Über den Preis verkaufen?

  • Ich entdecke mittleriweile häufiger den Fall, dass in Anzeigen zum Königinnenverkauf schon im Artikelkopf der Preis genannt wird. Der ist nicht selten relativ niedrig. Sind wir jetzt schon soweit, dass Tiere "über den Preis verkauft werden". Logisch gibt es in der Kalkulation Unterschiede. Aber manchmal sehe ich das so, dass die nach "Geiz ist geil"-Mentalität bedient werden soll. Das finde ich absolut suboptimal.


    Was meint ihr dazu?


    VG
    Reiner

    Signatur aus kontrolliert biologischem Anbau

  • Hallo Reiner,


    es gibt anscheinend immer solche und solche Verkäufer - ganz wie beim Honig. Letztens noch ne Anzeige für Carnicas Reinzuchtköniginnen gesehen. Belegstellenbegattet für 25 EUR. Da frag ich mich immer, wie sowas gehen soll. Aber auch bei Honig für 4 EUR schüttel ich nur den Kopf.


    Ich habe Ursprünglich Königinnen vom Luffi und der Heike erhalten. Mit der hab ich etwas weiter gezüchtet und nehme nun den gleichen Preis, wie die Heike auch. So unterbiete ich mit Ihrem Material nicht Ihre Preise und mache ich nicht über den Preis Konkurenz.


    Schönen Gruß


    Frank

  • Warum soll das bei Tieren anders sein als mit allem anderen?!?


    Sollte man imho für seine eigene Vermarktung nutzen, indem man die Billigangebote als Beleg dafür aufführt, was alles für minderwertiges Zeugs verschachert wird.

  • Hallo


    Ich kann auch nur sagen das die Nachfrage den Preis bestimmt. Es wollen immer mehr mit Königinnen Geld machen, dabei spielt die Qualität eine untergeordnete Rolle und dabei bleiben die auf der Strecke, die Tatsächlich gute Königinnen im Angebot haben. Wenn ich von mir ausgehe, dann habe ich einen guten Stamm von dem ich nachziehe und wenn ich eine Königin kaufe, dann im mittleren Preisbereich, weil ich erst mal sehen muß ob sie für mein Frühtrachtgebiet geeignet ist. Die Superteuren haben dann meist eine andere Linie und ob sie besser sind fragt sich auch.
    Das gleiche sehe ich auch beim Honig, es gab noch nie so viele Angebote im Imkermarkt, da stellt sich mir doch die Frage, warum bekommen die ihren Honig nicht los? Das wars zum Thema.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Hallo,


    vielleicht versucht da jemand seine Reinzuchtköniging zu refinanzieren?
    Ich habe ja selber so gut wie keine Ahnung vom Aufwand einer Königinnenzucht bei Standbegattung. Aber 176 € für 11 Königinnen hört sich für mich nicht nach einem tollen Geschäft an.
    Oder es macht demjenigen einfach nur Spaß, dass andere seine Königinnen haben wollen.


    Egal ob Honig, Wachs, Völker oder Königinnen. Imker, die Ihre Produkte "verramschen" bringen diejenigen, die ihre Preise reell kalkulieren in Erklärungsnot. Schade!


    Gruß
    Holger

    Am Ende wird alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende!

  • Seh ich auch so, wenn ich den Aufwand hinter all dem seh, dann frag ich mich was da wie gezüchtet wird. Gut meist sind es bei solchen Angeboten Vermehrer die einige tausend Königinnen produzieren. Hab selbst schon von 2 solchen "Betrieben" Material zum testen gehabt und wenn da von 10 eine wirklich gut war, war es viel.


    Wenn ich seh was ich für einen Aufwand betreibe, vom Starter vorbereiten, umlarven, Pflegevölker, Brüter usw. Dann noch Begattung und der eigene Aufwand für neue Zuchtmütter mit Belegstellen und Handbesamung... Minis bereit halten, Völker schröpfen für die Begattungseinheiten usw. Da hab ich 20 Völker nur für die Königinnen im Einsatz und nochmal 30 Minis die dann aufgeteilt werden... Entweder rechnen da manche überhaupt nicht wie beim Honigverkauf oder sie leben im Wohnwagen und haben paar ausländische Erntehelfer im Einsatz. Natürlich kann es auch ein reienr Zukauf aus dem Ausland sein, da bekommt man die Königinnen oft für 12-15 Euro. Da werden dann mal kurz einige hundert bestellt und warten dann in ihren Käfigen auf den Verkauf. Alles schon mit eigenen Augen gesehen. Am schlimmsten ist es, wenn die dann noch als eigene Königinnen verkauft werden mit falschen Angaben zur Herkunft -auch alles schon da gewesen.

    Gruß Markus


    Ubi apis, ibi salus 
    Wo Bienen sind, dort ist Gesundheit

  • Naja, ....


    der Umkehrschluss, das teuer dann automatisch Qualität bedeutet, den geh ich aber auch nicht mit. Ist also vermutlich so wie mit allem anderen auch. Vertrauenssache.


    Ich könnte gar keine Königinnen verkaufen: von den guten könnte ich mich nicht trennen, die schlechten könnte ich nicht verkaufen.


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Sind wir jetzt schon soweit, dass Tiere "über den Preis verkauft werden". ... "Geiz ist geil"-Mentalität bedient


    Hallo Immenreiner,


    das ist doch beim Honig auch so. Preise von nur 5 oder gar 4 EUR für ein Glas - wie kann das gehen?!?


    Oder besser gefragt: WARUM geht das?
    Wer geizig ist und immer alles billig haben will, will doch sein Geld zusammenhalten. So jemand sollte daher doch gleichzeitig auch darauf bedacht sein, für sein eigenes Produkt möglichst viel Geld zu erzielen.


    Ich finde es ehrlich gesagt erstaunlich, wie wenig unter Imkern und auch hier im Forum generell über die Preisgestaltung diskutiert wird.


    Für mich ist die eigentliche Frage also nicht, WIE das GEHT, sondern WARUM es PASSIERT und wie man das ggf. ändern kann!


    Gruß
    hornet

  • Zitat

    WARUM es PASSIERT


    Ja warum passiert es? Weil z.B. die Nachbarin sagt: "Wenn Du den Honisg so teuer machst, dann ess ich Marmelade".
    Weil es die Nachbarin ist, bekommt sie den Honig dann auch günstig, auf gute Nachbarschaft also.
    Aber was will man machen, wenn man in einer Gegend wohnt wo es Imker gibt, die nicht einmal 4 Euro für 500 Gramm nehmen?
    Deren Honig ist auch gut, sie bessern damit evtl. nur ihre Rentenkasse etwas auf. Dagegen kommt man kaum an, weil viele eben doch das Preiswertere Glas kaufen.
    Also, billig muß auch nicht gleich schlecht sein!
    Am Ende spricht sich doch aber Qualität hier rum. Wenn man eine Königin von Heike oder Frank kauft, da weiß man was man bekommt.
    Bei anderen muß man erst Erfahrungen sammeln und wenn da steht ab 18 Euro, Verhandlungsbasis, dann muß das ja nicht gleichzeitig bedeuten das man den Preis noch weiter runter handeln kann.
    Evtl. ist aber über die Menge etwas machbar...


    Beste Grüße
    Hartmut

  • Es gibt keine Garantie dafür, dass eine teure Belegstellenkönigin ein mehr an Nutzen hat als eine günstige Königin eines Hobbyzüchters.


    Ist Qualität bei Königinnen messbar? Ist doch ein wenig etwas anders, als ob ich bei einem Bauern eine Jungkuh kaufe, die erwiesenermaßen eine Milchleistung von 10.000 l im Jahr hat.


    Eine Königin und sollte sie noch so gute Abstammungsnachweise haben müsste sich erst beweisen.


    Destotrotz finde ich es unverschämt und unkollegial Königinnen so unter Wert zu verkaufen.


    Ich bin aber auch kein Billigfanatiker und war früher auch immer mit Heikes Königinnen zufrieden.


    Wenn es mir das Wert ist, dann würde ich jederzeit für eine österreichische Carnica 100 - 200 zahlen, jetzt nicht mehr, da ich in der Imkerei schon mehr an Ab - statt Aufbau denke - früher hätte ich das gemacht.

  • Zum Honig:


    Ich kenne eine Imkerin, die hat den ersten Preis bei der Honigbewertung gewonnen. Mit Goldener Plakette etc. Hat einen tollen Honig. Ansturm ohne Ende. Macht das auch echt gut, aber nimmt halt nur 4 EUR für den Honig. Weil sie halt so weit außerhalb wohnt, und weil ihr Preiserhöhungen so schwer fallen. Ist halt nicht leicht, wenn man Stammkunden hat und denen sagen muss, dass der Honig ab jetzt 50 Cent mehr kostet als sonst. Das muss man auch erst können - ist nicht immer so leicht. Anfänger tuen sich da leichter. Wenn man von Beginn an 5 EUR nimmt, ist das halt so. Gleiches bei den Königinnen - wobei hier die erfahrenen Züchter durchaus mehr nehmen. Gerdes z. B. nimmt 50 EUR für eine Standbegattete - und der verkauft die auch.


    Gruß
    Frank


  • Da habe ich mich vor ein paar Monaten mit einem Züchter vom NPZ unterhalten, war ganz interessant und er war doch selber sehr überrascht von meiner Einschätzung seiner Verkaufpraxis (und musste dann Zustimmen).
    Er Verkauft unbegattet, standbegattet und inselbegattet, 14, 25 oder 40€.
    Das beste sind unbegattet. Die Schlüpfen einfach im Brutschrank und werden dann direkt verschickt. Da ist 14 € denke ich auch ein fairer Preis.


    Für die Standbegatteten wird ein Begattungskästchen befüllt und nach 14-15 Tagen verschult oder aber eine Unbegattet zugesetzt. Nach 6 Wochen in sind die Königinnen typischerweise in Eilage und man kann sehen ob alles in Ordnung ist. Ab dann können die Königinnen verkauft werden. Da sind 25€ ein sehr guter Preis, weil Material kostet, das Volk will auch gut ein halbes kg Sirup haben die Arbeiten (Erstelllen, beaufsichtigen, Volk auflösen), Material und Dokumentation dauert auch schon recht lange und ist nicht Umsonst. Dabei hat man dann aber noch zu erwarten das man nur 75 - 90% Begattungserfolg hat, ein paar Königinnen kommen einfach mal nicht zurück, werden beschädigt oder sterben Jung.
    Wenn man jetzt nur mal mit 75% und 14 € rechnet, kommt man dazu das sich der Preis pro Königin schon auf 18,2 € (14*075^-1) erhöht hat, also noch 6,8€ mehr als bei einer Unbegatteten bleiben.


    Bei einer Inselkönigin bleiben also 21,8€ (gegenüber einer Unbegatten) mehr. Davon abgezogen werden dann noch die Belegstellengebühren von 6,5 € (5€*0,75^-1 wegen 75%) abgezogen, Anlieferung von nochmal ca. 5 € pro Königin. Wenn man pech hat noch einmal Nachfüttern durch die Belegstelle ca. 1 € im Durchschnitt. Macht also 10.8€ mehr als für unbegattete. Dafür kann man ein EWK nur für einen durchlauf nutzen, es muss gesiebt werden und ich Wette das man nochmal Pauschal 5€ für kleine Nebendinge und den Mehraufwand einplanen müsste. Dazu kommt dann noch, am Stand kann ich die Königinnen ziehen wie es passt, für die Belegstelle hat man feste Termine sonst wird der Transport noch Teuerer.
    Bei dem Überschlag sind wir also am Ende zu dem Ergebnis gekommen das er bei 40€ für eine Inselkönigin möglicherweiße weniger Verdient als an einer Standbegatteten, wenn man den Aufwand mitrechnet dann auf jeden Fall.


    Ich habe letztes Jahr für zwei standbegatte Königinnen 100 € ausgegeben, da ich sie von einem speziellem Züchter haben wollte (Ligustica). Ich habe auch Ligustica von anderen Vermehrern in Deutschland gehabt und bereue es bis heute nicht, der Unterschied zwischen diesen Königinen ist wie Tag und Nacht. Leider waren durgehend alle Ligustica die ich aus dem Osten bzw. Süden Deutschlands bekommen habe nur als Minderwertig zu beschreiben und konnten nur mit Massiven verlusten eingeweiselt werden und wurden dann auch schnell umgeweiselt.
    Also gute Züchter sind leider meist auch nicht günstig.
    Aber bei billigen Königinnen muss man damit rechnen das man Abschläge machen muss. Des Weiteren kann man nur vor importierten Königinnen von weit weg (also als Berliner ist Westpolen z.B. kein Problem) auch nur Abraten, da fehlt einfach die Anpassung und was bringt die super Königin die aber nicht über den Winter kommt.

  • Moinsen,


    grade gesehen - der Hammer!


    "Preis: 18,00€ Verhandlungsbasis"


    Klick mal um ein paar Ecken wo die herkommen...


    Für 18,- € würde ich nichtmal Überschüsse für die ich überhaupt keine Verwendung mehr hätte verkaufen. Da wäre mir das Verkaufen selbst schon zuviel Aufwand für.
    Entweder die geht "für'n Bier" an gute Bekannte/Freunde oder wird abgedrückt.