Fehlerdiagnose

  • Hallo liebes Forum,


    Ich musste heute ein Volk auflösen und würde mich freuen, wenn ich Hinweise darauf bekommen könnte, was schief gelaufen ist, damit ich daraus lernen kann.


    Vor 8 Tagen habe ich mit der AS-Behandlung (60%, Nassenheider Verdunster) begonnen, weil die Werte auf Varroawetter dafür günstig schienen. Zuvor hatte ich schon einen Teil des Futters gegeben. Heute war ich am Stand; in allen Völkern war die AS noch nicht ganz verdunstet, sondern nur so viel, wie nach 8 Tagen verdunstet sein sollte, was ja schon mal ein ganz gutes Zeichen ist.
    Bei einem der Völker waren sehr viele Milben im Bodenschieber, außerdem ein ordentlicher Haufen toter Bienen. Auf den Rähmchen-Oberträgern lagen auch tote Bienen. Anfang August waren in diesem Volk zwar verhältnismäßig viele Milben zu finden gewesen, aber nicht über der Schadgrenze. Außerdem hatte ein Volk mit einer ähnlichen Milbenbelastung deutlich weniger Milben im Schieber liegen und keine toten Bienen.
    Eier oder Larven waren in betreffendem Volk nicht zu finden, dafür Weiselzellen - also keine Legepause... Als ich die AS-Behandlung begonnen hatte, waren noch Eier im Volk gewesen. Außerdem war meiner Einschätzung nach deutlich weniger Futter im Volk, als da sein sollte, und insgesamt war es recht schwacht. Ich habe das Volk dann aufgelöst, weil ich keine Königin zur Verfügung hatte.


    Was ist schief gelaufen? War die Behandlung in diesem Volk zu schockartig und hat die Königin gekillt? Aber warum war dann generell das Volk so schwach und wo ist das Futter hingekommen? Oder ist das Volk ausgeraubt worden, was mir irgendwie plausibler erscheint...? Aber wo ist dann die Kö hingekommen - passiert es häufig, dass sie dabei stirbt?
    Oder ein ganz anderer Grund?


    Danke euch und liebe Grüße!
    Angelika

  • Womöglich Räuberei - aber ob das nun Folge oder Auslöser war, ist kaum zu ermitteln. Ev. war da schon vorher was im Busche. Ist aus der Distanz wie so oft leider nicht zu ermitteln. Die Königin kann bei er Räuberei gestorben sein; ev. war die aber auch schon vorher nicht ganz fit.
    Wenn es junge tote Bienen waren (schlupfreife), dann sind das AS-Opfer die womöglich nicht mehr rausgetragen wurden da das Volk schon zu schwach war und das nicht mehr leisten konnte. Ich denke aber, dann was die AS allenfalls der finale Degenstoß und nicht die Ursache...die hat schon früher eingesetzt.


    Grüße
    Melanie

  • Hallo Angelika


    aus meiner Erfahrung kann ich sagen, das bei der AS-behandlung die Königin sehr oft aus der Brut geht und es sind bei sehr starker Verdunstung auch Königinnenverluste zu beklagen. Oftmals sind auch in unmittelbarer Nähe des Verdunsters Bienenverluste zu beklagen, manchmal funktioniert auch der Verdunster nicht richtig, da ist dann eine Überdosierung, wenn auch nur für kurze Zeit möglich und führt zu Bienenverlusten an Jungbienen die nicht flüchten können. Bei dem aufgelösten Volk sehe ich das so wie Melanie, der Schaden war schon vorher da und nur nicht erkannt. Weiterhin alles Gute, es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)


  • Vermutlich bereits Varroaschaden? Daher die Schwäche, daher auch weniger Futter. Jungbienen und junge Brut sind der AS zum Opfer gefallen bzw. eine Kombination aus gleichzeitig fehlendem Nachschub bei Weisellosigkeit, diese muss schon früh weg gewesen sein, sonst würden die Zellen fehlen.


    Ein ausgeräubertes Volk sieht anders aus: da sind keine Futterreste drin, die sind einfach nur leer, ausgefranste Waben, Wachsschrot, verklebtes Flugloch, und in Deinem Falle bei noch Futterresten müsste ein unpassend gesteigerter Flugverkehr auch frühmorgens und spätabends da sein mit Auffliegen von Räuberbienen beim Beuteöffnen.
    Es gibt zwar auch stille Räuberei aber daran glaube ich jetzt mal nicht primär.


    Weisellose Völker zeigen insbesondere in engerer Nachbarschaft öfter einen starken Abflug hin zu weiselrichtigen Beuten, da kann sich ne Menge tun in Sachen Volksstärke!
    In diesem Fall leider auch mit Varroa- und Virenlast muss man vermuten. Also Behandlung weiter erforderlich.


    Die Königin könnte auch beim Einsetzen des Verdunsters/Arbeit in und an der Beute versehentlich zu Tode gekommen sein. You never know.


    AS-freie Behandlung oder TBE ist ne feine Sache


    Findet


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Danke für die Antworten! Wahrscheinlich war tatsächlich schon länger was im Busch. Ich habe gerade in den älteren Aufzeichnungen nochmal nachgesehen und auch festgestellt, dass dieses Volk nicht hunderprozentig milbenfrei in den Frühling gestartet ist - da hab ich das mit der Behandlung nicht so hinbekommen, wie ich wollte. Mit der Behandlung der übrigen Völker bin ich dann in jedem Fall sehr gründlich. Die Alternative TBE werde ich mir für nächstes Jahr auch mal sehr gründlich zu Gemüte führen.
    Ich bin schon mal froh, dass Räuberei eher nicht die Ursache ist und ich mir in dieser Hinsicht keine gesteigerten Sorgen um die Nachbarvölker machen muss.


    Liebe Grüße!

  • Vermutlich bereits Varroaschaden? Daher die Schwäche, daher auch weniger Futter. Jungbienen und junge Brut sind der AS zum Opfer gefallen bzw. eine Kombination aus gleichzeitig fehlendem Nachschub bei Weisellosigkeit, ...


    Ja, die waren schon fertig, und die AS war dann das Finale. Hättest die aber auch so nicht mehr gerettet. So Völker gibt es, das entscheidet sich im vorherigen Herbst/Winter. Kopf hoch!


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • TBE ist sicher eine gute Alternative!. Deinen Hinweis, dass dieses Volk nicht völlig milbenfrei ins Frühjahr gestartet sei, möchte ich kommentieren:


    Selten nur starten Völker völlig milbenfrei in die Saison. Wenn man dann nach der letzten Honigernte prüft, ergibt sich u.U. ein völlig anderes Bild als zu Beginn der Saison - Völker mit anfangs wenig Milben haben dann viele, andere mit anfangs beachtlichem Milbenfall haben dann relativ wenige usw. Das hängt vom Verlauf ab - sind sie geschwärmt und hatten eine längere Brutpause oder ergab sich eine Brutpause durch Nachschaffung oder oder oder...; sicher sind auch genetische Faktoren maßgeblich beteiligt.


    Voraussagen, die sich auf eine Milbenlast im Frühjahr stützen, sind nur selten machbar. Aus meinem Volksbestand gibt es einen geringen Anteil von Völkern, die kontinuierlich eine geringe Milbenlast haben (mit oder ohne AS-Behandlung). Die sind es wert, sie kontinuierlich zu beachten. Dann aber gibt es andere, starke Völker, die kontinuierlich eine Milbenlast von z.B. >5 Milben / Tag im Gemüll mit sich tragen - mal mehr, mal weniger. Auch die sind beachtenswert; denn sie kommen offensichtlich mit dem Befall zurecht.


    Solchen Völkern, die wenig oder kontinuierlich einen relativ konstanten Milbenfall zeigen, lasse ich immer eine TBE zukommen. Die Völker, die einen hohen Milbenfall (> 10 / Tg.) zeigen, behandle ich mit AS nach den üblichen Methoden. Bisher hat das immer gereicht.


    Beste Grüße


    Rainer