Haftung und Kosten für ausfliegenden Schwarm

  • Hallo


    Ich bin bisher nur ein Bieneninteressierter und noch ohne Volk oder Beute. Einige Fragen konnte ich dank des Internets schon klären können. Aber unter anderem habe ich eine Frage zu Schwärmen. Und zwar nicht, was ich alles machen darf, um ihn wieder einzufangen, sondern eher das Gegenteil:


    Angenommen, der Schwarm nistet sich in einem Wohnhaus ein, o.ä. Haftet dann der ursprüngliche Besitzer für mögliche Schäden bzw. die Beseitigung?
    Falls ja, müsste man den Schwarm natürlich auch noch einem Imker zuordnen (Gentest? Zeugenbeobachtungen? ...?).


    Lieben Gruß, Ole

  • Welche Schäden sollte ein Schwarm denn verursachen, außer das er gerne in Dachrinnen nistet?:roll:


    Ich habe gelesen, dass ein Scharm sich auch mal hinter einer Wand o.ä. einnisten könnte. (Unsinn?) Bevor ich irgendwo die Handwerker für eine neue Mauer bezahlen muss, wollte ich erstmal vom Schlimmsten ausgehen.
    Und auch in einer Dachrinne könnte es ja passieren, dass er da "weg soll". Dann müsste zumindest jemand kommen und ihn holen.



    Aber die Antwort von Werner klingt da ja beruhigend. Danke schön!

  • Hallo Ole,


    wenn der Imker die Verfolgung des Schwarms aufgibt ist er herrenlos. Somit kann niemand haftbar gemacht werden.


    Gruß
    Werner


    Ist das sicher?
    Ich bin kein Jurist, aber rein gefühlsmäßig würde ich davon ausgehen, dass es unerheblich ist, ob der Schwarm mir noch gehört. Entscheidend ist doch ob man der Verursacher eines Schadens ist, oder?

  • Das Haftungsrecht bei Bienen ist wirklich speziell. Bienen gelten nämlich einerseit als gefangene Wildtiere (§ 960 und 961 BGB). Andererseits greift die Tierhalterhaftung und das ist eine Gefährdungshaftung, die verschuldensunabhängig ist.
    Sehr spannend nachzulesen bei Michael Martinek.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Moin,
    unabhängig vom mir fehlenden rechtlichen Sachverstand ist mir noch nie ein Fall bekannt geworden, in dem ein Imker Schadenersatz für einen abgegangenen Schwarm hätte leisten mussen. Auch in spektakulären Berichten über Schäden, welche Schwärme angerichtet haben (sollen) wie z.B. Schwärme an Flugzeugturbinen war nie ein Hinweis zu finden, dass ein Imker haftbar gemacht worden wäre.
    Wie sollte man auch einen Schwarm einem Imker zuordnen - gerade bei Bienen stelle ich mir das schwer vor. Sicherlich würde Niemand eine Genanalyse in Betracht ziehen - eine solche zu veranlassen wäre schon ein ewaltiger Schuss - mir fehlt der Glaube, dass dies irgend jemand verantworten würde.
    Gruß,
    Hermann

  • Beachtet doch bei der Diskussion was Werner geschrieben hat.


    Dazu stand hier im IF mal eine Geschichte von einem, dessen Namen ich nicht nennen möchte.
    Vielleicht meldet er sich ja selbst zu Wort.
    Aus der Erinnerung:
    Es wurde vom Imker ein abgehender Schwarm verfolgt, der sich auf einem Strommasten niederlies.
    Den Strom hätte man zur Bergung natürlich abschalten müssen. Das hätte teuer weden können.


    Er gab die Verfolgung natürlich sofort auf und meinte zu der dazugekommenen (Feuerwehr?)
    Nein, das ist nicht mein Schwarm, aber ich helfe gerne, ihn zu bergen.
    Völlig rechtlich ok.
    Ich nehme an, er hat sich dann auch fürsorglich den Bienen angenommen und gab ihnen sicher ein schönes neues Zuhause.


    Also nochmal: Wenn der Imker die Verfolgung aufgibt gehören die Bienen niemandem mehr.
    Deshalb muss man ja auch etwas hinterlassen (Hut, Jacke, Taschentuch), wenn man einen Schwarm findet und Leiter und Schwarmkiste von zu Hause holen möchte. Sich also den Schwarm aneignen.


    Gruß Doro

  • Moin nochmal,


    hier ist doch der ein oder andere Imker aus Deutschland unterwegs ;) ... ist es irgendeinem schon mal vorgekommen, dass er Schdenersatz wegen einem Schwarm leisten musste oder hat irgend jemand schon davon gehört, dass dies jemals passiert ist?


    Gruß,
    Hermann

  • Sachschaden ist das Eine, aber was wenn so ein Schwarm in Bodennähe hängt und ein Spaziergänger oder gar Kinder werden zerstochen? Was wenn eine Mutter an der Haustür klingelt ,, Ihre Bienen haben mein Kind gestochen und es musste mit einer allergischen Reaktion ins Krankenhaus!''

  • Sachschaden ist das Eine, aber was wenn so ein Schwarm in Bodennähe hängt und ein Spaziergänger oder gar Kinder werden zerstochen? Was wenn eine Mutter an der Haustür klingelt ,, Ihre Bienen haben mein Kind gestochen und es musste mit einer allergischen Reaktion ins Krankenhaus!''


    @all. Einfach ein Blick ins BGB reicht da aus, um das zu erklären. Zieht ein Schwarm aus so wird er Herrenlos.§ 961
    Eigentumsverlust bei Bienenschwärmen.
    Zieht ein Bienenschwarm aus, so wird er herrenlos, wenn nicht der Eigentümer ihn unverzüglich verfolgt oder wenn der Eigentümer die Verfolgung aufgibt.
    Wer will dem Imker schon nachweisen das es seine Bienen sind, sie können auch km weit entfernt herkommen.


    Gruß Josef

    Buckfast . 10 Völker . DNM Holzbeuten 13 ner Zargen . Dadant US Frankenbeute. Königinnenzüchter.

  • ... Wer will dem Imker schon nachweisen das es seine Bienen sind ...


    ... und selbst wenn, hat jeder einigermaßen vernünftige Imker für seine Bienen eine Haftpflichtversicherung; z.B. über den örtlichen Imkerverein.


    Gruß, Jörg

    Eine Fischsuppe aus einem Aquarium zu machen, ist leichter als ein Aquarium aus einer Fischsuppe.