Schwache Völker im Sommer oder Herbst vereinigen? Welche Kö belassen?

  • Hallo Forum,


    ich habe zwei Völkchen, bei denen ich jetzt schon vermute, dass die wohl nicht auf eine vernünftige Überwinterungsstärke kommen werden. Beides eher kleine Nachschwärme von Mitte Juni. Weil es hier seitdem keine Tracht mehr gibt wurden die gefüttert und prompt von Räubern attackiert. Ein Volk verlor die Königin, das habe ich bereits mit einem weiteren Schwarm vereinigt.


    Beide sitzen jetzt auf 5 x 1,5 DNM- Waben (Anfangsstreifen), die aber noch nicht fertig ausgebaut sind. Erste AS-Kurzzeitbehandlung (60%, von oben) war letzte Woche, kaum Milbenfall: 10 - 20 in 3 Tagen ab Behandlung.


    Meine Frage - soll ich die jetzt erst mal so lassen, damit jedes für sich noch Gas gibt oder ist die Entwicklung insgesamt besser, wenn ich sie jetzt Anfang August schon vereine? Und wie wähle ich die Königin aus, die bleiben darf? Die Bienen entscheiden lassen auf die Gefahr hin, dass beide abgestochen werden? Vom Brutnest her sind beide ok. Oder die weiteren AS-Behandlungen (muß ich überhaupt nochmal?) abwarten, weil da ja auch mal eine Kö verloren gehen könnte? Ich hab grad zu viele Entscheidungsparameter und Knoten im Kopf.


    Danke und Gruß
    Marion

    Gärtnerin mit Hang(garten) zur Selbstversorgung, Informatikerin, neugieriges Gscheidhaferl - 123viele.de

  • Hallo,


    das ist erst einmal schade, dass Schwärme jetzt AS bekommen müssen, gerade, wenn sie noch schwächer sind.
    die kann man doch prima als Schwarm sofort brutfrei behandeln und braucht dann nur noch die Winterbehandlung.
    Zweiter Knackpunkt ist bei kleinen Schwärmen um die Zeit der NaturBau. Das hätte ich nicht gemacht: dauert länger, verbraucht jede Menge Energie und ist zum Vereinigen schwieriger.
    So welche bekommen dann eben mal MW.


    Jetzt würde ich die laufen lassen.
    5-6 Waben geht zu überwintern.
    stetig weiter füttern. Jetzt noch MW anfügen.
    Zwei machen normalerweise mehr Bienenmasse als eins.


    Guck im Herbst, wo sie angekommen sind. So junge Einheiten brüten länger und mehr. Vielleicht sind es dann doch noch genug.


    Viel Erfolg


    Auch Marion :wink:

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Jepp. Keine AS. Und dafür gefühlvoll kontinuierlich flüssig füttern.


    Von Ende Juni bis jetzt müssten ja schon locker die ersten größeren Brutflächen geschlüpft sein. Das pusht die eigentlich immer ganz ordentlich.


    Im Herbst, vielleicht Ende September, musst du denn entscheiden, ob es reicht. Wenn vereinigen, dann natürlich vorher eine Königin rausnehmen.


    Gruß Jörg

  • Hallo,


    ich kann immer wieder nur sagen: Schwache Völker haben oft ungeahnte Energien, WENN die Schwäche andere Ursachen als eine schlechte Königin hat und diese Ursache noch beseitigt werden kann.


    Ich hatte jetzt schon mehrfach immer mal wieder super schwache Völkchen im Spätsommer aus verschiedenen Gründen, die sich dann noch prächtig entwickelt haben und im Folgejahr ganz vorne mit dabei waren.
    Klar, Ziel sollte das nicht sein, aber man kann ruhig mal experimentieren als Anfänger und mit solchen Völkchen rumtüdeln, man lernt viel dabei!


    Letztes Jahr zum Beispiel, Minischwarm von Orangengröße auf's Auge gedrückt bekommen. Einem weisellosen überalterten Volk aufgesetzt, dass sich zuvor 2 x einer Wiederbeweiselung widersetzt hatte. Normalerweise hätte ich beide aufgelöst.
    Aber der Experimentierdrang und das Gefühl, dass es ja nichts schaden, dafür nur nutzen kann und es nur ein paar Kilogramm Winterfutter kostet haben mich dazu gebracht, das Minischwärmchen dem weisellosen Volk aufzusetzen.


    Und siehe da, das Volk hat erfolgreich überwintert, konnte irgendwie sogar noch ausreichend viele Winterbienen erzeugen, war dann in der Frühtracht voll am Start und hatte einen Honigertrag im oberen Drittel meiner Völker! Wohlgemerkt, Start des Volkes war am 24.09.! Dahin ist noch viel Zeit und viel mehr Chancen, als dass man sich jetzt schon solche Sorgen machen müsste. Die Winterbienen werden ja erst ab jetzt nennenswert angezogen.


    Ich finde, Hobbyimker können es sich sehr wohl leisten, auch mal etwas auszuprobieren, was nicht ganz so wirtschaftlich ist! Solange sie noch Lernbedarf haben, kann ihnen das NUR nutzen!


    Gruß
    hornet

  • ...experimentieren als Anfänger und mit solchen Völkchen rumtüdeln, man lernt viel dabei....


    Find ich nicht so ideal, diese allgemeine Hoffnungsmache und Empfehlung,
    die Bienen lernen nix dabei, die gehen ein und kümmern - und zwar öfter als dass sie zum Frühjahrswunder mutieren.


    Ich denke, wir alle kennen die Gegenbeispiele. Das sind Ausnahmen unter bestimmten Bedingungen oder unter ganz besonderer, gekonnter Fürsorge.
    Sicher, das kommt am Ende nach einem längeren Lernprozess dabei heraus, bis dahin bleiben viele auf der Strecke.
    Nicht jeder muss genau das wiederholen, was zig Imker schon träumten zu verwirklichen, und die Bienen sind die Dummen.


    ...zum Beispiel, Minischwarm von Orangengröße... Einem weisellosen überalterten Volk aufgesetzt...


    Das Beispiel ist von daher unpassend, weil es schon am Start eine Win-Win-Situation für beide Teile war und eine Vereinigung darstellt. Das war dann eben kein echter Schwacher mit ungeahnter Energie. Die gelangten zu fertigem Wabenmaterial und bekamen Volksunterstützung. Die Ergänzung von alten Tanten und der Power eines Kleinschwarmes.


    ...noch ausreichend viele Winterbienen erzeugen


    Das ist der Schlüsselsatz!!


    Wenn das nicht klappt wegen zu geringer Bienenmasse oder wegen zu starkem Varroabefall oder ein paar anderen Faktoren, dann wird das nie was.
    Junge Einheiten brüten länger und intensiver als Vollvölker, sie wissen förmlich, das sie nachholen müssen. Oftmals klappt das dann auch.
    Der Imker sorgt also bitte für: Platz für Brut, Energie durch stete Fütterung in kleinen Portionen und für wenig Milbendruck.


    Laufen lassen bis in den Herbst kann man wirklich viel, aber dann muss man sich gegenüber hart und ehrlich sein und besser vereinigen, was kippelt oder schwach ist.


    Die Winterbienen werden ja erst ab jetzt nennenswert angezogen.


    Nö, die werden schon ab Juli erbrütet, sicher später weiter und verstärkt, und wenn`s halt anders noch nicht ging, dann Hartgas. Trotzdem ist das alles Stress für eine eigentlich zu kleine Einheit. Das sollte man wissen.
    Und dass es Mindestmengen an Überwinterungsgrößen gibt. Daran sollte man sich halten. Besser fette, starke Völker einwintern und davon Ableger machen. Schwach ausgewinterte kommen echt nicht aus dem Knick, benötigen ständig weiter Rumgetüddel und mickern oft trotzdem. Das ist für einen Anfänger sehr frustrierend. Leere Kisten oder Räuberei noch mehr.


    Das Leben ist kein Ponyhof ... :wink::lol:


    Marion,


    die es nicht mehr macht. Nur noch starke Völker oder Reserveeinheiten mit Königin zur Verstärkung im Frühjahr einintert.

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Danke für den Input!


    Varroabehandlung MS/AS - das ist blöd gelaufen, die Schwärme waren ja jetzt nicht so wirklich geplant, MS zwar bestellt, aber noch nicht da, Imkerpate benutzt die nicht (mehr) und schwupps schon ist die brutfreie Phase vorbei.


    Ich nehm jetzt mal mit, dass ich die bis Ende September weiterlaufen lasse, also weiter füttern, nach Bedarf Rähmchen geben und dann nochmal schauen wie die dastehen. Dann frag ich nochmal welche Kö ich leben lassen soll ;-) Das sind bis jetzt alles sehr angenehme Völker, da kann ich bei Gewitter im Anmarsch mit dem Rasenmäher an das Beutengestell rummsen, das ignorieren die komplett.


    Danke
    Marion

    Gärtnerin mit Hang(garten) zur Selbstversorgung, Informatikerin, neugieriges Gscheidhaferl - 123viele.de

  • Hallo,


    ich kann immer wieder nur sagen: Schwache Völker haben oft ungeahnte Energien, ...
    ...
    ...


    Ich finde, Hobbyimker können es sich sehr wohl leisten, auch mal etwas auszuprobieren, ...


    Wahre Worte.


    Natürlich soll es kein Ziel sein, schwache Völker einzuwintern, aber klein heißt nicht schwach und manchmal ergibt sich das einfach und dann staunt man.


    ---


    Ein schönes Beispiel erlebte ich dieses Jahr: Letztes Jahr 1kg-Nachschwarm, ohne Füttern und ohne "Behandlung" auf Naturbau eingeschlagen. Haben die Waben nur zu 3/4 ausgebaut, so daß fluglochfern noch Freiraum war. So haben die 1zargig in Einfachbeute überwintert und in dem Freiraum wohnte eine Spitzmaus. Im Frühjahr war das dann ein Auflösungskandidat. Bei meinem stärksten Volk machte ich Schwarmverhinderung, indem ich alle Brutwaben und Königin entnahm. Dort setzte ich Mittelwände und diese Königin ein. Sie hat sich beim Zeichnen so heftig gewehrt, daß mir Angst und Bange geworden ist, daß sie dabei verletzt werden könnte. Das Volk ist noch jetzt, im August, mein stärkstes.


    Ich überwintere kleine Einheiten ansonsten vorzugsweise in den Honigräumen (HBB) anderer kleiner Einheiten und verschiebe die Entscheidung, wie es damit weitergeht, ins Frühjahr.

  • Ich werde beobachten und berichten!


    Zwei andere ähnlich kleine Schwärme stehen bedeutend besser da, die habe ich allerdings, als bei diesen die Räuberei begann sofort auf einen anderen Stand weggestellt. Daraufhin ist die dann schon sehr kopfstarke Räuberbande (trotz Leerbeuten am alten Standort) auf die anderen losgegangen und hat binnen kürzester Zeit übelst gewütet. Daran knabbern die fraglichen Völker immer noch, die damals shcon großen Völker steckten das besser weg. Die Räuberei hab ich in den Griff bekommen, indem ich die alle in den Keller gepackt habe.


    Gruß
    Marion

    Gärtnerin mit Hang(garten) zur Selbstversorgung, Informatikerin, neugieriges Gscheidhaferl - 123viele.de