Bienenwachs allgemein und seine Echtheitsprüfung

  • Die Schmelzpunktsbestimmung ist eine der üblichen Reinheitsprüfungen von Feststoffen. Bienenwachs ist ja ein Gemisch verschiedener Komponenten, so dass man einen Schmelzbereich findet - eben die genannten 62 bis 65 Grad. Fremdprodukte führen i.d.R. zu einer Schmelzpunktserniedrigung, können aber auch einen unveränderten Schmelzpunkt haben, wenn die "Mischung" nur richtig erfolgt. Die momentan beigemischten Komponenten, u.a. Paraffin hat als sog. Microwachs einen ganz ähnlichen Smp. zw. 60 und 70 Grad, d.h., man kann es mit der Methode Schmelzpunkt nicht identifizieren.


    Das macht die Identifizierung so schwierig. Ich verweise auf den parallelen Faden zum Thema Wachs Wiedererkennung...


    Rainer

  • Mich würde interessieren, welchen Schmelzpunkt das Wachs aus den in den diversen Bildern gezeigten kollabierten Waben hat. Das würde Aufschluss darüber geben, ob man derartige Probleme anhand des Schmelzpunktes der gelieferten Mittelwände vor deren Einsatz erkennen kann.
    Ich habe das Aufschmelzen im Wasserbad ausprobiert: Auf die Wasseroberfläche werden feine Späne der zu untersuchenden Mittelwand gegeben. Während der langsamen Erwärmung wird gerührt, um die Wärme einigermaßen zu verteilen. Bei meinem Versuch ist das Wachs zwischen 65°C und 66°C geschmolzen. Ähnliche Ergebnisse habe ich an meinen Wachsblöcken erhalten.


    Gruß Ralph

  • Hallo


    habe gestern meine Schwefelsäure 94-96% ige aus der Apotheke bekommen, aber wie Martin schon schrieb ganz so einfach ist es nicht, auf alle Fälle muß man unterschreiben und angeben wofür man die Säure braucht. Von meinen ersten Versuchen bin ich enttäuscht, das hat nicht so funktioniert wie ich mir das vorstellte. Die Auflösung geht sehr langsam von Statten, ich habe als erstes reines Jungfernwachs probiert, aber da muß noch etwas Honig dran gewesen sein. Das muß ich noch mal wiederholen.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Hallo Drobi,


    ich habe die gleiche Erfahrung mit der Schwefelsäure gemacht, es löst sich nur sehr langsam und wenn überhaupt nur sehr wenig auf. Habe Wachs, das von Ceralyse analysiert wurde und mit ca. 2% Kohlenwasserstoffen versetzt ist, genommen.
    Vielleicht habe ich zu viel Wachs genommen, etwa 1/3 Wachs 2/3 Schwefelsäure.
    Ich bin inzwischen der Meinung, wer es sicher wissen will, muss analysieren lassen, alles andere ist Krampf.


    Uwe

  • Ich bin inzwischen der Meinung, wer es sicher wissen will, muss analysieren lassen, alles andere ist Krampf.


    So ist es und daran führt kein Weg vorbei, auch wenn der Eine oder Andere es gerne einfacher hätte. Smp oder Lösungsversuche sind leider nicht aussagekräftig genug und was macht man, wenn der Smp bei 61,5 Grad C liegt oder in der Schwefelsäure sich nur 75 % des Wachs' lösen ? Dann weiß man es auch nicht so genau und spekuliert herum.


    Gewissheit gibt es nur durch eine Analyse mit den geeigneten Methoden. Und Wachsqualität bekommt man nur durch Eigenumarbeitung nach Analyse, um zu wissen, was man umarbeitet und/oder durch ein konsequent angewendetes Qualitätsmanagement System inklusive Überwachung von unabhängiger Stelle. Der DIB sollte sich dort aktiv beteiligen; denn es ist unsere Interessenvertretung...


    Beste Grüße


    Rainer

  • Im heute erhaltenden "Deutschen Bienen Journal" ist ein sehr interessanter und aussagekräftiger Artikel von S. Spiewok über die Problematik der gegenwärtigen Wachsverfälschungen. Die Tabelle auf Seite 8 zeigt klar und deutlich, dass man mit "Hausmitteln" die Verfälschung von Bienenwachs nicht nachweisen kann. Um eine Laboranalyse kommt man nicht herum.
    Auch werden im Artikel die beschuldigten Firmen (gegen die die Staatsanwaltschaft ermittelt) genannt.

    "Damit ein Skeptiker geboren wird, müssen tausend Gläubige wüten." [Cioran]

  • Macht doch eure Versuche mal mit Alkohol. Funktioniert zumindest bei Paraffinverfälschung, Stearin hat leider eine fast identische Dichte und kann damit nicht erkannt werden.

    Gruß Markus


    Ubi apis, ibi salus 
    Wo Bienen sind, dort ist Gesundheit

  • ...werden im Artikel die beschuldigten Firmen (gegen die die Staatsanwaltschaft ermittelt) genannt.


    Der Skandal hat eine (internationale) Größenordnung, die m.E. die dafür verantwortlichen Menschen zu Personen der Zeitgeschichte macht. Früher durfte man über solche Personen öffentlich berichten und sie abbilden. Heute erfolgt das in Abwägung von deren Persönlichkeitsrechten und dem Recht auf Meinungsfreiheit bspw. der von den aktuellen Personen Geschädigten oder derer, die über den Skandal berichten.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Person_der_Zeitgeschichte

  • Möchte nur kurz von meinem 2.Versuch mit Schwefelsäure berichten: diesmal ein Stück Mittelwand und ein Stück braunes Wachs von einem Wachsblock eines schon verstorbenen Imkers.


    Das Ergebnis: die MW schwimmt immer noch, fast ohne Veränderung in der Säure und das dunkle Wachs vom Block hat sich völlig aufgelöst. Gibt einem zu Denken. Ich will den Versuch aber nochmal wiederholen und dokumentieren. Bei Zimmertemperatur würde das bestimmt besser klappen, aber ich mache solche Versuche lieber im Bienenhaus.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Vielleicht sind aber auch die braunen Verunreinigungen die Ursache dafür, dass sich das Wachs aufgelöst hat. Vielleicht kann mal jemand, der Naturbauwachs zu Verfügung hat, den Versuch wiederholen. Dann wissen wir mehr über Wachs in Schwefelsäure.


    Gruß Ralph

  • E901 bzw. 901 ist eine "international" festgesetzte Nummer für den Lebensmittelzusatzstoff Bienenwachs. Die Nr. gilt zumindest in der EU, USA, Australien, NZ, ... dementsprechend ist auch die Definition was Bienenwachs ist, überall gleich ... von "Bienen" produziertes Wachs und sonst nichts.


    Und diese Länder haben diese Definition von der UNO. Genauer gesagt von der Food and Agriculture Organization of the United Nations. Internationaler Handel erfordert nun einmal klare Definitionen, vielfach sogar wie man die Reinheit überprüft:


    http://www.fao.org/fileadmin/u…nograph1/Additive-051.pdf

  • N'Abend


    In dem FAO-Paper wird halt Bienenwachs als solches definiert (von Apis m. ausgeschwitzt, ..., phys. Eigenschaften etc.) und dann werden Testverfahren aufgelistet und beschrieben, um diverse Verfälschungen (Glycerol. Paraffine, Japanwachs, Carnaubawachs etc.) auf chemischem Wege zu erkennen. Da reicht nicht bloss ne dt. Übersetzung (wofür man schon Fachenglisch bräuchte), da brauchst du noch ein gut ausgestattetes Chemielabor und die entsprechenden Kenntnisse. Mein Englisch reicht dafür zu verstehen, das ich (oder andere Personen ohne spezielle Chemieausbildung und entsprechende Ausrüstung) das so nicht testen kann.


    Grüsse, Robert

  • Hallo


    Wollte gerade die Bilder von meiner 2. Probe einstellen, aber jetzt finde ich sie nicht auf der richtigen Stelle in meinem PC, es tut mir Leid.


    Ich habe jetzt 5 Proben gemacht, alle von einem Wachsblock, die erste mit dem dunklen Altwachs, die zweite mit dem selben Wachs 1 Mal gereinigt( ist bedeutend heller), die dritte Probe von Jungfern - und Decklungswachs, die vierte von kritischem Wachs und die fünfte Probe mit 3 verschiedenen Stücken MW. Sobald ich Ergebnisse habe werde ich davon berichten.


    Übrigens, bei meinen ersten Versuchen hatte ich ja Wabenteile genommen, möglicherweise auch mit Honigspuren. Eigenartiger Weise ist jetzt die Schwefelsäure rot, vielleicht kennt sich da ein Chemiker aus. Übrigens bei einer MW der 5. Probe ist auch schon was rotes zu sehen. Na mal sehen wie sich das weiter entwickelt.


    Beim Einschmelzen von Naturwachs und manchen MW, konnte ich feststellen, das die gelbe Farbe der MW übertrieben gelb ist.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)