Synthetisches "Bienenwachs"

  • Jetzt weiß ich nicht mehr was ich tun soll. 20 Jahre habe ich selbst gegossen und mag jetzt nicht mehr. Ich dachte jetzt lasse ich meine ca. 100 kg Wachs zur Hälfte in Dadant und Zander gießen. Letztere würde ich verkaufen. Eine Vorausmenge habe ich schon umarbeiten lassen. Daraus könnte ich eine Probe ziehen lassen. Sie wäre aber für die zweite Charge nicht relevant. Eine zweite Untersuchung würde den Preis aber deutlich erhöhen und ich möchte die Mittelwände günstig an Anfänger abgeben.


    Remstalimker

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol:

  • Auf Bitte des "Drohn" veröffentliche ich nachfolgendes Dokument.
    Bericht 20160816.pdf


    Beste Grüße
    Hartmut


    Hi Harmut & Drohn,


    ich vermute mal, dass das "Dokument" hier verkürzt eingestellt ist, und in der vollständigen Fassung ein (oder mehrere) Gaschromatogramm(e) enthielt. Ist das so, dann stellt das doch hier ein. Dann kann sich jeder, zugegeben mit viel Mühe, vielleicht eine Interpretation der Originaldaten (Chromatogramm) zusammenbasteln und muss nicht überlegen, was das "Fazit" vielleicht bedeuten könnte. Wenn die Daten & Gutachten in Auftrag gegeben und bezahlt wurden, gehören sie dem Auftraggeber und können hier veröffentlicht werden. Gutachter lehnen sich in Worten nicht gern weit aus dem Fenster, selbst wenn die Fakten eindeutig sind. Ich weiß da, wovon ich rede.


    Ich hatte so etwas mal im IF eingestellt, in 2014, mit einem Vorgang aus 2011,


    http://www.imkerforum.de/showthread.php?t=42983 #11


    Liest man ein bisschen Literatur (Beispiel dort) kann man solche Diagramme schon alleine interpretieren, zumindest grob. Es könnte wohl sein, dass viele von uns in Zukunft das sowieso lernen müssen ...


    Cheers,
    Baudus

    Und wieder ist Frühling / auf alte Torheiten / folgen neue Torheiten (Issa)

  • Danke Baudus an die Erinnerung an Deine hier eingestellten Untersuchungsergebnisse.
    Das nenne ich ein Ergebnis einer Untersuchung.
    Die zwei Seiten von der Drohn´schen Untersuchung sind ohne eine Aussage.
    Das einzige für was sie taugt sind Vermutungen und Interpretationen.
    Gruß Eisvogel

    Man tut was man kann, hieß es früher. Heute glauben alle sie müssen tun was sie nicht können. P. Sloterdijk

  • Warum denn Überhaupt ein Chromatogromm? Die Aussagekraft davon ist jetzt nicht besonders interessant. Vor allem auf GC anlagen welche wie in diesem Fall bereits bei recht kurzen Ketten versagen.
    Eine sichere Bestätigung ob es Bienenwachs oder ein Surrogat ist, bekommt man durch Untersuchung des langkettigen Bereichs. Bei Ersatztstoffen sind vor allem die niedermolekularen Bestandteile gut zu Ersetzen, da sie Günstig und Massenprodukte sind. Den Natürlichen Bereich nachzustellen wäre viel zu teuer und aufwendig.
    D.h. nächstes mal LC/MS nehmen, das versagt nicht im hochmolekularen Bereich und erfordert auch keine vorherige Derivatisierung.

  • Jetzt bin ich aber kurz davor zu platzen!


    An alle besonders Schlauen Leute, die sich jetzt zu Wort gemeldet haben: Was habt ihr bereits gemacht? Lässt euch alles kalt, ja? Habt ihr vielleicht sogar euren eigenen Wachskreislauf, na dann ist ja alles Bestens!


    Wie Ralf, Bernhard, Markus, Ich, etc. hier schon angekündigt haben, das ist eine riesige Sache und es wird nicht leicht das zu überstehen. Jetzt versetzt euch mal in die Lage betroffener Imker, riesen finanzieller Schaden dieses Jahr, die Völker können nicht mehr versorgt werden, man weiß nicht mehr in welchem Volk das Chinawachs ist...


    Jetzt gehen wir an Institute, wenden uns mit unserem Problem an alle möglichen Stellen, weitergeholfen wird einem nicht wirklich.


    So, wer zahlt nun die Analysen? Wer macht was? Die allerwenigsten! Eisvogel oder robirot, ich schick euch gerne Proben? Macht ihr dann was?


    Ich habe zusammen mit dem Drohn die Analyse in Österreich beauftragt. Markus hat die Analyse bezahlt und nach dieser Analyse weiß ich zu 100 %, dass das Chinawachs mit Bienenwachs nicht viel zu tun hat.



    Eine erste Analyse (Fettsäurespektrum) von 2 Proben ergab folgendes:


    Probe 1 (Bienenwachs in Demeter-Qualität): hauptsächlich Palmitinsäure (C16) und dann Verteilung von Fettsäuren ab C24 26 und 28. Höhere Kohlenwasserstoffe konnten aufgrund des Analyseverfahrens nicht nachgewiesen werden.


    Probe 2 (Sammelprobe vom Problemwachs): ebenfalls Palmitinsäure, viel Stearinsäure (C18). Sonst keine weiteren FS. Dafür aber Anstieg im Hintergrundrauschen --> gleichmäßige Verteilung von höheren Kohlenwasserstoffen, vielleicht Paraffine.

    "In der Natur ist die Bedeutung des unendlich Kleinen unendlich groß." (Louis Pasteur)

  • Such mal bei Alibaba nach synthetischem Bienenwachs, da gibts große Mengen in China zu kaufen. Auf wieviele Hersteller das zurück geht kann ich nicht sagen.
    Jedenfalls bin ich mir sicher, dass das Problem nicht erst dieses Jahr gekommen ist, sondern schon jahrelang das künstlich hergestellte Wachs gekauft wird.
    Diesmal haben sie es übertrieben oder im Herstellungsprozess ist etwas schief gelaufen und erst dadurch kamen diese offensichtlichen Schadbilder zustande. Das glaube ich jedenfalls und wenn ich recht habe, dann dürfte ein Großteil des konventionellen Bienenwachses, bereits kontaminiert sein.


    Wer hat in letzter Zeit MW gekauft? Seid ihr euch sicher, dass euer Honig noch verkehrsfähig ist?

    "In der Natur ist die Bedeutung des unendlich Kleinen unendlich groß." (Louis Pasteur)

  • Das es aus China kommt ist mir bewusst ;) 
    Aber - Stellt jeder größere Händler seine MW selbst her und ist einfach der konventionelle Wachskreislauf mittlerweile derart mit dem synthetischen Zeug verseucht, oder kaufen Händler bei einem zentralen Großhändler ihre MW ein?

  • Jedenfalls bin ich mir sicher, dass das Problem nicht erst dieses Jahr gekommen ist, sondern schon jahrelang das künstlich hergestellte Wachs gekauft wird.


    Wenn das so ist, verweise ich nochmals auf einen Faden, den ich letztes Jahr eröffnet hatte, vielleicht hatte das damals doch schon mit diesem Wachs zu tun:


    Im Thema Pseudo-Drohnenbrutwabe durch fehlenden Drohnenrahmen?
    (auch viele Bilder und Nahaufnahmen)


    hatte ich letztes Jahr ein Brutproblem, das damals hier im Forum letztlich nicht 100% geklärt werden konnte. Der Verdacht auf gepanschte Mittelwände ist damals aber auch aufgekommen. Zwar ist diese Vermutung im Verlauf der Saison und der Diskussion etwas unwahrscheinlich geworden, aber dennoch, vielleicht erscheint die damalige Diskussion heute unter einen neuen Licht.


    Inzwischen habe ich aber zum Glück auf einen eigenen Wachskreislauf umgestellt und bin gerade dabei, 100% aller Altwaben, welche noch gekaufte Mittelwände enthalten, als Kerzenwachs zu entsorgen. So wie es aussieht, gerade noch rechtzeitig!


    Gruß
    hornet

  • Stellt jeder größere Händler seine MW selbst her und ist einfach der konventionelle Wachskreislauf mittlerweile derart mit dem synthetischen Zeug verseucht, oder kaufen Händler bei einem zentralen Großhändler ihre MW ein?


    Fast jeder Händler stellt selbst her, bzw bezieht MW von einem "Hersteller". Nur, wo haben die ihr Wachs her? Das Wachs, welches hier die Imker zur Verfügung stellen können reicht hinten und vorne nicht, um den Bedarf zu decken (Obwohl es erstaunlicherweise günstiger ist). Also muss zugekauft werden, z.B. bei kahlwax. Wo kaufen die?


    Wenn nun ein seriöser Umarbeiter, diese Wachspastillen erhält, müsste er beim Umarbeiten gemerkt haben, dass das kein echtes Bienenwachs ist.

    "In der Natur ist die Bedeutung des unendlich Kleinen unendlich groß." (Louis Pasteur)

  • Wenn das so ist, verweise ich nochmals auf einen Faden, den ich letztes Jahr eröffnet hatte, vielleicht hatte das damals doch schon mit diesem Wachs zu tun:


    Im Thema Pseudo-Drohnenbrutwabe durch fehlenden Drohnenrahmen?
    (auch viele Bilder und Nahaufnahmen)


    Könnte sehr gut möglich sein! Schadbilder dieses Jahr sehen ähnlich aus. Danke für den Link!
    Bezugsquelle weißt du nicht mehr? (Falls es im Thema irgendwo steht, bitte ich um Entschuldigung, Zeit ist knapp :wink: )

    "In der Natur ist die Bedeutung des unendlich Kleinen unendlich groß." (Louis Pasteur)

  • Jetzt bin ich aber kurz davor zu platzen!


    Lieber Simon, bevor es Dich hier zerreißt.
    Das einzige was MICH hier auf die Palme gebracht hat, ist das zweiseitige Papier das als Ergebnis einer Wachsuntersuchung veröffentlicht wurde.
    Wenn das alles ist, das dabei herausgekommen ist, ist es meiner unbedeutenden Meinung nach das Geld nicht wert das dafür bezahlt wurde.
    Wobei mich auch mal interessieren würde, wie viel Geld dafür hingeblättert wurde.
    Dass das Wachsproblem von niemand in Frage gestellt werden darf steht aus Frage.
    Gruß Eisvogel

    Man tut was man kann, hieß es früher. Heute glauben alle sie müssen tun was sie nicht können. P. Sloterdijk

  • Wenn nun ein seriöser Umarbeiter, diese Wachspastillen erhält, müsste er beim Umarbeiten gemerkt haben, dass das kein echtes Bienenwachs ist.


    Nö, wieso? Sieht aus wie Wachs, riecht wie Wachs, und wenn es zusammen mit dem Altwachs von den Kunden des Auftraggebers eingeschmolzen wird, dann ist es nicht erkennbar. Genau wie für uns. Wenn man den ganzen Tag mit Wachs zu tun hat, wird man schon was ahnen, aber für's Ahnen wird keiner bezahlt. Der Auftrag wird lauten, Wachs zu MW, und das passiert dann auch.


    Ist ja auch lange gut gegangen. Und profitabel isses auch.


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife