Mehrwertsteuer bei Frankreich Einkäufen

  • Hallo zusammen,


    ich habe letzte Woche einen Testkauf in einem französichen Imkershop getätigt. Soweit, so gut.


    Jetzt möchte ich gern einen 100er Pack online nachordern. Für größere Bestellungen preisen die die 20% Mwst. separat aus. Der Verkäufer wusste nicht, ob ich diese Mwst bezahlen muss.


    Hat jemand von euch Erfahrungen oder eine Erklärung?


    Gruß Jörg, mit ner halben Beute im Handgepäck

  • Hallo Jörg,


    da sagt die Finanzverwaltung (UStAE Abschn. 1a.1):


    "Ein innergemeinschaftlicher Erwerb ist bei einem Unternehmer, der ganz oder zum Teil zum Vorsteuerabzug berechtigt ist, unabhängig von einer Erwerbsschwelle steuerbar. Bei (...) c) einem Unternehmer, der den Gegenstand zur Ausführung von Umsätzen verwendet, für die die Steuer nach den Durchschnittssätzen des § 24 UStG festgesetzt ist (...)".


    Da Du ja diese Durchschnittssatzbesteuerung anwendest, muss also der Lieferent die Umsatzsteuer an Dich berechnen, bzw. Du sie abführen, wenn er sie nicht berechnet.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)


  • Da Du ja diese Durchschnittssatzbesteuerung anwendest, muss also der Lieferent die Umsatzsteuer an Dich berechnen, bzw. Du sie abführen, wenn er sie nicht berechnet.


    Wolfgang


    Die Umsatzsteuer hat grundsätzlich der Lieferer abführen, da Jörg wie ein Privatkunde gegenüber dem Franzosen aufgetreten ist.
    Wenn der Franzose die Lieferschwelle NICHT überschritten hat, dann muss die französische USt in Rechnung gestellt werden.
    Ist die Lieferschwelle durch den Franzosen aber überschritten, muss sich der Franzose in Deutschland registrieren und deutsche USt berechnen und in Deutschland abführen.


    Da Jörg (wahrscheinlich) Durchschnittsbesteuerer ist, fällt er grundsätzlich unter die o.g. Regelung für - eigentlich - Privatkunden.
    Jörg hat aber die Möglichkeit zu optieren, da er ja umsatzsteuerlich ein Unternehmer ist.
    Wenn Jörg jetzt z.B. in Dänemark einkauft (25% USt) kann er auch optieren und erhält eine USt-ID. Wenn er diese ID dem dänischen (oder französischen) Lieferer mitteilt weiß dieser, dass er die Rechnung ohne Umsatzsteuer auszuweisen hat. Jörg muss dann die deutsche USt (19%) abführen. Über diese Option kann man also etwas Geld sparen (19% anstatt 25% oder 20% Umsatzsteuer)

    MFG


    Christian



    "Haben zwei Imker die gleiche Meinung, so hat mindestens einer keine Ahnung"


  • Über diese Option kann man also etwas Geld sparen (19% anstatt 25% oder 20% Umsatzsteuer)


    Dieses Optieren (also der Verzicht auf die Durchschnittssatzbesteuerung) bedeutet dann aber auch, dass Umsatzsteuer auf den Honigverkauf abgeführt werden muss.
    In den meisten Fällen keine gute Option.


    Hinweis: Bei der Frage des Lieferanten geht es natürlich um den Verzicht auf die Steuererhebung bei innergemeinschaftlichem Erwerb, also der Lieferung an Unternehmer. Ohne die Angabe der Umsatzsteuer-ID darf der Lieferant nicht ohne Umsastzsteuer berechnen. Genau dass müsste aber seine Frage gewesen sein.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Wolfgang, du verstehst mich falsch bzw. ich habe mich vielleicht nicht glücklich ausgedrückt.
    Jörg soll nicht bei der Durchschnittsbesteuerung optieren, sondern kann die Option beim i.g. Erwerb ziehen. Sprich, er würde dann wie ein Regelbesteuerer gefüht und würde eine USt-ID erhalten. Diese ID beim ausländischen Lieferer angezeigt bedeutet, dass er die Rechnung ohne Umsatzsteuer erhält und müsste dann deutsche USt an das Finanzamt abführen.


    Lohnt sich bei Imkerein in der Regel nicht. Aber wenn ein Großimker eine Schleuderstraße für sagen wir € 20.000,00 netto aus Dänemark erweibt, dann kann dieser "Trick" Steuern sparen.
    20.000,00 * 25% = 5.000,00 dänische Steuer (führt der dänische Unternehmer in Dänemark ab)
    20.000,00 x 19% = 3.800,00 deutsche Steuer (führ der deutsche Unternehmer - der Imker - in Deutschland ab)


    Macht bei Option eine Ersparnis von € 1.200,00. Wie gesagt, lohnt sich nur bei wirklich großen Anschaffungen.



    *EDIT* es wird noch komplizierter, wenn wir jetzt noch die Erwerbschwelle mit berücksichtigen. Diese müssten wir eigentlich auch mit im Auge haben.

    MFG


    Christian



    "Haben zwei Imker die gleiche Meinung, so hat mindestens einer keine Ahnung"

  • Diese Option gäbe es aber nur bei Verzicht auf die Durchschnittssatzbesteuerung. Hier ist der i.g. immer steuerbar.
    Das ergibt sich aus der oben zitierten Regelung im UStAE.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Diese Option gäbe es aber nur bei Verzicht auf die Durchschnittssatzbesteuerung....
    Wolfgang


    Bitte zeige mir die Stelle, ich finde sie nicht. Danke!



    UStAE 15.10 Abs. 2

    Zitat

    Bei Land- und Forstwirten, die der Durchschnittssatzbesteuerung unterliegen und die auf die Anwendung von § 1a Abs. 3 UStG verzichtet haben, ist der Abzug der Steuer für den innergemeinschaftlichen Erwerb als Vorsteuer durch die Pauschalierung abgegolten (vgl. BFH-Urteil vom 24. 9. 1998, V R 17/98, BStBl 1999 II S. 39).


    Die VoSt kann durch die Pauschalisierung nur abgegolten sein, wenn die Pauschalisierung beim i.g.E noch gültig ist.


    Du liegst da leider falsch mit Deiner Aussage.

    MFG


    Christian



    "Haben zwei Imker die gleiche Meinung, so hat mindestens einer keine Ahnung"

  • Das verstehe ich jetzt nicht.
    Oder besser: Kannst du mir belegen, warum die Pauschalisierung beim i.g.E nicht gelten soll?
    Was sollte dann die Regelung in UStAE Abschn. 1a.1?


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Das verstehe ich jetzt nicht.
    Oder besser: Kannst du mir belegen, warum die Pauschalisierung beim i.g.E nicht gelten soll?
    Was sollte dann die Regelung in UStAE Abschn. 1a.1?


    Wolfgang


    Nach § 1a (3c) UStG gesteht der Gesetzgeber einem pauschalisierenden Landwirt grundsätzlich keinen i.g. Erwerb zu.
    Sprich, der Lieferer muss die Rechnung mit Umsatzsteuer ausstellen.


    Nach § 1a (4) UStG kann der Steuerpflichtige aber auf die Regelungen des § 1a (3c) UStG verzichten. Sprich, er optiert. Er wird also nicht mehr wie ein Privatmann behandelt (Rechnung mit USt) sondern wie ein gewöhnlicher Unternehmer (Rechnung ohne Umsatzsteuer, da innergemeinschaftlicher Erwerb).


    Abschnitt 15.10. UStAE sagt jetzt nur, dass die VoSt aus dem i.g.Erwerb schon durch die Pauschalisierung abgegolten ist.


    Das die Durchschnittsbesteuerung NICHT gilt, habe ich nirgends gesagt. Im Gegenteil, Du kannst mit der Durchschnittsbesteuerung soga i.g. Erwerbe durchführen (Optieren), obwohl dies grundsätzlich vom Gesetzgeber nicht gewollt ist.

    MFG


    Christian



    "Haben zwei Imker die gleiche Meinung, so hat mindestens einer keine Ahnung"

  • Aber noch mal: Was ist dann mit der genannten Regelung in UStAE Abschn. 1a.1?
    Das liest sich anders.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Aber noch mal: Was ist dann mit der genannten Regelung in UStAE Abschn. 1a.1?
    Das liest sich anders.


    Wolfgang


    Hallo Wolfgang,


    Zitat

    Ein innergemeinschaftlicher Erwerb ist bei einem Unternehmer, der ganz oder zum Teil zum Vorsteuerabzug berechtigt ist, unabhängig von einer Erwerbsschwelle steuerbar.


    Hast Du einen Vorsteuerabzug, dann greift die "Standardregelung". Erwerb aus dem Ausland? Dann muss die Rechnung ohne Umsatzsteuer ausgewiesen werden und der deutsche Empfänger muss die Umsatzsteuer abführen (da bei ihm steuerbar).


    Zitat

    Bei einem Unternehmer, der den Gegenstand zur Ausführung von Umsätzen verwendet, für die die Steuer nach den Durchschnittssätzen des § 24 UStG festgesetzt ist liegt ein steuerbarer innergemeinschaftlicher Erwerb nur vor, wenn der Gesamtbetrag der innergemeinschaftlichen Erwerbe nach § 1a Abs. 1 Nr. 1 und Abs. 2 UStG aus allen EU-Mitgliedstaaten mit Ausnahme der Erwerbe neuer Fahrzeuge und verbrauchsteuerpflichtiger Waren über der Erwerbsschwelle von 12.500 € liegt oder wenn nach § 1a Abs. 4 UStG zur Erwerbsbesteuerung optiert wird.


    Die Rechnung an Imker muss also grundsätzlich mit USt aufgemacht werden (entweder mit französischer oder mit deutscher USt, Erklärung siehe oben, vgl. auch § 1a (3) Nr. 1c UStG). Zwei Ausnahmen gibt es aber:
    1. Der Imker hat die Erwerbsschwelle von € 12.500,00 gerissen. Die ersten € 12.500,00 sind also vom (ausländischen Lieferer) mit Ausweis von USt zu berechnen. Nach reißen der Erwebsschwelle verlagert sich die Versteuerung vom Lieferer auf dem Empfänger/Imker. Das ist kein Wahlrecht!
    2. Der Imker optiert zur Erwerbsbesteuerung. Das ist ein Wahlrecht! Dann muss der Imker ab den ersten €uro (nicht erst ab € 12.500,00) die Umsatzsteuer abführen. Das hat - wie oben schon beschrieben - den Vorteil, dass man z.B. beim Erwerb aus Dänemark nicht die dänische USt i.H.v. 25% bezahlen muss, sondern die deutsche USt i.H.v. 19%.

    MFG


    Christian



    "Haben zwei Imker die gleiche Meinung, so hat mindestens einer keine Ahnung"