Melezitose und kaum noch Brut

  • Hallo,


    bei meiner heutigen Durchsicht um den Futterstand zu kontrollieren, hab ich etwas ganz und gar nicht erfreuliches gesehen.
    Ich konnte schon beobachten das die Bienen fliegen wie zu einer Volltracht und nun sind alle Rähmchen zu 1/3 bis zu 1/2 mit Melezitose Honig voll!
    In den meisten Völkern ist kaum Brut vorhanden obwohl die Temperatur ausreichen würde, ich nehme mal stark an das es am Platzmangel liegt und das die Bienen
    die Brut vernachlässigen weil es ja Tracht gibt.
    Ich werde jetzt 2 Dinge tun:
    1. in der Mitte 4 ausgebaute Mittelwände pro Volk zuhängen
    2. Bienenwohl Behandlung da der Varroa Druck leider auch sehr hoch ist
    Die Völker sind auf einer Zarge und meine größte Sorge ist das die Winterbienen sich jetzt "abwirtschaften" und nicht genug junges Wintervolk aufgebaut werden kann, selbst wenn ich jetzt ausgebaute Mittelwände für Brut und Futter gebe.


    Vielleicht hat ja jemand Tips für mich oder bessere Vorschläge als die beiden genannten, wie ich auf diese Situation eingehen kann.
    Abwandern wäre eine Option aber natürlich nicht unbedingt toll da ich ja eher Standimker bin und die Völker alle zu Hause stehen.


    LG
    Sebastian

  • Hallo Sebastian,


    wenn die Rähmchen zu 1/3 bis 1/2 mit Melezitose voll sind, was ist im Rest? Leer? Wenig brut ist JETZT Anfang September nich unnormal.


    Zu 1.: die werden gleich wieder mit Honig voll sein
    Zu 2.: Bienenwohl nur als Blockbehandlung bei vorhandener Brut. Das würde ich nicht machen


    Ein ausgefülltes Profil würde genauere Tipps erleichtern ;-)


    Gruß
    Reiner

    42

    ganz sicher

    nur nicht beim bee-space

  • Brut vernachlässigen wegen Tracht gibts eigentlich nicht.Tracht ist in der Regel brutfördernd.
    Eher ist das, wie Reiner schreibt, momentan die Regel, dass die Völker weniger Brut pflegen um diese Jahreszeit.
    Wenn du jetzt "schon" mit der Varroabehandlung beginnst, bist Du aber arg spät dran, hm?
    MW oder Waben zischenhängen bringt jetzt nichts, ausser eine weitere, mit Honig und wenig Brut zugekleckerte Wabe.

    Grüße an alle


    Michael



    -sapere aude-

  • Verantwortlich für den Brutrückgang könnte eher Pollenmangel sein, war wiederum zu einer Melezitosetracht passen würde.
    Bei mir sind die Völker dank des ungewöhnlich warmen Wetters noch gut in Brut. Ich sehe aber auch - trotz der fortwährenden Trockenheit - Polleneintrag am Flugloch.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Hallo Sebastian


    ich schließe mich der Meinung der unteren Aussagen an. Auf keinen Fall würde ich jetzt das Brutnest verändern, das wichtigste ist nach deinen Aussagen die Varroabehandlung. Ich habe auch so ein undefinierbares Zeug in den Waben, übrigens das erste Mal reichlich 45 Jahren. Einige Völker haben bei mir schon länger keine Brut und gestern habe ich festgestellt, das die Königin wieder auf den ersten 2 Waben anfängt zu stiften. Übrigens meine Waben sind voller wie deine, die Bienen kümmern sich schon und das Wetter bleibt auch nicht so.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Hallo,


    Danke schon mal für die Antworten!
    Ich versuche ein bisschen präziser zu sein: 1/3 bis 1/2 ist mit Zement zugekleistert der Rest sind Pollen und normal verdeckelter Honig.
    Pollenmangel halte ich für sehr unwarscheinlich da die Bienen weiße Kleckse vom Springkraut haben.
    Die zurückgegangene Brut ist deswegen eigenartige weil wir herrliches Wetter haben und über der Nebelgrenze liegen.
    Bez. varroa habe ich bereits vor 4 Wochen 150ml As im Nasenheider behandelt aber habe noch immer zu viel Befall daher nochmals Bienenwohl im Block (da ist der starke Brutrückgang sogar positiv)


    LG


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  • Hallo Sebastian


    wenn du vor 4 Wochen mit AS behandelt hast, dann erklärt das auch warum die Völker fast brutfrei sind. Da jetzt fast alle Brut geschlüpft ist, wirst du natürlich sehr viel Milben im Volk haben. Wenn du nicht mit OS verdampfen kannst und auch nicht nochmal AS verwenden willst, dann ist Bienenwohl eine Notlösung. Ich habe vor ein paar Jahren Bienenwohl getestet und bin davon nicht überzeugt. Bienenwohl zeigt auf alle Fälle Wirkung, wenn du genau nach Vorschrift das Mittel anwendest, zuviel ist ungesund für die Bienen. Also viel Glück.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Hallo zusammen,


    ich habe diesen Dreck auch in meinen Völkern.. Bei den Völkern, die im Wald stehen ist es besonders schlimm.


    Ich habe das aber relativ früh (Anfang August) bemerkt und einen HR aufgesetzt und 3-4 MW/Volk gegeben und die Melezitosewaben rausgehangen. Das Zeug muss aus den Völkern, denn darauf können die Bienen nicht überwintern. Alles bekommt man sowieso nicht raus aber zumindest ein bisschen.


    Aktuell hat der Wald aufgehört zu honigen (nach einem schweren Gewitter mit anschließend kühlem Wetter). Dafür bringt das Springkraut in den Abendstunden zwischen 500 und 800 Gramm/Tag Zunahme.


    Meine Empfehlung: Waben raus und Mittelwände rein und Honigraum aufsetzen, damit die anderen Nektar aus dem BR umtragen. Falls bei euch keine Tracht mehr sein sollte, mit Zuckerwasser 1:1 od dünner füttern, damit die Bienen die MW ausbauen. Bei meinen Buckis hat das gut geklappt.


    Meine Völker sind glücklicherweise noch ziemlich stark und die Königin hat die leeren MW genutzt um nochmal ordentlich in Brut zu gehen. Die Flug- und Winterbienen verschleißen sich durch die Waldtracht nämlich ordentlich. Es muss Bienenmasse her, damit die Völker im Winter halbwegs gut über die Runden kommen.


    Viel Erfolg,


    Falk

    "Die Zukunft der Honigbiene liegt in den Kreuzungen!" - Bruder Adam

  • Hallo Falk


    wenn du das mit den MW schon gemacht hast ist das OK, aber jetzt würde ich das niemandem mehr raten, weil die Schönwetterperiode bald vorbei ist. Aber in einem hast du Recht, dieses Jahr hätten wir wenigstens einen HR 2-3 Wochen länger drauf lassen sollen, aber wer weis das schon, so ein Zeug hatte ich noch nie. Aber danke für deinen informativen Beitrag.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Zwar nur vom Hörensagen:
    Ein Neuimker erzählte mir gesten, das ein anderer Imker (wir 3 zusammen keine 500m auseinander),auch dieses "Zeug" in den Waben hat.
    Das könnte auch die Gewichtszunahme in den letzten 3 Wochen (2 Wochen davon im Urlaub) erklären. Das habe ich aber bei meiner letzten Kontrolle am Wochenende noch nicht gewußt.
    Ich würde jetzt nochmal rangehen und prüfen wollen ob es bei mir auch so ist, da ich mir für die Überwinterung Sorgen mache.
    Wie soll ich das am Besten machen?
    Einfach mit dem Finger auf jeder Wabe mal prüfen? Nur an den brutnestnahen Waben oder auch an den äußeren?
    Oder erkennt man das an anderen Merkmalen auch?

  • Hallo Blütenbiene


    den Zementhonig erkennst du mit bloßem Auge, der Honig ist in den Zellen zu einer grauen Masse kandiert, wie Rapshonig. Meine Beobachtung war das neben den kristallisierten Zellen noch flüssige waren. Eine komplette Wabe mit Zementhonig würde ich aber entfernen. Ich glaube Sorgen brauchst du dir keine machen, mit dem Rumwirtschaften in den Völker machst du mehr Schaden wie Nutzen.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Ich habe das bei mir vor drei ca. Wochen auch bemerkt, allerdings nicht nur im Wald. Dank Wabenhygiene nach Liebig (Honigraum wird 2, Brutraum, 1. Brutraum fliegt raus), waren zu diesem Zeitpunkt die betroffenen Völker noch 3-Zargig. So konnte ich die betreffenden Honigräume abnehmen und den Versuch machen, die Waben aus diesen zu schleudern, also quasi eine dritte Honigernte.


    Aus vier Honigräumen mit wirklich 11 vollen Waben konnte ich gerade mal 2,5 kg Honig schleudern, der Rest war nicht aus den Waben zu bekommen, übrigens auch auch noch nicht verdeckelten Zellen. Dort sah es eigentlich so aus, als ob das kein Zementhoniog wäre, aber Pustekuchen. Ich werde diese Waben alle einschmelzen.
    Glücklicher Weise hatte ich noch genug ausgebaute Waben, die die entnommenen ersetzen konnten.


    Mir stellt sich jetzt nur die Frage: Wo kommt diese Melizitose her. :confused: Hat jemand so spät noch große schwarze Rindenläuse gesehen? Eigentlich sollten die doch zu dieser Zeit durch gewesen sein.


    Und was ist mit den Völkern, die nicht im Wald standen, woher haben die die Melizitose geholt? Bei uns kleben die Linden, kann das daher sein?


    Da bin ich mal gespannt, ob die Altvorderen darauf eine Antwort haben.


    Beste Grüße


    Dirk

    Prüfet Alles und wählet das Beste!


    Erst kommt das Fressen, dann die Moral!

  • Hallo Herr Rübengrün,


    bei mir (am südl. Stadrand von München) kam in der zweiten Augusthälfte sehr viel Nektar rein. Die Dadantbeuten mit zwölf Waben waren bis auf die stark geschrumpften Brutnester und die Pollenvorräte voll mit frischem Nektar. So habe ich das um diese Jahreszeit noch nicht erlebt. Ich hab mir keine Sorgen gemacht und bin davon ausgegangen, dass der eingetragenen Blatthonig von den Linden (sonst hatte ich keine Erklärung) bald wieder verbrütet werden würde. Flugbetrieb war vor allem in den Morgenstunden. Auf der Suche nach den zuckrigen Linden ist mir aufgefallen, dass auch andere Laubbäume wie Hasel klebrige Blätter haben. Da diese näher am Boden sind als die Lidenblätter, habe ich sie genauer inspiziert und an den Blattunterseiten viele weisse, geflügelte Läuse und deren Junge entdeckt. Noch nie gesehen...
    Letzte Woche ist mir bei der Durchsicht aufgefallen, dass auch die in der Stadt stehenden Völker teilweise getrübte Waben haben und auf den Schubladen viele ausgeräumte Zuckerkristalle liegen. Scheint jetzt aber in der Stadt vorbei zu sein.
    Am zweiten Stand im Wald kommt aber nach wie vor melezitoselastiger Nektar rein. Die Völker bauen wie blöd, leider sind viele schwarze Sammlerinnen zu sehen. Gleichzeitig wird aber viel Pollen von Goldrute und Springkraut eingetragen und die Völker gehen langsam wieder stärker in Brut. Hoffen wir auf eine trotzdem möglichst unproblematische Überwinterung!


    Grüße, Vorstadtimker