Offener Anbrüter

  • Hallo Zusammen
    Wer hat Erfahrung damit ?
    In der kommenden Saison möchte ich das erste Mal versuchen selber Königinnen nach zu ziehen . Das Verfahren des offenen Anbrüters http://www.igbiene.ch/wissen/imker-handwerk/mai-2/ hat es mir vorerst aus verschiedenen Gründen angetan und ich bin momentan geneigt diesen Weg einzuschlagen .
    Dabei werden die angeblasenen Edelzellen nach 24 Stunden in Pflegevölker verschult, also direkt in weisellose Völker oder in weiselrichtigen über ASG im Honigraum zwischen umgehängten Brutwaben endgepflegt .
    Der offene Anbrüter wird wieder in seinem ursprünglichem Zustand zurückgebaut .
    So weit so gut ?
    Zu meiner Frage : weshalb können die angeblasenen Edelzellen nicht auch gleich im zurückgebauten Anbrüter über ASG endgepflegt werden ? Verhältnis Anzahl Edelzellen und Volkgrösse berücksichtigt .
    Sollte doch auch klappen oder eben wieso nicht ?


    Vielen Dank um Rat und Auskunft
    LG Markus

  • Kannst du alles machen, wenn dir ca. 6 von 24 Zellen reichen, aus denen dann letzten Endes evtl. 4 begattete Königinnen werden.
    Sowohl der "offene Anbrüter" als auch die Version von Rainer Schwarz sind gut, wenn man spontan ein paar Königinnen ziehen möchte.
    Wenn du aber jetzt schon anfängst zu planen solltest du lieber einen richtigen Sammelbrutableger in Betracht ziehen.

  • Hallo Knuppi
    Vielen Dank für Deine Antwort .
    Die Planung fängt im Kopf jetzt an um genau solche Dinge einzubeziehen .
    Vorteil wäre auch : minimaler zusätzlicher Materialaufwand , nämlich nur den " Starterdeckel " im Magazinmass .
    Weshalb jedoch errechnest Du 24 /6/4 ?
    Mein Gedanke war da schon eher 20/15/10 .:oops:
    Gruss Markus

  • Nicht errechnet, sondern beide Verfahren 2015 + 2016 so in etwa erlebt.
    Als weiterer Nachteil kommt dazu, daß du damit nicht den absoluten Überfluß und die absoluten super Königinnen hinbekommst, sondern nur mittelmäßige... wobei da noch mit einem gut temperierten Brutschrank etwas Verbesserung möglich ist.
    Ich werde jedenfalls 2017 lieber rechtzeitig planen und einen richtig vollen Sammelbrutableger machen, bei dem nach 9 Tagen alle Zellen gebrochen werden und dann der Zuchtstoff reinkommt.

  • Hallo Widder!


    Solche oder so ähnliche Verfahren gibt es wie Sand am Meer. Da gibt es sogar spezielle Vorrichtungen, wo mit einem Schied ein weiselloser Volksteil erzeugt wird, usw. Diese Verfahren nennen sich meistens so ähnlich wie "Zucht im schnell entweiselten Volk".


    Ein solches Verfahren hat den Nachteil, dass es nach dem Anbrüten der Zellen nicht abgetan ist. Einen Tag später wird ein Pflegevolk benötigt, dann nach weiteren 9 oder 10 Tagen werden Bienen und Waben für die Ableger benötigt. Das stellt laufend einen Arbeitsaufwand dar und ist für einen Kleinimker, der ein paar Königinnen braucht nicht recht praktikabel.


    Königinnenzucht in einem Sammelbrutableger hat meines Erachtens für den Kleinimker mehrere Vorteile. Die Arbeitsabläufe sind recht überschaubar. Vergleiche bei deinen Überlegungen die "Völkervermehrung in 4 Schritten" nach Dr. Liebig.


    http://www.immelieb.de/?page_id=299


    MfG
    Honigmaul

  • Hallo Zusammen - Danke :)
    Fazit , das wurde schon gemacht und hat schon funktioniert .
    Weshalb das jedoch Königinnen minderer Qualität zudem in kleiner Anzahl ergibt ist mir jedoch noch nicht klar .
    Hätte ich doch nach dem Anblasen der Zellen im offenen Starter nach der Rück-Vereinigung wieder die ganze harmonische Volk-stärke zur Endpflege .
    Welcher leistungsdämpfende Faktor sehe ich da nicht ?:confused:
    Grüsse Markus

  • Das Thema will doch hier nicht gar schon einschlafen ? :eek:
    OK - bis zur kommenden Zuchtsaison ist es ja noch eine Weile hin . Ich habe auch zwei Imker aus der Region danach angefragt, der eine ist vom offenen Anbrüter schlicht begeistert . Mit ihm werde ich meine " Baupläne " und Vorgehensweise noch besprechen oder schlicht das überhehmen was sich bei ihm so bewährt hat .
    Momentan schwebt mir eine " Zuchtzarge " der Anbrüter eben mit 20 Weiselnapfhalter vor . Daraus schweben mir 10 endgepflegte Zellen und Königinnen im selben Volk ohne verschulen eben vor,
    mein Ziel einer Zuchtserie eben . Unrealistisch ?
    Nach dem Anziehen über dem Honigraum wird das Volk wieder vereinigt wobei dieser Zuchtrahmen dann direkt über dem Brutraum - ASG endgepflegt werden soll , der Honigraum darüber .
    Ich mach mal Bilder !


    LG Markus

  • Lieber Markus,


    wie Kruppi und Honigmaul schon schreiben - kann man machen, geht aber anders besser. Auch aus eigener Erfahrung bestätige ich die "Ausbeute" von 30 %: 12 Näpfchen belarft, davon 6 angeblasen und am Ende 4 begattete Jungköniginnen. Nebeneffekt, wenn man den Zuchtrahmen bis zum Schlupf der Jungköniginnen im HR belässt, war ein schöner Schwarm des Muttervolkes, dem ich glücklicherweise beim Auszug zuschauen durfte und den ich dann wieder eingefangen habe.


    Die Arbeit ist die Gleiche wie bei einem Sammelbrutableger im Standmaß, der - mit ausreichend Bienen verstärkt - eine perfekte Wiege für die Aufzucht darstellt. Und die vermeintliche Materialersparnis ist nur initial; denn Du willst die entstandenen Königinnen doch sicher auch nutzen und musst sie eben dann unterbringen...


    Zur Qualität - ich würde aus meiner Erfahrung nicht unbedingt folgern, dass die so erbrüteten Königinnen von schlechterer Qualität sind im Vergleich zu den anderen, die ich von Züchtern erworben habe oder die ich durch Ableger ziehen ließ. Sie haben schöne Völker aufgebaut, sind nicht geschwärmt und der Honigertrag war i.O.


    Beste Grüße


    Rainer

  • Probier das ruhig aus. Es funktioniert gut und die Königinnen sind auch gut.
    Du kannst natürlich auch das wieder vereinigte Volk als ein Pflegevolk nehmen.
    Ich würde nur nicht all zu viele Zellen pro Pflegevolk einhängen, sonst werden wirklich nicht so ganz viele weitergepflegt. Lieber auf mehr Völker verteilen. Und die Pflegevölker müssen stark und groß sein, keine Mickerlinge. Es gibt aber noch einige Experten hier, die das schon sehr lange erfolgreich praktizieren.
    Aber die Fachleute sind gerade alle in Donaueschingen.

    Tatsachen muss man kennen, bevor man sie verdrehen kann. (Mark Twain)

  • Ich danke euch für diese Ausführungen , Ergänzungen und Tips !:daumen:
    Ich bin doch schon ein gutes Stück weiter , nachdem ich zu Beginn ja nicht ganz sicher war ob das so ginge .
    Donaueschigen ist ja auch bald verdaut !:wink:
    Somit ist noch die Gretchenfrage wie viele Zellen einem " starken " Volk realistischer Weise zugemutet werden kann . 20 Näpfchen zur sind ja wenige zur Anpflege . Dann jedoch ob sie daraus auch letztendlich 10 akzeptable Prinzessinnen für die Apideas ziehen ? Da dürfte sicher auch Wetter/ Tracht, Volks-zustand und auch die Routine des Imkers etc. mitspielen .
    Spannend !


    LG Markus

  • Probier das ruhig aus. Es funktioniert gut und die Königinnen sind auch gut.


    Jenau. Ich mach's etwas anders. Weil ich nicht gerne so wahnsinnig viele Königinen zur gleichen Zeit habe, sondern lieber kontinuierlich (Heute mach ich's noch anders, aber das spielt für hier ja keine Rolle).


    Also, doll dickes Volk mit zwei, drei HR auf einen HR reduzieren, dazu noch ein paar BW abschütteln, aber schööööön gucken wo die Königin sitzt und die ja nicht mit in den offenen Anbrüter schütteln! Den Rest wegstellen (bei Flugwetter). Zuchträhmchen einhängen. Bei DN oder Zander 1.0 würde ich noch 'ne Pollenwabe danebenhängen. nach 24h werden die Zellen in die Wirtschaftsvölker verteilt (je 10). Bei Zander/DN solange ruhig 'ne Pollenwabe mit hochhängen.


    Kann man so machen, solange (Blüten)Tracht ist, klappt. Ausbeute je nach Wetterlage, Geschick beim Umlarven, Tracht (Volltracht ist eher schlecht).


    Aber einfacher ist, wenn man nur wenige Königinnen braucht, bei der Gabe von neuen HR einfach 'ne Brutwabe und ein paar belarvte Näpfchen mit hochzuhängen. Paar werden immer was, man lernt wahnsinig viel über den Zustand von Völkern und es kostet null Honig und Aufwand. Und sie werden gut. Überhaupt sollte man (meiner Meinung nach) alle Verfahren parallel und durch- und hintereinander ausprobieren und sich auch ein paar Notizen machen. Dann Begattungsableger erstellen (Und mit Notizen machen mein ich bis zum bitteren Ende, weil 100% Quoten von in Eilage(!!!) nützen nix, wenn sie dann im Herbst alle umweiseln wollen etc., pp.). Keine Hemmungen! Es macht wahnsinnig viel Spaß und es gibt wenig besseres/schöneres, als wenn man nach 14 Tagen nachschaut und eine neue Majestät in ihrem Brutnest vorfindet!


    Also lesen, lesen, lesen, ....aber dann auch machen!


    Ich drücke jedenfalls Allen feste die Daumen.


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Hallo Markus!
    Ich hab dieses Jahr sowohl die 4-Schritte Methode mit Sammelbrutableger als auch die Aufzucht im offenen Anbrüter (oder wie auch immer man das nennt) verwendet. Hat aus meiner Sicht beides Vor- und Nachteile. Im Folgenden will ich mal meine Einschätzung zum Besten geben:


    Sammelbrutableger
    Wichtigste Vorteile:
    - Schwarmvorbeugung und Varroareduktion bei Spendervölkern
    - Es sind ausreichend Bienen für die Begattungseinheiten / Ableger vorhanden
    - Integrierte Varroabehandlung der Ableger möglich, da die Bienen bei Bildung der Begattungsvölkchen brutfrei sind.
    Nachteile:
    - Aufwand für Suche nach Weiselzellen / Eine übersehen und nichts funktioniert
    - Wartezeit von 9 Tagen
    - Viele Brutwaben benötigt -> nicht geeignet bei wenigen (<3) Völkern


    offener Anbrüter:
    Vorteile:
    - Bildung des Anbrüters und Belarven mit Zuchtrahmen sofort am selben Tag möglich.
    - Kein 2. Standort benötigt
    - Funktioniert mit einem Volk
    - Kein Schröpfen von Völkern nötig
    Nachteile:
    - Bienen für Bildung von Begattungsvölkchen müssen irgendwoher kommen.
    - Bei Bildung von Begattungseinheiten mit Brut ist keine einfache Varroabehandlung möglich.



    Vielleicht noch zu meiner Motivation das eine oder andere Verfahren zu nutzen: Im Frühjahr, wenn man eh die Völker Schröpfen muss/will habe ich die Sammelbrutableger-Methode verwendet. Im Spätsommer, wo ich die Völker nicht mehr unnötig schröpfen wollte, die Methode mit offenem Anbrüter.


    Viele Grüße
    Alex

  • Nachteile:
    - Bienen für Bildung von Begattungsvölkchen müssen irgendwoher kommen.


    naja hierzu eigenen sich dann die MiniPlus als Beispiel, die dann aufgeteilt werden


    - Bei Bildung von Begattungseinheiten mit Brut ist keine einfache Varroabehandlung möglich.


    wenn diese Ableger mit Brut (MiniPlus) dann mit Zellen beweiselt werden haben die dann auch ne kurze brutfreie Phase

    mein Fahrradlicht ist mit Lichtgeschwindigkeit unterwegs und ich ganz knapp hinterher

  • Moin!
    Ein sehr interessantes Thema, in das ich mich gerne einklinken möchte.
    Bisher habe ich immer einen Sammelbrutableger erstellt, da für mich auch immer die Effektivität ein wichtiger Punkt war.
    Nachdem ich jetzt meinen Stand komplett mit neuen Kö's aus diesen Nachzuchten versorgt habe, muss ich jetzt auch anfangen, logistisch zu denken.
    Bei einem Sammelbrutableger kannst du, wenn der Umlarvvorgang nicht in die Hose gegangen ist, aus 20-24 Maden gut 12-15 angezogene Weiselzellen und daraus 10-14 Kö's herausbekommen.
    Zwei echte Nachteile bei einem Sammelbrutableger sind neben den oben genannten (viele Völker, schröpfen, warten, Zellen brechen) meiner Meinung nach:
    - auf einen Schlag viele Kö's (als Kleinimker ohne Vorbestellungen von Kö's ggf. problematisch)
    - Was mit dem Pflegevolk machen, wenn die Kö's raus aus dem Volk sind?
    Das ein vernünftiger Sammelbrutableger Zeit braucht, finde ich gar nicht so schlimm, man kann ja auch so andere Völker, die zum Schwärmen neigen, durch das Schröpfen für den Sammelbrutableger die Schwarmlust nehmen. Ein schöner Nebeneffekt, wie ich finde.
    Es als negativ abzutun, dass man auf einen Schlag viele Kö's hat, mag dem einen oder anderen lächerlich vorkommen, aber ich rede hier von Kleinimkern mit wenigen Völkern, die vielleicht pro Jahr 2-3 neue Kö's brauchen. Was machen die mit den anderen 10 Kö's, gerade, wenn sie keine Vorbestellungen haben und nicht unbedingt 5 Schutzhäuschen aufstellen wollen?
    Weniger umzularven halte ich für ein Risiko, wenn dann doch die 4-5 umgelarvten nichts geworden sind, etc. Außerdem wäre mir die Arbeit für die 4-5 möglichen Kö's dann doch zu viel.
    Und was mache ich mit dem Pflegevolk? Da ist ja nach der Entnahme der Kö's keine Kö mehr drin.
    Ein unbegattete Kö einweiseln? Ist dann halt eine ggf. erst nach 10-14Tagen eine Standbegattete Kö und dann kann das Volk erst wieder anfangen zu wachsen.
    Eine zweite Zuchtstrecke starten? Dann hab ich erstens noch mal richtig viele Kö's ggf. und zweitens muss ich das Volk nochmals mit Bienen verstärken, damit es richtig Pflegen kann.


    Der offene Anbrüter, bei dem ich ein normales Volk nehme und dies zum Pflegen der Kö's verwende, scheint eine vielversprechende Alternative zu sein. (Zumal wie hier berichtet keine Unmengen an Kö's auf einmal erzeugt werden).
    Mir erscheint das Umstellen des Volkes doch sehr aufwendig zu sein, da man ja zum einen BR und HR trennen muss, später zusätzlich noch Brutwaben umhängt und hinterher alles wieder zurück baut.
    Ein weiterer Aspekt, dem ich skeptisch gegenüber stehe, ist der Umstand, dass bei schlechter terminlicher Planung mir unter Umständen ein Schwarm abgeht.
    Was sagt ihr dazu? Sehe ich das zu pessimistisch?


    Was gibt es sonst für Alternativen?

    Grüße aus HH Andreas


    Man kann sich den ganzen Tag aufregen :evil: ------- Ist aber nicht verpflichtet dazu :cool: