Varroa-Killer-Sound

  • inzwischen glauben viele Geschäftsleute schnell noch auf diesen Zug aufspringen zu müssen, bevor die ersten unabhängigen Tests erfolgen. Bis zu Behauptungen in Verkaufsanzeigen ....
    "AS und OS behandelt und im März mit Varroa-Killer Sound nochmal Entmilbt.
    Die Völker werden zu 95 % ohne Milben verkauft. Der Varroa- Killer ist fantastischund jeder Zeit einsetzbar."
    Welch Wunder -er verkauft auch die Geräte.

  • Also 15000Hz und 90dB? Das bedeutet schätze ich einen hohen Energiebedarf. Welche Energiequelle hängt an diesem Wundergerät dran? Meine Meinung: wenn die Beschallung die Varoas tötet kriegen die Bienen auch was ab. 20 Tage lang die armen Insekten mit 90dB beschallen. Zwar nicht schlimmer als mit Säure begasen aber auch nicht besser. Dann ist schon wahrscheinlich die Sauna (das Einkochen) das kleinere Übel;-)

  • Noch was: wie sieht es mit dem Immissionsschutz aus ? Bleibt der Schall in der Beute oder dürfen sich jetzt jungen Menschen und fast alle Tiere auf eine Dauerbeschallung freuen bei einer Hochfrequenz die zum Foltern verwendet wird ? Zumindest empfinden das so die Kids in der Schule , wenn ich bei Akustik Versuchen den Frequenzgenerator voll aufdrehe und mich darüber freue, dass bei mir bereits bei 10000 Hz schluss ist.

  • Also 15000Hz und 90dB? Das bedeutet schätze ich einen hohen Energiebedarf. Welche Energiequelle hängt an diesem Wundergerät dran? Meine Meinung: wenn die Beschallung die Varoas tötet kriegen die Bienen auch was ab. 20 Tage lang die armen Insekten mit 90dB beschallen. Zwar nicht schlimmer als mit Säure begasen aber auch nicht besser. Dann ist schon wahrscheinlich die Sauna (das Einkochen) das kleinere Übel;-)


    Den ersten Teil deiner Aussage kann ich ja noch nachvollziehen, aber pauschale Aussagen wie Beschallung sei weder schlimmer noch besser als Säurebegasung entbehren doch jeder Grundlage.
    Insekten sind eben keine Menschen. Wenn ich bedenke, was Wachsmottenlarven so aushalten (z.B. Schwefeldioxid), oder mit wie wenig Sauerstoff manche Insekten auskommen (bei Vorratsschädlingen gibt es solche Versuche, mir ist etwas von wochenlangem Überleben bei Sauerstoffgehalten im niedrigen einstelligen Prozentbereich in Erinnerung).


    Es kann sehr wohl sein, dass den Bienen die Beschallung überhaupt nichts ausmacht. Kann aber auch sein, dass sie (entgehen den Angaben des Herstellers) eben doch schadet. Und schließlich kann es auch sein, dass es keinem von beiden nennenswert etwas ausmacht. Das sollte sich ja relativ einfach im Feldversuch nachprüfen lassen.
    Doch bevor man Geld für Geräte ausgibt kann man ja mal ein paar weitere Angaben auf Plausibilität abklopfen.


    Als allererstes stößt mir auf, dass der neue 'Erfinder' keine Verweise auf die älteren Ultraschallgeräte gegen Milben gibt. Wenn man schreibt, dass man ein Patent angemeldet habe, dann könnte man auch angeben, was gegenüber früheren patentierten Geräten besser sein soll.
    Hat jemand noch die alte ADIZ mit einem Artikel über den Schallomat? ("Der Schallomat im Test", ADIZ/Die Biene, Heft 3 1999, S.16)
    Den Artikel würde ich gerne lesen.


    Imkermeister Krüger kam auf der Grünen Woche sehr überzeugend rüber, ganz der Geschäftsmann. Ich muss sogar zugeben, dass alles für mich erstmal schlüssiger klang als damals bei der Präsentation der Bienensauna. Eines seiner Argumente war, dass die früheren Entwickler von Ultraschallgeräten eben nicht genug Unternehmer waren, er habe eine größere Summe in die Entwicklung gesteckt und eine noch größere in die Produktion der ersten 30.000 Geräte.
    Hm, mag sein, ich kann mir durchaus vorstellen, dass der eine oder andere Tüftler etwas funktionierendes entwickelt hat, aber nicht das finanzielle Durchhaltevermögen hatte, es auf den Markt zu bringen.
    Aber andererseits: ich habe Schwierigkeiten, mir einen erfolgreichen Geschäftsmann vorzustellen, der außerdem noch große Fachkompetenz in Gesundheitsthemen (Apitherapie) reklamiert, und nebenbei auch noch als Forscher den großen Durchbruch hat.


    Der Skeptiker in mir bekommt u.a. Futter durch eine Grafik bzw. Tabelle auf der Webseite des Herstellers selber, die auch schon in mind. einem anderen Forum angesprochen wurde:
    Grafik "Varroa-Fallquoten mit Behandlung nach 30 Tagen
    Er hat dort auch ein PDF verlinkt mit einer Tabelle des täglichen Milbenfalls bei 5 Völkern:
    Varroa-Killer-Sound_Fallquoten-der-Varroa-Milben.pdf


    Darin enthalten ist auch der Milbenfall in den drei Tagen vor der Sound-Behandlung, und dieser Milbenfall ist sehr gleichmäßig. Über drei Tage. Bei fünf Völkern. Immer schön 12-18 Milben pro Tag, meistens 15.
    So gleichmäßige natürliche Milbenfallzahlen habe ich noch nicht gesehen.


    Die Entwicklungs- und Produktionskosten, die er genannt hat, buche ich mal unter Marketingaussagen...


    Auf der technischen Seite erwähnte er einen Stromverbrauch von 3,2mAh, was von der Einheit her Blödsinn ist, aber nicht ungewöhnlich. Viele Leute verwechseln Strom und Energiemenge. Wenn man also einfach von einem Stromverbrauch von 3,2mA ausgeht, wären das über 24 Tage ca. 1,84 Ah. Der mitgelieferte Bleigelakku hat nominell 7,2Ah, man würde also
    weniger als ein Drittel entnehmen. Das ist vollkommen ok, nur so könnte man wahrscheinlich auf eine Lebensdauer über 8 Jahre kommen.


    Doch genügen 3,2 mA überhaupt, um 90 Dezibel zu erreichen? Und wo und wie werden die 90 Dezibel gemessen?
    Der vollgeladene Akku hat ca. 13 Volt, wenn 3,2mA fließen, dann würde eine Leistung von ca. 0,0416 Watt entnommen.
    Ich habe von Akustik keine Ahnung. Für eine ganz grobe erste Plausibilitätsschätzung habe ich einen Onlinerechner gefunden:
    Tontechnik-Rechner sengpielaudio.com
    Ewas weiter unten, bei "Lautsprecher: Schalldruckpegel und Verstärkerleistung", Kennschalldruck erstmal auf default belassen, bei Verstärkerleistung 0,04W eingetragen, 1 Lautsprecher, 0,2m Abstand (Größenordnung einer Zargenhöhe). Ergebnis: knapp 92dB.
    Ja, ich weiß, dass das eine logarithmische Skala ist. Trotzdem kommt der Wert überraschend gut hin. Prinzipiell nichts unmögliches.


    Trotz allem überwiegt bisher die Skepsis. Ist ja nicht so, dass das ganze eine geniale, einmalige Idee wäre. (Zumal für Leute, die sich an den Film 'Dune' erinnern...)
    Es gab bereits mehrere Patente dazu, alleine im deutschsprachigen Raum. (Wie sieht es in Russland oder in den USA aus?)


    Herr Krüger betonte, dass ein Hauptmerkmal seiner Geräte die Verwendung eines Rechtecksignals sei (im Gegensatz zu Sinuswelle). Könnte jemand hier mit etwas Ahnung in solchen Dingen bestätigen, dass so ein Lautprecher bei der verwendeten Frequenz den Unterschied in der Signalform überhaupt darstellen kann?


    Ganz besonders interessant wäre es, wenn man mit einem oder mehreren der frühren Patenteinreicher sprechen könnte. Ob von denen noch jemand lebt?


    Grüße,
    Robert

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Re-Mark () aus folgendem Grund: Links klickbar gemacht

  • Auf den Etiketten des werten IM steht: "naturbelassen und nicht waermegeschaedigt".


    "Naturbelassen" ist doch eigentlich irrefuehrende Werbung, oder? Ebenso: "nicht waermegeschaedigt". Das schuert beim Kunden das irrige Vorurteil, erwaermter Honig = waermegeschaedigt.


    Hat jetzt nichts mit dem Geraet zu tun, ist mir nur aufgefallen.

  • Auf den Etiketten des werten IM steht: "naturbelassen und nicht waermegeschaedigt".


    "Naturbelassen" ist doch eigentlich irrefuehrende Werbung, oder? Ebenso: "nicht waermegeschaedigt". Das schuert beim Kunden das irrige Vorurteil, erwaermter Honig = waermegeschaedigt.


    Hat jetzt nichts mit dem Geraet zu tun, ist mir nur aufgefallen.


    Ist mir auch aufgefallen...
    ...und passt imho auch zur Vermarktung des Piepsers.

  • Herr Krüger betonte, dass ein Hauptmerkmal seiner Geräte die Verwendung eines Rechtecksignals sei (im Gegensatz zu Sinuswelle). Könnte jemand hier mit etwas Ahnung in solchen Dingen bestätigen, dass so ein Lautprecher bei der verwendeten Frequenz den Unterschied in der Signalform überhaupt darstellen kann?


    Ahh OK, das kann schon einen Unterschied machen. Rechtecke "klingen" grauslig! nur, wie du schon anmerkst, ein Lautsprecher kann ein Rechteck nicht korrekt wiedergeben. Bei so einer Frequenz schon gar nicht. Ein Piezokristall kann das wohl darstellen. Gut das das nicht HiFi sein muss.


    Messbeispiel, das macht einer der besten Schallwandler überhaupt aus einem Rechtecksignal bei niedriger Frequenz:


    So sollte es im Idealfall (nicht möglich) aussehen:


    Die Verformung erzeugt ein buntes Obertonspektrum mit geraden und ungerade Klirranteilen. Vielleicht ist gerade das den Varroen unangenehm ...