmchenmaße. Diese von oben herab auf die 'Billigheimer' ist auch nur so lange lustig, bis wie man sich die Wachsdiskussion oder den jährlichen Futtermittel-Limbo anschauen darf. Sind erstaunlicherweise oft die selben Leute, die am teuersten ver- und am billigsten einkaufen möchten. Alles gut. Jeder wie er kann und mag.


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Honig ist eine enorme Lebensleistung dieser Lebewesen. Ob man jetzt das Lebewesen oder seine Lebensleistung verramscht, für mich kommt das fast auf's selbe raus, nämlich: Geringschätzung!


    ...und zusätzlich auch noch eine Geringschätzung der Arbeit an/für diese Lebewesen.


    Über den Preis verkaufen sehe ich nur für Reste als Option - also wenn man beim Bäcker Brot vom Vortag günstiger bekommt oder am Dorffest die letzten Portionen vor dem Ende der Feier...., um diese noch einer sinnvollen Verwertung zuführen zu können statt wegzuwerfen.


    In allen anderen Fällen sollte man die Produktion der Nachfrage anpassen, um die hochwertigen Produkte zu einem angemessenen Preis verkaufen zu können. Andererseits sollte auch die Bereitschaft bestehen, anderen einen angemessenen Preis zu bezahlen.


    Ich habe mich von Anfang an dafür entschieden, dass ich gerne mal Honig an Freunde verschenke oder als Mitbringsel...., aber verkauft wird immer zu einem angemessenen Preis und der ist für alle gleich. Den zahlen dann meine Freunde und Nachbarn genauso wie Laufkundschaft. Ich erwarte aber auch im Laden meiner Bekannten nur einen fairen Preis und keine ruinösen Sonderpreise, wenn ich dort einkaufe.

    In der Natur gibt es weder Belohnungen noch Strafen. Es gibt Folgen.
    (Robert Green Ingersoll)

  • seit wann muß sich denn ein Hobby rechnen!?


    Du hast recht, aber auch wieder nicht.
    Ein normales Hobby ist nur für dich. Du beeinflusst niemanden, niemanden geht es was an was du da machst. Spaß an der Freud' reicht hier.


    Wer aber an die Allgemeinheit (also nicht nur Hobbykollegen) verkauft, beeinflusst nicht nur sich, sondern alle.
    Das ist mehr Verantwortung als Briefmarkensammeln.
    Wenn es um Lebewesen oder Lebensmittel geht, gilt das um so mehr.
    Man hat Verantwortung dafür, wie die Imkerei und ihre Produkte wertgeschätzt werden.


    Fast alle hier jammern über die Industrielandwirtschaft.
    Wer das tut, kann unmöglich sagen, billiger Honig ist ok. Weil wenn das gilt, ist auch Billig-Fleisch ok und damit die Landwirtschaft, wie sie heute ist.


    Es ist klar, dass nicht jeder sich hohe Lebensmittelpreise leisten kann.
    Aber dafür leben wir ja in Deutschland im Paradies.
    Wir können in unserem Land beides bieten und viele billigere Honige sind durchaus auch gut.
    Leute mit wenig Geld können sich also trotzdem objektiv wertig ernähren und das ist gut so.


    Aber als Imker sollte man nicht selber mit helfen, die eigenen Produkte minderwertig zu machen.
    Was nix kostet, ist aber nix wert in der unterbewussten Wahrnehmung der meisten.


    Gruß
    hornet

  • Ralf : Ja, es ist natürlich leicht, wenn ich das sage, weil meine Bienenhaltung kein Geld einbringen muss. Ich sage dann immer, dass sie mir auch nur so viel Honig bringen müsste wie ich selbst essen will und alles was darüber hinaus geht, muss sich zumindest selbst tragen und meine Arbeitszeit dafür bezahlen.


    Als Berufsimker muss man sicher anders rechnen, aber zumindest bei allen Landwirten (mit Land), die ich kenne, leben nur die einigermaßen gut damit, die hohe Qualität in vernünftiger Menge zu angemessenem Preis produzieren. Die anderen, die versucht haben mit den großen Agrarfabriken mitzuhalten werden nicht mehr lange durchhalten.
    Auch wenn Hornet in Freising und ich im Landkreis Starnberg in eher reichen Gegenden wohnen, gibt es auch hier viele Leute, die sparen müssen. Hier sind die Einkommen zwar etwas höher, aber auch die Mieten usw. Meinen Honig kaufen trotzdem auch viele, die nicht mit den (über-)durchschnittlichen Verdiensten kalkulieren können.
    Interessanterweise haben ja auch ganz viele Leute, die beim Essen angeblich immer so sparen müssen ganz viel Geld für sinnlos teure Dinge wie Pappbecherkaffe von der Tanke auf dem Weg zur Arbeit statt einer Tasse Kaffee daheim vor dem Losfahren....

    In der Natur gibt es weder Belohnungen noch Strafen. Es gibt Folgen.
    (Robert Green Ingersoll)

  • Ein Hobby muss sich nicht rechnen.


    Leistungen bzw. Produkte auf dem Markt anzubieten bringt in meinen Augen aber eine Verantwortung fuer die ideelle und finanzielle Wertschaetzung der angebotenen Leistungen bzw. Produkte mit sich, auch gegenueber den Mitbewerbern und dem gesamten Berufsstand.


    Wer gerne seine Mitbewerber unterbietet, weil es sich ja nicht rechnen muss, der stelle sich nur mal vor, ein Anderer wuerde dessen berufliche Taetigkeit als Hobby ausueben und auf dem Markt viel guenstiger anbieten als er selbst. Wie fuehlt sich das an?:wink: