Völkerverlust trotz Ameisensäure

  • Guten Nachmittag zusammen!


    Wenngleich der Threadtitel auch zu 100% zutrifft, ich hätte sehr gerne nichts zu diesem Thema geschrieben.
    Und doch bleibt mir nichts Anderes übrig als mich in die Reihe der Verlustigen zu stellen und zu Grübeln wo der Knackpunkt lag:


    Trotz Ameisensäurebehandlung mit ST nach meines Erachtens bewährtem Konzept und im Falle der KS einem bisher ebenso bewährten Konzept inkl. MS-Behandlung liege ich faktisch bei einem realistisch einzuschätzendem Verlust von ~80% der Völker.


    Beim heutigen OS-sen ein Trauerspiel allerorten: 2 Völker sind bei +/- 2-3°C meinem Maßstab und Anspruch gemäß und wohlwollend als "sehr mäßig bis schwach" zu bezeichnen:




    der Rest muß ehrlicherweise als "faktisch nicht mehr existent" benannt werden:



    Da hilft dann auch schutzbrillenbedingte Coolness nichts mehr...



    Ich könnte heulen.


    Exemplarisch mal ein paar Aufnahmen des Totenfalls, inkl. Massen an Varroen:




    Weiterhin noch ein Volk ziemlich sicher weisellos:




    Parallel dazu kreist uns hier, als würde das nicht reichen, ganz offensichtlich die AFB gehörig ein. Weiß der Geier wie es dazu kommt.


    Ich resümiere mein Bienenjahr 2016 daher nach durchwachsener, aber noch akzeptabler Gesamthonigernte in Gänze als absolut unterirdisch: Völkerverluste in noch dagewesener Höhe, akute AFB-Gefahr / -Druck und nur eine (bisher noch) sehr überschaubare Basis an fixer Bienenmasse für `17.
    "Positiv": es ist noch genug Honig da, auch wenn die nächstjährige Ernte komplett ausfallen sollte. Das war es dann allerdings auch. Obwohl, *Galgenhumor an* falls die AFB uns erwischt: Viel kaputtgehen kann bei mir ja zumindest an Völkern nicht mehr...*Galgenhumor aus*


    Zerknirschte Grüße in die Runde
    Patrick

    Et kütt wie et kütt und et hätt noch immer jut jejange!

  • Wir hatten im September(!) bis zu 35 Grad Celsius Außentemperaturen. Die Bienen sind massiv in Brut gegangen. Danach kam im Oktober ein Temperatursturz.


    Im Oktober waren die Völker noch knüppelvoll mit Bienen. Offensichtlich haben die Bienen im September hauptsächlich kurzlebige Sommerbienen erbrütet, mit einer Lebensspanne von vier bis sechs Wochen. Das Resultat sehen wir heute: die große Masse an Sommerbienen stirbt wegen der Kurzlebigkeit weg und die Völker dampfen sich auf die wenigen Winterbienen/Dauerbienen ein.


    Die von Dir gezeigten Bilder habe ich am ganzen Niederrhein so vorgefunden. Unabhängig von der Varroabehandlungsmethode. Von Ameisensäure, Brutentnahme bis Oxalsäure und anderen härteren Mitteln: die Meisten hat es in dieser Art erwischt. Im Verein gibt es bereits drei Totalausfälle.


    Im Oktober waren die Bienen aufgrund der drastisch gefallenen Außentemperaturen nicht mehr in der Lage, die erforderliche Menge an Dauerbienen zu erbrüten. Sie konnten auch mangels Flugwetter nicht den erforderlichen Pollen dazu eintragen. Niedrige Temperaturen begünstigen auch die Entwicklung der Varroa.


    An sonnigen Gunststandorten sehen die Völker besser aus. Auch Völker und späte Ableger, die mit Pollenteig gefüttert wurden, sehen viel besser aus als die anderen. Bienen sind ja durchaus in der lage auch bei Kälte zu brüten, sie brauchen aber die geeignete Nahrung für Futtersaft. Pollen! Beuten mit geschlossenen Boden sehen besser aus, als die mit offenem Bodengitter. Wer seit dem Sommer durchgehend mit Ox beampft hat, hat starke Völker.


    Und anders herum: schattige Standorte, offene Bodengitterböden, offene Fluglöcher und ohne Pollenteig sehen schlechter aus bis sehr schlecht.


    Ob die bisher so erfolgreichen Konzepte mit den zukünftigen Wetterkapriolen und -besonderheiten so weiter verwendet werden können, wage ich anzuzweifeln. Wir brauchen viel flexiblere Konzepte und Techniken, um die Bienen über die Zeit zu retten.


    Ich habe noch gut die schönen Bilder von Dir aus den letzten Jahren in Erinnerung. Vorzeigevölker! Umso mehr trifft es mich, wenn ich die diesjährigen Völker sehe. Ich drücke allen die Daumen, daß wir die Bienen durch den Winter bekommen. Wenn es nochmal richtig kalt wird im Januar, dann wehe den Bienen. Kälte und geschwächte Völker sind keine gute Kombination.


    Mitfühlende Grüße


    Bernhard


    PS: Bitte solche Völker nicht mit Oxalsäure beträufeln - das schädigt sie zu sehr!

  • Hallo Patrick Johannes,


    puh Scheiße, das tut mr leid für Dich. :cry:


    Ich schieb jetzt immer Mitte/Ende Oktober nochmal die Wndel ein, um eine Wasserstandsmeldung zu bekommen. Dieses Jahr hat es bisher zumindest ein Volk gerettet. AFB hatten wir letztes Jahr auch, ich bin zum Glück mit blauem Auge davon gekommen.


    Kopf hoch, nächstes Jahr wird wieder besser. :daumen:


    Grüße


    Dirk

    Wenn Du tot bist, weißt Du nicht, daß Du tot bist. Aber für Dein Umfeld ist es hart.

    Genauso ist es, wenn Du blöd bist.


    Ich halte die Erkenntnis für einleuchtend, dass alle Menschen frei geboren sind und nicht alle das überhaupt wollen.

  • Hallo Patrick


    da bist du nicht allein, ich habe auch 2 Völker 1,5 DNM eingebüßt und einige HBB, also ich versteh dich. Wie Bernhard schreibt liegt die Hauptursache, besonders bei uns an der Tracht bis Anfang Oktober. Ich habe im September 3 Mal aller 7 Tage OS gedampft, das war anscheinend zu wenig, vielleicht hätte ich 7 Mal aller 3 Tage dampfen sollen. Ich glaube auch das hätte nicht genutzt. Die Milben sind schlagartig explodiert und das hatte ich so nicht auf dem Schirm und als ich es gemerkt habe war es zu spät.
    Dem Gedanken das nur kurzlebige Arbeitsbienen erbrütet wurden, ist besonders zu beachten. Wer sich erinnert das ich 2 Völker hatte die keine Brut im September hatten und wo ich schon einen neue Königin reinsetzen wollte, die sehen so aus wie deine 2 Supervölker auf dem Bild. Die letzten 2 Jahre ohne Verluste bei fast gleicher Behandlung, aber ohne Septembertracht.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Bisher sind es bei mir 20% Verluste.
    Das ist zu den Vergleichsjahren hohe Zahlen. Ich gehe mit Euch überein das in diesen Jahr altbewährte Mehtoden nicht so den Bestand gesichert haben wie es erforderlich gewesen wäre. Die hohe Tracht auch noch im September hat viele Bienen gefordert und alles Futter ist mit Zementhonig versetzt. Ich sehe eigentlich mit Sorge auf den anstehenden Winter.Aber so viele Milben wie bei Dir Patrik hab ich nicht gesehen.
    Und wir werden in den nächsten Jahren viel mehr Arbeit mit den Bienen haben wenn wir erfolgreich Imkern wollen. Früher lief oftmals alles von alleine.......
    Was war es in den 80 zigern für eine glückselige Imkerei, ohne Milbe und Vieren. (ich hatte nie mit der Thrachenenmilbe zu tun). Gruß Peter

  • Hallo Drobi,

    vielleicht hätte ich 7 Mal aller 3 Tage dampfen sollen.


    war die Bedampfung deine einzige Behandlung? 7 mal alle 3 Tage wäre vermutlich wieder zu viel des Guten. Aber 3 mal alle 4-5 Tage, so das 1x alle Milben aus einem Verdeckelungszyklus erwischt werden, aber sich kaum Milben wieder in die Brut retten können, halte ich für erfolgsversprechender, als 3 mal alle 7 Tage.


    Gruß
    Ludger

  • Hallo Patrick,
    das ist echt mies in solche Kisten zu schauen. Tut mir sehr leid für Dich und diese Bienen.
    Trotzdem danke für die Bilder.
    Da ich eigentlich jedes Jahr zu diesem Thema etwas beitragen kann, kann auch von mir was kommen:
    Ich habe auch Völker, die als mickerig zu bezeichnen sind und wahrscheinlich kein Silvester mehr feiern werden. Zum Glück nur sehr wenige. Eines davon zeigte mir einen hohen Milbenfall auf der Windel. Bei den anderen finde ich auf den toten Bienen und auf der Windel fast keine Milben. Ausnahmslos alle Schwächlinge haben im November noch starke Trachtflüge unternommen. Zu welcher Tracht, weiß ich nicht, aber es ging in Richtung Nachbarimker. Bitte nicht als Wertung aufnehmen, sondern nur als Beobachtung. Die Völker, die am gleichen Stand kälter standen, sind nicht mehr geflogen und sitzen jetzt sehr gepflegt und ruhig in ihrer Kiste. Schön und beruhigend anzuschauen. Insgesamt sind die kühl stehenden Völker besser dran, als die an wärmeren Plätzen, womit hier ein anderes Bild vorliegt, als bei Bernhard und wohl dem Rest der Niederrheiner.


    Ich habe auch Völker gefunden, die eine hohe Zahl an Milben auf der Windel hatten und zwar bevor sie eine Winterbehandlung bekommen haben. Die sind aber dick und fett in der Beute und geben keinerlei Anlass zur Sorge bis zum heutigen Tage (und erfahrungsgemäß dann auch nicht mehr bis zum Frühjahr).


    Wie in jedem Jahr fällt es mir schwer einen direkten Zusammenhang zwischen der Milbenzahl und den Völkerverlusten zu finden. Die Beobachtung der Räuberrei oder eines anderen schädlichen Futtereintrags hat mich aber zumindest mal etwas weiter gebracht. Es sind auch dieses Jahr wieder Beobachtungen, die das hohe Vorkommen an Varroamilben nicht unbedingt immer als Grund für Völkerverluste annehmen lassen.


    Zu den Bildern von Patrick hätte ich die Frage, ob die Mustervölkerbilder auch bei <6 Grad Celsius gemacht sind? So was hab ich noch nicht gesehen bei meinen Völkern und diesen Temperaturen. Meine sitzen dann dichter und weiter unten. Das zeigte dann einen erheblichen Unterschied zwischen Holz- und Polystyrolkisten

    Ein Bienenschwarm ist keine Naturkatastrophe...

  • Hallo, ich habe eins weniger, die haben aber schon im Sommer einen Spritzschaden bekommen.....das waren die guten Nachrichten, die schlechten sehen aus wie bei Johannes, viele schwache Völker, oder die haben sich in den hohen Waben versteckt.
    Bis bald
    Marcus

    48 Völker 32x Segeberger Hartpor 4x Einfachbeute , alle DN 1,5. 6xDadant US und 5x Zander und einmal Warre :O)

  • Guten Abend zusammen!


    Und vorab schonmal meinen aufrichtigen Dank für die Anteilnahme. Frust ist gar kein Ausdruck mehr für das was ich empfinde beim Anblick dieser quasi leeren Kisten...da tut ein wenig Anteilnahme echt gut, wenngleich es auf der Sachebene erstmal nicht weiter hilft.
    Werde trotz der Ausgangslage auf jeden Fall versuchen, 2017 (beinahe nur) aus eigener Kraft wieder stabil auf die imkerlichen Füße zu kommen. Drückt`s mir die Daumen!


    @ Berggeist:

    Zitat

    Zu den Bildern von Patrick hätte ich die Frage, ob die Mustervölkerbilder auch bei <6 Grad Celsius gemacht sind? So was hab ich noch nicht gesehen bei meinen Völkern und diesen Temperaturen.


    Auf den Bildern liegt sogar Schnee, meiner Erinnerung nach waren es da sogar knapp unter 0°C. Das verstärkt das Missverhältnis zwischen Ist und Soll nochmal.


    Schöne Grüße
    Patrick

    Et kütt wie et kütt und et hätt noch immer jut jejange!

  • Die Völker, die am gleichen Stand kälter standen, sind nicht mehr geflogen und sitzen jetzt sehr gepflegt und ruhig in ihrer Kiste. Schön und beruhigend anzuschauen. Insgesamt sind die kühl stehenden Völker besser dran, als die an wärmeren Plätzen, womit hier ein anderes Bild vorliegt, als bei Bernhard und wohl dem Rest der Niederrheiner.


    Ähnliches beobachten wir ja auch bei unseren Völkern, die wir auf dem Stand unseres Imkervereins im Gemeindewald haben: Die gehen dort eher aus der Brut, haben weniger Varroen, stehen im Frühjahr besser da, als die Bienenstände in den Streuobstwiesen. Auch das hatte ich als Themenstarter zu Beginn schon erwähnt - leider haben sich alle auf das Thema Ameisensäure gestürzt. Dass Standort und Temperaturen einen Unterschied machen könnten - darauf ist keiner eingegangen. Aber ich empfinde gerade diesen Aspekt als erwähnens- und beachtenswert.

  • Manchmal ist ein vermeintliches Unglück auch ein Glück.
    Wir hatten ab der Blütenhonigernte so E. Mai absolute Trachtpause infolge dieses Jahrhundertregens hier in Niederbayern, sodass ich ständig füttern musste. Wer mit der Carnica arbeitet weiß, dass diese bei Trachtpausen völlig aus der Brut geht. In Anbetracht der fehlenden Waldhonigernte konnte ich somit schon ca. M. Juli oder E. Juli mit der Varroabehandlung beginnen.
    So gesehen fehlte der Varroa zum einen die Vermehrungsmöglichkeit und zum anderen konnte ich diese rechtzeitig deziminieren. Ist man dann in einem Gebiet wo die PSM Probleme nicht so vordergründig sind, dann hat man schon irgendwie ideale Bedingungen die Völker erfolgreich zu überwintern.
    Die größte Gefahr der meine Völker heuer ausgesetzt waren, wäre der Tod durch Verhungern gewesen, aber da darf man als Imker sich keine Nachlässigkeiten erlauben.