Fragen eines angehenden Imkerlehrlings

  • Einstein soll einst gesagt haben „Ohne die Biene hätte die Menschheit noch maximal 4 Jahre zu leben“.l

    Hat er eben nicht und stimmen tut's auch nicht.


    Nochmal: Imkerei ist keine Gewerbe! Es ist Landwirtschaft, zumindest solange du nicht mit (zuviel) imkerlichen Dingen die du nicht selbst erzeugt hast HANDELST. Mach dir über das ganze Steuergedöns erstmal mit vier Völkern keine Gedanken. Du wirst deine Denkkraft voll und ganz für die Immen brauchen ;-) Ab 25 wird's anders.


    Gruß
    Reiner

    Grenzen sind konstruiert. Was uns trennt und verbindet, wird von Menschen gemacht.

  • Na,
    wolln wir mal nicht hoffen, dass deine Frau auch noch 23 Völker hat, und dein Sohn und deine Tochter und der Freund des Freundes deiner zweiten Tochter. Und hoffentlich verzählst Du dich nicht.
    Viele Grüße
    Wolfgang, Freund des praktischen Schach Matt

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Hallo zusammen,

    • Ist eine Ausbildung zwingend vorgeschrieben? Am Bieneninstitut Kirchhain wird diese angeboten. Ich bin am Überlegen, ob es nicht sinnvoller ist, von meinem Imkerpaten eingearbeitet zu werden. Könnte man die Ausbildung auch nachholen? Ich wohne in Hessen. Da könnten in anderen Bundesländern ja andere Regelungen gelten.


    Nein, allerdings sind Kurse auf jeden Fall eine gute Einführung. Hier aber aufpassen das dir nicht eine Bestimmte Ideologie eingetrichtert wird (passiert leider in einigen Kursen, die Kurse sollten auch keine Verkaufsveranstalltungen sein). D.h. paralell Literatur vorher!!!!!!!!!! lesen. Der Winter kommt, less dich schonmal ein. Imkerpate ist auf jeden fall gut, falls du einen hast, sonst guck dich mal nach einem Imkerverein um.


    • Ich habe schon ein angemeldetes Kleingewerbe. Muss für die Imkerei ein zusätzliches Kleingewerbe anmelden?


    Nein erstmal nicht, du meldest die Imkerei an und bekommst dafür eine Landwirtschafftliche Steuernummer.
    Ob du ein Gewerbe anmelden musst, hängt dann der Anzahl deiner Völker ab. Bis 25 Stück sagt das Finanzamt Hobby 0 €. Bis 70 Nebenerwerb 1000 € Pauschaleinnahmen, sollte eig durch deine Freibeträge gedeckt sein. Dadrüber vollerwerb.


    • Muss / sollte man eine Versicherung für die Bienen abschließen?



    Müssen nein, sollten ja. Tret in einen Imkerverein ein, dann hast du die Versicherung. Lieber so als das es tatsächlich mal Probleme gibt. Ausserdem ist es vor allem am Anfang gut niocht nur eine Ansprechpartner zu haben.


    • Wie viel Geld muss man für den Anfang investieren? Ich würde mit 4 Völkern beginnen und Magazinbeuten verwenden. Dafür und das weitere benötigte Zubehör würde ich ca. 1.000 Euro ansetzen. Kommt das hin? Evtl. würde ich meinen Imkerpaten fragen, ob ich das ein oder andere auch gebraucht kaufen kann.


    Wenn du einen Imkerpaten hast, dann geht das schon recht Günstig. Was du in jedem Fall brauchst ist:
    Smoker, Schleier (Schlupf oder voll musst du entscheiden, am besten beides Anprobieren), Stockmeissel mit Wabenheber und einen Besen (nehm da lieber einen mit Natur statt Kunststoffborsten). Kostenpunkt ca. 40 €
    Dann benötigst du noch pro Volk eine Beute, entweder 2 Bruträume DNM/Langstroth/Zander oder 1 BR Dadant/ZaDAnt/DNM 1,5, dazu entweder 2 Honigraum in DNM/Langstroth/Zander oder 3 HR in Flachzargen (zu empfehlen, ein ganzer HR wiegt sonst bis zu 40 kg voll). Kostenpunkt ca. 120 €, gebraucht ca. 60-70.


    Dazu kommen dann noch Rähmchen pro Beute ca. 25-40€ und Mittelwände, ca. 2 kg pro Beute ~ 30€


    Honigschleuder brauchst du im ersten Jahr noch nicht zwangsweise, wenn du einen Imkerpaten hast, versuch lieber bei ihm mitzuschleudern. Falls du dir eine Schleuder kaufen willst, achte auf Edelstahl und den Elektromotor bzw. die Nahcrüstbarkeit mit einem Motor. Falls du Flachzargen wählst dann gucke dir z.B. die Logar 9-Waben Radialschleuder an. Hier gilt lieber einmal Teuerer und gut als zwei mal billig. Noch besser ist es aber sich eine Schleuder zu teilen oder zu Mieten.


    Hier kommt auch noch einmal der Vorteil eines Imkervereins ins Spiel. Das Durchschnittsalter der Imker in Deutschland ist sehr hoch und viele Imker geben das Hobby zur Zeit auf. In den Vereinen hast du oft die möglichkeit an Informationen zu kommen wenn jemand aufhört und alles verkaufen will. Bei der Übernahme von ganzen Beständen sind die Preise oft sehr gut. Ich habe z.B. 800 € für eine Vollausstattung gezahlt (Mit Schleuder, 10 Beuten, Rähmchen und weiterem Zubehör alles max 5 Jahre alt).


    Falls du Bereit bist 2017 als Lernjahr zu Akzeptieren, dann kauf dir lieber einen Ableger im Mai (viele Vereine bieten auch Kurse an, wo jeder seinen eigenen Ableger bekommt und falls er diesen Nach einem Jahr übernimmt nur für die Beute zahlen muss) und/oder fange optimalerweise mit einem Schwarm an. Hierbei führen Polizei/Feuerwehr oft Imkerlisten in die man sich eintragen kann falls wilde Schwärme auftreten.


    Ein Einstieg mit 1000€ ist aber Problemlos möglich.

    • Würdet ihr mir raten, direkt mit der Imkerei zu beginnen und parallel von meinem Imkerpaten zu lernen oder würdet ihr eher ein Jahr lang mit dem Paten mitgehen und erst dann selbst imkern?


    s.o.

    • Ein heißes Thema, was jetzt mit Sicherheit kontrovers diskutiert wird: Was spricht für und was gegen die Bienenkiste?


    Pro: Einfache Haltung von Bienen auf engem Raum. Die Kiste kann sogar an einem Fensterbrett gehalten werden. Folgekosten recht gering da Naturbau.


    Contra: Im Vergleich zu Magazinen schwer zu Managen
    Niedrigere Erträge da Naturbau (Wachs kostet Honig)
    Eine Original Melifera Kiste kostet so viel wie 3 Segeberger a 4 Zargen.
    ...


    D.h. gut in der Stadt um ein einzelnes Volk zu halten, bei mehreren Völkern nicht gut geeignet.


    • Bei den Beuten: Was spricht für und was gegen Kunststoffbeuten?


    Das ist ganz eindeutig geschmackssache.
    Ein paar Standartargumente dazu sind:


    Bessere Isolation. Ist definitv so, wobei ich das Bedürfnis dazu in Hessen nicht unbedingt sehe, da recht Kontinentales Klima, im Gegensatz zu z.B. Schleswig Holstein. Wenn du aber z.B. viel Obst in der Nähe hast (Kirsche, Äpfel, das nicht Gespritz wird) dann ist Kunststoff eine echte Überlegung.


    Leichter, EPS ist einfach ein paar Kg leichter als die selbe Beute in Holz. Dies kann aber z.B. durch Flach/Halbzargen kompensiert werden.


    Der größte Vorteil der Kunststoffbeuten ist aber, das innerhalb der Beutenserien alle Maße genormt sind, und damit ganrantiert von jedem Händler passen. Bei Holz ist das nicht zwangsweise gegeben, da auch viele Händler individuelle Systeme führen.


    Bei der immer wieder erwähnten Ökobillianz, solltest du dir keine Sorgen machen. Da steht je nach Betrachtungpunkten entweder Holz oder Styropor vorne. Grund dafür ist das z.B. Segeberger Beuten beo gutem Händling gut 30 Jahre halten. Die meisten Holzbeuten geben früher auf (Hängt auch stark von der Aufstellung und dem Ort ab). Holz word danach meisten Thermisch verwertet. Im Ofen zum Heizen zu vertreten. Einfach auf dem Scheiterhaufen absolute Ressourcenverschwendung (je nach Verwendeter Farbe kann das Holz aber auch Sondermüll sein). Kunststoffbeuten sind dagegen aus EPS, wenn die Kaputt sind gehen sie einfach in den gelben Sack und ins Recycling (EPS ist übrigens der Kunstoff mit den besten Recyclingwerten und kann zu nahezu 100% Recyclet werden).


    Also Überleg dir über den Winter was du wirklich willst und wo es hingehen soll und vor allem wie schnell es gehen soll.
    Falls du überlegst die Beuten alle neu zu Kaufen, hast du den Vorteil an kein bestimmtes Beutenmaß gebunden zu sein. Gebraucht geht das nicht.
    Kauf aber nicht alles auf einmal, sondern lern erstmal die Basics, bevor du alles in Sand setzt weil du das falsche gekauft hast.
    Als Maß würde ich heute immer Dadant/Langstroth nehmen.

  • Hallo,


    vielen Dank für die Tipps. Dann werde ich es so machen, dass ich erstmal mit dem Imkerpaten mitgehe und den Imkerkurs parallel besuche. So kann ich die praktische Erfahrung mit möglicherweise "zeitgemäßeren" Methoden beim Imkern verbinden und mir die Vorteile aus beiden Welten holen.


    Ein weiterer Vorteil ist, dass mein Imkerpate im örtlichen Imkerverein ist. Da gibt es bestimmt viele interessante Infos. Und bzgl. des angesprochenen Alters der meisten Imker kann ich nur zustimmen. Die meisten sind schon 80 und älter. Allerdings kam in den letzten Jahren zuminstens etwas jüngerer Nachwuchs.


    Ansonsten freue ich mich auf die Tätigkeit und auf regen Austausch hier im Forum.

  • Moin ,


    diese Meinung Dadnt /Langstroth ist schon verdammt riskant , wenn man bedenkt das hier eine Weiche für immer gestellt wird . Das ist ja vor allem auch eine Kostenfrage .
    Ich würde in diesem Stadium der Findung vor allem darüber nachdenken: ein Brutraum ( bei DN z. Bsp. 1,5 ) oder eine andere Variante .
    Wenn ich noch einmal vor dieser Frage stehen würde , wäre meine Entscheidung sicher 1,5 Brutraum DN und kleine Honigräume .
    Gruß hannes

  • Excuse me Sir, da MUSS ich widersprechen. Es ist gar kein Risiko. Es ist günstiger, weil viele Hersteller verfügbar sind. Bei dem Norddtsch. Sonderweg DN 1,5 gibt es genau einen Hersteller, der mit den Preisen machen kann was er will. DA/LA ist in ganz Europa verbreitet. Auch DA ist in DE mehr verbreitet als DN1,5. Davon abgesehen ist Dn1,5 NICHT Dadant, weil zu kurz bezogen auf den Zehrweg.


    Gruß
    Reiner


    Moin ,


    diese Meinung Dadnt /Langstroth ist schon verdammt riskant , wenn man bedenkt das hier eine Weiche für immer gestellt wird . Das ist ja vor allem auch eine Kostenfrage .
    Ich würde in diesem Stadium der Findung vor allem darüber nachdenken: ein Brutraum ( bei DN z. Bsp. 1,5 ) oder eine andere Variante .
    Wenn ich noch einmal vor dieser Frage stehen würde , wäre meine Entscheidung sicher 1,5 Brutraum DN und kleine Honigräume .
    Gruß hannes

    Grenzen sind konstruiert. Was uns trennt und verbindet, wird von Menschen gemacht.

  • Bei dem Norddtsch. Sonderweg DN 1,5 gibt es genau einen Hersteller, der mit den Preisen machen kann was er will.


    Excuse me Sir too, es gibt mehrere Hersteller, beim Bienenweber gibt es z.B. auch Holzbeuten in DN 1,5. ICh werde mal drauf achten, ob auf allen Styroporbeuten auch Stehr steht. Glaube es aber nicht.
    Bis bald
    Marcus

    40 Wirtschaftsvölker auf DN 1,5, 8 Miniplus, 20 Ableger Dadant, Zander und DN, Waage 401