Über den Preis verkaufen?

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    Ein Berufsimker - nehme ich jetzt mal buchstäblich - hat den Beruf gelernt und auch die kaufmännischen Aspekte beigebracht bekommen, je nach dem, wie weit er seinen Beruf gelernt hat. Der weiß schon zum Einstieg in die Selbständigkeit, was auf ihn zukommt, weil er ja bereits Berufspraxis und weitergehende Einblicke durch die Lehre hat, als ein Hobbyeinsteiger.


    Nun musst Du mir nur noch erklären worin der Unterschied unserer beiden geäusserten Meinungen besteht.
    Ich sehe das auch so und schrieb doch genau das selbe oder ?!


    mfg
    hartmut17

  • Ein Berufsimker - nehme ich jetzt mal buchstäblich - hat den Beruf gelernt und auch die kaufmännischen Aspekte beigebracht bekommen, je nach dem, wie weit er seinen Beruf gelernt hat.


    Das sollte man vielleicht annehmen, dürfte aber auch in der Imkerei nicht anders sein, als in anderen Berufen. Zunächst gibt es hier mindestens drei Stufen:
    a) ohne Ausbildung zum Tierwirt (Imkerei), die du ja erst mal bei der Stellungnahme ausschließt.
    b) mit Ausbildung zum Tierwirt (Imkerei)
    c) mit Meisterprüfung als Tierwirt (Imkerei)


    Selbst die höchste Stufe c bringt nur sehr eingeschränktes Wissen in kaufmännischer (?) Hinsicht. Das ist, trotz erfolgreich abgelegter Prüfung, oft nicht richtig verstanden und schon gar nicht praxiserprobt. Zudem ruck zuck veraltet. In diesem Punkt hilft nur eigene schmerzliche Erfahrung. Einweisung in finanzielle Angelegenheiten, dürften höchstens Imkerkinder oder sonstige angedachte Imkereiinhabernachfolger erfahren. Kein angestellter Imker. Vielleicht kann man einige, offensichtliche Vertriebswege abkucken, mehr nicht.


    Die schmerzliche Erfahrung kann jeder der Gruppen fast in gleicher Weise machen. Manchmal stört zu viel Wissen hierzu sogar beim Erfolg.


    Meine Erfahrungen liegen nicht im Imkerbereich. Dort stelle ich mir das wirtschaftswissenschaftliche Defizit aber noch größer vor.

  • Moin


    Ich legt ja die Bezeichnung "Berufsimker" sehr streng aus, mit Ausbildung usw. Klar gibts diese Ausbildung und klar machen die auch einige und arbeiten danach auch sicherlich in diesem Beruf. Aber es gibt auch einige Berufsimker, die diese Ausbildung nicht haben, sich alles selbst (natürlich auch bei verschiedenen Lehrgängen) erarbeitet haben und trotzdem im Imkerberuf arbeiten und sogar davon leben. Die sind für mich auch Berufsimker, auch und obwohl sie Quereinsteiger sind. Einer der grösseren Schweizer Nigrazüchter ist z.B. ursprünglich Pfarrer. Jetzt betreut er 300 Völker und ne Belegstelle, hauptsächlich zur Kö-Zucht und hat ab nächstem Jahr 2 Teilzeitangestellte. Wenn das Geld für Angestellte reicht, gehe ich bei dem auch davon aus, der er Berufsimker ist und davon lebt.


    Grüsse, Robert

  • Nun musst Du mir nur noch erklären worin der Unterschied unserer beiden geäusserten Meinungen besteht.
    Ich sehe das auch so und schrieb doch genau das selbe oder ?!


    Nicht ganz, darum schrob ich das extra gekennzeichnet. Ist zugegeben zwar sehr kleinlich, aber in solchen Diskussionen sind solche Feinheiten nicht unerheblich. Der Berufsimker übt den Beruf ja schon aus, sonst wäre er kein Berufsimker, was noch ein Unterschied ist zum Erwerbsimker. Man sollte manche Begriffe da schon altmodisch unterscheiden. Es gibt Berufe, die man "von der Pike auf" gelernt hat und solche, die man als Quereinsteiger aufgenommen hat. In der Konsequenz zwar egal, weil die gleiche Tätigkeit mit den gleichen Rechten und Pflichten verrichtet wird, aber vom Werdegang mit komplett verschiedenen Ausgangsbedingungen zu einem noch nicht erreichten Status ein erheblicher Unterschied.


    Zitat von Berggeist

    Das sollte man vielleicht annehmen, dürfte aber auch in der Imkerei nicht anders sein, als in anderen Berufen


    Deshalb auch die Formulierung "je nach dem, wie weit er es gelernt hat"
    Kaufmännische Aspekte habe ich auch als Werkzeugmechaniker in der BBS gelernt, nur eben nicht soweit, wie ein Meister oder Techniker es in seiner Weiterbildung gelernt hätte. Nur die grundsätzlichen Dinge.


    Aber um auf das Thema zurückzukommen:
    Diese und andere Feinheiten werden ganz gern aussen vor gelassen, können aber auch zu Animositäten eben zwischen der Berufsgruppe und der fortgeschrittenen Hobbygruppe mit höheren Ambititionen führen. Daher bin ich nie sonderlich begeistert, auch nicht vom Mitlesen solcher Fäden. Da wird ganz gern vereinfacht, wo man pingelig sein sollte, und das gar nicht mal unbedingt aus Unwissenheit.


    Gruß Andreas

  • Weil das perfekt zum Thema passt und ich hier nicht den Eindruck eines Naivlings oder beratungsresistenten Ignoranten erwecken werden möchte:


    Meine Tochter hatte an ihrem Praktikumsplatz heute morgen gemeinsames Frühstück mit der Abteilung. "Jeder bringt was mit Frühstück" nennen die es. Meine Tochter hat selbstverständlich ein 250g Glas "milde" Linde mitgebracht. Sprachregelung für den Fall der Nachfrage: "kleines Glas 3€, großes Glas 5€"
    Direkt nach der Pause kam Nachricht: XY hat ein kleines Glas bestellt.


    Später wieder zuhause kam der etwas ausführlichere Bericht:
    - Glas ist fast leer*, einige haben mehrere Brötchen nur mit Honig gegessen. Ich habe absichtlich nur ein kleines Glas abgefüllt, da ich mittlerweile gewohnt bin, dass kaum Honig gegessen wird und das Glas fast voll wieder zurückkommt. Mittelstufe mit 14-jährigen und Arbeitsplatz mit Erwachsenen sind dann wohl doch zwei paar Schuhe...
    - jemand meinte 5€/500g ist ziemlich günstig (nicht billig!!), so ein Honig würde im Laden ca. 7€ kosten. Da habe ich dann auch erstaunt die Augenbrauen hochgezogen.


    Aber ich bleibe trotzdem erstmal bei meiner "Preisgestaltung". Ich möchte damit nur klarstellen, dass ich solche Sachen sehr wohl zur Kenntnis nehme und mir Gedanken mache.
    Die, die sagen, der Preis 6,50 - 7.40€ ist *eigentlich* mehr als angemessen und fair haben Recht mit ihrer Preisgestaltung und Argumentation. Andere wie ich haben deshalb aber nicht Unrecht mit anderer Preisgestaltung, obwohl ich da scheinbar eher zur verschwindend geringen Minderheit gehöre. Gründe für Erhöhung ließen sich aber immer irgendwelche finden.


    * war nichtmal perfekt gerührt, zwar cremig aber tendenziell eher "überrührt"


    Gruß Andreas

  • Es gibt ganz unterschiedliche Methoden, den Preis zu bestimmen. Angebot/Nachfrage, Aufwand/Kosten, vermeintlicher/tatsächlicher Ruf, Qualität usw. Ich habe den Spruch eines Bio-Berufsimkers im Ohr, den ich anfangs gar nicht verstehen konnte: Den Preis bestimmt nichts anderes als der Aufwand, mit dem Du Deinen Honig vermarkten willst.


    Zugegebenermaßen ist es schwieriger, sich nach Jahrzehnten trügerischer Ruhe längst abgeschriebener Investitionen aus dem Preiskeller hochzuarbeiten, als ganz unbedarft den Preis für sein erstes selbstgeimkertes Glas Honig in noch schmerzhafter Erinnerung an die Höhe der nicht unerheblichen Erstinvestition erstmals festzusetzen.
    Mit Manchen kann man besser in Bildern reden. Im Verein gab nach der gemeinsam erarbeiteten Kostenkalkulation erst folgendes Bild den entscheidenden Ausschlag: Wenn die Erzeugung eines Glases Honig (500g) 7,85 EU Fremdkosten verursacht, dann können wir es doch so halten: Jeder verlangt für das Glas diese 7,85 EU und legt seinen Kunden den Differenzbetrag zu seinem bisherigen Honigpreis in Münzen oben auf den Deckel drauf als persönliches Geschenk vom Imker. Erst das hat der entscheidenden Mehrheit die Augen wirklich geöffnet - auch wenn sie vorher alle Positionen der Kostenaufstellung bejaht hatten.


  • Aber so drückt eben auch viel Honig im Markt, der gar nix kostet und die Leute natürlich daran gewöhnt, dass man Honig eh vom Imker um die Ecke "so" bekommt. Ich höre oft von Kunden am Markt "ach, Honig kriege ich von meinem Nachbarn geschenkt, der ist seit kurzem auch Imker".



    Guter Einwand. Bei mir bekommen die Nachbarn nen kleines 250er Glas dann geschenkt wenn darüber gemeckert wird, dass Sie gestochen wurden. Immer dieses Rasenmähen direkt am Zaun. :-D
    Aber sonst zahlen alle Nachbarn den normalen Wochenmarktpreis oder es wird getauscht gegen Eier von deren Hühnern und Ähnlichem.

  • Hallo alle zusammen und Entschuldigung für die entstandenen Unstimmigkeiten.


    Erstmal kurz zu mir, ich heiße Marco komme gebürtig aus Nordhessen und habe vor über 20 Jahren mit der Imkerei angefangen. Damals wurde ich durch die Schul-AG dazu gebracht. Wobei ich in die AG bin um meine Angst vor den „Bösen“ Tierchen zu verlieren. Nach dem Schuljahr habe ich dann 2 Völker auf Dadant geschenkt bekommen und es war um mich geschehen. Lange Zeit hatte ich immer zwischen 5 und 10 Völker bis dann vor einigen Jahren die Zahl drastisch angestiegen ist. Im übrigen mittlerweile in Bayern an zu treffen.


    Ich imkere selber hauptsächlich mit Carnica und Buckfast. Habe seit ein paar Jahren aber versuchs- und vergleichsweise dann mit Ligustica angefangen und ein Jahr später dann noch einen Stand mit der Dunklen Biene dazu erstellt. Wobei ich die Stände Rassegetrennt habe und nur bei meinem ersten Stand ist alles etwas gemischt, weil ich da am meisten bin und auch gerne nur zuschaue wenn die fliegen.


    Hauptsächlich arbeite ich noch in einer Spedition, wie hier schon erwähnt Firma Cargo Fix. Was auch dazu geführt hatte, dass es vorgekommen ist morgens es nicht zur Post zu schaffen und so habe ich dann tatsächlich auch mal die Bienen auf Österreich verschickt, weil die Tour dahin gegangen ist. Aber außer aus Deutschland und Österreich wurden von mir keine Bienen hier verschickt. Versandscheine habe ich ja alle da. Da ich die Zusage der Post in Österreich hatte, dass es nicht länger als 2 Tage nach D dauert war das in meinen Augen die Sinnvollste Lösung. Mittlerweile weiß ich, dass es mit den 2 Tagen nicht überall hin geklappt hat. Daher mache ich das auch nicht mehr und schicke aus Deutschland. (Habe ich auch vorher in über 90% der Fälle) Jeder macht Fehler und versucht daraus zu lernen.
    Und ja nicht nur ich sondern auch Andere Mitarbeiter sind zu dem Hobby gekommen. Wir versuchen das jetzt aber übersichtlicher zu gestalten. Und auch für die Imkerei wird eine neue Firma auf gemacht, damit es da keine Komplikationen mehr gibt.


    Die letzten Seiten habe ich leider nur noch überflogen. War etwas viel. Versuche jetzt aber mal bischen hier auf dem laufenden zu bleiben. Und ja wir bieten auch Königinnen unter 20 Euro an. Deswegen wollte und will ich mich hier einmal mit einbringen.


    Da würde ich gerne einen Vergleich anführen. (Rein fiktives Beispiel:)
    Ein Flug von Berlin nach München, kosten mit AirBerlin 19,90 und mit der Lufthansa 69,90. Kann man aufgrund dessen davon ausgehen, das das Flugzeug von AirBerlin schlecht ist? Ich würde sagen, nein. Sind die Stewardessen deswegen hässlicher? Würd ich auch nicht sagen. Wo ist also der Unterschied? Es gibt weniger Inklusivleistungen. Daher denke ich ist es vergleichbar. Denn wir können bei unseren Königinnen nicht über viele Generationen den Stammbaum dazu geben. Wir selektieren auch und Züchten mit Zuchtziel. Aber es ist eine sehr große Zeitersparnis, nicht jede Bewertung langwierig zu protokollieren. Es wird sicherlich der Tag kommen, an dem auch das sich ändern wird.


    Grüße, Marco

  • Habe im Übrigen auch schon bei Edeka500g DIB Honig für 3,49 gesehen. Nicht runter gesetzt. Kann michaber nicht mehr an den Imker erinnern der drauf gedruckt war.


    Hessische Stadt mit über 200.000 Einwohnern und ca. ein Jahr her.


    Das Honigregal ist immer einen Besuch wert wobei ich nie die flotte Biene oder so kaufen würde.



    Mit hat vor nicht all zu langer Zeit ein Imkerkollege seine Bienenstände gezeigt. Er füttert das ganze Jahr zu. Also immer Sirup verfügbar. Im Anschluss hat er mich gefragt ob ich denn Honig kaufen wolle. Als ich NEIN sagte, fragte er mich warum nicht. Daraufhin sagte ich nur, "Du hast mir eben gezeigt warum nicht!". Und auch er verkauft seine Halbhonig als Honig für den Marktüblichen Preis.
    Der übliche Käufer merkt den Unterschied nicht.


    Ich denke es ist nicht der Preis der die Imkerei in Deutschland so schrumpfen lässt. Ich denke es ist der Mangel an Großimkern und Hobbyisten. Ich hab vor einer Zeit einen Vortrag gehört in dem es genau darum ging. Denn früher gab es z.B. die Bahnwärter. Da hatten sehr viele am Häuschen ein Paar Bienen stehen. Das war für Sie ein Zubrot und Deutschland viele Tausend Völker. Es gibt in Deutschland zu wenig Bienenvölker und zu wenig heimischen Honig.
    Ich werde z.B. zur kommenden Saison Vollzeitimker und mich darauf und ein Paar andere kleine landwirtschaftliche Bereiche konzentrieren. Ich habe Wirtschaft studiert und bin mir der Kalkulation bewusst. Aber unter dem Strich passt für mich die Rechnung.


  • Mit hat vor nicht all zu langer Zeit ein Imkerkollege seine Bienenstände gezeigt. Er füttert das ganze Jahr zu. Also immer Sirup verfügbar. Im Anschluss hat er mich gefragt ob ich denn Honig kaufen wolle. Als ich NEIN sagte, fragte er mich warum nicht. Daraufhin sagte ich nur, "Du hast mir eben gezeigt warum nicht!". Und auch er verkauft seine Halbhonig als Honig für den Marktüblichen Preis.
    Der übliche Käufer merkt den Unterschied nicht.


    Sag das nicht!
    Ich habe unter meinen Kunden eine Pakistanische Familie die sich meinen Honig immer Hobbokweise kauft und mit nach Hause nimmt wenns zum Familienbesuch geht.
    Anscheinend ist es da unten üblich, dass mit Zucker gestreckt wird, und dementsprechend sind sie dafür sensibilisiert.
    Sie kaufen bei mir "weil sie wissen, dass ich keinen Zuckerhonig verkaufe", und das obwohl ich nicht im Dib Glas verkaufe ;)

  • deshalb haben also einige die Futterzarge ganzjährig drauf...könnte man schlußfolgern.


    Das ist durchaus möglich. Ich biete immer jedem interessierten Käufer an, auch mal mit zu kommen. Freue mich dann immer wenn Leute mehr über Honig erfahren möchten. Am schlimmsten sind die die denken kristallisierter Honig sei ein Zeichen für Zucker im Honig. Da gruselt es mich immer. :-D Dabei liebe ich cremig kristallisierten Honig.


  • Da würde ich gerne einen Vergleich anführen. (Rein fiktives Beispiel:)
    Ein Flug von Berlin nach München, kosten mit AirBerlin 19,90 und mit der Lufthansa 69,90....


    Grüße, Marco


    Hast du auch mal gefragt wie hoch die Personalkosten bei Air Berlin und Lufthansa im Vergleich sind? Schau dir die jetzige Einigung bei Lufthansa an. Der eine Teil finanziert die Erhöhung der langjährigen Mitarbeiter.
    Air Berlin war chronisch Pleite und es wurde nur Geld zugeschossen. Da weißt du nun warum die so günstig sind.

    Viele Grüße aus der Westlausitz


    "Was tausend Wichte sagen, bekommt Gewicht" - Johann Nepomuk Nestroy