Bienenwachs allgemein und seine Echtheitsprüfung

  • Hallo Imkerfreunde


    Habe mich in letzter Zeit viel mit den Wachsproblemen beschäftigt, die es zur Zeit gibt und auch mal in meine Bücher geschaut. Deshalb möchte ich erst mal einige Zitate anführen.


    Zitat: aus "Der Bien und seine Zucht" (Gerstung)
    Rationell bewirtschaftete Bienenstände kaufen eher Wachs zu, als das sie solches verkaufen. Daher kommt es auch,daß die Wachseinfuhr von 5897 Doppelzentnern im Jahre 1886 auf 29312 Doppelzentner im Jahre 1901 gestiegen ist.


    Zitat: aus "Bienenlexikon" (Nitschmann,Hüsing)
    Wachsverfälschungen
    Wegen seines verhältnismäßig hohen Preises ist Bienenwachs jederzeit in größerem Umfang verfälscht worden. Es wird z.B.durch Beimengung verschiedener mineralischer Stoffe, wie u.a. Gips und Ton, beschwert oder durch Zusätze von Pflanzenwachsen,Stearin, Paraffin, Ceresin oder Ozokeriet usw gestreckt. Man erkennt solche Verfälschungen aufgrund ihrer abweichenden physikalischen und chemischen Konstanten und Kennzahlen. Mittelwände mit Beimischungen von Fremdwachsen werden von den Bienen je nach der Art der Fälschung nur zögernd oder gar nicht angenommen.


    Zitat: aus "Grundlagen der Bienenzucht" (Lüfftenegger)
    Schließlich sei noch darauf hingewiesen,......,das Bienenwachs verfälscht wird und zwar mit Erdwachs, Paraffin und Zeresin. Ein sicheres Erkennungsmittel ist Schwefelsäure, die reines Wachs ohne jedem Rückstand auflöst, während die Zusätze als Bodensatz zurückbleiben.


    Zitat: aus "Das Wachsbuch" (Weber)
    unter anderen, Streichholzprobe
    Man knetet etwas Wachs zwischen den Fingern und umkleidet mit dem weichen Material ein Streichholz. Den Zündkopf läßt man frei. Entzündet man das Streichholz, so brennt auch die Wachsumkleidung ab. Geschieht dies lautlos, so kann man annehmen, das es sich um Bienenwachs handelt. Knistert es,so enthält das Wachs entweder Wasseranteile oder es ist verfälscht.



    Die Streichholzproben konnte ich durchführen und habe einen deutlichen Unterschied zwischen Jungfernwachs und ausgebauter MW feststellen. Gespritzt hat es zwar nicht, aber das Brennverhalten war anders als beim Jungfernwachs. Der Versuch mit der Schwefelsäure, konnte ich wegen Mangels solcher nicht durchführen.


    Nichts geht über eine Prüfung im Labor, aber vielleicht finden wir einfache Möglichkeiten um verfälschtes Wachs zu erkennen. Wir müssen leider Erkennen das Wachsverfälschungen nicht erst das Problem der letzten Jahre ist. Wir sollten aber alles daran setzen, um in Zukunft Wachsverfälschungen zu Erkennen und zu verhindern.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Hallo Reinhard,
    die Probe mit Schwefelsäure erscheint mir recht schnell Beimengungen anzuzeigen, nicht was beigemengt wurde, aber daß beigemengt wurde.
    Schwefelsäure 94-96% bekommt man xxxx. Aber bitte ganz Vorsichtig, konz. Schwefelsäure ist absolut kein Spielzeug. Nur wenn du zur Apotheke gehst und welche kaufen möchtest stellt man dir sehr viele "nervige" Fragen, im Versand fragt man nicht.
    Und die 250ml Packung kostet 4,--€ lohnt also nicht. Verfalldatum oder ähnliches ist mir bei korrekter Lagerung unbekannt.


    VG Martin

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  • Aber bitte ganz Vorsichtig, konz. Schwefelsäure ist absolut kein Spielzeug.


    Konz. Schwefelsäure sollte niemals jemand anwenden, der den Umgang nicht "erlernt" hat.


    Ein Spritzer auf die Netzhaut, das war es dann, oder kauft sich jeder auch dazu eine "Augenspülflasche"?
    Da gehört so viel mehr dazu, damit zu händeln, dass ist nicht für einen Preis von 7€/Liter zu haben.
    Wohin mit dem Rest, oder dem Probenansatz?


    Finger weg.

  • Ich habe bereits mit 15 ein kleines Chemielabor betrieben.


    Neutralisieren mit Natronlauge, dann mit Wasser verdünnen und ab in den Ausguß.
    Den Rest wieviel Säure mit wieviel Lauge neutralisieren liefert heute Tante Google.
    Auch welche Vorsichtsmaßnahmen zu beachten sind.
    Mir geht diese Angstmacherei gegen den Strich.

  • Da die Grenzen der Dichte sehr eng sind kann man es auch über die Dichtemessung durchführen.
    Ich habe eine passende Anlagenkombination, und habe dazu eine Testreihe gemacht, da lassen sich alle Verunreinigungen relativ einfach aufspüren.
    Anlage lohnt aber für den einzelnen Imker kaum, da der Preis nicht ohne ist.
    Also bliebe nur Wasserwägung oder Ultraschallprüfung.
    Waage für die Wassergägung läge zwar rum, aber im Moment etwas Zeitmangel.

  • Ihr eiert bloß rum - es gibt schlicht keine GAR KEINE Alternative mehr zum eigenen Wachskreislauf.
    Und vor allem sollte mal dringend jemand gegen die "Geiz ist geil" Einstellung was tun.
    Und nicht bloß bei den Imkern....

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo


    das eine besondere Vorsicht beim Umgang mit Säuren walten muß, glaube ich, ist allen klar, zumindest habe ich das in der Schule gelernt. Ich habe ja auch nur zitiert, welche Prüfung von Bienenwachs sicher Klarheit schafft. Ich werde diese Prüfung sobald als möglich durchführen und dann berichten. Ich glaube auch, das den meisten klar ist, das es in fast allen MW Beimischungen gibt, mehr oder weniger. Aber je weniger um so besser und unser Entdecklungswachs und Jungfernwachs ist Gold wert.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Wachs schmilzt bei 62°C-65°C (Wikipedia). Die zusammenfallenden Waben müssten vermutlich auf einer Verfälschung beruhen, die zu einem Schmelzpunkt darunter führt. Ich denke, zumindest dieses Zusammenfallen der Waben könnte man vermeiden, indem man den Schmelzpunkt der gelieferten Mittelwände überprüft, z.B. im Wasserbad.


    Gruß Ralph

  • Hallo
    Ich würde gerne nochmal aus dem Wachsbuch von Weber zitieren.
    Zitat:
    Der Schmelzpunkt des Bienenwachses liegt bei 64 bis 65 °C. Andere bienenwachsähnliche Stoffe, die für Wachsfälschungen in Frage kommen, haben meist einen niedrigeren oder höheren Schmelzpunkt, die Vergleiche ermöglichen.( Der Schmelzpunkt ist dann erreicht,wenn der feste Wachskörper sich bei ansteigender Erwärmung zu verflüssigen beginnt.)


    Wenn das Bienenwachs gebleicht ist schmilzt es bei 66°C, so das wir davon ausgehen können, das unsere maschinell hergestellten MW, aus reinem Bienenwachs, erst bei 66°C schmelzen. Auch das Bienenwachs der ägyptischen Honigbiene und der ostindischen Bienen Apis florea und Apis dorosta schmilzt bei 66°C, kann man nachlesen.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)