Temperaturanstieg in der Wintertraube nach Oxalsäure-Behandlung?

  • Werbung

    Wir sind ein paar Imker, die an einer sehr günstigen elektronischen Stockwaage (siehe http://open-hive.org und http://hiveeyes.org oder auch diesen thread hier: https://www.imkerforum.de/showthread.php?t=51767) basteln. Neben der Waage gibt es auch andere Sensoren, u.a. einen Temperatursensor im Brutraum bzw. jetzt - wenn er richtig positioniert ist - in der Winterkugel.


    Beim Betrieb unserer Prototypen sind jetzt deutliche Temperatursteigerungen direkt nach der Winter-Oxalsäurebehandlung aufgefallen.


    Die Temperatur steigt bei einem Volk von vorher 18-21 °C auf knapp 30 °C und bleibt auf diesem Niveau ca. 12 Stunden, danach geht die Temperatur wieder zurück auf ca. 25 °C und bleibt da mit hohen Schwankungen ca. 4 Tage, danach steigt sie auf 33 °C und bleibt danach zwischen 28 und 31 °C.


    Peaks hatten wir die Tage vorher auch schon: ca. 6 Stunden auf 30 bzw. 25 °C. Ich denke das sind die auch schon von Tautz gefundenen Heizpeaks zur Futterabnahme.


    Wir haben die Erwärmung auch bei einem zweiten Volk gefunden, bei einem dritten Stand gab es diese heftigen Effekte nicht.


    Handelt es sich hier um eine Reaktion auf die OS-Behandlung? Wollen die Bienen die aufgenommene Säure "verdünnen" und nehmen daher verstärkt Futter ab, das sie vorher "anheizen müssen"? Ist es eine Re-Positionierung der Wintertraube durch die Störung? Oder eine Futterabnahme nach der Devise "nun sind wir eh in Aufregung und gestört / aus der Wintertraube dann lasst uns gleich noch Futter aufnehmen"?

  • Hallo Clemens,


    ich habe zwar nur eine Stockwaage "von der Stange" und daher vermutlich nicht so ausgefeilte, feine Sensoren wie du, aber ich kann und konnte das auch jedesmal beobachten.


    Ich habe es bisher darauf zurückgeführt, dass die Traube natürlich durch die Beträufelung (in meinem Fall) erheblich gestört wird und quasi "aufwacht", also sich auch aufheizt. Man merkt ja schon beim Beträufeln, dass die oberen Bienen aufmerksam werden und reagieren und sich "aufpumpen" und zunehmend beweglicher werden.


    Bei mir war der Anstieg nicht so lange und schon gleich gar nicht so hoch wie bei euch, kann aber auch daran liegen, dass mein Fühler diesmal nicht so optimal sitzt und zu weit weg von der Traube ist. Immerhin ist die Temperatur also dennoch angestiegen, nicht abgefallen, obwohl die Kiste ja eine zeitlang offen war, bei mir immerhin in Dunkelheit und bei frostigen Außentemperaturebn von -3°C (die Außentemperatur bei meiner Waage ist mit -0,8°C zum Zeitpunkt der Behandlung höher, weil dieser Sensor direkt unter dem Gitterboden sitzt).


    Der geringe Gewichtsanstieg im Laufe des Tages rührt von Reif her, der im Laufe des Tages durch Wind vom Strauch darüber herabgefallen ist.


    hier das Bild von heuer:


    Gruß
    hornet

  • Die Wintertraube löst sich durch Wirkung des warmen Luftstroms während der Bedampfung auf und muss sich danach neu formieren. Dabei kann sich sowohl die Form als auch die Lage ändern und somit auch der Kontakt zu ortsfesten Temperatursensoren.
    Bei Träufelung wird der Effekt vermutlich geringer sein.


    Gruß Ralph

  • Die Wintertraube löst sich durch Wirkung des warmen Luftstroms während der Bedampfung auf und muss sich danach neu formieren. Dabei kann sich sowohl die Form als auch die Lage ändern ...


    Es ist ein deutliches Brausen zu hören, wenn die Beute wieder zu ist.

    Gruß Michi ☮ ------------- Spezialisierung ist was für Insekten! :-D

    🖖🏿Dif-tor heh smusma🖖🏿

  • verdampft Clemens denn? Aus seiner Eingangsfrage geht das nicht hervor.
    Das würde natürlich seinen stärkeren und längeren Temperaturausschlag auch erklären.
    Ich bin einfach davon ausgegangen, dass er wie ich "nur" beträufelt...


    Aber auch nach der Beträufelung kann man ein leises Brausen hören, das vorher nicht da war. Unbemerkt geht die Ox-Behandlung also keinesfalls vonstatten, auch wenn es sich gelegentlich etwas anders anhört.

  • Bei der Träufelung nehmen die Bienen zum großen Teil die OS-Zuckerlösung auf, das ist gleichzusetzten mit einer kleinen Futtergabe, die automatisch einen Temperaturanstieg auslöst. Den Temperaturanstieg den Clemens nach 4 Tagen beschreibt, würde ich als den Versuch eines Brutbeginns werten.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Dieses Phänomen beobachte ich eigentlich jedes Jahr, egal ob Träufeln oder Verdampfen. Allerdings am nächsten Tag wieder verschwunden.
    "][/URL]
    Die Gewichtszunahme ist ein Stein, den ich zur Beschwerung aufgelegt habe.

    Grüße an alle


    Michael




    -Das größte Geheimnis ist, ein Genie zu sein, aber niemand außer einem selbst weiß es-

    (Mark Twain) Donald Duck


  • Die Temperatur steigt bei einem Volk von vorher 18-21 °C auf knapp 30 °C und bleibt auf diesem Niveau ca. 12 Stunden, danach geht die Temperatur wieder zurück auf ca. 25 °C und bleibt da mit hohen Schwankungen ca. 4 Tage, danach steigt sie auf 33 °C und bleibt danach zwischen 28 und 31 °C.


    Ist eine ganz normale Erscheinung, was würdest du machen, wenn dir im Winter jemand Wasser in die schwach beheizten Hütte kippt und über dir verteilt?



    Peaks hatten wir die Tage vorher auch schon: ca. 6 Stunden auf 30 bzw. 25 °C. Ich denke das sind die auch schon von Tautz gefundenen Heizpeaks zur Futterabnahme.


    Wir haben die Erwärmung auch bei einem zweiten Volk gefunden, bei einem dritten Stand gab es diese heftigen Effekte nicht.


    Auch diese Peaks sind ganz normal, je nah Volksstärke und Umgebungstemperatur fallen diese unterschiedlich aus und können in kürzeren oder längeren Abständen erfolgen.
    Schwache Einheiten müssen dies öfter tun und sind daher alle 2-3 Tage am aufwärmen, stärkere nur alle 3-5 Tage. Das hat nichts mit etwas zu tun was Tautz gefunden hat, sondern was seit Jahren bekannt ist -sofern man ein wenig Beobachtungsgabe hat und gewillt ist den Bien zu verstehen. Tautz hat es lediglich erst jetzt erkannt und verstanden, dies ist jedoch keine neue Erkenntnis.




    Handelt es sich hier um eine Reaktion auf die OS-Behandlung? Wollen die Bienen die aufgenommene Säure "verdünnen" und nehmen daher verstärkt Futter ab, das sie vorher "anheizen müssen"? Ist es eine Re-Positionierung der Wintertraube durch die Störung? Oder eine Futterabnahme nach der Devise "nun sind wir eh in Aufregung und gestört / aus der Wintertraube dann lasst uns gleich noch Futter aufnehmen"?


    Klar sind die Bienen erstmal damit beschäftigt sich zu reinigen und dafür müssen sie die Wintertraube "öffnen" weil sonst könnten sie sich nicht putzen. Bekannt ist, Bienen nehmen nach OS Behandlungen mehr Wasser auf um die Übersäuerung aus zu gleichen. Ebenfalls haben sie den erhöhten Drang auszufliegen, weshalb das Träufeln möglichst so zu planen ist, dass es wirklich kalt ist und die Bienen dann nicht bei 8 Grad raus fliegen und verklammen.


    Sicherlich muss die Wintertraube erstmal wieder zusammen finden und vermutlich nehmen sie dann auch direkt Futter auf, was aber sicherlich weniger dem Gedanken der "wir sind nun eh in Aufruhr" Mentalität sondern eher dem Ausgleich der Übersäuerung geschuldet ist.
    Bei deinen Temperaturen von 28-31 Grad würde ich eher annehmen, dass die Damen wieder in Brut gegangen sind. Hierzu gab es bereits Feststellungen aus verschiedenen Ecken Deutschlands, dass die Damen aktuell wieder etwas in Brutlaune kommen.

    Gruß Markus


    Ubi apis, ibi salus 
    Wo Bienen sind, dort ist Gesundheit

  • Hallo,


    mein Sensor zeigt auch ähnliches Verhalten. Die ersten 4h nach der Ox-Bedampfung steigt die Temperatur an, danach fällt sie über fast 20h langsam auf Ausgangstemperatur zurück. Die Bienen von der Lautstärke sind jedoch wenige Minuten nach der Behandlung schnell wieder ruhig. Diese "Unruhe" im Volk wurde bei mir nur den OX Dampf ausgelöst, da ich am Waagen-Volk dieses Jahr nicht den Oxamaten, sondern den Varrox benutzt hatte, also nur den Bodenschieber rein, Varrox ins Flugloch und Gas :daumen:



    gr. Stefan

  • Auch diese Peaks sind ganz normal, je nah Volksstärke und Umgebungstemperatur fallen diese unterschiedlich aus und können in kürzeren oder längeren Abständen erfolgen.
    Schwache Einheiten müssen dies öfter tun und sind daher alle 2-3 Tage am aufwärmen, stärkere nur alle 3-5 Tage. Das hat nichts mit etwas zu tun was Tautz gefunden hat, sondern was seit Jahren bekannt ist -sofern man ein wenig Beobachtungsgabe hat und gewillt ist den Bien zu verstehen. Tautz hat es lediglich erst jetzt erkannt und verstanden, dies ist jedoch keine neue Erkenntnis.


    Ich hatte es bis dato nirgends gelesen. Das war die erste Quelle für mich, ein Posting von Anfang 2012: https://www.landlive.de/boards/thread/40122/page/1/


    Spannend ist, dass du Unterschiede zwischen starken und schwachen Völkern siehst! Das ist eine gute Info für elektronische Bienen-Monitoring-Ansätze! Bisher dachte ich an mehrere Temperatursensoren, die quasi die größe der Kugel messen und man darüber auf die Größe des Volks schließen kann. Wenn die Zeiten zwischen den Peaks stabil kleiner bzw. größer sind und zwar bei kleinen Völkern signifikant geringer als bei größeren wäre das prima und würde ein schöner Faktor für die Volksgröße sein, die einfach gemessen werden kann.