Was führt zum weltweiten Bienensterben?

  • Hallo Imkerfreunde,


    ich habe am 18.01.17 meine Realschul-Präsentationsprüfung in Biologie und habe mir das oben genannte Thema ausgewählt. Jetzt würde mich mal eure Meinung dazu interessieren. Hat überhaupt jeder eine Meinung? Wenn ja, dann antwortet doch mal! Was meint ihr, ist am Bienensterben "schuld". Wer ist der größere Feind? Varroa oder Chemikalien?


    Vielen Dank im Voraus für eure Antworten:daumen:

  • Moinsen,


    das ist eine schwierige Frage, die man nicht so einfach beantworten kann, da es eine Verkettung mehrerer Umstände ist.


    Ein Grund ist die intensive Nutzung unserer Kulturlandschaft wie z. B. das häufige Mähen der Wiesen und die damit verbundene Verarmung der Vegetation. Darüber hinaus führt der intensive Einsatz von Pflanzenschutzmitteln wie Unkrautvernichtungsmitteln dazu, dass z. B. in Kornfeldern kein "Unkraut" wie Mohn oder Kornblume mehr wächst. Wenn man nun bedenkt, dass viele Wildbienenarten bei weitem nicht so weit fliegen wie die Honigbiene (einige nur wenige hundert Meter) verhungern die Wildbienen schlicht weg.


    Neben dem Futterangebot kommen auch noch die Pestizide wie z. B. Neonicotinoide. Diese führen zu diversen Nebenwirkungen. Dazu zählen eine stark verschlechterte Orientierung sowie eine schlechtere Wundheilung der Bienen. Es finden also weniger Bienen wieder zurück nach Hause und die Bienen die zu Hause sind, sterben dann an Folgekrankheiten, die durch die schlechtere Wundheilung ausgelöst werden. Viele Landwirte halten hier dagegen, dass sie nur Spritzmittel einsetzen, die Bienenungefährlich sind (Fachbegriff fällt mir grade nicht ein). Als Bienenungefährlich wird hier ein Spritzmittel bezeichnet, wenn mindestens 50% der Bienen 24 Stunden nach Einsatz des Mittels noch irgendwie leben. Im Umkehrschluss heißt das, dass das Unglück in Fokoshima oder in Tchernobyl menschenungefährlich war. Nach 24 Stunden leben ja noch 50% der Menschen - gut nach ein paar Wochen nicht mehr - aber danach wurde ja nicht gefragt...


    Die Varroamilbe als solches ist meines Wissens nur ein Parasit, der die Honigbiene befällt. Davon ausgenommen sind sämtliche Wildbienen. Trotzdem führt die Milbe gerade bei den Honigbienen zu einem massiven Sterben, da sie der letzte Tropfen ist, der das Fass zum überlaufen bringt. Die Milbe sticht die Biene an um von deren Blut zu trinken. Die Einstichstelle kann nicht mehr richtig heilen (Wundheilung - siehe oben) und hier dringen dann Bakterien ein, die zu einem schnellen Tod der Biene führt. Gerade die älteren Imkere berichten immer wieder, dass es früher viel mehr Milben in den Völkern gab. Von mehreren 1000 wird hier oft berichtet, und die Völker haben trotzdem überlebt. Heute führen einige hundert schon zum zusammenbrechen der Völker. Was hat sich also in den letzten 20 Jahren geändert? Die Antwort steht oben...


    Wir haben aktuell ein Massives Insektensterben, dass nun auch zu einem massiven Vogelsterben führt. Es gibt immer weniger Singvögel wie z. B. Meisen oder auch die Schwalben. Gute Auskünfte gibt hier Dr. Ralph Büchler vom Bieneninstitut Kirchhain. Von ihm habe ich beim letzten Imkerforumstreffen einen sehr interessanten Vortrag zu dem Thema gehört. Er berichtete z. B. von Insektenfallen, die noch vor 20 Jahren über 1,5 Kilo an Insekten aufwiesen. Heute finden sich kaum noch 200 Gramm in den Fallen. Hiervon sind natürlich alle Insektenfresser (in erster Linie Vögel aber auch Igel usw.) betroffen. Später sterben dann die Insektenfresserfresser - also die größeren Säugetiere oder Greifvögel.


    Also kurzgesagt: Zu wenig Futter, zu viele Pestizide sowie eingewanderte Parasiten sind schuld am Insektensterben.


    Bis die Tage


    Frank

  • Was meint ihr, ist am Bienensterben "schuld". Wer ist der größere Feind? Varroa oder Chemikalien?


    Einfache Antwort: Der Mensch
    Begründung, der Mensch ist der vermutlich einzige Bewohner der Erde, der diese auch bewusst zerstört. Dank den Menschen, wurde Varroa fast weltweit verteilt, das selbe passiert gerade mit dem kleinen Beutenkäfer. Dank den Menschen und dem lieben Geld gibt es Spritzmittel für/gegen alles was man sich erdenken kann.
    So gut wie jede Handlung die ein Mensch vornimmt, ist meist gegen unsere Erde gerichtet und nur seltenst für/mit ihr.


    Du kannst also eine 10 seitige Abhandlung über Milben, PSM und Klimawandel halten und wirst dann im Ergebnis auf die armseligste Kreatur dieser Erde kommen, die sich selbst ihren Lebensraum zerstört, so dumm ist kein anderes Lebewesen auf diesem Planeten!

  • Einfache Antwort: Der Mensch


    Treffen sich zwei Planeten im Weltall. Sagt der eine zum anderen: "Du siehst aber schlecht aus!". Der andere:" Ja, mir geht's auch nicht gut, ich habe 'homo sapiens'". Sagt der erste: "Mach' dir nichts draus, das hatte ich auch mal, das geht vorbei!"

    42

    ganz sicher

    nur nicht beim bee-space

  • Wer von einem weltweiten Bienensterben spricht, muss vorsichtig sein - zumindest, wenn er von Menschen gehaltene Honigbienen meint. Laut FAO hat die Zahl der Bienenvölker weltweit zwischen 1961 und 2014 von 49 auf 83 Mio zugenommen.
    Man muss schon auf die einzelnen Länder und Kontinente schauen, um einen Rückgang sehen zu können und es gibt zu denken, wo die Bienenvölker weniger werden.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Das waren bisher recht ausgewogene Antworten, die der Komplexitität der Frage gerecht werden.
    Du wirst bei einer Recherche aber auch auf "klarere" Weltbilder stoßen. Dr. Liebig, durchaus bekannter Bienenforscher, vertritt u.a. auf seiner Website nicht nur die These, dass am Bienensterben die Varroa-Milbe schuld sei ... oder eigentlich die Imker (die nicht auf ihn hören), sondern er bestreitet sogar das "Bienensterben". Auf keinen Fall sind die Umweltgifte schuld! Auf der anderen Seite wirst Du in der Imkerschaft viele finden, die mit der Varroa klar kommen, sich aber ohnmächtig gegenüber den künstlichen Umwelteinflüssen (vor allem aus der Art der modernen Landwirtschaft) fühlen.


    Die Bienen sind sehr verwurzelt in ihrer jeweiligen Umwelt, ihre Krankheiten und Anfälligkeiten sind immer ein Indiz für die Belastungen, die sie dort vorfinden. In dem Sinn ein "Zeiger"-Tier. Das wird für eine Schul-Präsentation ein kompliziertes Thema...

  • Ich schicke Dir gleich per Nachricht den aktuellen offenen Brief der Entomologen in Deutschland, die den dramatischen Rückgang aller Tagfalter aber auch den dramatischen Rückgang aller Insekten insgesamt melden.


    Siehe: https://rundschau-hd.de/2016/1…ahmen-gegen-artenschwund/


    Daraus:

    Zitat

    Neueste Forschungsergebnisse zeigen: Auch bei uns ist der Bestand von Wildbienen und anderen Insekten drastisch gesunken. Wenn dieser Trend sich fortsetze, so Experten, sterben sie in weniger als zehn Jahren aus. Die Folgen wären eine ökologische Katastrophe, die nicht zuletzt massive wirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe für die Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion mit sich bringen würde. Daher unterzeichneten 77 Forscher in diesem Monat bei einer gemeinsamen Biologen-Fachtagung des Staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart und der Universität Hohenheim eine Resolution an Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks und fordern Sofortmaßnahmen, um den drastischen Rückgang von Wildbienen und anderen Insekten zu stoppen.


    In ihrer Resolution verlangen die Forscher jetzt ein vollständiges Verbot von Insektengiften der Gruppe der Neonicotinoide bis zum wissenschaftlich sauberen Nachweis ihrer Umweltverträglichkeit. Außerdem fordern sie Maßnahmen zur Erhöhung der Strukturvielfalt in der Kulturlandschaft wie eine Verbesserung des Blütenangebots, sowie ein Langzeit-Monitoring von Insekten, insbesondere Wildbienen. Das soll ermöglichen, gefährdete Bestände zukünftig besser zu lokalisieren und rechtzeitig Gegenmaßnahmen einzuleiten.


    Wir haben kein Bienensterben sondern ein Insektensterben massiven Umfangs.


    Wissenschaftler warnen seit geraumer Zeit vor dem sechstgrößten Artensterben auf der Erde. Siehe: http://www.spiegel.de/wissensc…0-tierarten-a-982906.html


    Wobei schon auffällig ist, daß in der Hauptsache Insekten und insektenfressende Arten betroffen sind.


    Wir haben hier also ein Problem, das sehr viel mehr als die Bienen betrifft.


    Für die Arbeit/Vortrag kannst Du alle von mir gestellten Materialien verwenden. Siehe: https://www.imkerforum.de/showthread.php?t=24581 Thema: Varroa außer Kontrolle - und was Pestizide damit zu tun haben


    Insbesondere: http://immenfreunde.de/forum/download/file.php?id=133

    Dem Bien folgen, heißt, den richtigen Weg wählen.

  • Wer von einem weltweiten Bienensterben spricht, muss vorsichtig sein - zumindest, wenn er von Menschen gehaltene Honigbienen meint. Laut FAO hat die Zahl der Bienenvölker weltweit zwischen 1961 und 2014 von 49 auf 83 Mio zugenommen.
    Man muss schon auf die einzelnen Länder und Kontinente schauen, um einen Rückgang sehen zu können und es gibt zu denken, wo die Bienenvölker weniger werden.


    Wolfgang


    Die Honigbiene wird ja mit allen Mitteln vermehrt und am Leben gehalten. Wenn dann bitte an den Wildbienen orientieren, die sind mindestens genau so wichtig wie die Honigbienen.

  • Die Honigbiene wird ja mit allen Mitteln vermehrt und am Leben gehalten. Wenn dann bitte an den Wildbienen orientieren, die sind mindestens genau so wichtig wie die Honigbienen.


    Ganz richtig. Wer undifferenziert argumentiert, schadet der Sache, weil er es den Agrar- und Chemielobbyisten leicht macht.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Hallo ,
    als ich in den 1980er Jahren mit meinem alten Ford Capri ,abend`s, an einem schönem Sommerabend durch die Lande fuhr , wahr meine Frontscheibe permanent mit hunderten Insekteneischlägen übersät .
    Wenn ich heute unterweg`s bin bleibt meine Scheibe relativ sauber , daran erkenne ich den Rückgang der Insekten !!!


    Grüße,


    Bertram

  • Ich beschäftige mich mit dem Problem Bienensterben seit 4 Jahren, weil ich vor 4 Jahren mit der Imkerei angefangen habe.
    Ich suchte auf massenhaften weltweiten Studien und bin dahingehend fündig geworden, daß das Problem seit Jahren BESTENS
    erkannt und begründet ist. Aber von Seiten der Politik und von Seiten der zuständigen Behörden, deutschlandweit und europaweit
    geschieht einfach nichts.
    Sicher ist der Mensch die Ursache, und dies vor allem durch den Einsatz von Herbiziden, Pestiziden etc..
    Wenn Interesse besteht, dann könnte ich per Email einzelne Details zusenden.
    Da ich nicht weiß, wie groß der verfügbare Platz hier ist, würde ich meine Ergebnisse lieber separat weitergeben.
    Sicher ist, daß wir dringenst Menschen benötigen, die uns und den Bienen und unserer Umwelt endlich helfen, denn
    andererseits steht uns in wenigen Jahren eine ökologische weltweite Katastrophe bevor.
    Meine Mailadresse wäre: dr._wasner@web.de
    Alles Beste für 2017 Dr. Wasner