Imkern ohne Vereinsmitgliedschaft ?

  • Leider hapert es in den Vereinen oft an den nötigen rechtlichen Kenntnissen. Da wird vieles gemacht, was nur mit Satzungsgrundlage geht, obwohl die nicht besteht (Arbeitstunden z.B. kann ein Verein nur verlangen, wenn die Satzung das ausdrücklich regelt). Da wird mit Tagesordnungen unsauber umgegangen und so mancher Beschluss wäre deswegen anfechtbar, u.a.m.


    Ich bin übrigens gerade mit der biene & natur (ADIZ) in Kontakt wegen einer Beitragsreihe zu rechtlichen und steuerlichen Fragen in Imkervereinen.
    Wenn Ihr Themenvorschlage habt, her damit!


    Wolfgang


    ui, da fällt mir so einiges ein - Satzungserfordernis bei Gemeinnützigkeit z.B. Da gibt es einige, die meinen, eine einmal auf Basis der Satzung genehmigte Gemeinnützigkeit bliebe bestehen auch wenn sich zwischenzeitlich die rechtlichen Anforderungen an die Satzung geändert haben.


    Melanie

  • ui, da fällt mir so einiges ein - Satzungserfordernis bei Gemeinnützigkeit z.B. Da gibt es einige, die meinen, eine einmal auf Basis der Satzung genehmigte Gemeinnützigkeit bliebe bestehen auch wenn sich zwischenzeitlich die rechtlichen Anforderungen an die Satzung geändert haben.


    Hier gilt der Vertrauensschutz. Das Finanzamt muss also den Verein erst auffordern, die Satzung anzupassen, bevor es die Gemeinnützigkeit entzieht. Die meisten Änderungen beziehen sich auf die Mustersatzung in Anlage 1 zu § 60 Abgabenordnung. Die ist mittlerweile schon ziemlich lange gesetzlich vorgegeben, während sie vorher nur unverbindliche Verwaltungsvorgabe war. Es gibt immer noch Vereine, die ihre Satzung nicht entsprechend angepasst haben.


    Für viele Imkervereine bringt die Gemeinnützigkeit ohnehin nichts, weil sie keine Spenden einnehmen und die Beiträge so oder so nicht steuerlich abzugsfähig sind.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Arbeitstunden z.B. kann ein Verein nur verlangen, wenn die Satzung das ausdrücklich regelt.


    Dann solltest Du aber nicht soche Informationen verbreiten. Das ist nämlich nicht korrekt. Außerhalb der Satzung können noch sehr viele Regeln und Vereinbarungen getroffen werden. Es muss mittlerweile einiges in der Satzung stehen, aber bei weitem nicht allles, was den Verein betrifft. Man sollte sich bemühen möglichst viel aus der Satzung heraus zu halten und unabhängig davon Regeln zu finden und festzuhalten. Jede Änderung der Satzung ist mit reichlich Aufwand verbunden.


    Allerdings ist es immer gut zu rechtlichen und steuerlichen Fragen weitere Informationen zusammenzustellen und zu veröffentlichen. Da hapert es tatsächlich oft. Vieles läuft hier unter: "Wo kein Kläger, da kein Richter. " Aber wenn es dann mal einen Kläger gibt, ist Holland in Not. Es ist eine sehr lobenswerte Initiative von Dir. Zumal sich ständig was ändert bei den Regelungen.

  • Für viele Imkervereine bringt die Gemeinnützigkeit ohnehin nichts, weil sie keine Spenden einnehmen und die Beiträge so oder so nicht steuerlich abzugsfähig sind.


    Wolfgang


    Nicht ganz korrekt - wir sind gemeinnützig und die Beiträge sind abzugsfähig. Kommt eben auf die Satzung und wohl auch auf das zuständige FA für Körperschaften an - als simpler Tierzuchtverein geht es nicht aber wer Natur- und Landschaftspflege betreibt, hat mehr von der Gemeinnützigkeit!
    Wäre auch ein guter Tipp für die Artikelreihe...


    Grüße
    Melanie

  • Dann solltest Du aber nicht soche Informationen verbreiten. Das ist nämlich nicht korrekt. Außerhalb der Satzung können noch sehr viele Regeln und Vereinbarungen getroffen werden. Es muss mittlerweile einiges in der Satzung stehen, aber bei weitem nicht allles, was den Verein betrifft. Man sollte sich bemühen möglichst viel aus der Satzung heraus zu halten und unabhängig davon Regeln zu finden und festzuhalten. Jede Änderung der Satzung ist mit reichlich Aufwand verbunden.


    Da liegt Du definitiv falsch. Alle wesentlichen Mitgliederpflichten und -rechte können nur per Satzung geregelt werden. Dazu gehört auch die Beitragspflicht. Das gilt auch für die Art der Beiträge.


    Wolfgang

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  • Nicht ganz korrekt - wir sind gemeinnützig und die Beiträge sind abzugsfähig.


    Nein, Tierzucht gehört zu den sog. privilegierten Freizeitzwecken des § 62 Nr. 23 AO. Bei denen sind die Spenden nach § 10b EStG nicht abzugsfähig. Das gilt auch, wenn ihr noch andere Satzungzwecke habt. Wenn Euer Verein dennoch Spendenbescheinigungen ausstellt, habt Ihr ein Problem. Es sei denn, Ihr habt nicht Imkerei als Zweck, sondern nur Naturschutz o.ä.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Nein, Tierzucht gehört zu den sog. privilegierten Freizeitzwecken des § 62 Nr. 23 AO. Bei denen sind die Spenden nach § 10b EStG nicht abzugsfähig. Das gilt auch, wenn ihr noch andere Satzungzwecke habt. Wenn Euer Verein dennoch Spendenbescheinigungen ausstellt, habt Ihr ein Problem. Es sei denn, Ihr habt nicht Imkerei als Zweck, sondern nur Naturschutz o.ä.


    Wolfgang


    Genau letzteres ist der Fall - Auszug aus der Satzung:

    Zitat

    Der Verein verfolgt ausschließliche und unmittelbar gemeinnützige Zwecke im Sinne des Abschnitts “Steuerbegünstigte Zwecke” der Abgabenordnung. Zweck des Vereins ist die Förderung des Naturschutzes, der Landschaftspflege im Sinn des Bundesnaturschutzgesetzes und des Berliner Naturschutzgesetzes.


    Wie wir die Ziele dann verfolgen, kommt danach u.a. eben so:


    Zitat

    Dieser Satzungszweck wird insbesondere durch folgende Ziele verwirklicht: [...]
    Praktische Umsetzung einer artgerechten und zeitgemäßen Bienenhaltung durch wesensgemäße Bienenzucht und Bienenhaltung mit dem Ziel, durch deren Bestäubungsleistung die biologische Vielfalt (Biodiversität) in Natur und Landschaft Berlins zu erhalten.


    Heisst doch immer, dass wir ImkerInnen einen Beitrag zum Naturschutz usw. leisten...warum also die Satzung nicht einfach auch so ausrichten?
    Imkerei ist per se kein Ziel, sondern ist Mittel zum Zweck...die meisten Vereinsmitglieder wollen keine grossen Honigmengen, sondern freuen sich an dem Kommen und Gehen ihrer Bienen. Passt!
    Melanie

  • :cool:

    Leider hapert es in den Vereinen oft an den nötigen rechtlichen Kenntnissen. Da wird vieles gemacht, was nur mit Satzungsgrundlage geht, ...


    Das ist eines der Probleme, aber genau anders herum:
    Es gibt einen oder zwei, die sich da besonders gut auskennen, und einer deshalb auf die Bremse getreten hat, anstatt es mit zugesagter Unterstützung geradezubiegen. Die Zielrichtung scheint eher zu sein, den Verein komplett aufzufrischen, also nur eine Verjüngungskur anzuschieben. Da hängt letztlich auch wieder Geld dran, was der Verein ohne diese Änderung nie greifen können wird - ist im Verein allen bewusst...


    Das sind Sachen, die müssen Hand in Hand gehen, weil sie völlig ausserhalb imkerhandwerklicher Fragen immer über einem Verein stehen. Aber wenn zwangsläufige und folgerichtige (rechtliche) Verbesserungen im Vorfeld schon blockiert werden, reicht eine reine Frischzellenkur nicht.



    Da sind nun einige Punkte, die in diesem Thread so negativ gar nicht angesprochen oder bemängelt worden sind. Von mir zumindest nicht, und ich meine auch nicht von den anderen Teilnehmern dieser Runde. Es geht doch um die Abwägung Kosten - Nutzen und was den Mitgliedern eines Vereins das alles bringt. Es ist nunmal nicht jeder IV so gut gestellt, um den Mitgliedern viel oder "alles" zu bieten, was man sich wünscht.


    Am Aufhänger Beitragserhöhung gegenüber Pflichtarbeitstunden kann man es doch weiter verfolgen. Was bietet denn der Verein an Mehr, wenn er zwar mehr Geld fordert und zusätzlich mehr Mitarbeit einfordert, aber keinen Anreiz bietet, das auch gern oder kritiklos zu akzeptieren?
    Jeder sollte sich klar darüber sein, dass Vereinsbeiträge immer ein festes Standbein für Vereine sind, weil regelmäßig und zuverlässig. Kommt aber unvergütete Pflichtarbeit oben drauf, wird es grenzwertig. Egal, wie hoch oder niedrig die Beitragssumme unterm Strich ist, es geht ums Prinzip.


    Das hat absolut nichts mit Egoismus zu tun, sondern mit Unangemessenheit und Ungerechtigkeit, meinetwegen Unüberlegtheit oder Panikreaktion, we das besser gefällt - dass schreibe ich, ohne den Verein zu kennen, aus dem dieses Beispiel stammt :eek:


    Gruß Andreas

  • Hallo Freunde,
    jeder Verein ist anders und jeder hat seine eigenen Baustellen.
    Ich bin ein echter Vereinsmeier, auch wenn mein IV jetzt nicht unbedingt meine Schaffenskraft anregt.
    Einerseits denke ich, dass es schwer wird aus jedem Verein ein Verwaltungsmonster zu machen, das alle Wünsche des Verordnungenspeiers erfüllt. Bei der hier schon mehrfach anklingenden Spitzfindigkeit scheint es ratsam einen Verwaltungsspezialisten anzustellen damit man ja nichts falsch mach. Ich bin dagegen Vereinssatzungen anstatt nach dem Sinn und den Wünschen der Mitglieder, nach den Vorschriften zu formulieren.
    Der formale, rechtliche Bandwurm muss nebenher mitlaufen wie Knoblauch im Gemüsebett. Unauffällig und im Hintergrund. Das Gemüse merkt das garnicht, dass da Knoblauch und Ingwer mitläuft. Und ja vor dem Servieren rausnehmen damit niemand draufbeißt.
    Wolfgang ist ein Knoblauchkauer :-).
    Aber dieses Steuergedöns ist für manche Vereine ja auch nicht so wichtig. Nicht alle Vereine haben großzügige Spender. Aus meiner Erfahrung würde ich schätzen, dass die Hälfte der IVs den Unterschied zwischen gemeinnützigem Verein und einer GbR steuerlich garnicht bemerken würden. Was kommt denn bei so manchen Vereinen als Jahresgewinn raus, soll ich lachen.
    So Wolfgang, Du kannst mir doch bestimmt sagen, was an Steuern fällig wird wenn eine GbR 300,- € Gewinn in einem Jahr macht. Ab wann fallen bei einem nicht e.V. denn wieviel Steuern an?
    Und vielleicht könntest Du bei deinem Beitrag man manchen Opas die Angst vor einem Überschuß am Jahresende nehmen wenn Du ganz klar macht, ab wann man denn welche Steuern zahlen muss.
    Aber schreib es am Ende des Artikels denn ich glaube, dass bei der Zahl die meisten Opas dann wirklich aufhören zu lesen.
    Und noch was, ich habe nichts gegen Opas, irgendwann bin ich selber einer, ein wirklich gut aussehender, aber trotzdem.
    Was mich erregt sind solche, die bei Versammlungen dank ihrer Schreckenswallungen verhindern, dass der Verein etwas Geld einnimmt mit dem schönen Argument des Finanzamtes.
    In diesen Fällen ist es nicht das Finanzamt, das eine ordentliche Vereinsarbeit verhindert sondern die Geizkragen die bei jeder Beitragserhöhung mit Herzentfarkt drohen.
    Aber wie gesagt, das ist nicht das Problem jedes IVs.
    Viele Grüße
    Wolfgang, der sich immer vornimmt was nettes über die Notwendigkeit von Vereinen zu schreiben und am Ende wieder mit dickem Hals dasitzt und sich fragt, ob seine Blutdrucktablette wieder fällig ist

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • @WLFP:
    In Niedersachsen gibt es auch LV/KV.


    Bienenköniggibmirhonig schrieb:


    ...
    Nicht alle Vereine haben großzügige Spender.


    Vor allem die nicht, die nicht gemeinnützig sind oder es verschlafen/verschlafen haben...
    Weil die nämlich keine Spenden bekommen, und falls doch, kann es peinlich werden, wenn die Spende zurückgezahlt werden muss, wegen Unquittierbarkeit für das FA.


    Rein altruistische Spenden wird es kaum irgendwo geben, und selbst wenn von Privat, muss der Verein sie irgendwem gegenüber plausibel machen, um nicht draufzuzahlen.


    Gruß Andreas

  • Zitat

    Aber schreib es am Ende des Artikels denn ich glaube, dass bei der Zahl die meisten Opas dann wirklich aufhören zu lesen.


    ich bin ein bekennender Opa mit 4 Enkeln. Ich finde es gut wenn man ständig einen Deppen hat. Lenkt etwas von der eigenen Unfähigkeit ab.
    wenn ich hier manche Beiträge lese, in welchen mit Unkenntnis reingehauen wird.


    Hier besonders die Situation in BW, dann ist gut wenn man aufhört zu lesen. Hier das angeführte Beispiel. Einer (Holhacker) kritisiert, dass in Württemberg die Referenten des Landesverbandes bezahlt werden müssen. Stimmt, aber das Geld kann über die EU abgerechnet werden über einen Zeitraum von 9 Monaten. Für die restlichen drei Monate bezahlt der Landesverband noch einmal einen Referenten.


    Sorry, Bemerkung bezog sich auf Holzhacker von vor zwei Jahren. vielleicht ist er jetzt schlauer. Aber ein Beispiel wie man im Internet einfach so reinhauen kann.


    Remstalimker:lol:

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol:

  • Ab wann fallen bei einem nicht e.V. denn wieviel Steuern an?


    Alle Vereine, auch nicht gemeinnützige, haben einen Freibetrag bei der Körperschaftsteuer von 5.000 Euro (d.h. erst wenn der Gewinn/Überschuss höher ist, wird besteuert.)
    Aus diesem Grund ist für viele Vereine die Gemeinnützigkeit nicht von Bedeutung, weil sie auch ohne steuerfrei bleiben.


    Bei gemeinnützigen Vereinen gibt es die Umsatzfreigrenze von 35.000 Euro.
    Bei der Umsatzsteuer gelten die allgemeinen Regelungen.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Alle wesentlichen Mitgliederpflichten und -rechte können nur per Satzung geregelt werden. Dazu gehört auch die Beitragspflicht. Das gilt auch für die Art der Beiträge.


    Ich musste mich intensiv damit beschäftigen. Ich bleibe bei meiner Aussage, auch wenn mir Deine Zustimmung sicher dauerhaft verwehrt bleibt.
    Vielleicht solltest Du Dein Wissen mal bei den Behörden und Sachbearbeitern verbreiten, bevor Du bei den Vereinen anfängst. Da ist es (nach dieser Aussage von Dir) noch viel nötiger.