Friedhof der Hornissen

  • Dieses Volk hat im Verlauf des gestrigen Tages dreizehn Hornissen eliminiert, deren Leichen vor dem Anflugbrett so liegengeblieben sind:


    ... ...


    Ein schönes Bild: Bienen voll im Verteidigungsmodus, den ganzen Tag über. Eigentlich glaube ich nicht, dass Hornissen Schädlinge sind, eher Nützlinge. Dieses Jahr ist aber an diesem Stand ihr Aufkommen extrem. Es sind vielleicht 30 Exemplare permanent sichtbar zugange, wobei in einer Stunde zwischen 100 und 200 Bienen abtransportiert werden. Alle Völker werden gleichmässig abgesucht, und Bienen beim Anflug erfasst. Lassen sie sich am Flugbereit nieder, ereilt sie meist ihr Schicksal, aber nicht immer. Gelegentlich gelingt es ihnen, eine Biene aus dem Verteidigungstrupp heraus zu pflücken. Faszinierendes Schauspiel - macht bei 16 Völkern grob 10 Bienen/Volk/Stunde mehr als 100 pro Volk/Tag, noch weit unter der "Schadensschwelle".


    In diesem Jahr gibt's in der Umgebung dieses Standes überhaupt keine Läuse. Die Linden kleben hier überhaupt nicht. Wahrscheinlich müssen die armen Hornissen mangels einfacherer Beute dem gefährlicheren Job des Bienenjagens nachgehen. Dennoch hält sich mein Mitleid in Grenzen.


    mfG


    Bauds

    Und wieder ist Frühling / auf alte Torheiten / folgen neue Torheiten (Issa)

  • Komisch, dieses Mehr an Insekten jeder Art, oder? Bißchen so wie die Rückkehr der Greifvögel, die in der neuen landwirtschaftlichen Raumortnung bedauerlicherweise nicht mehr leben konnten. Und jetzt doch irgendwie wieder können, obwohl nur DDT verboten wurde, was nichts, aber auch garnichts mit dem Verschwinden der Raubvögel zu tun hatte. Rapsbeizen weg, Biscaya im Raps veboten, und zufällig auch noch so'n Insektenaufkommen das die Windschutzscheibe leidet (nee, meine nicht, dafür ist mein Trecker zu lahm). Als Lobbyist hat man's auch nicht immer leicht, wenn die Natur einfach so macht, was sie will.


    Schöne Bilder, danke für's Teilen!
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Also mir fällt auf das dieses Jahr wirklich massenhaft Hornissen an allen meinen Ständen unterwegs sind. Also so viele hab ich seit Jahren nicht gesehen. Im Gegenzug dieses Jahr sehr wenig Vespen.

    Carnica und Buckfast in Segeberger Styro DN u. DN 1,5

  • Ist ja nun schon ein paar Wochen her....
    Bei mir am Stand jetzt (!) ein ähnliches Bild: Hornissen zahlreich, brummen ständig um die Völker herum. Ich vermute einige Nester in der Nähe (Naturschutzgebiet) und die müssen sich ja auch ernähren. Wie Baudus beschreibt, fangen sie die meisten Bienen im Anflug bzw. pflücken sich einzelne aus der Wachmannschaft. Den gemeinsamen Angriff konnte ich bisher nicht beobachten, nur Einzelbienen, die gg. eine Hornisse aber keine Chance haben. Diese beißt zuerst den Kopf der Biene ab und macht sich über den proteinreichen Rumpf her. Der Abdomen bleibt zurück....


    Bei 200 bis 300 Bienen pro Tag ist das aber kein Problem für die Völker, denke ich.


    Wespen gibt es im Gegensatz zum letzten Jahr kaum. Seinerzeit waren es bis in den November hinein sehr viele, die ständig um die Beuten herum suchten. Sicher weiß jemand, warum diese extremen Unterschiede Jahr für Jahr vorkommen ?!


    Beste Grüße


    Rainer


  • Wespen gibt es im Gegensatz zum letzten Jahr kaum. Seinerzeit waren es bis in den November hinein sehr viele, die ständig um die Beuten herum suchten. Sicher weiß jemand, warum diese extremen Unterschiede Jahr für Jahr vorkommen ?!


    Wespen setzte das nasse Wetter zu, da werden Erdnester ertränkt und Nester in Büschen aufgeweicht.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Sicher weiß jemand, warum diese extremen Unterschiede Jahr für Jahr vorkommen ?!


    Ein weiterer, sehr wesentlicher Grund ist auch, ob ein größeres Nest zufällig in der Nähe, sprich im Umkreis von wenigen 100 m ist oder nicht. Auch Wespen sind nur Menschen, sprich faul und fliegen nicht weit, wenn es in der Umgebung was gibt. Große (Erd-)Nester haben durchaus 1-2 kg Wespen drin, das merkt man dann schon deutlich, wenn so ein Brocken in der Nähe wohnt.


    Gruß
    hornet

  • Wolfgang , Hornet, danke für die Aufklärung. Wir hatten in diesem Jahr hier oben im Norden im Vergleich zum VJ gar nicht so viel nasses Wetter - eher normal. Aber es kann ja auch andere lokale Ursachen haben. Auffällig sind in diesem Jahr die größere Menge an Hornissen - sehr schöne große Insekten mit charakteristischem Brummen. Das erkennt man ohne hinzusehen. Ich vermute einige Nester in der Nähe, die sich offensichtlich gut vermehrt haben. Es könnte sogar ein Nistkasten darunter sein...


    Beste Grüße


    Rainer

  • Man kann Hornissen und Wespen um diese Jahreszeit gut mit etwas Hackfleisch helfen, weil jetzt die Geschlechtstiere aufgezogen werden, und da ist Eiweiß wichtig.
    Es geht ja nicht um eine große Menge - ein paar Krümel jeden Tag reichen da schon.
    Und man kann sie dabei gut beobachten.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo


    ich kann auch bestätigen das es dieses Jahr sehr wenig Wespen gibt, ich habe eins direkt unter dem Bienenhausdach, aber kein Problem. Wenn ich die vergangenen Jahre mal einen Tropfen Honig verkleckert habe war sofort ein ganzer Schwarm Wespen zur Stelle. Dieses Jahr freue ich mich wenn mich mal eine Besuchen kommt. Da Wespenbrut auch zum großen Teil als Futtergrundlage für die Hornissen dienen, ist es erklärbar das sich die Hornissen verstärkt Bienen holen, auch bei mir. Die Bilder von Bauds sind schon beeindruckend und habe selbst sowas noch nicht beobachten können.
    Ich konnte übrigens mal ein Wespennest sehen, welches die Hornissen heimgesucht haben, das war regelrecht zerfetzt.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Ich habe dieses Jahr auch ungewöhnlich viele Hornissen am Stand (Wahrscheinlich ist irgendwo in der Nähe ein Nest).
    Sehr interessant zu beobachten ist, wie die Bienen sich verhalten: Bei den meisten Völkern sitzt eine Vorhut am äußersten Rand des Flugbretts, alle weg vom Flugloch und sichtlich "nervös" auf Hornissenangriffe ausgerichtet.
    Die Hornissen versuchen meist gar nicht erst, Bienen vom Flugbrett zu pflücken, sondern fangen sie im Flug. Wenn doch werden sie wütend attackiert und ich konnte beobachten, wie einen Hornisse, mit vier, fünf Bienen über das Dach unterhalb des Flugbretts rollte.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)