Was ist wesensgemässer, Dadant Mod. oder DNM 1,5?


  • "Den Bienen genehm, dem Imker bequem"


    Zumal bequemes Arbeiten, auch oft bedeutet, dass man ruhiger arbeiten kann. Das bedeutet weniger Stöße, weniger gequetschte Bienen, weniger beschädigte Waben, weniger Stress fürs Bienenvolk. Deshalb müssen Bequemlichkeit für den Imker und eine bienengerechte Beute nicht zueinander im Wiederspruch stehen.


    Gruß
    Ludger

  • Hallo,


    Hallo Marco,


    ich stelle gerade von DN auf DN 1,5 um. Ich bin bei DN geblieben, weil mir das Arbeiten im Warmbau mit Schied gut taugt. Einmal vom Handling der Rähmchen her, meine Beuten stehen in Reihe (max 4 Stück nebeneinander) und ich kann von hinten gut bearbeiten. Auch finde ich die Arbeit mit dem Schied praktischer, wenn der geschiedete Raum komplett fluglochfern ist und ein breites Flugloch nicht in den abgeschiedeten Raum reicht.


    Gruß
    Marion


    Wie kann ich Dich verstehen,
    seitdem wir mit DNM1,5 genauso schieden wie mit unseren 18Waben DNM Trogbeuten*
    läuft es damit auch echt gut ...


    Aber sind Rähmchen überhaupt "wesensgemäß" ?


    GdBK



    * DNM Trogbeuten finde ich für manche Völker auch "wesensgemäß",
    denn einige Völker bauen lieber in die Länge als in die Höhe ....

    Aus der Übertreibung der Warnungen,
    ist die Unterschätzung der Realität geworden.

  • Bei Vorträgen oder Kursen werde ich oft gefragt, was denn unter "wesensgemäß" zu verstehen ist. Ich habe darauf keine fertige Antwort, eher mehr Fragen, die zunehmen, je mehr ich mich damit beschäftige. Als Referent spricht man aber eher mit Punkt als mit Fragezeichen, so formuliere ich meine Fragen eben manchmal auch aus:
    "Kultur ist Ausdruck von Begegnung - in der Kultur wird erlebbar, wie wir uns als Wesen empfinden, wie wir andere Wesen wahrnehmen und was wir in die Begegnung vorbereitend einbringen. In dem ich mir ein Bewußtsein davon schaffe, daß ich ein Wesen bin und dadurch erleben kann, daß in dem, was mir begegnet, ebenfalls Wesenhaftes wirkt, mache ich den ersten Schritt in das, worüber wir als "wesensgemäße Bienenhaltung" sprechen. Wie diese dann im Einzelnen aussieht, kann sehr unterschiedlich sein und ist durch viele situative und individuelle Verhältnisse geprägt."


    Ich finde diese Diskussion hier im Moment angenehm unaufgeregt und möchte deshalb meine Gedanken dazu auch beisteuern.
    Ich selbst habe im Verlauf meiner 35 Imkerjahre mit vielen Systemen gearbeitet - und in jedem anderes über die Bienen und den BIEN gelernt, wofür ich diesem und den Systemen sehr dankbar bin.


    Manchmal habe ich Gelegenheit, aus meinen Gedanken und Erfahrung zu publizieren. In der Zeitschrift "Lebendige Erde" konnte ich zwischen Sommer 2014 und Sommer 2015 einige Aufsätze zum Thema "Wesensgemäße Bienenhaltung in der Praxis" veröffentlichen - dabei beschäftige ich mich in der Ausgabe 01-2015 auch mit der Frage nach der Beute.
    Letztlich ist die Weisheit ja "Der BIEN braucht eine Höhle - der Imker braucht eine Kiste" - und die Kulturbeziehung zwischen Mensch und Biene begründet sich wohl im Wesentlichen auf dieser Eigenart, daß sich der BIEN keine eigene physische Hülle schaffen kann.


    Ich imkere übrigens seit ca. 20 Jahren vorwiegend in DN ca. 1,6 und nutze ausschließlich DN Halbzargen, wovon ich drei für den "Brutraum" mit bis zu 11 großen Rahmen verwende. 3 Halbzargen geben etwas mehr Höhe als DN 1,5. Da ich nicht wandere, drahte ich nicht. Insbesondere bei neu gebauten Waben erfordert das ein achtsames Wabenhandling. Später werden die Waben sehr stabil, die Verbindung mit den Seitenteilen entsteht etwas schneller, als bei Dadant. Außerdem nutze ich einen hohen Unterboden. Basis des Systems (ich habe mir das nicht selbst ausgedacht) war das 10 Zander/12 DN-Magazin.


    Ich füge aktuell einfach mal die PDF des Beitrags hier an und hoffe, meine Gedanken darin sind anregend für die weitere Diskussion:
    LE 1-15 Weiler_Tiefwinter-34-35.pdf
    Sobald die Beiträge entweder auf der Verlags-Homepage oder auf meiner zum Download angeboten werden, ersetze ich die Datei durch einen Link.


    Mit dem Wunsch und der Hoffnung, daß diese fachliche Debatte weiter so gut verläuft, wünsche ich allen Teilnehmern noch einen schönen Sonntag.


    Der Bienenfreund

    „Der Mensch hat das Vermögen, sich den Naturgesetzen nicht zu fügen. Ob es Recht oder Unrecht ist, von diesem Vermögen Gebrauch zu machen: das ist der wichtigste, aber auch der unaufgeklärteste Punkt unserer Moral.“
    Maurice Maeterlinck „Das Leben der Bienen“, Jena 1906, 4. Auflage, S. 21

  • Hallo,



    Danke für den Beitrag,
    schön geschrieben ...
    ....


    Gruß
    der Bienen
    Knecht

    Aus der Übertreibung der Warnungen,
    ist die Unterschätzung der Realität geworden.

  • So lange die Beute Aussreichend Platz hat, sind beide Maße gut.
    Ob du die Bienen Wesensgerecht hälst, hängt viel mehr von deiner Betriebsweise und deinem Umgang mit den Bienen ab.
    Die Entscheidung welches der beiden Maße du nimmst, hängt viel mehr von deinen Präferenzen ab. Willst du kompatibel zu deinen Nachbarimkern sein? Welche Maße haben sie? (Ok, in Berlin sollte beides gut vertreten sein). Dies ist interessant in Bezug auf den Verkauf/Zukauf von Völkern.
    Welches Beutenmaterial willst du benutzen? Styropor? Dann bleibt nur dnm. Holz? Da gibt es beides.
    Willst du dein Material komplett neu Kaufen/selber Bauen oder doch gebraucht?
    Wenn du von Grund auf neu beginnst, würde ich heute immer versuchen mit Langstroth oder Dadant US 10er zu Arbeiten.

  • Bei


    Breitwaben kann es passieren, daß nach dem Einlegen der Bienenflucht, Völker "trocken" stehen und verhungern.


    Auf Hochwaben, ich zähle DN 1,5 dazu, gibt es immer einen Honigkranz über dem Brutnest.


    War für mich ein Grund zum Wechsel von Dadant auf DN 1,5.


    doc

    Schere das Schaf und töte den Bären. Nie umgekehrt!
    Mongolische Weisheit.

  • Einfach zwei Beuten, eine 1,5 DNM und Dadant nebeneinander setzen. Und vergleichen. Später kannst Du eine Beute immer noch verkaufen. Die 1,5 DNM erfährt ja große Beliebtheit zurzeit, warum auch immer, da wirst Du sie auch schnell wieder los. :-D

  • Schundau schreibt sinngemäß, dass DNM in freistehenden Holzmagazinen zu einer schlechten Frühjahrsentwicklung führt und gibt deshalb an, dass bei Holz breitere Maße wie Dadant oder Zander besser sind, DNM aber in Styropor sehr günstig zu betreiben ist.
    Was folgt daraus? Wer keine Berührungsängste mit Styropor hat, kann mit DNM 1,5 arbeiten, anderenfalls ist Dadant besser geeignet.


    Gruß Ralph

  • Schundau schreibt sinngemäß, dass DNM in freistehenden Holzmagazinen zu einer schlechten Frühjahrsentwicklung führt


    Mmmh - wann hat er diese Einschätzung abgegeben - und bezieht er sich auf normales DN, im Kalt- oder Warmbau ein- oder zweizargig und bei wievielen Rahmen?
    fragt
    Der Bienenfreund

    „Der Mensch hat das Vermögen, sich den Naturgesetzen nicht zu fügen. Ob es Recht oder Unrecht ist, von diesem Vermögen Gebrauch zu machen: das ist der wichtigste, aber auch der unaufgeklärteste Punkt unserer Moral.“
    Maurice Maeterlinck „Das Leben der Bienen“, Jena 1906, 4. Auflage, S. 21

  • Mmmh - wann hat er diese Einschätzung abgegeben - und bezieht er sich auf normales DN, im Kalt- oder Warmbau ein- oder zweizargig und bei wievielen Rahmen?
    fragt
    Der Bienenfreund


    Das lag bei ihm doch eher an der Region. Im Norden ist das Frühjahr einfach durch die Nähe zu den Meeren sehr lange, recht kalt. Die Völker in Holzbeuten sind nicht so gut Isoliert und fangen erst später mit der Volksentwicklung an. Die 5 cm Styropor der Segeberger sind einfach besser in der Isolation, als 18 -24 mm Holz. Die Breitwabe hat den Vorteil das, dass Nest in der Mitte auch weiter von der Umwelt entfernt liegt. Dadant hat gut 1 Wochen früher Bruteinschlag als DNM 1,5.

  • Dadant hat gut 1 Wochen früher Bruteinschlag als DNM 1,5.


    ... und das kannst Du so exakt messen ? - Mit Holzbeute im Vergleich zu Stypropor bei DN1,5 oder von "Holz zu Holz" und alle auf dem gleichen Standort und alle Kö in der gleichen Verfassung - chapeu !:wink:


    Rainer