Sortenbezeichnung "Waldhonig" aber in der Stadt gewonnen

  • Habe dieses Jahr ein paar Kilo sehr dunklen, malzigen "Waldhonig" in Berlin geschleudert. Und da fängt das Problem schon an, lese nämlich gerade beim DIB http://www.deutscherimkerbund.…kblatt_Sorten_3_4_neu.pdf


    Zitat

    Waldhonig ist Honigtauhonig, der vollständig von Pflanzen aus Wäldern stammt. Parkanlagen in
    städtischen Umgebungen gelten nicht als Wald.


    Ist wohl nicht DIB-spezifisch, steht so auch in den "Leitsätzen für Honig" https://www.bmel.de/SharedDocs…df?__blob=publicationFile


    Was schreibe ich denn nun auf den Berliner "Wald"-Honig drauf, der im Bayrischen Wald locker als "Waldhonig" durchginge? "Honigtauhonig" "Waldhonig aber ohne Wald - also richtigen, wie im Bayrischen oder Schwarzen". Leider ist der Grunewald zu weit weg. Ach was! Schaffen sie schon, was war nochmal der maximale Flugradius? Grunewaldhonig! Super.

  • Clemens :


    Hier findest du auch einiges zur Sortenbezeichnung.
    Dort ist unter anderem diese Passage zu finden:


    "Die in Deutschland übliche Verkehrsbezeichnung für Honigtauhonig war bislang Waldhonig. Nach dem Kommentar der Honigverordnung erscheint es vertretbar, dass Honigtauhonig auch weiterhin unter dieser Bezeichnung in den Verkehr gebracht werden kann (VI B Pkt 27). Wobei jedoch an anderer Stelle Waldhonig als Honigtauhonig von Tannen und Fichten eingeschränkt wird (IV B, Pkt 12)."


    Mit "Honigtauhonig" wäre man bestimmt auf der richtigen Seite, ist halt nicht so bekannt und werbewirksam.


    Ich persönlich gehe das einfach pragmatisch an. Ich will meine Kunden nicht betrügen und nach bestem Wissen und Gewissen drauf schreiben, was auch drin ist. Honigtauhonige stammen bei uns praktisch nur von Bäumen. Es soll erst mal jemand nachweisen, ob die in der Stadt oder im Wald gestanden haben - ich kann das nicht.
    Aber jeder Kunde erwartet von Waldhonig dunkle Farbe, lange flüssig, malziger Geschmack, passenden Leitwert von > 800 µS. Habe ich so einen Honig, nenne ich den Waldhonig und jeder ist zufrieden, der Kunde bekommt, was er erwartet und fertig.

    Ich habe heuer auch größere Mengen von einem Honig, bei dem die Pflanzenquelle unbekannt und definitiv nicht Fichte ist, bei dem aber trotzdem alles, was man als Imker selbst einfach feststellen kann auf Honigtauhonig hinweist (malziger Geschmack, dunkle Farbe, Leitwert bei +-1200 µS, bleibt flüssig).


    Ich vermute, es ist eine andere Insektenart als Läuse und/oder andere Baumarten (vermutlich Laubbaumarten) als die üblichen Verdächtigen (bei uns Fichte). Im Ergebnis schmeckt er aber wie Waldhonig (vielleicht etwas milder) und hat die gleichen Kennwerte. Metcalfa wäre möglich, ich hoffe ja jedes Jahr, dass der bei uns vermehrt auftaucht, vielleicht ist er ja schon da?


    Egal wie, warum sollte ich als Hobbyimker mir jetzt mit diesem Honig das Leben schwer machen und rumeiern mit Begriffen, die zwar vielleicht zutreffender wären (Blatthonig, Honigtauhonig o.ä.), bei denen der Kunde aber nachfragen muss, weil er nicht weiß, was das sein soll, obwohl er doch Waldhonig kennt und will und genau so einen auch bekommt, egal wie ich ihn nenne?


    Es gibt Dinge, die sind falsch, aber nunmal eingebürgert und etabliert. Man tut sich und den Kunden keinen Gefallen damit, sowas aus formalistischen Gründen gewaltsam zu korrigieren.


    Mir fällt gerade kein passenderes Beispiel ein, aber der Begriff "Platzangst" wäre so ein Beispiel. Jeder versteht was gemeint ist, obwohl der Begriff genau das Gegenteil von dem bedeutet, was man damit ausdrücken will, nämlich die Angst, einen großen Platz zu überqueren. Jeder versteht unter "Platzangst" die Bedeutung "Klaustropophie". Niemand aber sagt "Klaustropophie" und wenn doch, würden ihn viele nicht verstehen.


    Ich will aber, dass meine Kunden mich und mein Produkt verstehen, nicht irgendein juristischer Haarespalter.


    Das Risiko, dass mir vielleicht irgendwann irgendwer einen Strick draus drehen will, den Honig kauft und analysieren lässt und mir juristisch auf die Pelle rücken will, das nehme ich in Kauf, denn es ist minimal, wenn ich sehe, was meine Kollegen oft so alles als "Waldhonig" verkaufen, obwohl sie ihn nicht analyisieren lassen und auch kein Leitwertmessgerät wie ich haben.... :wink:


    Da gilt oft die Maxime "dunkel = Wald und fertig".



    Gruß
    hornet

  • Danke für die Einschätzung, sehe ich eigentlich genau so wie du! "Akazienhonig" wird ja auch geduldet, weil es sich so eingebürgert hab, obwohl kein einziger Tropen Akazie tatsächlich drinnen ist, sondern bei uns Robinie. Warum dann der Waldhonig aus der Stadt nicht so genannt werden darf ist zumindest komisch.


    Bei der Bezeichnung "Waldhonig - Honig aus Deutschland, Berlin-Dahlem" fällts halt schon auf, dass der aus städtischer Umgebung ist. Auf der anderen Seite gibt es viele "Wäldchen" in der Umgebung meiner Bienen und die Abgrenzung zwischen "Parkanlage" und "Wäldchen" ist auch nicht ein eindeutig. Wäldchen-Honig wäre auch schön!


    Was kostets eigentlich, wenn die Lebnsmittelüberwachung die Sortenbezeichnung beanstandet? :-)

  • Hallo Clemens,
    seidem ich den DIB Lehrgang im Januar besucht habe sind meine Honigetiketten lieber nur noch auf 3 allgemein gehaltene "Sorten" beschränkt:
    "Frühlingshonig"
    "Frühsommerhonig"
    "Spätsommerhonig"
    Ich habe auch gerade die Völker abgeräumt und noch ein paar Eimer dunkelbraunen malzigen Honig geschleudert, der aber auch noch einen gut erkennbaren minzigen Rest- Linde- Geschmack hat.
    Den würde ich nicht als "Waldhonig" anbieten. Eigentlich schmeckt der sogar noch viel aromatischer und wird auch erfahrungsgemäß irgendwann auskristallisieren. Ist also schon was anderes, wenn nicht sogar besseres als reiner Waldhonig.
    Mit Sortenangaben bin ich jedenfalls lieber vorsichtig, aber wenn du diesen Honig einem Kunden zum kosten anbietest kann er sowieso nicht anders, als den haben zu wollen und Raps-Imker kannst du damit zum heulen bringen...

  • Die Sortenbezeichnungen hat übrigens der Landesverband vorgeschlagen, wobei ich aus dem "Sommerhonig" einen "Spätsommerhonig" gemacht habe:


    So richtig glücklich bin ich aber auch mit diesen Sortenbezeichnungen nicht, vor allem der "Frühsommerhonig" ist viel zu lang und könnte eigentlich "Linde" heißen... da habe ich dann wenigstens noch ein Lindenblatt mit auf das Etikett gedruckt.