Erneute Behandlung im September?

  • Hallo liebes Forum,


    wie sieht bei euch der natürliche Milbenfall im September aus?
    Ich habe bei meinem Wirtschaftsvolk zurzeit einen Milbenfall von 1,2 Milben/Tag. Das Volk habe ich im August drei Mal mit Schwammtuch und As 60% behandelt. Dabei sind pro Behandlung 100-300 Milben gefallen (zum Ende hin weniger).
    Nun frage ich mich, ob ich erneut behandeln sollte? Im Moment ist es hier noch warm und eine Behandlung mit Schwammtuch sollte gut funktionieren.


    Viele Grüße

  • Hallo Honey Bee


    1-2 Milben pro Tag sind mir persönlich zu viel für den Spätsommer. Die Schadschwelle in meiner Literatur liegt bei 0,5 3-4 Milben pro Woche.
    Ich denke wenn du im August mit AS behandelt hast spricht jetzt nichts dagegen nochmal behandeln. (Ich behandle allerdings mit Langzeitverdunster)
    Nur im August zu behandeln langt meiner Meinung nach nie, da die Völker noch sehr aktiv am Brüten sind und du damit im August eine Entmilbung von 100% brauchst, was ja bekanntlich unmöglich ist.



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  • Moin ihr Milbenzähler,


    die ganze Windel-Milbenauszählerei ist doch ABM, wenn man nicht weiß wie das Brutnest gerade aussieht!


    Ein natürlicher Milbentotenfall von 1,2 M./Tag aus einem ordentlichen Volk ist m.E. schon ein hoher Wert. Wenn du aber gerade zufällig massig aufgefüttert hast und das Brutnest gerade auf Null geht, dann passt es wieder...


    Mein Tipp:
    Brutnest/-größe kurz checken und wenn wer die Milben pro Biene wissen will der muss wohl eine Bienenprobe auswaschen (ich nehme seit kurzem Co2).


    Gruß Jörg

  • Nun frage ich mich, ob ich erneut behandeln sollte?


    Jetzt? Was soll das bringen? Die Winterbienen sind entweder schon erbrütet oder sind vor dem Schlüpfen. Wenn zu viele Milben im Volk waren, so werden diese Winterbienen eine verkürzte Lebensdauer haben und das Volk ist verloren. Egal, ob wir jetzt auch noch die letzte Milbe im Volk umbringen.
    Entscheidend bei der Sommerbehandlung ist doch, dass die Völker viele ungeschädigte Winterbienen erbrüten können. Und dafür bedarf es der Milbenbekämpfung im Juli/Anfang August.


    Ich würde jetzt keinerlei Behandlung mehr machen.

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • Vielen Dank für eure Antworten. Meine Frage zielte vor allem darauf, wie es bei euch und euren Völkern mit dem Milbenfall aussieht. Dafür finde ich nämlich nirgendwo zahlen. Für Juli und August gilt ja immer die Angabe: Ab 10 Milben/Tag sofort behandeln, und im November/Dezember sind es dann 0,5 Milben/Tag. Ich finde aber nirgendwo Angaben dazu, wie viele Milben nach der abgeschlossenen Sommerbehandlung noch fallen dürfen.

  • Ich habe im August behandelt und hatte kaum Befall. Habe aber bei der Behandlung im September starken Befall festgestellt, wahrscheinlich haben sich die Varroen durch die heißen Tage vermehrt.

  • Ich habe im August behandelt und hatte kaum Befall. Habe aber bei der Behandlung im September starken Befall festgestellt, wahrscheinlich haben sich die Varroen durch die heißen Tage vermehrt.


    .... irgendwo hier gibt's einen Strang "Re-Invasion von innen?". Da wird's erklärt.
    Und nach meinen Beobachtungen dieses Jahr mit den Brutscheunen glaube ich inzwischen auch nicht mehr, dass Ameisensäure so richtig gut in die Brut gegen die Milben wirkt.

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • Wenn AS so super in der Brut wirken würde, müsste eine Kurzzeitbehandlung von maximal drei Tagen ja ausreichen (theoretisch sogar ein Schwammtucheinsatz). Aber nein, entweder man macht mit dem Schwammtuch eine Blockbehandlung alle drei Tage oder mit den Langzeitverdunstern einen gesamten Brutzyklus. Ein Schelm wer böses dabei denkt...


    Gruß
    Frank

  • Wenn AS so super in der Brut wirken würde, müsste eine Kurzzeitbehandlung von maximal drei Tagen ja ausreichen (theoretisch sogar ein Schwammtucheinsatz). Aber nein, entweder man macht mit dem Schwammtuch eine Blockbehandlung alle drei Tage oder mit den Langzeitverdunstern einen gesamten Brutzyklus. Ein Schelm wer böses dabei denkt...


    :daumen: genau so!


    Die Aussagen in den Lehrbüchern (AS wirkt in die Brut) sind falsch!


    Darum sollte es auch für die Gesundheit des Bien besser sein, völlig auf Ameisensäure zu verzichten und stattdessen irgend eine andere Behandlung zu wählen.

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • Wenn AS so super in der Brut wirken würde, müsste eine Kurzzeitbehandlung von maximal drei Tagen ja ausreichen (theoretisch sogar ein Schwammtucheinsatz). Aber nein, entweder man macht mit dem Schwammtuch eine Blockbehandlung alle drei Tage oder mit den Langzeitverdunstern einen gesamten Brutzyklus. Ein Schelm wer böses dabei denkt...


    Man könnte natürlich argumentieren, es brauche einige Zeit, bis genügend AS in die verdeckelten Brutzellen eingedrungen ist.
    Aber ich sehe das auch so: Bei den üblichen Behandlungszyklen bleibt sich das gleich.


    Pia Aumeier hat irgendwo argumentiert, man könne die Wirkung auf die verdeckelten Varroen dadurch nachweisen, dass auch nach der Behandlung noch Milben fallen und insbesondere solche in frühen Entwicklungsstadien.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Zitat

    In addition, in the group of colonies treated with formic acid 86% of mite mortality occurred in capped brood cells, while in colonies treated with thymol and control colonies the varroa mortality in capped cells was less than 10%.


    Quelle:
    CALDERON, Rafael A.; RAMIREZ, Marianyela; RAMIREZ, Fernando and VILLALOBOS, Ethel. Effectiveness of formic acid and thymol in the control of Varroa destructor in africanized honey bee colonies. Agron. Costarricense [online]. 2014, vol.38, n.1, pp. 175-188. ISSN 0377-9424.


    Zitat

    In our experiments trapped mites were killed with formic acid. Worker brood used for trapping was retained and returned to the colonies. The observed percentage of mites trapped and killed by formic acid treatment was 87% and 89% in two experiments.


    Quelle:
    Control of varroa by combining trapping in honey bee worker brood with formic acid treatment of the capped brood outside the colony: putting knowledge on brood cell invasion into practice
    J N M Calis, W J Boot, J Beetsma, J H P M van den Eijnde, A de Ruijter, and J J M van der Steen
    Journal of Apicultural Research Vol. 37 , Iss. 3,1998


    Ergo:
    Diese Aussage

    Die Aussagen in den Lehrbüchern (AS wirkt in die Brut) sind falsch!


    ist Unfug!


    Die viele Behandlerei ist eher ein Problem des Imkers als der Milben...und damit auch ein Problem der Bienen!
    Habe den Eindruck, manche wollen unbedingt die "Schwarze Null" beim Varroafall erreichen.


    Melanie

  • Darum sollte es auch für die Gesundheit des Bien besser sein, völlig auf Ameisensäure zu verzichten und stattdessen irgend eine andere Behandlung zu wählen.


    :daumen: in diesem Jahr konnte ich das am eigenen Bien erfahren, wo die alternative Behandlung die Wahrheit an den Tag brachte, nachdem die AS-Behandlung schon erfolgt war. Fairerweise musste ich feststellen, dass sich die Vorbehandlungen mit AS in einer limitierten Milbenbefallsrate bei der Nachbehandlung niedergeschlagen hat. Es sagt ja auch keiner, dass es nicht wirkt. Aber die Wirksamkeit "in die Brut" bezweifle ich ebenso.


    Die Dynamik der Milbenentwicklung ist durchaus sehr komplex, angefangen beim Ausgangswert, der immens wichtig für die Gesamtpopulationsentwicklung ist, inklusiv sog. Re-Invasion oder erneuter Befall durch Verflug von Nachbarbienen o.ä. Das Drohnenschneiden und die TBE als "biologische Methoden" haben auch nur einen limitierten Effekt; alles nichts überraschend Neues.


    Zur Ausgangsfrage der Belastung in diesem Spätsommer schlechthin: Im Vergleich zum Vorjahr ist das schon eine Größenordnung höher (meine Beobachtung).


    Beste Grüße


    Rainer