Refraktometer

  • Kann zur Kalibrierung eines Refraktometers jedes im Handel erhältliche Nelkenöl verwendet werden?
    Für eure Antworten vielen Dank
    besinnliche Weihnachten und gesundes 2017


    Alex

  • Wenn du mit Kalibrierblock misst, meine ich ja, denn dann kommt es eigentlich nur auf den Kalibrierblock, also das kleine Glasstückchen an.


    Dessen Brechungswinkel wird gemessen, nicht der des Nelkenöls. Und er muss 19,6% sein, alles andere wären falsche Angaben, auch wenn sie in den Bedienungsanleitungen stehen sollten.


    Das Nelkenöl dient nur dazu, dass der Glasblock ohne Lufteinschlüsse plan auf dem Prismal liegt. Warum es dann allerdings Nelkenöls sein muss, hat mir noch keiner erklären können, aber so funktioniert es ganz sicher richtig und vielleicht braucht es doch genau das Nelkenöl. Aber wenn, würde ich auch nur Nelkenöl und nicht Nelkenstielöl oder Nelkenblütenöl nehmen, sicher ist sicher obwohl es vermutlich nichts ausmacht.


    Kleiner Tip: Nimm' so wenig wie möglich Nelkenöl, es darf nichts neben dem Glasblock rausquellen. Wenn doch, vor der Kalibrierung vorsichtig wegwischen.
    Nur dann hast du eine scharfe Trennlinie, nach der du justieren kannst.


    Gruß
    hornet

  • Würde ich so bestätigen. Kannst Du in jeder Apotheke bekommen - es reichen kleinste Mengen (3 bis 5 ml).
    Nelkenöl wird auch in der Zahnmedizin zur Desinfektion eingesetzt; ist also nix Besonderes.


    Hornet, bist Du sicher, dass Nelkenöl keinen eigenen Brechungsindex hat ? Müsste ggf. auch bei den 19,6 liegen...


    Ich werde es mal bei Gelegenheit messen...


    Beste Grüße


    Rainer

  • also einen eigenen Brechungswinkel hat es ganz sicher:wink:


    Und es kann tatsächlich sehr gut sein, dass er auch bei 19,6% liegt.
    Das wiederum würde erklären, warum es ausgerechnet Nelkenöl sein muss.
    Allerdings nicht, wozu dann der Kalibrierblock sein soll?
    Womöglich bräuchte es den Kalbrierblock gar nicht? :eek:


    Bin ehrlich gesagt noch nie auf die Idee gekommen, mal nur das Nelkenöl zu messen, schon allein, weil ich den Geruch eher unangenehm finde und das Refraktometer dann immer länger noch danach riecht.

  • Olivenöl ist gut, allein reicht es aber nur, wenn man ein ideales Refraktometer hat, bei dem die Messkennlinie im 45°-Winkel verläuft. Das aber ist bei den üblichen Geräten im Bereich bis wenige hundert EUR offenbar praktisch nie der Fall, die meisten weichen mehr oder weniger, viele durchaus stark davon ab.


    Denn stimmt das Gerät bei 27%, muss es im für uns relevanten Bereich von 15-19% noch lange nicht stimmen, siehe aktuelle Fachzeitschriften aus November und Dezember (Imkerfreund, ADIZ etc.)!


    Man braucht mindestens zwei sichere Messpunkte, die möglichst weit voneinander entfernt sind, um die für das Refraktometer individuelle Messkennlinie, also die entsprechende Gerade bestimmen zu können. Die 19,6% und die 27% wären so eine Kombination, mit der man arbeiten kann.


    Auch die 19,6% des Kalibrierblocks reichen genau genommen alleine nicht. Da dieser Referenzpunkt aber immerhin sehr viel näher an dem für uns relevanten Messbereich liegt, wäre die alleinige Verwendung weniger falsch als es die alleinige Verwendung des Olivenöl-Referenzpunktes, da die individuellen Abweichungen der Refraktometer um so größer werden, je weiter man sich vom Referenzpunkt entfernt.


    Und weil viele Geräte zwar eine ATC-Funktion haben, die aber gar nicht oder nur schlecht funktioniert, sollte man alle Messungen und erst recht Kalibrierungen bei möglichst genau 20°C machen und alle Geräte und Messflüssigkeiten/-blöcke vorher bei diesen Temperaturen länger gelagert haben. Und bei den Messungen versuchen, die Gerätschaften nicht durch warme Finger zu stark zu erwärmen bzw. durch kaltes Spülwasser zu stark abzukühlen.


    Quelle für all das ist der Autor der einschlägigen Artikel in den beiden jüngsten Ausgaben vom Imkerfreund/ADIZ, der auch Vorträge zu diesem Thema gehalten hat, die weit über die paar Zeilen in den Heften hinausgingen.

  • Wenn du mit Kalibrierblock misst, meine ich ja, denn dann kommt es eigentlich nur auf den Kalibrierblock, also das kleine Glasstückchen an.


    Dessen Brechungswinkel wird gemessen, nicht der des Nelkenöls. Und er muss 19,6% sein, alles andere wären falsche Angaben, auch wenn sie in den Bedienungsanleitungen stehen sollten.


    Das Nelkenöl dient nur dazu, dass der Glasblock ohne Lufteinschlüsse plan auf dem Prismal liegt. Warum es dann allerdings Nelkenöls sein muss, hat mir noch keiner erklären können, aber so funktioniert es ganz sicher richtig und vielleicht braucht es doch genau das Nelkenöl.


    Altes Uni-Wissen rauskram ...:
    Das Messprinzip im Refraktometer beruht auf Totalreflexion - vereinfacht gesagt ergibt im Strahlengang das Medium mit dem geringsten Brechungsindex den Messwert. Wenn man den Kalibrierblock einfach auf das Prisma legt würde man nur die Luft zwischen Prisma und Kalibrierblock messen (und die liegt außerhalb des Messbereichs - kein Messwert). Als Kontaktflüssigkeit wird also etwas benötigt, dessen Brechungsindex höher ist als der des Kalibrierblocks. Für Nelkenöl (Brechungsindex ca. 1,52) scheint das zu passen, es würden aber auch andere Flüssigkeiten mit hohem Brechungsindex funktionieren, z.B. Monobromnaphtalin oder Dijodmethan - aber die will hier wohl niemand benutzen.


    Klaus


    Nachtrag: sehr trockener Honig könnte auch funktionieren, habe ich aber noch nicht ausprobiert