Aggressives Volk

  • Hallo zusammen,
    2016 hab ich im September ein aggressives Volk an meinem Stand entdeckt, das am Rand des Standes steht.
    Kaum ist der Deckel geöffnet geht die Post ab und man wird attackiert.


    Mein Antwort war... ich tausche die Königin aus. War schmerzhaft. Trotz Vollschutz hab ich 20 Stiche kassiert.
    Nur gut, dass bei mir kaum mehr eine Schwellung auftritt.
    Die Königin wurde getauscht, so wie ich das immer mache - Königin raus... bis Weiselunruhe einsetzt. Danach hab ich die gekäfigte Königin reingehängt.
    24 Stunden später den Freifressbereich freigegeben. Wenige Stunden später war die Königin tot am Flugbrett...


    Die sind halt doch schlauer als der Imker manchmal denkt.
    Wenns so nicht geht, dann mit der Brechstange... warten bis Sie selber nachziehen, zweimal alle Zellen gebrochen - keine Stifte oder Maden mehr zu finden.
    Wieder Stiche kassiert. *grrrr*
    Ende September, jetzt nochmal neue Königin rein... 24 Stunden warten, Freifressbereich freigegeben... puhhh Königin wurde angenommen und läuft auf den Waben und stiftet.
    Eine Woche später nochmal reingeschaut... *wieder einen Stich* kassiert.. aber Königin ist noch da... :-D


    Damit dachte ich hab ich mein Soll erfüllt um das Agro-Volk in die richtige Richtung zu bringen.


    Im Dezember 2016 bei der Oxalsäurebehandlung... war das Volk wieder relativ schnell am hochfliegen und attackieren... nachdem ich den Deckel aufgemacht habe und das bei
    Minus 4 Grand Außentemparatur.


    Nun meine Frage - liegt es daran, weil noch Winterbienen im Volk sind, die von der alten Königin stammen und der Wechsel vollzieht sich in Richtung Frühling 2017 erst Vollends?
    Was kann man da noch machen? Bzw. wann sollten die Ihre Aggressivität verlieren?
    Also eines weiß ich, wenn die im Mai 2017 immer noch so drauf sind... zünd ich eine Schwefelschnitte an oder verschenke das Volk an jemanden, der Bock auf Stich- & Rheuma-Therapie hat... :cool:
    Schwarmstimmung bei dem Volk bekämpfen ist kein Spass.


    Gruss ritterjohannes

  • Hallo R. Johannes
    Abwarten und Tee trinken ist angesagt, ist der Reinigungsflug durch,
    Kontrolle, ob es auch die zugesetzte Königin ist,
    ist sie es, lass das Volk bis Mitte, - Ende April in Ruhe, spätesten bis dahin sollte sich alles Normalisiert haben.
    Ich vermute auch, das, der Großteil der Bienen noch vom alten Mütterchen stammt, was sich bis dahin, durch Absterben, der Altbienen erledigt haben dürfte.


    Gruß Jürgen


  • Ende September war die Neue drin und hat noch ein wenig gelegt. Die meisten Völker waren mind. den halben Oktober brutfrei und im November war auch nicht mehr viel los. Woher sollen somit die neuen Bienen noch herkommen?


    Nächstesmal keine Spielereien. Um die Jahreszeit kannst die Alte raus nehmen und die neue direkt auf die Wabe laufen lassen. Kurz beobachten ob alles friedlich bleib, dann zumachen. Ansonsten schnell wieder abfangen.
    Wenn sie die neue nicht wollen hat es immer einen Grund, dann bringt auch 1 Tag käfigen nichts. Entweder hat das Volk noch Drohnen oder die Neue hat ein Problem was die Bienen direkt bemerken.
    Möchte behaupten, bei 90% der Völker geht das Umweiseln genau so ohne Probleme über die Bühne und die restlichen musst halt schnell sein um sie ggf. zu retten. Gerade im Herbst immer die Alte aufheben, kann man immer irgendwo zwischenbunkern bis die Neue sicher angenommen ist.

  • Hallo Ritter Johannes,


    ich hatte im Herbst auch so ein agressives Volk. Das war aber nicht der Genetik, sondern der hohn Varroabelastung geschuldet. Wie siehr es in dieser Hinsicht bei Deinem Volk aus?


    Grüße


    Herr Rübengrün

  • Es "beruhigt" mich in gewisser Weise, dass andere Imker mit längerer Erfahrung ähnliche Beobachtungen machen. Bei mir steht auch so ein Volk, ein Ableger aus 2015. Durch die Saison quoll es permanent über, ist nicht geschwärmt und eher aufdringlich, bis hin zur Aggressivität. Bei der OS-Behandlung Anfang Dez. war ich böse überrascht, dass es immer noch überquoll, anstatt in Traube zu hängen. Von denen hat mich dann auch eine gestochen. Milben waren dort im Sommer trotz 2x AS kaum zu finden, auch nach längerer Wartezeit nicht.


    Gruß Andreas

  • man reduziert die Eingriffe bei solchen Völkern aufs Minimum - ich kontrolliere idR nur alle 2 Wochen verbunden mit Drohnenschnitt im Frühjahr. Meine beiden Nicht-Kuschel-Biens nur zu Beginn, dann je einmal verstellt und damit Ableger zur Honigraumreife verholfen, und beim Honigernten Bienen für KS entnommen.
    Gruß Fred

  • Varroa kann ich ausschliessen. Bei denen liegt es eindeutig an der Genetik. Und ich weiss auch woher. In 500m Entfernung stehen 80 Völker, die diesen Aggressions-Typus aufweisen... da das Volk Anfang letzten Jahres still umgeweiselt hat... kann man erahnen woher die Gene kommen. Im Radius von 50 Metern sollte man an dem Stand nicht vorbeigehen... auch nicht hinter den Beuten... Stichgefahr zu 100% - ich frag mich nur, wie ein Imker mit 80 solcher stechfreudigen Völker imkern kann. Die Völker stehen nur zwischen August und März dort... danach wird mit den Völkern gewandert. Wen ich den Imker an den Bienen sehe, ist er jedes Mal in Vollschutz unterwegs. Aus gutem Grund.

  • Wenn man mehrere Stunden bei 25 Grad aufwärts im Vollanzug arbeitet... schwitzt man... und dann kommt jegliche Biene, die in Abwehrstellung ist, an den nassen Stellen durchs Gewebe. Und da die Tierchen gerade auf Schweiss abgehen... finden sie die Stellen im Eifer des Gefechts recht schnell. Ich habs 2016 erlebt. Hatte an Armen und Schulterbereich zusammen gut 20 Stiche weg... überall da wo der Stoff nass war. Das ist jedenfalls meine Erfahrung.

  • - ich frag mich nur, wie ein Imker mit 80 solcher stechfreudigen Völker imkern kann. Die Völker stehen nur zwischen August und März dort... danach wird mit den Völkern gewandert. Wen ich den Imker an den Bienen sehe, ist er jedes Mal in Vollschutz unterwegs. Aus gutem Grund.


    Hast du denn noch nicht mit dem Imker reden können?
    Also ich würde hier viel versuchen und das zunächst mal nicht einfach so hinnehmen.
    Mit hoher Wahrscheinlichkeit macht der Mann das auch nicht absichtlich, sondern weiß es nur nicht besser.


    und dann kommt jegliche Biene, die in Abwehrstellung ist, an den nassen Stellen durchs Gewebe.


    Zum Trost: Dann handelt es sich also nur um stark entschärfte Stiche, keine Volltreffer, da der Stachel dann nicht sehr tief in die Haut gelangen konnte und durch das Textil bei der Bewegung auch sofort wieder rausgezogen wird :wink:
    Von solchen Stichen kann man sehr viel mehr vertragen, ist also alles nur halb so schlimm :p

  • V... da das Volk Anfang letzten Jahres still umgeweiselt hat... kann man erahnen woher die Gene kommen. Im Radius von 50 Metern sollte man an dem Stand nicht vorbeigehen... Die Völker stehen nur zwischen August und März dort... danach wird mit den Völkern gewandert.


    Also wenn das richtig ist was Du oben schreibst, dann kann eigentlich keiner erahnen woher die Gene kommen. Von diesen 80 Völkern jedenfalls nicht, von Januar bis März wird sicher keine Königin begattet, oder wie habe ich "Anfang des Jahres" zu verstehen?

  • Hallo Johannes


    Bei solchen speziellen Völkern ist eine Umweiselung immer schwierig, deshalb muß zum Zeitpunkt der Umweiselung das Volk keine Möglichkeit mehr haben sich selbst eine Königin zu ziehen. Die Stecherei ist eine unbeliebte Sache, aber es müssen nicht unbedingt die schlechtesten Völker sein, deshalb sollte man bei solchen Völkern auch im Winter mit ein wenig Rauch nachhelfen. Wenn die neue Königin bis zum Frühjahr im Volk bleibt hast du gute Chancen das das Volk wieder friedsam wird. Bei solchen Völkern weis man nie, da kann es auch schnell passieren, das die Königin bei bester Gelegenheit umgeweiselt wird.


    Nun mal ein Hinweis warum Bienen giftig werden können. Wenn man zum Beispiel Carnica Troisek und Peschetz mit Carnica Sklenar kreuzt, können unter bestimmten Umständen Stecher rauskommen. Dasselbe befürchte ich auch, wenn sich die Carnika mit der Nordbiene (dunkle Biene) kreuzt, so kann es auch hier zu der Entwicklung von Stechern führen. Das ist nur mal ein Hinweis, was da möglich ist.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Drobi,
    Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen. Es ist so. Das Ursprungsvolk war ein Carnica Sklenar Volk, das mit Buckfust gekreuzt wurde.
    In erster Generation waren das Volk noch gut zu führen. Etwas aggressiver als normale Carnica Völker, dafür aber widerstandsfähiger und der Honigertrag deutlich höher. Bei der stillen Umweiselung kam nun zudem die Gene von den 80 Völkern dazu. Das sieht man auch deutlich an den Bienen, selbst. Vorher war die Färbung des Haarkleides typisch Buckfast... rötlich / gelbe Ringel... in 2016, nach der Umweiselung sind diese relativ dunkel braun... Hab mir die Völker des anderen Imkers angeschaut. Die sehen auch so aus.
    Daher meine Vermutung... das es schon mit den Drohnen des anderen Imkers zu tun hat. Zumal damals 8 Völker gegen 80 Völker, die Wahrscheinlichkeit viel höher ist Erbgut vom anderen Imker mit reinzubekommen.