Behandlung mit Oxalsäure

  • Hallo Imkerfreunde.
    Bekanntlich soll das Bienenvolk brutfrei sein, wenn man im Spätherbst die Behandlung mit Oxalsäure durchführt.


    Man sollte zu dieser Zeit die Völker allerdings nicht unnötig stören, um sich zu vergewissern, dass das Volk brutfrei ist.
    Was passiert, wenn das Volk aber nicht brutfrei ist, wenn die Oxalsäurebehandlung durchgeführt wird?


    Wird dann nur die Brut oder wird das gesamte Volk dadurch zerstört?
    Vielen Dank für brauchbare Hinweise.
    MfG - El Chato

  • Hallo El Chato,
    wenn das Volk nicht brutfrei ist werden nicht alle Milben getötet. Die in der Restbrut überleben.
    Da wird keine Volk und keine Brut zerstört.
    Gruß Eisvogel

    Als ich mich zum imkern entschlossen hatte, fand ich mich ratlos vor diversen modernen Beuten-Systemen.

    Abbé Emil Warre 1948, 12. Auflage Bienenhaltung für alle, Übersetzt von Mandy Fritsche, 2010

  • ich glaube El Chato meint, wenn er die Bienen jetzt stört um Brutfreiheit zu kontrollieren, ob dann die Brut geschädigt wird (Kisten öffnen).


    In den meisten Gegenden ist es schon recht kalt. Wenn überhaupt, würde ich bei ca. 15C zügig arbeiten um Brutfreiheit feststellen zu können.


    gr. stefan

  • ich glaube El Chato meint, wenn er die Bienen jetzt stört um Brutfreiheit zu kontrollieren, ob dann die Brut geschädigt wird (Kisten öffnen).


    In den meisten Gegenden ist es schon recht kalt. Wenn überhaupt, würde ich bei ca. 15C zügig arbeiten um Brutfreiheit feststellen zu können.


    gr. stefan


    Ok, wenn Cl Chatos 'NRW' dasselbe NRW ist, wie das wo mein Heimatort liegt - kann ich ihn dahingehend beruhigen. Ein Öffnen der Beute, um schnell Brutfreiheit festzustellen, ist für die Bienen absolut kein Problem. Also im Zweifel - Randwabe weg, Rähmchenblock halbieren, mittlere Wabe ziehen, evtl. noch eine links und rechts, Waben wieder in die alte Position bringen und Kiste wieder zu.
    Bei meinen Bienen (Wuppertal/NRW) befindet sich bei den meisten Völkern dann nur noch bereits verdeckelte Brut in den Beuten, wo vermutlich in etwa 1 Woche die letzten Bienen schlüpfen. Einige Völker sind auch jetzt schon komplett brutfrei.


    Da die Temperaturen in den nächsten Tagen noch weiter fallen, kann ich voraussichtlich Mitte November behandeln.


    Zitat

    Was passiert, wenn das Volk aber nicht brutfrei ist, wenn die Oxalsäurebehandlung durchgeführt wird?


    wenn sich diese Frage doch auf die Verträglichkeit der Behandlung in Hinsicht auf die Bienenbrut bezieht, ist Eisvogels Antwort genaut richtig. Die Brut wird durch die Oxalsäureträufelung nicht geschädigt. Die geschlüpften Bienen können geschädigt werden. Insbesondere wenn die Bienen zwischen zwei Träufelbehandlungen keine Möglichkeit zum Abkoten haben. Die Milben in der Brut werden durch die Behandlung aber ebenfalls nicht erreicht, weshalb die Wirksamkeit stark eingeschränkt ist. Da sich aufgrund der Bienenschädigung eine Wiederholung der Träufelbehandlung verbietet, hat man dann ein Problem.


    Gruß
    Ludger

  • Zu genau diesem Thema gibts einen Artikel in der neusten Ausgabe von ADIZ/Die Biene/Imkerfreund (11.2016, S.14):
    Die allseits geschätzten :) Aumeier-Beinert-Boecking-Liebig haben demnach in einem großen Feldversuch an immerhin 433 Völker auf 31 Bienenständen die unterschiedliche Wirksamkeit von geträufelter Oxalsäure bei brutfreien und brütenden Völkern getestet.
    Ihr Fazit: Der Wirkungsgrad liegt bei Völkern mit Brut nur um 7 Prozentpunkte niedriger als der bei brutfreien Völkern.
    Ein mögliches Durchsehen der Völker und die Entnahme aller eventuell vorhandener Brut führt durch die entstehende Unruhe zu einer Auflösung der Wintertraube, was wiederum die Wirksamkeit der Behandlung deutlich senkt.
    Wichtig auch: bei möglichst tiefen Temperaturen (frühmorgens nach kalter Nacht) behandeln und alle Wabengassen beträufeln.


    Grüße,


    Thomas

  • Zu genau diesem Thema gibts einen Artikel in der neusten Ausgabe von ADIZ/Die Biene/Imkerfreund (11.2016, S.14):
    Die allseits geschätzten :) Aumeier-Beinert-Boecking-Liebig haben demnach in einem großen Feldversuch an immerhin 433 Völker auf 31 Bienenständen die unterschiedliche Wirksamkeit von geträufelter Oxalsäure bei brutfreien und brütenden Völkern getestet.
    Ihr Fazit: Der Wirkungsgrad liegt bei Völkern mit Brut nur um 7 Prozentpunkte niedriger als der bei brutfreien Völkern.


    Das würde die Suche nach dem Behandlungspunkt etwas entschärfen.


    Ein mögliches Durchsehen der Völker und die Entnahme aller eventuell vorhandener Brut führt durch die entstehende Unruhe zu einer Auflösung der Wintertraube, was wiederum die Wirksamkeit der Behandlung deutlich senkt.
    Wichtig auch: bei möglichst tiefen Temperaturen (frühmorgens nach kalter Nacht) behandeln und alle Wabengassen beträufeln.


    Ganz wichtiger Hinweis! Die Durchsicht und die Beträufelung müssen auf jeden Fall einige Tage auseinander liegen. Die (stichprobenartige) Durchsicht, jetzt, bei hier ca. 15°C dient nur dazu, sich ein Bild vom Brutzustand zu verschaffen und den Behandlungszeitpunkt zu finden. Behandelt wird wie Thomas gesagt hat, wenn eine möglichst enge Wintertraube zu erwarten ist. Also z.B. am frühen Morgen nach kalter Nacht - und nicht sofort nach der Brutuntersuchung.


    Gruß
    Ludger

  • Der Wirkungsgrad liegt bei Völkern mit Brut nur um 7 Prozentpunkte niedriger als der bei brutfreien Völkern.


    Ich beziehe die ADIZ nicht, aber das ist wohl wieder so eine Knüllerstudie.
    Brutfrei ist brutfrei, aber nicht brutfrei können 3 Zellen sein, können aber auch drei oder mehr Waben voll Zellen sein. Der Behandlungserfolg ist immer um 7 % schlechter als bei brutfreien Völkern. Oder handelt es sich um durchschnittlich 7 % schlechterer Behandlungserfolg der 433 Völker; also des brütenden Teils der 433 Völker? Also ein Spielraum von 0-14 % oder mehr? Immer wieder schön.

  • Ich beziehe die ADIZ nicht, aber das ist wohl wieder so eine Knüllerstudie.


    Ganz sicher werde ich hier nicht den kompletten Artikel abtippen. Ich musste also (vielleicht zu sehr) verkürzen.
    Im Zweifel empfehle ich einfach mal die Investition in Fachliteratur und -zeitschriften. Das ist oft ziemlich gut angelegtes Geld. Dann kannst Du den Artikel auch in aller Ruhe zerpflücken und kritisieren.
    Oder begnüg Dich damit, dass Du Genaueres einfach nicht weißt.


    Grüße,


    Thomas


    (ab morgen wohl Besitzer eines Gasoxamaten und damit Nichtmehrträufler)


  • Brutfrei ist brutfrei, aber nicht brutfrei können 3 Zellen sein, können aber auch drei oder mehr Waben ....Immer wieder schön.


    Die Angaben bezweifle ich; wenn die Milben in der noch vorhandenen Brut sitzen, kann die gelöste OXS diese nicht erreichen. Und die Träufelmethode gewährleistet eine Verteilung nur in der Wintertraube - wie ? Darüber kenne ich keine Untersuchung...


    Meine Völker hatte ich 2015 im Dez. bei sehr wenig Milbenfall mit OXS geträufelt; vermutlich war noch Brut (und damit Milben) vorhanden, so dass der Befall am "Start: des Jahres 2016 schon recht hoch war. Im Sept./Okt. 2016 habe ich gestaunt, wie die Milbe sich vermehrt hatte....


    Für eine wirksame OXS-Behandlung ist Brutfreiheit Voraussetzung und möglichst dicht sitzende Bienen, um alle beim Träufeln zu erwischen. Heute mal Stichprobe gemacht - von 9 Völkern waren 3 kpl. ohne Brut, 4 hatten kleine Nester auf einer Wabe, 2 etwas größere. Das Kontrollieren - so wie Ludger es beschreibt, schadet dem Bien weniger, als eine Behandlung unter verdeckelter Brut.


    Meine Meinung...


    Rainer

  • Die Angaben bezweifle ich;


    Meine Angaben, oder die aus dem Artikel?


    olle Flachzarge schrieb:


    Ganz sicher werde ich hier nicht den kompletten Artikel abtippen.


    Das habe ich nicht erwartet. Es wird nur eine Frage der Zeit sein, wo ein entsprechender Artikel überall erscheint, wahrscheinlich jetzt schon auf den entsprechenden Internetseiten.


    olle Flachzarge schrieb:

    Oder begnüg Dich damit, dass Du Genaueres einfach nicht weißt.


    Das werde ich tun. Dein Auszug bekräftigt mich aber in der Meinung, dass dies, in diesem speziellen Fall, nicht so schlimm ist.

  • Bei mir sind die Völker auf der Vorderseite des Berges (sonnig) noch in Brut, die auf der Rückseite (jetzt ganztägig schattig) alle komplett aus der Brut raus. Die sonstigen klimatischen Unterschiede sind vernachlässigbar. Möglicherweise kann ein schattiger Überwinterungsplatz auch in mildesten Lagen schon den entscheidenden Unterschied darstellen.
    Seit Samstag stehen die nun alle Beuten auf der Rückseite, ich hoffe, dass die anderen jetzt mit der Brutfreiheit nachziehen.
    Nächste Woche soll es kalt werden, aber erstens ist "kalt" bei uns relativ, und zweitens hat die Kälte schon wieder die Tendenz, immer für die nächste Woche angesagt zu werden.


    Zum Artikel: Quintessenz war, dass bei durchschnittlich relativ kleinen Brutflächen (handtellergroß) und dazu durchgängig unerwartet niedrigem Befall dieser Brutzellen durch Varroen die allermeisten Milben zu dieser Jahreszeit auf den erwachsenen Bienen sitzen. Die mit OS nicht erwischten Milben aus den Brutzellen spielen für das Ergebnis eine viel geringere Rolle als die Frage, ob man wirklich alle Bienen beträufelt hat. Bei locker sitzender Bienentraube (zu warm, vorher in der Beute herumgerührt, Brut entnommen) erwischt man weniger Bienen, genauso wenn man nicht alle Wabengassen behandelt, in denen Bienen sitzen. Daher das Fazit: Wenn man schon nicht brutfrei behandeln kann, dann wenigstens in der dichten Wintertraube und besonders gründlich. Ggf muss man dafür nach einer kalten Nacht sehr früh aufstehen, damit sie noch eng sitzen.


    Gruß, Kikibee (mit MS statt OS)

    Coronataugliches Freiluft-Imkerforumstreffen am 3.-5.9.2021 an der Lahn.

  • Berggeist - sorry, habe mich schlecht ausgedrückt: Ich bezweifle, die Aussage im Artikel, weil ich es anders erlebe.


    Zum Artikel: Quintessenz war, dass bei durchschnittlich relativ kleinen Brutflächen (handtellergroß) und dazu durchgängig unerwartet niedrigem Befall dieser Brutzellen durch Varroen die allermeisten Milben zu dieser Jahreszeit auf den erwachsenen Bienen sitzen.... Daher das Fazit: Wenn man schon nicht brutfrei behandeln kann, dann wenigstens in der dichten Wintertraube und besonders gründlich.


    Die Verteilung der Milbenpopulation zwischen verdeckelter Brut und auf Bienen hängt ja von deren Lebenszyklus ab. Ansitzende Milben gibt es ja immer und ob man die alle erwischt, bezweifle ich. Dass man die Milben in der verdeckelten Brut nicht erwischt, kann man sich ja vorstellen. Und die Wirkukngsdauer von OXS wird immer wieder kontrovers diskutiert. Hier lese ich von 1 bis 2 Tagen bis hin zu 1 bis 2 Wochen. Die Dynamik der Verteilung bei überwiegender Wintertraube ist m.E. nicht klar - insofern kann ein kleines Brutnest mitten im Bien durchaus mit zu wenig bis gar keiner OXS nach dem Träufeln in Berührung kommen - ergo werden die schlüpfenden Milben auch nicht geschädigt, sondern vermehren sich ungestört weiter. Wir wissen ja, dass es in der Natur niemals 100 % gibt - bestenfalls Wahrscheinlichkeiten. Und wenn es wahrscheinlich ist, dass im positiven Fall "nur 7 %" Milben überleben, dann ist das die Basis für's nächste Bienenjahr. Wenn's mal 10 bis 15 % sind, ist das schon das Doppelte usw.


    Die Anfrage hieß ja, ob man Brutfreiheit durch Öffnen der Beute feststellen solle oder ob das schädlich sei. Vertrauen ist gut - Kontrolle ist besser! Es reicht ja schon, wenn man 1 bis 2 Waben kurz anhebt und nachschaut. In der Großraumbeute bzw. im Einzarger weiß man auch, wo das alte Brutnest saß und kann das schnell überprüfen. Und bei Brutfreiheit sofort behandeln - das gewährleistet m.E. die höchste Wahrscheinlichkeit, viele Milben zu erwischen.


    Viel Erfolg


    Rainer

  • Moin, moin,


    beim Beträufeln hätte ich da 2 Gegenargumente gegen das jetzt sofortige Behandeln nach Feststellung der Brutfreiheit:


    1. Die Traube sollte eng sitzen, sonst geht das meiste durch nach unten. Das tut sie nach einem Eingriff nicht, meine Völker sitzen generell mehrheitlich noch recht locker.


    2. Die Restlebensdauer der Winterbienen, die beträufelt wurden, wird etwa halbiert, las ich hier. Das schadet im Dezember nicht, jetzt aber führt das, wenn es zutrifft, zu starkem Totenfall im Februar und März, statt im März oder April und damit zu Durchlenzungsschwierigkeiten.


    Gruß Clas

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