Alle Völker an einem Stand immer gleich behandeln?

  • Hallo zusammen,


    mir wird immer wieder gesagt dass man alle Völker immer gleich behandeln soll, um eine Reinvasion zu verhindern. Ist auf den ersten Blick bestimmt eine sichere und einfache Methode um das zu verhindern.


    Nachdem ich aber sehr unterschiedliche Völker am Stand habe wollte ich das mal hinterfragen.


    2 Völker sitzen seit 5 Tagen auf MW und einer Fangwabe


    1 Brutscheune


    1 Volk hat seit 3,5 Wochen neue Waben, hatte keine Fangwabe


    Wenn jetzt ausschließlich die Brutscheune Milben hat, müssen dann tatsächlich alle anderen Völker genauso behandelt werden wie die Brutscheune?


    In anderen Threads wurde mir empfohlen, alle paar Tage MS zu sprühen. Soll ich dann tatsächlich alle 4 Völker auseinanderreißen und auch MS sprühen?


    ich denke, dass ja momentan noch die Fangwabe in 2 Völkern ist, die die Milben hoffentlich noch einsammelt. Bis ich die rausnehme würde ich jetzt nach meinem Gefühl keine MS sprühen, denn auch die zugewanderten Milben gehen da ja rein, oder?


    Außerdem plane ich eine Umweiselung Ende August nach hoffnungsloser Weisellosigkeit und habe dafür ein Behandlungsrezept mit Thymol und Oxalsäure von Heike Aumeier. Das wäre dann wieder eine ganz andere Strategie, passt aber perfekt zum Umweiseln.


    Was ist also besser: alle gleich behandeln, unabhängig von der Ausgangssituation. Das bedeutet dann dass ich für alle den kleinsten gemeinsamen Nenner finden muss. Oder jedes Volk nach dessen Bedürfnissen behandeln UND dabei die Reinvasion im Blick haben, also zumindest darauf achten, dass die verschiedenen Maßnahmen sich zeitlich überschneiden.


    Wie macht ihr das?


  • 2 Völker sitzen seit 5 Tagen auf MW und einer Fangwabe


    1 Brutscheune


    1 Volk hat seit 3,5 Wochen neue Waben, hatte keine Fangwabe


    Da hast ja ne nette Sammlung.


    Was würde ich bei dem Sammelsurium machen? Fangwaben aus den 2 MW Völkern raus und die dafür mit MS behandeln und im Winter die Winterbehandlung.


    Die beiden Fangwaben in die Brutscheune packen und schauen, dass immer offene Brut/Fangwabe(n) da sind, zwischendurch mal ein wenig MS kann nicht schaden. Die Fangwaben dann auch am besten mal zur Varroadiagnose nehmen und Zellen öffnen. Wenn gut, dann lassen, wenn schlecht dann einschmelzen damit die Milben schonmal weg sind.


    1 Volk brütet also seit 3 Wochen wieder, da hast dann mal direkt gesagt verpennt zu tun was zu tun gewesen wäre. Hier könntest entweder eine MS Blockbehandlung vornehmen oder die Brut nochmal entnehmen und in der Brutscheune auslaufen lassen, diese dann mit MS behandeln und danach damit die Völker verstärken bzw. neue per Kunstschwarm machen.

    Gruß Markus


    Ubi apis, ibi salus 
    Wo Bienen sind, dort ist Gesundheit

  • Moin Elmue,


    bei den unterschiedlichen Fällen muss man schon differenzieren:


    Brutscheune behandle ich immer mit AS60% Schwammtuch mehrfach (bis zu 3 mal). Die Fangwaben würde ich nicht mehr nutzen - einschmelzen; denn was da herauskommt an Jungbienen ist mit großer Wahrscheinlichkeit geschwächt durch die Milben.


    Die im Brutnestaufbau befindlichen beiden Völker (auf MW) mit Milchsäure behandeln, so wie Wolfgang es empfiehlt. Das kann ja auch mehrfach erfolgen, bevor verdeckelte Brut vorhanden ist.


    Und das Volk mit den "seit 3,5 Wochen neue Waben" würde ich ebenfalls einer AS60% Bedhandlung unterziehen. Die Schwammtuchmethode ist schnell - nach spätestens 2 Tagen ist alles verdunstet, dann kann das Schwammtuch raus. Danach überall Milbenkontrolle, versteht sich und berücksichtigen, dass nach TBE und Brutnesneuaufbau die ggf. verbliebenen Milben in der neu verdeckelten Brut sind. Insofern Kontrolle nach 2 Wochen über längere Zeit - die gibt dann ein realistisches Bild ab.


    Beste Grüße


    Rainer

  • Hallo Elmue,
    die Gleichbehandlung aller Völker an einem Standort ist der heilige Gral der Wunschträume romantischer Imker. Dabei ist die Idee, die Völker im frühen Frühjahr so hinzukriegen ( auszugleichen ), dass alle Arbeitsgänge an einem Standort gleichzeitig durchgeführt werden können. Also Aufsetzen, Ernten, Behandeln an jedem Standort jeweils gleichzeitig. Die Idee ist schon ganz nett, weil sie viel Aufwand und Zeit spart. Dem einzelnen Volk wird sie allerdings nicht gerecht. Wie ich an deiner Situation sehe, hast Du diese Idee auch schon aufgegeben.
    Trotzdem ist es vorteilhaft z.B. die Behandlung durch die Brutscheune gleichzeitig und systematisch durchzuführen. Ein Durcheinander führt dabei meist zu Fehlern, die dann erst später oder gar erst im Frühjahr sichtbar werden.
    Weil ich bei mehreren Völkern gerne mal durcheinander komme, bin ich ein Freund von systematischer Behandlung geworden. In diesem Fall bedeutet das, dass ich allen Wirtschaftsvölkern die gedeckelte Brut entnehme, diese Ableger dann vom Standort mit nach Hause nehme und da im Garten aufstelle. Dann kann ich ohne großen Aufwand ab und zu reinsehen und dann im richtigen Moment und gleichzeitig ein mal mit MS behandeln. Ich kann sie auch schön füttern, kaum Aufwand und weniger Risiko für Räuberei.
    Das erleichtert mir einfach die Übersicht und bewegt mich dazu Dinge zu machen, auch wenn ich wenig Zeit und keine Lust auf eine Fahrt zum Standort habe.
    Ganz allgemein für die neueren Imker möchte ich anmerken, dass es nicht sinnvoll ist ständig und alle Möglichkeiten der Völkermanipulation an den Bienen anzuwenden. Alles auszuprobieren, was man mal in einem Buch gelesen hat ist nicht sinnvoll. Probier doch mal in einem Jahr das aus, an allen Völkern und im nächsten Jahr was anderes, wenn Ihr alle Möglichkeiten ausprobieren wollt.
    Und wenn ihr euch mit einem Verfahren begnügt, dann kommt die Gleichzeitigkeit wenigstens zum Großteil, ganz von alleine.
    Viele Grüße
    Wolfgang

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Vielen Dank schon mal für eure zahlreichen Antworten, alle sehr hilfreich!


    Das Volk, das vor 3,5 Wochen auf neue Brutwaben kam, war eine Ausnahmeerscheinung und keine TBE, da war due Kö plötzlich im HR und ich hatte es erst vor 3,5 Wochen geschafft, die wirklich zu finden und definitiv nach unten zu setzen. Da die schon ein paar Wochen oben war (hatte es erst nicht bemerkt und dann einen missglückten Versuch, sie nach unten zu setzen) war unten brutfrei und ich hab die Gelegenheit genutzt, die Brutwaben zu tauschen. Brutfrei waren die aber nie.


    Außerdem ist das ein fieser Stecher, eine russische Buckfast, die ich jetzt dann umweiseln werde.


    Deswegen ist mir die Methode von dir, Rainer, mit der 60% AS bei der Scheune und dem Stecher sehr sehr sympathisch :oops: auch wenn mir viele von der AS abraten. Da spricht vielleicht auch dafür dass in der Scheune keine Königin ist, die geschädigt werden könnte und beim Stechervolk ist es mir wurschtegal, die wird sowieso in 10 Tagen abgedrückt.


    Also wenn jetzt hier keiner schreit, dass das Blödsinn ist werde ich das so machen:
    Fangwaben raus aus den Völkern mit TBE und MS sprühen und die beiden anderen Völker mit AS Schwammtuch behandeln.

  • Mit AS setzt du halt eine chemische Granate ein, die neben der Brut auch die Bienen schädigt. Bei MS ist dies sicherlich auch der Fall, jedoch garantiert sanfter.
    Je nach Zargenanzahl wirkt die AS am besten bei 1 und 2 Zargen, darüber hinaus wird der Wirkungsgrad schlechter. Daher ja die Fangwaben um dort die Milben aus den schlüpfenden Brutscheunenwaben einzusammeln und wenn alle geschlüpft sind, vernichtest die Fangwaben und behandelst mit MS.
    Schonender gehts kaum.


    Den Stecher würde ich von seiner Brut befreien und in die Brutscheune geben, Königin raus und neue rein zum Ausfressen, viel sicherer geht umweiseln nicht mehr. MS Behandlung dann nicht vergessen bevor die Brut wieder zu alt ist.

    Gruß Markus


    Ubi apis, ibi salus 
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  • Also ich arbeite ja mit Dadant, das müsste dann so passen mit einzargig.


    Und wegen der Umweiselung hat mir Heke Aumeier geraten, die erst Ende August und zwar hoffnungslos weisellos umzuweiseln. Gerade die russischen nehmen sehr schlecht Königinnen an und wenn es nicht anders geht wie in einem Kunstschwarm, dann lassen sie sie 2 Wochen legen und stechen sie dann ab.


    Ich krieg die Königinnen von ihr und hab das alles mal durchgesprochen und sie sagte die müssen hoffnungslos weisellos sein, also Kö abdrücken, dann die Nachschaffungszellen brechen und das Ganze bis Ende August. Dann sind die so hoffnungslos dass sie die neue annehmen müssen.


    Das mach ich jetzt mal so wie es mir die Züchterin rät, ich glaube das ist dann nicht das Schlechteste.


    Markus, du würdest also bei der Scheune und dem Stecher auch MS nehmen? Mir graut halt ein bisschen davor, den Stecher aufmachen zu müssen und wenn ich das dann öfter machen muss wegen der MS, sind ja nicht brutfrei, dann bricht mir jetzt schon der Schweiß aus....:oops:

  • Rechne mal, wenn du die nächsten Tage anfängst, dann hast du den Stecher bis Ende August hoffnungslos weisellos und deine Brut ist geschlüpft.
    Ich geh aktuell so vor, Abfangen der alten Königin in ein Versandkäfig, Entnahme von 2-3 Brutwaben (verdeckelt -und garantiert sitzen hier auch die meisten Milben), die alte kommt mit Käfig in die Wabengasse vom Volk und dann ist erstmal Ruhe. Nach 9 Tagen ggf. Zellen brechen und die alte gegen die neue Königin tauschen. Ausfressen und Eilage so planen, dass dies frühestens am Tag 14/15 nach Beginn der Aktion erfolgt und dann am Tag 21 nach Aktionsbeginn mit MS behandeln, dann ist alles geschlüpft. Drohnenbrut im Vorfeld entdeckeln damit man nicht nochmal 3 Tage länger warten muss. Zudem hilft fehlende Drohnenbrut ungemein bei der Königinnen Annahme.

    Gruß Markus


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  • Ja da hast du recht, das wäre eine gute Möglichkeit, allerdings zeitversetzt nach Anfang September. Wenn ich aber jetzt die anderen behandle und den Stecher nicht bzw erst Anfang September, gibt das dann keine Reinvasion?


    Der Stecher hat übrigens wahnsinnig viel Brut und in die HR, die eigentlich zum Auslecken drauf waren haben sie schon wieder drei Waben eingetragen..... Die sind extrem aktiv und dafür dass sie nie brutfrei waren finde ich dass sie sehr wenige Milben haben, ich habe auf dem Öl nur eine gefunden. Stehen auf demselben Ständer wie die Scheune, die hatte 30.


    Die zwei TBE Völker muss ich jetzt behandeln, denn die haben ab Samstag verdeckelte Brut.


    Und dann ist da noch die Brutscheune.

  • Reinvasion,
    Reinvasion wird überschätzt, nicht so die Angst einen Stecher aufzumachen um die Königin zu suchen. Das kenne ich. :-)
    Viele Grüße
    Wolfgang

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Ich hab ja gottseidank den Honigmann Anzug, der ist wirklich super! Gestern abend zum Abfegen aus den HR, den sie ja eigentlich nur auslecken sollten habe ich aber 2 Paar Handschuhe übereinander angezogen. Die sind ich jede Ritze gekrochen, habens aber nicht geschafft. ätsch :cool:


    Mit der Milchsäure mache ich den Stecher dreimal auf: beim Königin suchen und abdrücken/käfigen, beim NSZ brechen und bei der MS Behandlung.


    Mit der AS spare ich mir einmal Auseinanderreißen.


    Markus, was ist der Vorteil vom Käfigen gegenüber Abdrücken? Ich hatte die schon mal gekäfigt (weil ich damals schon umweiseln wollte, bis man mir davon massiv abgeraten hat) und die haben sofort mit Umweiseln angefangen....


  • Markus, was ist der Vorteil vom Käfigen gegenüber Abdrücken? Ich hatte die schon mal gekäfigt (weil ich damals schon umweiseln wollte, bis man mir davon massiv abgeraten hat) und die haben sofort mit Umweiseln angefangen....


    Altes Thema, ich beobachte seit eh und jeh, dass Völker ohne Königin den Großteil an Stiften und jüngster Brut ausfressen. Kann Vor- bzw. Nachteilig sein.
    Daher käfige ich die Alte und häng sie zwischen die Waben, meist wird dies aber als Schaden der Königin angesehen und es kommt zu Nachschaffungszellen.
    Die Guten Königinnen erkenn ich dann später wieder daran, dass die Zellen von allein ausgefressen werden, da die Alte ja noch da ist, bei den anderen muss man brechen.
    Damit bilde ich mir nicht nur ein, sondern sehe auch, dass die Brut besser weiter gepflegt wird und nicht so sehr ausgefressen wird wie wenn man sie ganz entnimmt. Zudem bleibt das Volk besser zusammen (Verflug) und hat weiterhin ein Gemeinschaftsgefüge.

    Gruß Markus


    Ubi apis, ibi salus 
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  • Hallo Markus,


    Dazu hätte ich nochmal eine Frage: wie machst du das dann genau wenn die neue Königin da ist und du hast die alte gekäfigt: Zellen brechen, Alte raus und zwei Stunden warten, dann die Neue im Ausfresskäfig rein?


    Danke!

  • Also Zellenbrechen werden die meisten Carnicaimker zwingend müssen. Bei standbegattete Buckfast kann es sein, aber meist eher nicht -sofern das Material stimmt. Von aktuell über 50 so behandelter Völker haben lediglich 2 eine neue Königin gehabt, die anderen haben ihre Zellen wieder ausgefressen.


    Alte raus und direkt die neue rein. da ja keinerlei offene Brut mehr vorhanden ist, kann man die auch direkt ausfressen lassen. Bei wichtigen Königinnen hänge ich diese aber erst 24h verschlossen rein, zieh dann am nächsten Tag eine Bienenbesetzte Wabe und lass die Lady aus dem Käfig direkt in die Meute laufen. Da seh ich dann auch direkt ob es passt oder nicht.Wenn nicht muss man schnell sein und die Bande wieder von der Königin trennen. Ignorieren oder füttern ist ein gutes Zeichen.

    Gruß Markus


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