Bienenwachs allgemein und seine Echtheitsprüfung

  • Einige Ableger bilden und beobachten, evt auch in Kieler oder miniplus, bevor die MW im Juli zur TBE oder für Kunstschwärme en gros eingesetzt werden.

    Wir kaufen MW aus seuchen-, pestizidfreiem Bienenwachs, ggf. noch mit sog. "Siegel" des Fachverbandes für..., vielleicht sogar mit Chargenbez. und Analytik und dann testen wir erst mal mit einer kleinen Menge im Ableger o.ä. ? Ja, ist nur Notmaßnahme, um sicher zu gehen...


    Und wenn der Ableger eingeht, liegt's am Imker!? Und ersetzt der Händler / Umarbeiter des Vertrauens dann den Fehlkauf ? - wohl kaum.


    Genau das macht es deutlich: Misstrauen, Intransparenz, rumdoktern am Symptom; es führt nicht zur Lösung, sondern zu weiteren Problemen.


    Es wurden Vorschläge gemacht, die exakt in dieser Branche angewendet werden - natürlich nicht für Imker. Das sind ja nur die Lieferanten, die jetzt sogar € 5,70 für's Kilo Rohwachs bekommen.


    Immerhin haben einige schon mal kapiert, dass ihr Wachs ein wertvoller Rohstoff sein kann (nach Analyse !). Leute, wie lange wollen wir das hier noch breittreten ?


    Rainer

  • Ich bitte um Beachtung:

    Mehrfach hatte ich Euch gebeten keine Namen zu nennen.
    Hier erzählt einer vom anderen, keiner weiß so richtig was Genaues, jeder schreibt seine eigenen Vermutungen dazu und alles wird schlimmer als es schon ist....

    Bitte haltet Euch daran, sonst ist mit dem Thema Wachs wieder Schluß.


    Beste Grüße Hartmut


  • Wie in der regionalen Tagespresse z.B. in Baden Württemberg zu lesen war, haben sich bei Bekannt-

    werden des Schadwachs Skandales auch das Umwelt- und Verbraucherschutz Ministerium mit der Problematik beschäftigt. Inoffiziellem Vernehmen nach, hielten einige Fachleute dortmals rein privatwirtschaftlich etablierte QMS für nicht ausreichend. Die Überlegungen gingen wohl in Richtung

    einer gesetzlich festgelegten Norm für Bienenwachs analog zur / mit Hilfe einer DIN Norm.


    Siehe hierzu auch Wikipedia : https://de.wikipedia.org/wiki/DIN-Norm


    Wenn ich den Wikipedia Artikel lese und gleichzeitig die Diskussion hier im Imker Forum vor Augen

    habe , wünsche ich mir fast schon ein beherztes Eingreifen des Gesetzgebers .

    Oder übersehe ich da etwas :/?

    Gibt es Foristen, die hierzu etwas berichten können ?


  • Gibt es Foristen, die hierzu etwas berichten können ?

    Berichten kann ich, dass der "Stand der Technik" ein QM darstellt, welches in der Branche für die Industriekunden (Pharma, Kosmetik, Lebensmittel, Kerzen) angewendet wird, nur nicht für den Rohstofflieferanten "Imker". Das Honig QM des DIB ist prinzipiell nichts anderes.


    Mehrfach habe ich mit Beteiligten gesprochen und die QM-Methodik präsentiert bzw. vertreten (LV Schleswig-Holstein, DIB/Hrn. Maske, DBIB, IF-Treffen, hier im Forum). Es wurde im direkten Gespräch als "sinnvoll und hilfreich" erachtet. Es macht die Dinge transparent und schafft damit Vertrauen.


    Ohne zu wissen, was der DIB beim "runden Tisch Wachs" herausgefunden hat, meine ich, dass er als unser oberster Lobbyist hier in der Pflicht ist, die Dinge voranzutreiben.


    (Schein-)Diskussionen über wechselnde Spuren von X oder Y im Wachs sind ein Nebenschauplatz; denn es gibt nicht das Bienewachs. Aber es gibt ein Bienenwachs von Bienen ohne weitere Zusätze beim Gewinnen, Verarbeiten und Verformen. Da kann man ja mal anfangen....


    Ob politisch getriebene Aktivitäten etwas bewirken, bezweifle ich aus meinen Erfahrungen. Was aber sicher hilft, sind die Marktkräfte - Umarbeiter und Händler, die ein solches System akzeptieren, anwenden und konsequent transparent machen werden am Ende im Markt dominieren. Einige erkennen das momentan...


    Meine Meinung


    Rainer

  • Wer schon mal in der Praxis verantwortlich mit diversen QM-Zertifizierungen zu tun hatte, weiß imho dass ein QM nur beim Imker selbst einigermaßen zuverlässig sein kann. Jeder der etwas auf Qualität gibt, macht entsprechende Eingangskontrollen. Alles andere halte ich leider für recht naiv rausgeschmissenes Geld.

  • Wobei uns allen klar sein muss, wer das am Ende bezahlt.

    Bezahlen müssen wir das ohnehin - mit oder ohne QM: in Form von


    - Eigenaufwand für die Eigenumarbeitung (Equipment, Arbeit) oder

    - Aufwand für die Wachsgemeinschaft (Analysen - Sammeln - Umarbeiten) oder

    - Aufwand für dahingeraffte Völker (neue aufbauen mit allen Kosten) oder

    - Honigverluste (entgangene Einkünfte) und

    - mehr Arbeit, mehr Equipment und Zeitaufwand.


    Mir stellt sich die Frage: womit will ich meine Zeit verbringen ?...


    Rainer

  • Wer schon mal in der Praxis verantwortlich mit diversen QM-Zertifizierungen zu tun hatte...

    Lieber gottbegnadeter Hesse, Du weißt worum es beim QM geht - um Transparenz und Vertrauen, das auf drei voneinander unabhängigen Säulen ruht. Hast Du kein Vertrauen, wegen mangelnder Transparenz, musst Du selbst Hand anlegen - s.o. mehr Zeit, mehr Equipment, mehr Arbeit.


    Grüße von einem ausgewanderten Hessen

  • Vertrauen ist schön und gut, aber leider nicht ausreichend.

    QM soll ein gewisses Maß an Sicherheit bringen.

    In der Praxis aber oft leider nur juristisch.

    Wenn man Panschwachs untergejubelt bekommt und der Panscher kann sich hochoffiziel mit nem QM-Zertifikat rausreden ist auch keinem geholfen...

  • ...hielten einige Fachleute dortmals rein privatwirtschaftlich etablierte QMS für nicht ausreichend. Die Überlegungen gingen wohl in Richtung

    einer gesetzlich festgelegten Norm für Bienenwachs analog zur / mit Hilfe einer DIN Norm.


    Da werden die Möglichkeiten von Gesetzgebung, aber vor allem die der Exekutive völlig überschätzt. Quantitativ und qualitativ: Die Verwaltung kann bestenfalls kontrollieren und Verstöße ahnden - kommt also immer zu spät, wenn der Schaden schon eingetreten, das Wachs verfälscht, verbreitet usw. ist.


    Es hilft nix: Wir Imker müssen es genauso schlau anstellen wie unsere Mitbewerber. Die kaufen schon seit Jahren Wachsprodukte nur ab, wenn sie den Prozeß ihrer Herstellung von der Rohstofflieferung bis zum Endprodukt und dem Handel damit (sofern er dazwischengeschaltet ist) mit einem von ihnen selbst bestimmten und gesteuerten QMS durchschauen können. Und die definieren, welche Qualität sie haben wollen, nicht die Umarbeiter. Schon wer in der Dokumentation verdunkelt, wird konsequent aus der Lieferantenliste getilgt. Bei denen hört man seltener von Wachsskandalen als bei uns.


    Wir Imker bringen ca. 20% der Wachsnachfrage auf die Waage. Wir liefern sogar weit über 20% des Rohstoffs ab. Wer wenn nicht wir sollte da Forderungen - nicht zuletzt zum Preis - durchsetzen können?

    Hielte man uns entgegen, daß Imkerwachs nicht sauber genug sei, müßten wir zurückfragen, wer den Imkern das Zeug vorher angedreht hat. Außerdem messen, analysieren und reinigen die Umarbeiter sowieso – zumindest für ihre andere Kundschaft. Die Umarbeiter wissen längst viel besser als wir, was sie tun und in ihren Küchen haben.

    Wir Imker/der DIB sollte seine Kraft nicht dabei verschleißen, nach dem Gesetzgeber zu rufen. Eine gesetzliche Definition wird uns in der mittlerweile bestehenden Praxis nichts mehr nützen, zumal ihre Durchsetzung nicht flächendeckend gewährleistet werden kann und im Zweifel immer zu spät kommt – wenn der Schaden schon sichtbar ist. Nein, wir Imker müssen den gesamten Prozeß – vom Wachsaufkauf über Umarbeitung und Handel – vollständig, lückenlos mit QMS transparent gestalten und kontrollieren. Nur so kann Vertrauen wieder aufgebaut werden, nicht anders.

  • Zum Thema Wachskennzeichnung fand ich die ersten Minuten (ab Minute 5) von diesem Ceralyse-Vortrag sehr aufschlussreich: Für Kosmetik, Kerzenherstellung und Mittelwände gibt es völlig unterschiedliche Definitionen von Wachs. Daher ist es völlig legal, Bienenwachskerzen mit 100% Bienenwachs-Siegeln zu kennzeichnen, obwohl Paraffin hineingemischt wird.


    https://youtu.be/uX8A4sYql_E

  • Das ist nicht ganz richtig. Für MW gibt es eben - außer dem wörtlichen Sprachsinn, der dem imkerlichen Fachsinn entspricht - keine normative Definition.


    Die Kerzendefinition ist eine von der Kerzenindustrie erfundene Norm, auf die jeder Kerzen-Branchenteilnehmer seine Lieferanten (= unsere Umarbeiter) festnagelt mit den entsprechenden Rechtsfolgen, wenn die ihm etwas anderes andrehen wollen oder auch nur die von ihm geforderten Aufzeichnungen und Analyseergebnisse nicht lückenlos führen/einsehen bzw. ihn selber Proben nehmen bzw. sich vorschreiben lassen, von wem und wie die Proben des Lieferanten zu ziehen und zu analysieren sind - und zwar auf der gesamten Strecke von der Materialsammlung bis zum Vertrieb.

    Und ja - es gibt immer noch Imkereibedarfsfachhändler, die mit der Definition von Kerzen-Bienenwachs MW zum imkerlichen Gebrauch anbieten und verkaufen - sogar mit Zertifikat!


    Der blind-dummen Imkerschaft dagegen kann man unter dem Siegel "Gewähr für echtes Bienenwachs" alles mögliche unterjubeln, die wehrt sich ja ohnehin nicht, sondern kauft immer weiter, sei die Niete auch noch so groß. Das haben die zahlreichen Versuche in immer kürzeren Abständen bisher ja immer gelehrt.


    Wenn die Imkerschaft sich endlich hinter dem DIB versammeln und ihn über ihre Landesverbände dazu bringen würde, in ihrem Namen wenigstens Augenhöhe mit den anderen Wachsabnehmerbranchen herzustellen, resp. den Anspruch auf ein eigenes effektives QMS durchzusetzen, dann wäre die Situation für die Bienen bald besser. Sofern dafür überhaupt eine Definition für echtes Bienenwachs im imkerlichen Sinne nötig wäre, dann müßte sie - genauso wie die Definition von Honig in der HonigVO - nur das von den Bienen auf natürlichem Wege aus den entsprechenden natürlichen Pflanzenteilen artgerecht aus deren Wachsdrüsen abgesonderte Bienenwachs umschreiben und darf sich nicht auf irgendwelche KW-zahlen o.a. Nachweismethoden festlegen lassen. Letztere können sich ändern, die Definition nicht. Bienenwachs für Imker muß das sein und bleiben, was es im wörtliche Sinne ist: Wachs der Bienen, nix hinzugefügt, nix weggenommen. Dahinter darf die Definition nicht zurückbleiben.