biologisch "Inertes" Netzmittel schädigt Bienenlarven

  • In der Sueddeutsche Zeitung vom 17. Januar 2017 wird berichtet dass Sylgard 309, ein angeblich "biologisch inertes" also als ungefährlich eingestuftes Silikon, das PSM als Netzmittel zugegeben wird, Bienenlarven schädigt. Das Mittel allein hat wohl keine Auswirkungen, aber in Verbindung mit Viren werden 75% der Larven geschädigt.


    Das Mittel wurde vor dem Beginn des CCD in Kalifornien 2006 massiv erhöht eingesetzt.


    Ich vermute mal, dass die Prüfung und Zulassungspraxis derartiger Hilfsstoffe noch laxer vor sich geht als bei den eigentlichen PSM ...


    Gruß
    Marion

    Gruß Marion


    Gärtnerin mit Hang(garten) zur Selbstversorgung, Informatikerin, neugieriges Gscheidhaferl - 123viele.de

  • Jepp - so liest sich das u. a. im Datenblatt:



    Wieso darf sowas dann als Netzmittel für PSM verwendet werden? Das ist doch vorsätzliche Umweltgefährdung. Vor allem im Zusammenhang, dass das Zeug vermutlich schlecht oder gar nicht abbaubar ist.

    Gruß Marion


    Gärtnerin mit Hang(garten) zur Selbstversorgung, Informatikerin, neugieriges Gscheidhaferl - 123viele.de

  • Wenn wir schon bei Netzmittel sind, ich hab da mal am Rande was aufgeschnappt -kann es also nicht 100% sagen- dass auch ein Lösmittel bei der Mittelwandherstellung so einen Nebenschauplatz hat um PSM und Co auszubringen oder war es um Neonics als Beizmittel zu verkleben?
    Wo kam der Hinweis nochmal her? Hatte mir den jemand hier aus dem Forum gegeben?

    Gruß Markus


    Ubi apis, ibi salus 
    Wo Bienen sind, dort ist Gesundheit

  • ...dass auch ein Lösmittel bei der Mittelwandherstellung so einen Nebenschauplatz hat um PSM und Co auszubringen ...


    Ja, Silicon-basierte Netzmittel (wie das in Belgien benutzte Sylgard 309) werden verwendet, um PSM und Herbizide besser an den Pflanzen haften zu lassen. Ebenso werden sie Beizmitteln für Saatgut zugesetzt, auch dort zur Schädlingsbekämpfung, aber auch um gleichzeitig wachstumsfördernde Pflanzenhormone usw. mit aufzubringen (u.a. nachzulesen im US-Patent 4753035).
    MfG, Wolfhard

  • Zum Verständnis, auch wenn es ggf. allseits bekannt ist:


    "Netzmittel", "surfactants", "Tenside", "Spüli" usw. - alles Stoffe, welche die Oberflächenspannung von Flüssigkeiten heraubsetzen. Das bewirkt an Grenzflächen, z.B. zwischen einem Blatt (mit Fett/Wachs aus der Pflanze zum Schutz abgesondert) und der aufgebrachten wässrigen Flüssigkeit, dass sich keine kugeligen Tropfen bilden, sondern ein Flüssigkeitsfilm, der die gesamte Oberfläche überzieht.


    Diesen Substanzen gemein ist deren prinzipieller molekularer Aufbau: sie bestehen meistens aus einem fettähnlichen Teil und einem wasserähnlichem Teil, die miteinander verbunden sind. Damit können sie sich sozusagen zwischen den Grenzflächen anlagern und auf diese Weise die natürliche, abstoßende Wirkung zwischen fett- und wasserähnlichen Substanzen aufheben.


    Im Falle der Trennmittel bspw. erniedrigen sie die Grenzflächeneffekte beim Walzen von Wachs, sprich die Klebekraft zwischen metallischen Walzen und Wachs wird verringert. Wenn dann noch zuviel davon an den MW als Rückstand verbleibt, wirken sie später am Boden der Brutzellen entsprechend: Sie erniedrigen die Abstoßung zwischen dem wässrigen Futtersaft und der Wachsstruktur. Zudem erleichtern sie noch den evt. Übertritt von "Dreck" aus dem Wachs in den Futtersaft, was u.U. zu den toxischen Effekt führt. Möglicherweise kommt es zusätzlich über sog. Micellenbildung (d.s. kleine tröpfchenartige Gebilde, deren äußere Hülle sich aus diesen Sbst. bildet) zu Membranstörungen in den Larven. Letzteres ist aber Spekulation meinerseits....


    Beste Grüße


    Rainer


  • Im Falle der Trennmittel bspw. erniedrigen sie die Grenzflächeneffekte beim Walzen von Wachs, sprich die Klebekraft zwischen metallischen Walzen und Wachs wird verringert. Wenn dann noch zuviel davon an den MW als Rückstand verbleibt, wirken sie später am Boden der Brutzellen entsprechend: Sie erniedrigen die Abstoßung zwischen dem wässrigen Futtersaft und der Wachsstruktur. Zudem erleichtern sie noch den evt. Übertritt von "Dreck" aus dem Wachs in den Futtersaft, was u.U. zu den toxischen Effekt führt. Möglicherweise kommt es zusätzlich über sog. Micellenbildung (d.s. kleine tröpfchenartige Gebilde, deren äußere Hülle sich aus diesen Sbst. bildet) zu Membranstörungen in den Larven. Letzteres ist aber Spekulation meinerseits....


    Beste Grüße


    Rainer


    Genau diese Spekulation ist es, was wir gerade haben. Erforscht wird hierzu leider nichts und wir tappen im Dunkeln mit vielen Versionen und Fragen.
    Evtl. geht das Lösmittel in das Stearingepansche über, welches nicht verestert ist. Evtl. kommt es dadurch in Kombination mit Futtersaft zu einer Herauslösung von Salzen der Säure?
    Soviele Fragen und keine Antorten... Womöglich verstärkt das Lösmittel auch die im Wachs befindlichen PSM und Co... die Wichtigkeiten der heiligen Hallen unserer Institute haben da leider kein Interesse etwas zu erforschen. Sind ja nur ein paar Imker die sich beim DIB gemeldet haben, die Meldungen bei mir vergessen die immer, obwohl ich diese schon artig weiter gegeben hatte.
    So, gleich mal wieder das Landratsamt nerven, vielleicht sind die dann mal dazu bereit um da was zu tun, damit das Wachs aus dem Verkehr gezogen wird und nicht mehr zurück kommt.

    Gruß Markus


    Ubi apis, ibi salus 
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  • Welches Labor kann denn die Rückstände von dem Rietsche-Trennmittel auf einer Mittelwand messen? Ich würde da gern mal eine Probe hinschicken.

  • Welches Labor kann denn die Rückstände von dem Rietsche-Trennmittel auf einer Mittelwand messen? Ich würde da gern mal eine Probe hinschicken.


    Der Drohn hatte da mal viel herum gefragt. ich glaub von seinem Kontakt beim BMEL wurde ihm zu einem Weinlabor geraten, da es sich ja um Alkohole handelt.
    Aber was daraus wurde..... Werd ihn mal fragen was aus der Geschichte geworden ist.

    Gruß Markus


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