Varroa Hinterbehandler/Mini+

  • Meine 8 Völker im Schweizerkasten im Bienenhaus haben durchgehen ohne Ausnahme ganz wenig Varroafall nach Bedampfung, so zw. 10 und 40 Stk. Die Mini+, für deren Besetzung ich Kunsschwärmchen machte aus besagten Völkern, haben im Verhältnis zu ihrer Grösse viele Varroas (über 100 nach Bedampfung).
    Wie kann ich das interpretieren?
    Lg
    Susanne

  • Hallo Ulrich,
    genug: 6x alle 3 Tage. Nach der 1. Bedampfung mit Varrox alle Völker zw. 10 u. 40 Stk. Milbenfall. Dann langsam abnehmend. Jetzt bei Kontrollbedampfung, da Verdacht dass ev. alle Milben in der Brut stecken. Wieder nur noch zw. 10 u. 40 Stk. bei den Hinterbehandlern. Sie waren den ganzen Sommer mit Schafwollisolation.
    Lg
    Susanne

  • Kunstschwärme behandle ich bevor ich sie auf Mittelwände einschlage und 1 Woche danach mit MS 15%- die sind dann nahe 0 Varroa und werden erst im Winter wieder behandelt mit OS.
    Wenn man das nicht macht hat man diese brutfreie Gelegenheit verpasst.
    Gerade bei mehrzargiger Behandlung ist die Varroabheandlung Glücksspiel, wenn man zählen möchte- wo die überall sich ablegen können, bevor sie unten ankommen und die Wirksamkeit ist auf Grund des größeren Raumes auch geringer, weil die Bienen sich an bestimmten Punkten sammeln und locker das Varroazid zum Flugloch umleiten können .

  • Hallo Lilie,


    Deine Schweizerkästen stehen im Bienenhaus und zusätzlich gut isoliert. Nun kenne ich deinen Witterungsverlauf nicht, aber wenn ihr in den letzten Tagen niedrige Temperaturen hattet,hast du eine Interpretationsmöglichkeit schon erwähnt.
    Möglicherweise pflegen die Schweizerkästen momentan wesentlich mehr Brut, als deine Mini+. Dann sitzen auch wesentlich weniger Milben direkt auf den Bienen und bei einer Oxalsäure-(Kontroll)bedampfung wirst du auch weniger Milben auf der Windel/dem Boden finden. Den Brutanteil kannst du aber relativ einfach kontrollieren, notfalls musst du die Schweizerkästen in Hinsicht auf Varroa genauso genau im Auge behalten, wie die Mini+


    Gruß
    Ludger

  • Hallo Ludger,
    diese Beobachtung geht nun über 2 Monate und ist stabil geblieben. Die Brutfläche ist im Verhältnis gesehen grundsätzlich kleiner bei den Mini's als im Bienenhaus, das ist so. Ja, das könnte die Erklärung sein. Zwar sind unterdessen jedoch durch viel späten Nektareintrag die Brutnester im Bienenhaus nun auch sehr geschrumpft. Und immer noch dieselben Varroafallzahlen.
    Lg
    Susanne

  • Hallo


    Die Haupturache beschreibt Ludger hier richtig, denn auch ich bin der Meinung das es an der Größe der Brutnester liegt. Bei der gleichen Anzahl der Milben am Anfang in der HBB und im Mini vermehren sich die Milben zunächst gleich, aber in der HBB herrscht eine bessere Temperaturkonstanze und es werden durch die größere Anzahl an Bienen auch schadhafte Brut eher entfernt. Im Mini kann sich das Schlüpfen um 1-2 Tage verzögern, welches den Milben einen Vorteil verschafft. Durch die kleineren Brutflächen schlüpfen auch weniger gesunde Bienen, dadurch bleibt der Putztrieb leicht auf der Strecke, was wiederum einen Vorteil für die Milben bringt.
    Ich habe ein Volk in einer HBB auflösen müssen weil die Milben überhand genommen hatten. Sie waren mit bloßen Auge auf den Bienen zu sehen. Bei diesem Volk gab es keine Brutpause.Deshalb bin ich auch auf 1,5 DNM umgestiegen. Bei einem Mini mit 100 Milben würde ich mir große Sorgen machen, bei einem Volk auf 1,5 DNM würde ich das lockerer sehen, weil einfach mehr gesunde Bienenmasse da ist.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Hallo Reinhard,
    danke für die ausführliche Antwort. O.k., jetzt sehe ich die mgl. Zusammenhänge. Eine Frage noch; Du schriebst, " durch die kleineren Brutflöchen hat es auch weniger gesunde Bienen...". Warum wirkt sich die Grösse der Brutfläche auf ihre Gesundheit aus?
    Lg
    Susanne

  • Hallo Reinhard,
    Warum wirkt sich die Grösse der Brutfläche auf ihre Gesundheit aus?
    Lg
    Susanne


    Temperaturmanagement ist hier das Stichwort. Eine großes Brutnest heizt sich leichter, als eine kleines. Vergleiche die Oberfläche über die Wärme verloren geht, mit dem Volumen des Nestes. Auch das (Zahlen-)Verhältnis der Bienen, die quasi am Rande der Brutbedingung aufgezogen werden, zu den Bienen, die unter perfekten Bedingungen aufgezogen werden ist ungünstiger. Die Bienen können das in weitem Maße kompensieren. Aber wenn noch zusätzlicher Stress hinzukommt, wirkt sich solch ein (kleiner) Unterschied unter Umständen doch nachteilig aus. Selbst wenn es den Bienen gelingt, die kleine Brutfläche perfekt zu heizen, bindet dies doch unverhältnismäßig viele Arbeiterinnen, die an anderer Stelle fehlen. Pflegebienen, Pollensammlerinnen, Putzerbienen alles wichtige Aufgaben, die unter Umständen nicht perfekt ausgeführt werden.
    In einem Mini+ hast du außerdem typischerweise weisellose Phasen. Auch dies bedeutet Stress, wo sich der Zustand eines solchen Völkchens verschlechtert. Und bei Stress hat jede Krankheit, auch die Varroa leichtes Spiel.


    Gruß
    Ludger

  • Hallo Lilie,


    Dann könnte es also tatsächlich sein, das der Grund, dass die 8 Völker der Hinterbehandler im Bienenhaus wegen der Schafwollabdeckung so wenig Varroabefall haben....


    Vorsicht, du liest gerade nur das was du lesen möchtest. Meine erste Aussage bedeutet eher, dass deine Hinterbehandler einen höheren Varroabefall haben könnten, als du durch den Milbenfall (nicht Befall) momentan siehst.
    Die zweite Erklärung bezieht sich darauf, dass ein zu kleines Bienevolk unter größerem Stress steht, als eines, welches eine gesunde Mindestgröße hat.


    Der Schafwollmantel mag isolierend wirken, Die Styroprwände eines Miniplus haben aber mindestens dieselbe Wärmedämmung. Ich schreibe von Brutnestgröße (und letztlich Volksgröße) - du liest Wärmedämmung. Das eine hat nur in geringem Maße mit dem anderen zu tun. Die Bienen klimatisieren ihre Beute unterschiedlich, nutzen nach Tautz diese unterschiedlichen Temperaturbereiche sogar dazu, Bienen für unterschiedliche Aufgaben heranzuziehen.


    Du kannst diese Arbeit, besonders kleinen Völkern mit Isolierung ein klein wenig leichter machen. Ein Miniplus mit Holzwänden ist tatsächlich schwieriger über den Winter zu bekommen, als das klassische Styropormini. Aber der Schafwollabdeckung alleine würde ich diesen Effekt nicht zuschreiben. Andere Faktoren, wie Luftzirkulation, Feuchtigkeitshaushalt, evtl Windschutz, Schutz gegen brennende Sonne sind ebenfalls wichtig. Dominant dürfte aber die unterschiedliche Volksgröße sein.


    Gruß
    Ludger

  • Hallo Ludger,
    nö nö, ich habe alles aufgenommen und verstanden in Bezug der Frage wegen den Mini+.
    Meine Schlussfolgerung in Bezug der HB's war ein neuer Gedanke. Und zwar bezogen auf die Bemerkung, dass die Brutdauer bei grenzhafter Bruttemperatur zugunsten der Varroa 1-2 Tage länger werden kann.
    Der Umkehrschluss, wenn im Sommer, wo eh schon gute Temperaturen herrschen, durch die Isolation das Tag/Nacht Gefälle ausgeglichener ist, allgemein die Temperaturen stabiler sind im Stock, und somit die Brutdauer zum Schaden der Varroa verkürzt sein kann.
    Lg
    Susanne