Über den Preis verkaufen?

  • Ja warum passiert es? Weil z.B. die Nachbarin sagt: "Wenn Du den Honisg so teuer machst, dann ess ich Marmelade".


    Alternativ könnte sie auch sagen "der Imker xy am Ortsende verlangt nur 4 EUR".


    Ich würde dann sagen: Dann müssen sie den Honig bei dem kaufen. Umsonst ist aber nichts im Leben, alles hat seinen Preis und der hat seinen Grund.


    Ich habe bisher genau eine Kundin, bei der es genau so gelaufen ist. Und ich habe den Honig des betreffenden Imkers gesehen und wurde bestätigt.
    Die Kundin kauft immer noch ab und zu bei dem Imker xy, das Glas ohne jegliches Etikett, mit Schaum und Wachsteilchen im Honig.
    Meistens aber kauft sie bei mir. Ohne Preisnachlass.


    Zitat

    Aber was will man machen, wenn man in einer Gegend wohnt wo es Imker gibt, die nicht einmal 4 Euro für 500 Gramm nehmen?


    Ob du's glaubst oder nicht, auch ich wohne in so einer Gegend.
    Allerdings gibt es hier auch Imker, die wie ich 6 bis 8 EUR verlangen, je nach Sorte.
    Komischerweise jammern alle Hochpreisimker in meinem Umfeld, dass sie immer zu wenig Honig haben und mir geht es ähnlich.


    Es finden also trotzdem alle Honige ihre Kunden. Ich denke, das Geheimnis ist, dass man nicht versuchen sollte, jeden Kunden zu erreichen, sondern nur die, die es wert sind und die, die ihrerseits das Produkt wertschätzen.


    Und es muss auch so sein, anderes wäre es nicht zu erklären, dass man Honig für 7 EUR verkaufen kann, obwohl es bei Aldi welchen für 1,99 gibt.
    Oder dass Honige für 7 EUR verkauft werden, obwohl im Regal daneben einer für 2 EUR steht.


    Für mich ist das Problem die unerklärliche Scheu der "einfachen" Leute, mal selber für ihre Produkte Geld zu verlangen, statt immer nur bei anderen als Kunde zu bezahlen. Sie sind es nicht gewohnt, plötzlich auf der "anderen" Seite als Produzent und nicht als Kunde da zu stehen. Für sie ist es unanständig, Geld zu verlangen.


    Daher an alle Kleinimker mit kleinen Preisen: Traut euch mal, lasst euch überraschen, es wird wie ein Befreiungsschlag sein!


    Zitat

    Am Ende spricht sich doch aber Qualität hier rum. ...Also, billig muß auch nicht gleich schlecht sein!


    Stimmt. Aber wer die Qualität seiner Produkte wertschätzt, darf sie niemals unter Wert verkaufen.
    Wer es also tut, hält selber nichts von seinem Produkt.
    Meine Erfahrung ist: Diese Erkenntniss reift bei meinen Kunden ganz von selbst und ohne Aufpreis während des Verkaufsgesprächs.


    Und bestimmt kann man überall in meinem Text das Wort "Honig" mit "Königin" ersetzen und schon sind wir wieder beim Thema!


    Gruß
    hornet

  • Man sollte in den Imkervereinen nicht nur Kurse zur Königinenzucht ect. anbieten, sondern auch Verkaufstraining. Dann wird der Verkäufer sicherer im Umgang mit Kunden und traut sich auch den höheren Preis zu verlangen. Hier im Forum gibt es auch ein Excelsheet, ich finde es nur auf die schnelle nicht, mit dem man sehr gut erkennt, wie man kalkulieren sollte, da die Zeit erfasst ist wie lange man zu etwas braucht usw.


    VG Martin

  • Hallo Freunde,
    ein Riesenproblem ist, dass viele Imker weder buchhalterisch kalkulieren können, noch wissen, welche Eigenkosten sie für ihre Produkte haben.
    Fragt doch mal bei Imkern nach, wie ihre Zahlen aussehen, die schauen euch nur fragend an.
    Dann kommt noch dazu, dass viele Hobbyisten und Nebenerwerbler nur ihre Rente aufbessern wollen, denen ist das Geld nebensächlich.

  • Man kann hier und im Verein jederzeit allen diese https://www.imkerforum.de/showthread.php?t=12002 Honigpreiskalkulation zeigen.
    Die https://www.imkerforum.de/attachment.php?attachmentid=52&d=1180192277 Exceltabelle läßt sich auch mit LibreOffice öffnen.
    Und dann machen die, denen Geld "nebensächlich" ist, so große Augen, das sie anfangen nachzudenken - denn Geld mitbringen um Honig/Königinen zu verkaufen, möchen sie auch nicht.


    VG Martin

  • Hallo Freunde,
    ein Riesenproblem ist, dass viele Imker weder buchhalterisch kalkulieren können, noch wissen, welche Eigenkosten sie für ihre Produkte haben.
    Fragt doch mal bei Imkern nach, wie ihre Zahlen aussehen, die schauen euch nur fragend an.
    Dann kommt noch dazu, dass viele Hobbyisten und Nebenerwerbler nur ihre Rente aufbessern wollen, denen ist das Geld nebensächlich.


    Du vergisst der Preis war schon immer so, das kennen meine Kunden auch so (und mna wundert sich wie schnell Preise angehoben werden wenn ältere Imker mitbekommen das junge Kollegen das 500 g Glass für 2 € mehr Verkaufen und trotzdem ausverkauft sind).
    Wobei das beste Argument fand ich bisher Imkereibedarfshändler 500 g 4,20€ im Gespräch ergab sich dann der Inhalt:"Das ja Günstig, deckt das denn eure Kosten, nebenan im Supermarkt kostet das Glass 6,80€. Dadrauf kam dann die Antwort, ja unsere Kunden kommen ja damit sie nicht die 6,80 € bezahlen müssen und unseren guten Honig bekommen. Auf die Frage warum man den ein Produkt explizit mit der lokalen Herstellung und der hohen Qualität bewirbt und dann verramscht kam nur die Antwort: "Wir haben schon mal 4.50€ probiert, da haben sich unsere Kunden beschwert". Im selben Ort kenne nehmen die Imker privat 6.50 - 7€ und werden den Honig trotzdem los.


  • Allerdings gibt es hier auch Imker, die wie ich 6 bis 8 EUR verlangen, je nach Sorte.
    Komischerweise jammern alle Hochpreisimker in meinem Umfeld, dass sie immer zu wenig Honig haben und mir geht es ähnlich.


    Hallo Hornet aus Freising, nördl. von München,


    ich würde ja auch gerne meinen Honig anbieten in einer Stadt mit Universität, in der Nähe des Münchner Flughafens. In der auch mehrere international bekannte Firmen hochpreisige Technologie herstellen und mit einer Arbeitslosenquote von 3 (drei) Prozent.
    Der Mietspiegel für Wohnungen weist sehr knackige Unterschiede zwischen Freising und Städten wie Hagen oder z.B. Leipzig auf.


    Ich verkaufe meinen Honig in Hagen, Dortmund und Umgebung. Dadurch habe ich immerhin ein sehr dicht besiedeltes Gebiet. Meine Früh- und Sommertracht geht für 5,5 € über den Tisch. 7€ bekomme ich für Waldhonig. Ich bin aber auch auf allen lokalen Sonderveranstaltungen und auch immer mal wieder in der Ortspresse präsent. In meiner Sackgasse brauche ich mit Laufkundschaft nicht zu rechnen.
    Der örtliche Berufsimker verkauft den günstigsten Honig für 4,8€.


    Und das ist immer noch toll im Vergleich zu dünner besiedelten Gegenden ohne Tourismus.
    Wenn Dein Heimatort mit allen Ortsteilen grad mal 2500 Einwohner hat. Der nächste größere nicht mal 15.000 Einwohner und ein anderer Imker verkauft seinen (vernünftig aufbereiteten) Honig für unter 4€, dann hat man als kostenbewusster Imker ein Problem....


    Es finden also trotzdem alle Honige ihre Kunden. Ich denke, das Geheimnis ist, dass man nicht versuchen sollte, jeden Kunden zu erreichen, sondern nur die, die es wert sind und die, die ihrerseits das Produkt wertschätzen.

    Das kalppt aber eben nur wenn es genügend davon gibt und man den Aufwand nicht scheut diese auf sich aufmerksam zu machen.



    Daher an alle Kleinimker mit kleinen Preisen: Traut euch mal, lasst euch überraschen, es wird wie ein Befreiungsschlag sein!


    Das stimmt natürlich, seinen guten Honig zu verramschen ist eine Schande. Aber die Marktlage in Freising ist vielleicht doch etwas speziell.....

    Am Ende wird alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende!

  • Hallo Freunde,
    ein Riesenproblem ist, dass viele Imker weder buchhalterisch kalkulieren können, noch wissen, welche Eigenkosten sie für ihre Produkte haben.
    Fragt doch mal bei Imkern nach, wie ihre Zahlen aussehen, die schauen euch nur fragend an.


    Das stimmt. Ich habe das Thema "Kostenrechnung in der Imkerei" dieses Jahr mal auf das Jahresprogramm des Vereins gesetzt.
    Wie teleskopix schon sagt, da wird manch einer große Augen machen....

    Am Ende wird alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende!

  • Dann kommt noch dazu, dass viele Hobbyisten und Nebenerwerbler nur ihre Rente aufbessern wollen, denen ist das Geld nebensächlich.


    Eben, aber wie könnte man sowas wie eine allmähliche Bewusstseinsveränderung in der Fläche herbeiführen?
    Auch wem Geld nicht wichtig ist, muss doch erkennen können, dass man seine Rente auch mit weniger Arbeit genau so gut aufbessern oder dies mit der gleichen Arbeit noch besser erreichen kann (=mehr pro Glas)?


    Ich wundere mich auch immer wieder, mit welcher Energie Einzelimker und Imkervereine versuchen, neue Imker zu gewinnen (genau genommen also sogar Konkurrenten!), sie dann aber, sobald sie "angefüttert" sind ins Imkerleben entlassen und nur noch die üblichen Auffrischungsangebote zum imkerlichen Grundhandwerk anbieten. Selbst die angebotenen Vorträge externer Referenten beschäftigen sich praktisch immer nur mit dem Imkerhandwerk, nicht mehr mit dem, was danach kommt!
    Für mich ist das immer wie "Haus im Rohbau schnell hingestellt und dann keine Lust für Innenausbau mehr".


    Da könnte die Imkerschaft ruhig ein wenig von den Landwirten lernen und lieber etwas Energie von der Grundausbildung abzwacken und lieber im gemeinsamen Interesse der bestehenden Imker in die fortgeschrittene Vermarktung stecken. Bei Landwirten wird der Vermarktung in der Ausbildung sehr viel mehr Aufmerksamkeit geschenkt.


    honigdachs :
    Du hast natürlich auch recht, ich kann schon verstehen, dass man nicht überall die von mir genannten Preise (schnell) durchsetzen kann. Es wäre aber schon gut, wenn die Abstände geringer werden würden. Übrigens ist es nicht Freising, was die Preise bei mir so toll macht, sondern es sind die letzten Ausläufer der Münchner Ausstrahlungskraft. Denn alles südlich von mir hat eher noch höhere Preise (die Billigheimer sind aber auch dort immer mal wieder eingestreut).


    Aber wenn man mal ehrlich ist: Die Preise bei Supermarktprodukten des täglichen Bedarfs sind zwischen Stadt und Land nicht so extrem weit auseinander wie beim Honig! Warum muss es aber beim Honig so sein? Standardware kostet auf dem Land fast das gleiche wie in der Stadt.
    Warum als Imker also überall die Standardpreise bezahlen, aber beim eigenen Produkt nur verschämte Unterpreise verlangen?


    Und ich bin überzeugt: Wer billigen Honig will, geht auch heute schon zu Aldi & Co. Diese Leute kann und will ich gar nicht erreichen und auch alle anderen Imker sollten das nicht wollen.
    Wer Honig beim Imker kauft, ist doch schon mal ein vorgefilterter Kunde, der Qualität über Preis setzt.
    Das Risiko Kunden zu verlieren ist also gar nicht so hoch, wie manche meinen.


    Wer in erster Linie viele, viele Bienen halten will, kann natürlich ein Problem bekommen mit dem Absatz.
    Wer dagegen in erster Linie überhaupt Bienen halten, aber nur zu fairen Preisen Honig verkaufen will, der kann seine Bienenzahl in aller Ruhe an den Absatz anpassen, sprich weniger Bienen halten aber dafür mehr pro Einheit bekommen. Ich finde das viel befriedigender.


    Übrigens sind gerade die viele kleinen Neu- und ich-will-Gutes-Tun-imker problematisch. Die haben 2 oder 3 Völker und merken schnell, dass sie den Honig selber nicht aufessen können. Also wird verschenkt und verscherbelt auf Teufel komm raus, weil "wegen 3 Völkern" lohnt es sich vermeintlich nicht, sich groß Gedanken über einen guten Verkauf zu machen. Und überhaupt will man eh nur was für Bienen tun. Und Verkaufen bedeutet natürlich auch Aufwand, von selbst geht nix, das stimmt natürlich auch.


    Aber so drückt eben auch viel Honig im Markt, der gar nix kostet und die Leute natürlich daran gewöhnt, dass man Honig eh vom Imker um die Ecke "so" bekommt. Ich höre oft von Kunden am Markt "ach, Honig kriege ich von meinem Nachbarn geschenkt, der ist seit kurzem auch Imker".
    Denkt mal drüber nach, wenn ihr wieder mal neue Jungimker ausbildet!



    Au weia! Jetzt schimpft mich der Reiner bestimmt wieder, weil ich so viel getextet habe....hätte er uns halt nicht fragen sollen...:oops:


    Gruß
    hornet

  • Eben, aber wie könnte man sowas wie eine allmähliche Bewusstseinsveränderung in der Fläche herbeiführen?
    Auch wem Geld nicht wichtig ist, muss doch erkennen können, dass man seine Rente auch mit weniger Arbeit genau so gut aufbessern oder dies mit der gleichen Arbeit noch besser erreichen kann (=mehr pro Glas)?


    Ich wundere mich auch immer wieder, mit welcher Energie Einzelimker und Imkervereine versuchen, neue Imker zu gewinnen (genau genommen also sogar Konkurrenten!), sie dann aber, sobald sie "angefüttert" sind ins Imkerleben entlassen und nur noch die üblichen Auffrischungsangebote zum imkerlichen Grundhandwerk anbieten. Selbst die angebotenen Vorträge externer Referenten beschäftigen sich praktisch immer nur mit dem Imkerhandwerk, nicht mehr mit dem, was danach kommt!
    Für mich ist das immer wie "Haus im Rohbau schnell hingestellt und dann keine Lust für Innenausbau mehr".


    Da könnte die Imkerschaft ruhig ein wenig von den Landwirten lernen und lieber etwas Energie von der Grundausbildung abzwacken und lieber im gemeinsamen Interesse der bestehenden Imker in die fortgeschrittene Vermarktung stecken. Bei Landwirten wird der Vermarktung in der Ausbildung sehr viel mehr Aufmerksamkeit geschenkt.


    Jup, da hast du sehr recht, gibt aber zum Glück auch einige die das Ansprechen.
    Aber zu dem werben und dann alleine lassen, habe ich auch ein lustiges Beispiel, heute war Die neue Bienenzucht für Februar im Briefkasten, erster Artikel bloss die Windel rein, Beuten jetzt isolieren, weil WInter ist durch, im Winter wird das nicht gebraucht aber jetzt wird gebrütet und da muss isoliert werden.
    Zweiter Artikel bloss nicht Isolieren, es bringt nichts. Der offenen Boden hilft gegen Schwitzwasser. Hmmm was den nun (ok der zweite Artikel verweist sogar noch auf ein paar Studien, der erste sieht auch in anderen Punkten sehr nach das habe ich so gelernt/das sind meine Überlegungen und so stimmt das aus. Das Brutnest muss umgehangen werden, abgesehen davon man hat Segebeer Beuten)

  • Geht mal in einen "besseren" Supermarkt (kein Discounter!) und schaut, was da der hochwertigste, regionale Honig kostet! Schaut auch im Feinkostladen! Nicht einfach denselben Preis machen wie der Imker paar Haeuser weiter!


    Am koestlichsten find ich's immer, wenn die Discounter-Imker sagen: Die Arbeit darf man halt nicht rechnen.:lol:

  • Peter aus dem Erzgebirge :
    Mir ist jetzt nicht ganz klar, was du damit jetzt ausdrücken willst?
    Zumindest ich verkaufe bis heute alles nur im Glas und ich habe deutlich mehr als nur 5 oder 10 Völker...


    Was den Großhandel betrifft, da kenne ich mich nicht aus, aber mir hat erst letzten Monat einer erzählt, dass er von einem sehr bekannten Aufkäufer 5,50 EUR für Blüte bekommen hätte.


    Und Berufsimker haben ganz bestimmt nochmal ganz andere Voraussetzungen und Kalkulationsgrundlagen als Hobby- und Nebenerwerbsimker, und die können garantiert alle rechnen, egal ob sie ihre Honigmassen in Groß- oder Kleingebinden anbieten.


    Gruß
    hornet

  • Wer eine gute Königin möchte und ggf. von dieser nachziehen will, ist gut beraten, etwas mehr auszugeben als z. B. 18 €. Ich habe von unterschiedlichen Züchtern Kö's zwischen 35 und 80 € inkl. Versand gekauft - Bf und Ca - und bisher nur einen Ausfall gehabt. Insel-begattete Königinnen sind ja vom Aufwand schon den höheren Preis wert.


    Eigene Nachzuchten sind zumindest in der 1. Generation alle brauchbar, auch in der 2. Aber man merkt schon bei Standbegattung die Veränderung....


    Wem eine Königin nicht 5 - 10 Gläser Honig wert ist, muss eben mit dem leben, was er hat: macht ggf. viel Arbeit, muss mehr betreut werden und am Ende ist sie mit dem halben Volk weg und hinterlässt nichts Besseres. Ach ja, Honig gibt's dann auch wenig; außer Spesen nix gewesen...


    Man kann beim Wachs gut ablesen, wohin das führt: Qualität muss ihren Preis haben!


    Meine Meinung


    Rainer