An Ungunstlagen angepasstes Imkern

  • Hallo,


    vorgestellt hab ich mich ja schon in einem anderen Thread und meine erste Frage gestellt, nun würde ich gerne die nächste Frage/Diskussion eröffnen:
    Ich imkere auf 1300m Seehöhe am Berg mit SOO Ausrichtung, der Berg im Rücken macht am Nachmittag bzw. Abend früh Schatten (im Dezember ab 3, im Sommer ab 7), dafür habe ich in der Früh sofort Sonne.
    Wie Ihr euch vorstellen könnt ist bei uns die Vegetationsperiode ca. 1 gutes Monat kürzer als in Tallagen.
    In einem normalen Winter haben die Bienen ca. 4-5 Monate keinen einzigen Tag an dem ein Reinigungsflug möglich ist.
    Dementsprechend ist meine Betriebsweise für die Völker mit denen ich nicht ins Tal wandere vermutlich recht "anders" als Andere.
    Ich überwintere immer auf 1 Zarge (Temperatur), 2 Zarge kommt eher Ende Mai rauf oder drunter, die einzige Tracht ist die Waldtracht und die Völker sind auch erst
    zur Waldtracht (bei uns Mitte Ende Juli) so gewachsen das Sie eine Tracht richtig ausnützen können.
    Einen 2ten Honigraum brauch ich wirklich selten.
    Mit ein paar Völkern fahre ich Anfang März ins Tal (wenn es das Wetter zulässt) und diese werden dann zur Vermehrung hergenommen (Anfang Juni ca. die doppelte Bienenmenge wie die am Stand belassenen)
    Ich imkere auf EHM (DNM) und Holzbeuten.


    Die Vorteile dieser Lage sind ein niedriger Druck bzw. Varroa (vor allem kaum Reinfektion) und Faulbrut usw., eine sehr zuverlässige Waldtracht, kürzere Zeit mit Schwarmtrieb ...


    Ich würde mich freuen wenn hier eine Diskussion entstehen würde welche Möglichkeiten es gibt das "Beste" aus einem "Schlechten" Standort rauszuholen (Im Hobby Sinne)


    Ein Versuch wird nächstes Jahr ein Bienenhaus mit ein paar Hinterbehandlern sein, bei dem ich mir erhöhte Temperaturen für die Bienen erhoffe und damit einen früheren Brutbeginn.


    LG
    Sebastian

  • Hast du denn überhaupt Tracht auf der Höhe vor dem Juli?
    Falls ja dann solltest du in der nächsten Saison ein paar Segeberger Beuten besorgen. Mit der dicken Styroporwand kommen sie ein bischen früher in fahrt als in der Holzbeute. Wenns nicht reicht im Frühjahr die Windel einlegen.

  • Hi Robirot,
    Wir haben meistens eine gute Löwenzahntracht im Juni, aber die Völker am Stand haben meistens noch keine ausreichende Volksstärke für nennenswerten Honig Eintrag.
    Mit den Völkern die ich ins Tal führe versuche ich meistens den Löwenzahn am Berg wieder zu erwischen, klappt nicht immer :wink:
    Da wir hier aber keine großen Monokulturen haben, gibt es immer kleinere Trachtquellen über das ganze Frühjahr/Sommer so daß die Bienen bis zur Waldtracht zumindest Selbstversorger sein können.


    Styropor ist irgendwie nicht meines, auch wenn ich mir die Segeberger schon genauer angesehen habe.
    Was meinst du mit Windel einlegen? (Varroa Windel), verstehe ich nicht ganz in dem Zusammenhang.

  • Nach Machbarkeit alle Völker im März ins Tal und dann zum Löwenzahn wieder auf die Alm.
    Dafür dann mehr Honig aber sicherlich auch mehr Schwarmtrieb.

    Gruß Markus


    Ubi apis, ibi salus 
    Wo Bienen sind, dort ist Gesundheit

  • Zitat

    4-5 Monate keinen einzigen Tag an dem ein Reinigungsflug möglich ist.

    Ich glaube, du schätzt das falsch ein. In diesen Lagen gibt es oft auch im Winter Tage mit Flugtemperatur. Während im Tal wochenlang Inversionswetterlage herrscht. Wie lange die Brutpause ist kann man nur sagen, wenn man nachschaut oder einen Brutnestthermometer installiert hat.


    Meine Völker haben am besten in 800m Höhe an einer Hauswand Richtung Süden ohne ständige Störung überwintert. Nachteil, sie waren aggressiv. Lag an der störungsfreien Lage.


    Wäre gut, wenn man deinen Ort erfahren könnte.


    Remstalimker

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol:

  • Im März ins Tal fahren, mach ich ohnehin mit einem Teil der Völker, bin aber lieber Standimker :cool:


    Ich bin in Kärnten auf der Saualpe!
    Remstalimker zwischen 800 und 1300m Seehöhe liegt ein guter Unterschied (ca. 4-5 Grad), wir haben durchaus Winter mit 4 Monaten geschlossener Schneedecke.
    Die Überwinterung klappt meistens sehr gut es ist einfach das Frühjahr in dem die Bienenentwicklung schleppend vor sich geht, auf Grund der Nachttemperaturen (bis Mitte April oft unter 0 Grad sind normal).
    Vorteil ist natürlich da die Temperaturen so niedrig sind kommt die Königinn im Winter/ frühen Frühjahr nicht auf die Idee zu früh mit dem Brutgeschäft zu beginnen (die dann nicht gewärmt werden kann)


    Sebastian

  • Hallo Sebastian,
    wenn Du aus religiösen Gründen keine Seegeberger willst, was ich durchaus verstehe, ist das Bienenhaus für solch eine Lage sicher keine schlechte Idee. Hinterbehandlungsbeuten würde ich aber gerade in dieser Lage auf keinen Fall einsetzen. Warum, weil HBB's einen höheren Aufwand bedeuten, Du musst regelmäßig und öfters dort sein, wo Du eigentlich nur mit einem gewissen Aufwand hin kommst.
    Viele Grüße
    Wolfgang

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Hallo Sebastian,


    geht alles!


    der Günther B, der hier leider nicht mehr so viel schreibt, imkert auch in ca. 1000m Höhe (u.a.); ein bisschen was dazu steht auch in seinem Profil.
    Geschrieben hat er auch schon mal was dazu, denke ich, hab aber grad keine Zeit und Muße, das herauszusuchen.


    Guckst Du hier: http://www.imkerforum.de/member.php?u=5885

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Hallo Sebastian,
    wenn Du trotzdem frühe Tracht im Mai nutzen willst, solltest Du die Trachtvölker verstärken. Entweder durch zusätzliche Ableger, oder indem Du 2 Wochen vor der Tracht Brutwaben von anderen Völkern zuhängst. Die geschwächten Völker werden das bis zu Deiner Waldtracht im Juli wieder aufholen, bzw. kannst Du sie auch rückverstärken, sobald der Schwarmtrieb bei den Trachtvölkern losgeht.
    Gruss, Jan

  • jan : das ist ein interessanter Ansatz ausgewählte Trachtvölker zu verstärken in der Annahme das die geschwächten Völker bis Juli den Rückstand aufgeholt haben.


    Um in der Waldtracht möglichst starke Völker zu haben, habe ich dieses Jahr ein Volk 2 Zargen durchbrüten lassen und erst Mitte Juni die Königinn mittels Absperrgitter auf die unteres Zarge "gezwungen", dadurch hatte die Königinn aufeinmal einiges an unbebrüteten Waben und hat nochmals richtig losgelegt, dieses Volk war dann zur Waldtracht wirklich sehr sehr stark und brachte einen tollen Ertrag, hatte aber natürlich davor null Ertrag