Wachsskandal - Umfrage

  • Wenn man das hier so Lesen tut, dann werden plötzlich die Plastik Rähmchen zum Wachseinstreichen richtig attraktiv! Da braucht es nicht viel eigen Wach und man ist Unabhängig. Bei 4 Völkern lebt man damit wohl deutlich besser als wenn man das Glücksspiel "Mittelwände Kaufen" praktiziert.

  • Für sowas wäre eigentlich der örtliche Imkerverein zuständig: Schmelzer kaufen, Mittelwandpresse kaufen – fertig. Oder im Verein das Wachs sammeln und zum Umarbeiter damit. Einem, den man vertrauen kann. Ist gar nicht schwer, es muß nur getan werden. Eine kleine Anzahl von Völkern ist genauso wenig eine Entschuldigung wie eine große Anzahl von Völkern.


    Aus einer eingeschmolzenen Wabe kann man zwei Mittelwände machen. So hat man immer doppelt so viele Mittelwände wie Waben = Rähmchen im Bestand. Wohin mit dem ganzen Wachs?


    Das Hauptproblem ist wohl die damit verbundene Arbeit: Einschmelzen und neue Mittelwände backen. Das ist eine lästige Arbeit. Aber diese Arbeit kann man sich teilen. Ganz einfach.

  • Und so sieht sowas in der Realität aus: ein Freund von mir hier am Niederrhein hat auch besagte Mittelwände gekauft.


    Wir haben eine Mittelwand aus meinem Betrieb genommen und mit einer verdächtigen Mittelwand verglichen. Die Temperatur der Mittelwände wurde angeglichen und die Mittelwände wiegen fast genau gleich viel. Die vordere (verdächtige) Mittelwand ist weich wie Silikon und bricht überhaupt nicht.


    Steckt man diese Mittelwände in die Bienenvölker, dann bekommt man sowas. Total zerschossenes Brutbild – was ist denn hier los, fragt man sich!



    Auffällig ist, daß junge Larven fehlen. Da gibt es ältere Larven und/oder verdeckelte Zellen. Und dazwischen: Stifte. Immer wieder neu – die Königin ist also in Ordnung.


    Daß die Königin in Ordnung ist, beweist sich auch an den Brutwaben direkt nebenan, die nicht von diesen Mittelwänden stammen.


    Da gibt es nix zu meckern.


    Die Waben aus den verdächtigen Mittelwänden sacken auch viel schneller zusammen und werfen Wellen.


    Die Analysen des Wachses der oben gezeigten Bilder laufen noch. Viel Gutes kann nicht herauskommen, wenn man die anderen Analysen so sieht: Stearin oder Paraffin, ohne Ende. Und nicht von einem Umarbeiter, sondern von mehreren Umarbeitern und Händlern gleichermaßen. Konkreter wird es schon werden, keine Sorge.

  • Bin zwar auch nicht betroffen aber mich macht es auch sehr betroffen, dass das Problem weder bei den Imkerverbänden noch bei den Imkern so richtig "angekommen" ist. Vom DIB habe ich nicht viel erwartet (schließlich wartet ein werter Vereinskollege nun geschlagene 5 Monate auf seine DIB-Etiketten, das muss also erstmal alles noch abgearbeitet werden) aber dass der DBIB sich nun auch in Schweigen hüllt, wundert mich.


    Müsste doch gerade die Berufsimker sehr betreffen, oder?


    Klagen ist extrem schwierig da ja die Zuordnung "Chargennummer-Zertifikat" und "Mittelwand" praktisch nicht zu machen ist - da müsste schon jemand Behördliches undercover kaufen und dann gleich ins Labor. Aber selbst dann: Dann macht der Verkäufer eben mal so eben auf Insolvenz und dann ist da leider auch nicht mal was für den Schadensersatz. Vielleicht ne Geldstrafe aber davon haben ja die Imker nichts!


    Ich weiss nicht mal, ob die Behörden das verfolgen würden wenn man das anzeigt....zumal es ja vermutlich eine ganze Menge Zwischenhändler sind, die genauso getäuscht wurden. Den Importeur, der das wissentlich gemacht hat, den muss man erstmal finden! Die in der Öffentlichkeit alarmierenden "Dioxin-Eier" gibt es ja auch alle Jahre wieder...


    Allerdings ist auch bei Imkern die Sache noch kaum bekannt, bzw. viele scheinen zu denken: "Mich mit meinen paar Völkern wirds schon nicht treffen" und ich könnte mir auch vorstellen, dass viele das gar nicht als Problem wahrnehmen weil sie das Schadbild nicht erkennen.


    Habe herumgefragt wer denn Interesse hätte dass wir vom Verein aus eine Gussform anschaffen und das Interesse war...nun ja, verhalten. Viele scheuen den Aufwand eben, das ist ja nicht gerade der schöne Teil am Imkern.



    Melanie

  • Hallo Bernhard,
    gibt es auch andere Erklärungen für"zerschossene" Brutbilder?
    Fiel mir dieses Jahr auch öfter auf, auch neben anderen Waben, die in Ordnung sind. Nur: ich habe seit 4 Jahren konsequent Naturbau, seit 2 Jahren die
    Anfangsstreifen aus eigenem Wachs. Erklärung?
    Wie groß oder gering muss die Konzentration/Vermischung des Paraffin-Wachses in den Waben sein, damit Schäden auftreten? Weiß man das schon?

    Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier Einzelner (Mahatma Ghandi)
    Gruß
    holmi


  • ich lese hier seit der ganzen Zeit interessiert mit. Betroffen bin ich zufällig nicht.


    Seid doch mal realistisch! Was bringt irgendeine Klage gegen einen Umarbeiter? Was soll da rauskommen?


    Wäre ich konventioneller Imker und nicht Bioland, dann wären spätestens ab jetzt MW aus dem Handel ein no-go! Es ist doch eine Illusion diesen Markt bereinigen zu können! Das Ding ist durch! Entweder man lässt sein Eigenwachs umarbeiten oder man macht es selbst. Etwas anderes ist Geld-aus-dem-Fenster-werfen + Bienenmord...


    Bist du dir sicher nicht noch Altlasten bei dir zu haben?


    Eine Klage gegen einen Umarbeiter bringt wenig, aber wir streben Klagen/Anzeigen etc. gegen ALLE an und daher ist es wichtig, soviel Betroffene mit ins Boot zu bekommen damit es Flächendeckend wird.
    Wie gesgat die Prio 1 hat aktuell dieses Krätzewachs, da dadurch Völker zusammenbrechen und es weniger Umarbeiter sind. Das wird also überschaubar sein. Die Paraffinpanscher werden dann die nächste Lebensaufgabe und die gilt es alle zu erwischen. Die Wachspreise werden dadurch zwangsläufig auf ein gerechtes Level steigen -was mir aber lieber ist und ich mittlerweile gerne 20-30 Euro für Mittelwände zahlen würde -könnte ich mir sicher sein.


    Jörg, glaubst du ich hab die letzten Jahre vom Zukauf gelebt? Ich hatte mein eigenes Wachs, es war sauber und auch während meiner Bienenfreien Jahre lagerte mein Wachs gut verpackt im Keller. Nur war es eben nicht die Menge und nachdem dann zu stark expandiert wurde, ging es einfach irgendwann mal aus. Trotz Naturbau in den HR und minimaler Gabe von Fremdwachs im Brutraum... Durch 2 malig starkes Ausbauen der Völker war es dann im 2. Jahr nicht mehr anders zu bewerkstelligen und das Eigenwachs kam in die Bruträume (zum Glück) und das Fremdwachs in die HR. Künftig werde ich wieder auf Eigenwachs setzen, aber dazu benötige ich nun erstmal wieder 2-3 Jahre um den Mist los zu werden.



    Und ehrlich gesagt verstehe ich die Argumentation einiger größerer Imker hier nicht. Wenn sie sagen, dass sich eine eigene Wachsbearbeitung auch bei 300+ Völkern nicht lohnt, dann haben sie bisher die ganzen Wachsproblematik noch nicht hoch genug bewertet!
    Vielleicht sind sie (die Größeren) auch in einer komfortableren Situation und werden einfach nicht so oft verscheissert, wie die Kleinstimker...


    Gute Frage, bei 300 bin ich noch nicht aber auch bei der Hälfte lohnt es sich allein in Hinsicht auf:



    Seit ich wirklich sehr konsequent auf Naturbau und meine eigene Wachsstrecke (ausschließlich eigenes Entdeckelungswachs für MW) setze, habe ich bessere Völker! Vielleicht wird dieser Eindruck auch noch durch andere imkerliche Verbesserungen überlagert, aber ich denke, dass das Wachs einen sehr großen Einfluss auf die Völker hat!


    Gruß Jörg


    Kann ich nur bestätigen. Slebst minimale Paraffinbeimischungen merkt man und mittlerweile hab ich dafür eine Auge bekommen. Gerade weil ich sonst immer Eigenwachs hatte und dann mit Einsatz von Fremdwachs kam die Veränderung.




    Hast vollkommen recht. Aber wie gesagt es gibt Sondersituationen bei starker Expansion oder auch die Kleinimker, die mit 2-3 Völkern ewig brauchen bis sie genug Wachs zusammen haben um es umarbeiten zu lassen.
    Daher müssen wir uns und die Allgemeinheit vor solchen Praktiken schützen, man muss sich wieder sicher fühlen!

    Gruß Markus


    Ubi apis, ibi salus 
    Wo Bienen sind, dort ist Gesundheit

  • Hallo Bernhard,
    gibt es auch andere Erklärungen für"zerschossene" Brutbilder?
    Fiel mir dieses Jahr auch öfter auf, auch neben anderen Waben, die in Ordnung sind. Nur: ich habe seit 4 Jahren konsequent Naturbau, seit 2 Jahren die
    Anfangsstreifen aus eigenem Wachs. Erklärung?
    Wie groß oder gering muss die Konzentration/Vermischung des Paraffin-Wachses in den Waben sein, damit Schäden auftreten? Weiß man das schon?


    Holmi, wie zerschossen sind die denn? Hast zufällig ein Bild?


    Zu Paraffin gibt es Studien, hab es aber nur grob im Kopf, da wird Bernhard sicher die genaueren Daten im Kopf haben. Bis ca. 20% soll alles ok sein und spätestens ab ca.50% kommt es zu Brutschäden. Irgendwie so in etwa ist es.

    Gruß Markus


    Ubi apis, ibi salus 
    Wo Bienen sind, dort ist Gesundheit

  • Hallo Markus,
    genau so wie auf Bernhards erstem Bild.
    Wie gesagt, seit 4Jahren nu noch auf Anfangsstreifen und die stelle ich aus dem Wachs der HR und Entdeckelungswachs her. Das BR-Wachs kommt nicht mehr in den Kreislauf.

    Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier Einzelner (Mahatma Ghandi)
    Gruß
    holmi

  • Janos , Markus, Simon und die anderen:
    Danke für die hier eingestellten Fotos. Das öffnet den Blick und hilft das Wachsproblem zu erkennen.


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Hallo Markus,
    genau so wie auf Bernhards erstem Bild.
    Wie gesagt, seit 4Jahren nu noch auf Anfangsstreifen und die stelle ich aus dem Wachs der HR und Entdeckelungswachs her. Das BR-Wachs kommt nicht mehr in den Kreislauf.


    Dann waren es ziemlich sicher PSM. Die dunklen Verfärbungen stammen erstmal nicht von den Häutchen der Larven sondern sind reine Verfärbungen oder Propolisierung oder was auch immer. Erst später, wenn mal mehrfach so behandelt, etwickelt sich darin was. Wenn deine Wabe funktioniert hat undd ann auf einmal so ein Brutbild auftaucht, dann hast einen Giftschaden der von aussen kommt ODER Varroa im Endstadium!

    Gruß Markus


    Ubi apis, ibi salus 
    Wo Bienen sind, dort ist Gesundheit

  • ...andere Erklärungen für"zerschossene" Brutbilder?...


    Gründe für zerschossene Brutbilder gibt es genug. Inzucht, Varroa (ausgeräumte Brut), Hunger(!), Pflanzenschutzmittel...


    In diesem Fall werden aber die gerade geschlüpften junge Larven (Ei > Larve) ausgeräumt. Man sieht ja, daß es ältere Larven gibt (die sind nicht so schwer zu pflegen) und Eier. Das Stadium dazwischen fehlt komplett auf den Waben.


    Da kommt eigentlich nur Hunger als Alternative in Frage. Was mir so spontan einfällt.


    Ein Bienenvolk hungert aber immer als Ganzes, das heißt, die Bienen fressen alle junge Brut im ganzen Bienenstock auf – daß sie die eigenen Kinder in dem Umfang (=wabenweise) kannibalisieren, kommt aber nur bei extremen Hunger vor. Und eben auf allen Waben, nicht nur auf gerade ausgebauten Waben.


    Hier konnte der Effekt aber bei unterschiedlichen Ständen beobachtet werden und während der Auffütterung für den Winter.


    Bisher konnte der Effekt bei anderen auch reproduziert werden. Mittelwand reinhängen = zerschossenes Brutbild.

  • Hier noch ein Bild aus den Niederlanden, unbestätigt. Aber so sieht es aus, im gleichen Volk, nebeneinander.



    Wachs hat ein Gedächtnis von 10 Jahren und so lange wird uns das verfolgen. Die Panscherei scheint nicht nur 2016 sondern auch in den letzten Jahren schon aufgetreten sein.

  • Beim rumstöbern im Internet zu dem Thema fand ich, dass es dieses Problem schonmal 2008 massiv bei einem Anbieter gab. Allerdings ist das ganze im Sand verlaufen.
    Vermutlich wurde das Wachs einfach immer weiter gestreckt, so, dass wir nun am Höhepunkt angekommen sind den die Völker einfach nicht mehr verkraften.
    Kann das sein oder liege ich da falsch?
    Mal abgesehen von den vollsynthetischen Mittelwänden.