Wo kommen die auf einmal her.................

  • Hallo zusammen,


    bei mir stand bzw. steht die Winterbehandlung der Bienen an. Und dabei habe ich eine riesige Überraschung erlebt.


    Der Reihe nach.......


    Vor genau drei Wochen habe ich bei meinen sechs Völkern den Bodenschieber eingebracht um den natürlichen Milbenfall zu ermitteln.


    Der Bodenschieber war insgesamt sieben Tage unter den Völkern und es zeigte ich ein natürlicher Milbenfall von drei bis ca. 15 Milben in der genannten Zeit. Wobei auch zwei Völker dabei waren wo nur zwei Milben gefallen waren.


    Nach der allgemeinen Meinung, dass eine Behandlung bei <0,5 Milben pro Tag nötig ist, habe ich mich entschlossen alle Völker zu behandeln.


    Nach der Behandlung mit Oxalsäure habe ich nach weiteren sieben Tagen die Bodenschieber wieder kontrolliert. Was da zum Vorschein kam hat mich absolut geschockt. Bei drei der Völker lagen ca. 400 Milben auf der Windel. Diese drei Völker sitzen auf 5 Wabengassen. Bei meinem stärksten Volk, das auf sieben Wabengassen sitzt, sind nur 20 Milben gefallen. Ein weiters Volk hat ca. 200 Milben verloren. Das schwächste Volk ebenfalls nur ca. 20 Milben; wobei hier die Frage für mich im Raum steht ob dieses Volk den Winter überhaupt schafft.


    Zusammenfassend kann man sagen, dass der Milbenfall zwischen 400 und 20 Milben pro Volk lag. Die Völker mit dem stärksten Milbenbefall sitzen alle noch auf min. fünf Wabengassen.



    Nach der Blockbehandlung ende Juli war der Milbenfall absolut im Rahmen und bei der Kontrolle ende September war auch kein erhöhter Milbenbefall zu verzeichnen.


    Jetz zu meinen Fragen an euch:


    Woher kommen auf einmal die vielen Milben?
    Sind meine Völker nach dem Ergebnis jetzt in Gefahr?
    Was muß, kann ich jetzt noch unternehmen bzw. ist das Ganze noch normal?



    Viele Grüße


    Michael

    Wir sind Unser 3 Mal Elve und nennen uns die Wölwe und geben auf jedweden Acht der Lange finger macht.

  • Das Problem sind nicht die Milben, die fallen, sondern die, die im Volk bleiben.
    400 Milben sind nicht wenig. Wenn das Volk brutfrei ist und nicht allzu schwach, wäre das aber kein dramatischer Befund und er passt auch zu dem genannten natürlichen Milbenfall.


    Woher sie kommen, ist schwieriger zu beantworten. Dazu müsste man die Bedingung und den Ablauf bei der Sommerbehandlung kennen. Eine Reinvasion kann natürlich auch stattgefunden haben.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Sei froh über jede Milbe, die gefallen ist! Wie Wolfgang schreibt, kann man nur hoffen, dass die Völker Brutfrei sind und bei der Winterbehandlung möglichst viele Milben vernichtet wurden.
    Doof sind die Milben, die zurück bleiben.
    Wie auch in anderen Threads beschrieben wurde, war es dieses Jahr noch spät warm (Ende August-Anfang September!), was die Varroa-Vermehrung begünstigt hat.
    Das Kappen der Varroa-Spitze Ende Juli-Anfang September hat nicht nachhaltig ausgereicht, um die Varroa unter einen Schwellwert zu bekommen.
    Durch die milden Temperaturen auch jetzt noch im Winter sind die Bienen erst spät oder gar nicht aus der Brut gegangen sind. Varroa hat sich entsprechend fröhlich weiter vermehrt.
    Das alles zusammen sorgt derzeit bei vielen Imkern für schwache Völker und eine hohe Varroa-Startzahl für das Imkerjahr 2017.
    Ob deine Völker durch den Winter kommen, werden wir wohl erst im März/April sehen. 5 Wabengassen hört sich jetzt erst mal ok an (DN oder womit imkerst du?).
    Normal ist das nicht, aber an solche Wetterkapriolen müssen wir uns wohl in Zukunft gewöhnen und auch die gesamte Varroa-Behandlungs-Thematik muss nochmals hinterfragt werden.
    Nur "stupide" die Behandlungsrichtlinien mit AS durchführen hat dieses Jahr leider nicht immer ausgereicht und jeder, der TBE gemacht hat und in dem Zuge mit MS oder Ox-Dampf gegen die Milbe vorgegangen ist, sollte stärkere Völker haben.
    Leider gibt es ab September/Oktober keine wirksamen und zugelassenen Mittel mehr, um gegen die Varroa noch vorzugehen und starke Völker im September können im Oktober oder November schon verloren sein. Für AS und MS und TBE ist zu dem Zeitpunkt schon zu spät. Hier hilft dann nur noch Ox-Dampf, da der Temperatur und Witterungsunabhängig ist, und Puderzucker/bienenhilfe, um zumindest den Völkern eine Chance zu geben, ins neue Bienenjahr zu gehen.
    Bei mir wird es nächstes Jahr ein Varroa-Behandlungskonzept nur noch mit TBE in Kombination mit MS oder Ox-Dampf geben. Alles andere ist bei den milden Wintern wie Lotto spielen.

    Grüße aus HH Andreas


    Man kann sich den ganzen Tag aufregen :evil: ------- Ist aber nicht verpflichtet dazu :cool:

  • Woher kommen auf einmal die vielen Milben?


    ... aus der Brut.
    Dazu hatte mal Rudi Maurer eine interessante Berechnung und Analyse vorgelegt. Mal suchen unter "Re-Invasion von innen"



    Sind meine Völker nach dem Ergebnis jetzt in Gefahr?


    Nein.



    Was muß, kann ich jetzt noch unternehmen bzw. ist das Ganze noch normal?


    Das ist im Rahmen des Normalen.

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal gefährlich."

  • Das ist nicht ungewöhnlich; denn in diesem Jahr waren die klimatischen Verhältnisse schon besonders. Durch einerseits den sehr warmen Dezember 2015 mit einer ggf. unzureichenden Winterbehandlung im letzten Jahr hatte man u.U. eine hohe Startpopulation an Milben. Und dann kam nach der Honigernte im September der Sommer mit Temperaturen bis 30 Grad nochmal zurück. Und da wurden nicht nur Bienen erbrütet.


    Bei mir zeigte sich zumindest im Oktober ein ganz ähnliches Bild wie Du es schilderst. Und in Süd-Mecklenburg ist das Wetter auch nicht viel anders als in Ost Schleswig Holstein. Ich konnte dann durch enge Kontrollen und gezielte Mehrfachbehandlung den Milbenfall auf < 30 nach Behandlung senken. Es war schon sehr speziell.


    Ich interpretiere den hohen Milbenfall nach OXS-Behandlung jetzt als "Restentmilbung" in der Hoffnung, dass nur noch wenig bis gar keine Brut vorhanden ist. Bie einer Effizienz von 85 % hast Du noch ca. 70 Milben im Volk - das mal als Hypothese. Die sollten nach einer weiteren Behandlung auch zu erreichen sein, außer - du träufelst.... das geht nur ein Mal.


    Beste Grüße


    Rainer


  • Ich interpretiere den hohen Milbenfall nach OXS-Behandlung jetzt als "Restentmilbung" in der Hoffnung, dass nur noch wenig bis gar keine Brut vorhanden ist. Bie einer Effizienz von 85 % hast Du noch ca. 70 Milben im Volk - das mal als Hypothese. Die sollten nach einer weiteren Behandlung auch zu erreichen sein, außer - du träufelst.... das geht nur ein Mal.


    Beste Grüße


    Rainer


    Alternative Idee wäre noch eine MS-Sprühbehandlung. Die sollte auch nach der Träufelung noch machbar sein.


    Melanie

  • Sry, das wird jetz ein wenig weh tun ;)


    Wo die Milben herkommen? Nachlässigkeit.
    Du schreibst Blockbehandlung im Juli und eine Nachschau im September.
    Im September muss eine Behandlung erfolgen, erst recht in Jahren wie diesen.

  • Vielen Dank für die vielen Antworten in so kurzer Zeit.


    Noch einige Informationen im Nachgang.


    Die Völker sitzen auf Zander Waben.


    Behandelt habe ich ausschließlich mit OX Dampf. Da hier offen mit diesem Thema umgegangen wird bin ich erhlich.

    Wir sind Unser 3 Mal Elve und nennen uns die Wölwe und geben auf jedweden Acht der Lange finger macht.

  • Nach der Blockbehandlung ende Juli


    Wie sah denn die Blockbehandlung aus? Alle 7 Tage, drei Mal hintereinander? Oder alle 3 Tage, sieben Mal hintereinander?


    Wenn noch so viele Milben übrig sind nach dem Bedampfen, dann war es meistens ein falsche Rhythmus. Alle 3 Tage, sieben Mal hintereinander ist in solch komischen Jahren wie dieses die sichere Alternative. Diese Wochenabstände reichen nicht aus.


    Sind meine Völker nach dem Ergebnis jetzt in Gefahr?


    Wenn Du noch 10.000 Bienen im Kasten drin hast, dann sind 400 Milben Befall = 4 % der Bienen befallen. Da besteht keine akute Gefahr für die Völker. Erst so ab 8-15 % rauchen die Völker ab. Aber dann wären die heute schon tot. Was heute noch lebt, stirbt kaum mehr an der Milbe.


    Aber: mit so einem Varroapegel haben deine Völker im nächsten Frühjahr ganz schlechte Karten. Deswegen einfach noch zwei Mal bedampfen, im Wochenabstand und am besten, wenn es gerade eine Warmphase hat (>8°C). Es ist immer besser, wenn die Bienen im Winter nach einer Störung – egal welcher Art – kurz rausfliegen können.


    Gruß


    Bernhard

  • Bei der Blockbehandlung im Sommer habe ich fünf mal im Abstand von fünf Tagen bedampft.


    Danach im September und im Oktober jeweils eine Kontrollbedampfung.


    Die oben beschriebene "Restentmilbung" habe ich vor zwei Wochen begonnen. Nach dem beschriebenen Ergebnis habe ich nach sieben Tage nochmal bedampft. Das Ergebnis der zweiten Bedampfung sah folgendermaßen aus:


    -Bei zwei Völkern sind kleiner 5 Milben gefallen
    -Bei den stark befallenen Völkern sind nochmals Milben gefallen aber erheblich weniger als beim ersten mal.


    Heute; also 14 Tage nach der ersten Bedampfung, habe ich die vier stark befallen Völker ein drittes Mal bedampft.


    Als Anmerkung möchte ich kurz erwähnen, dass die Bienen bei keiner der Bedampfung auch nur annähernd eine Reaktion zeigen. Für mich sieht es so aus, dass der OX Dampf die Bienen nicht andeutungsweise stört oder beeinträchtigt.


    Ich hoffe sehr das ich die Milben jetzt soweit dezimiert habe, dass ich im kommenden Jahr gut starten kann.

    Wir sind Unser 3 Mal Elve und nennen uns die Wölwe und geben auf jedweden Acht der Lange finger macht.

  • Bei der Blockbehandlung im Sommer habe ich fünf mal im Abstand von fünf Tagen bedampft.


    Das war der Fehler. Die ersten Bedampfungen im Sommer lagen zu weit auseinander. Das kann mal gutgehen. In so besonderen Jahren, wie dieses Jahr, reicht es nicht aus.