Naturbau

  • Hallo Alle,
    nach Diskussionen an anderen Orten und auf Anregung von Jörk K. (http://www.imkerforum.de/showthread.php?t=52269&p=517674#post517674) mache ich diesen Fred mal auf.


    Gleich mit einer Frage:
    Ich habe meine Brutscheune wie vom Kleingartendrohn beschrieben nun am 24.07. als offenen Kunstschwarm eingeschlagen. Da ich auf ZaDant wechseln wollte, habe ich ihn auf eine mit 10 ZaDant-Rähmchen mit Anfangsstreifen voll ausgerüstete Liebig-Holzbeute gesetzt. Darüber Folie mit umgeschlagener Ecke, dann ASG und 2 kg Zucker (1:1). Obendrauf kam 2 Tage später noch eine ausgeschleuderte HR-Zarge eines anderen Volkes zum Auslecken.


    Gestern nun, also 6 Tage nach Bildung, habe ich mal reingesehen, ob die denn auch schön bauen und keinen Murks. Die 2 kg Zucker waren weg (habe erneut 2 kg 1:1 reingestellt), in der ehem. HR-Zarge noch ein wenig Rest.


    Im BR hatten sie in allen Rähmchen begonnen zu bauen und in die ersten, obersten Zellen bereits Nektar/Zucker eingelagert. Die Orientierung des Baus den Rähmchen folgend sieht sehr gut aus. Die Kö habe ich nicht gesehen (auch nicht gesucht), Stifte habe ich auch nicht extra gesucht, da in allen Rähmchen große Bautrupps hingen, die ich nicht abschütteln wollte. Das Volk machte einen ruhigen (beschäftigten :wink:) Eindruck.


    War das so zu erwarten? Ehrlich gesagt hatte ich - mangels Erfahrung - gedacht, sie würden doch irgendwo eine Wabe erstmal etwas weiter ausziehen, um eine Art Nest zu kreieren ...


    Gruß, Jörg

    Eine Fischsuppe aus einem Aquarium zu machen, ist leichter als ein Aquarium aus einer Fischsuppe.

  • Es kommt wohl drauf an.
    Ich habe dieses Jahr 60 Ableger komplett in Naturbau bauen lassen.
    Die Problematik war, dass anfangs erstmal Drohnenbau angelegt wurde. Mittlerweile haben die Bienen aber auch den Drohnenbau in normale Arbeiterinnenzellen umgebaut (Auch wenn behauptet wird sie machen das nicht.)
    Gegeben habe ich Pro Rähmchen einen 0,5 cm breiten Streifen über die die halbe Rähmchenhöhe (von oben angefangen) und zwar Mittig!. Die Zunge einer Natürlichen Wabe fängt auch mittig an und wird dann zu den Seiten hin immer breiter. War ein Experiment, hat aber hervorragend funktioniert. Zugefüttert habe ich nicht, da ich die Ableger sehr früh erstellt habe, deswegen ist bei einem Schwächeren Ableger auch eine Wabe nur zu 80 Prozent ausgebaut.
    Murks gab es in genau einer Kiste. In der habe ich nur 9 statt 10 Rähmchen gegeben, und es wurde eine Art H gebaut, also eine Brücke zwischen die 2 Rähmchen. Schuld ist aber hier ganz klar bei mir zu suchen.

  • Moin zusammen,


    ich war in den letzten Tagen von meinen Naturbauwaben wieder sehr begeistert. Wenn es euch interessiert, dann würde ich mal ein paar Eckpunkte aufschreiben.


    Was gut geht:
    - Schwärme und Kunstschwärme generell auf Anfangsstreifen einschlagen, Beute gut waagerecht ausrichten, ohne Tracht regelmäßig mit dünnem Zuckerwasser füttern, nach ein paar Tagen schieden und langsam erweitern,
    - kleinere Ableger mit Anfangsstreifen erweitern, niemals mittig ins Brutnest, immer rechts/links vom Brutnest, ohne Tracht regelmäßig mit dünnem Zuckerwasser füttern,
    - 7-Wabenbrutnest -> ich denke, dass ein natürliches Brutnest 7 Waben hat, darüber werden meist nur noch große Zellen gebaut,
    - TBE komplett auf Anfangsstreifen, nicht mit MW mischen, gut füttern, evtl. schieden, Randwaben mit großen Zellen akzeptieren oder nach Ausbau Brutnestkern (nach der 7.W.) MW geben,


    Was nicht geht:
    - einfach Anfangsstreifen in größere Völker (>7-Waben) geben,
    - Sirupfütterung bei Wabenausbau,


    Generell finde ich Drohnenecken oder kleinere Drohnenstellen nicht schlimm. Falls es größere Drohnenflächen gibt, dann erweitere ich mit MW und schiebe die großen Zellen-Waben an den Rand (Futterwaben).


    Und vielleicht ist es noch wichtig zu erwähnen, dass ich 10er Dadant, aussermittige kleine Fluglöcher, dünnwandige (18mm) Selbstbaukisten und buckfastlastige Landbienen habe. Und den ganzen Aufwand treibe ich weil bei mir durch die Biolandzertifizierung immer Wachsmangel herrscht. Es darf nur jungfräuliches (Entdeckelungswachs) für neue MW verwendet werden. Ausgeschmolzene alte Brutwaben ergeben Altwachs, was aus dem Betrieb nachweisbar ausgeschleust werden muss...




    Gruß Jörg

  • Danke, Jörg, für erstes Statement.


    Meine Variante war:

    - TBE komplett auf Anfangsstreifen, nicht mit MW mischen, gut füttern, evtl. schieden, Randwaben mit großen Zellen akzeptieren oder nach Ausbau Brutnestkern (nach der 7.W.) MW geben,


    Daher Frage: wovon machst Du abhängig, ob Du schiedest? Mein Volk baut zwar fröhlich, aber auf allen Waben, ohne einen Brutnestkern zu bauen; daher wüsste ich derzeit garnicht, wo ich schieden sollte ... Oder dann einfach 7 Waben drinlassen, Schied setzen, und abwarten?


    Danke für Meinungen, Grüße, Jörg

    Eine Fischsuppe aus einem Aquarium zu machen, ist leichter als ein Aquarium aus einer Fischsuppe.

  • Naja, der Gedanke mit dem Schieden kam mir beim Durchgucken. Manche Völker fangen wirklich an 7...8 Rähmchen parallel an. An dem einen Stand habe ich dann 1 Woche nach der TBE einfach das Schied nach 4...6 Rähmchen reingesteckt. Und die hatten dann eine Woche später den Bereich vor dem Schied größtenteils (vielleicht 3 Rähmchen komplett bis zum UT und den Rest 1/3 bis 1/2 Höhe) sehr gut bis unten ausgebaut. Die am anderen Stand hatten zur gleichen Zeit eher nur 1 Wabe komplett fertig und 1/3 auf 7 weiteren. Mir gefällt es besser, wenn die ersten Waben möglichst flächig fertig gebaut werden.


    Mir fallen gerade noch 2 Punkte dazu ein:
    1. Abhängen nach der TBE - irgendwer hatte mal geschrieben, dass die Völker nach der TBE erst einmal "geschockt" sind und 2...3 Tage apathisch aufgekettet bleiben. Das kann ich bestätigen. In den ersten Tagen passiert sehr wenig. Es könnte sein, dass das freie Aufketten, quasi wie bei einer Schwarmtraube nützlich ist -> das geht im Brutraum mit Anfangsstreifen sehr gut. Vielleicht ist das für den Naturbau wichtig?
    2. Brutnestkern - bei mir ist der zentrale Brutnestkern ziemlich heilig. Der Kern sollte aus besonder guten und vollflächig bebrütbaren Waben bestehen (ca. 4...5 W. bei Dadant). Ich versuche das Brutnest möglichst wenig auseinanderzureißen. Auf den Randwaben (Reizzone) sieht bei kurzen Kontrollen eigentlich mehr als drinnen.


    Gruß Jörg

  • ... einfach das Schied nach 4...6 Rähmchen reingesteckt. Und die hatten dann eine Woche später den Bereich vor dem Schied größtenteils (vielleicht 3 Rähmchen komplett bis zum UT und den Rest 1/3 bis 1/2 Höhe) sehr gut bis unten ausgebaut.


    "einfach reingesteckt"? Hast Du einen Anhalt gehabt, wo die Königin ist? Oder echt einfach reingesteckt und geschaut, was passiert?


    Zitat

    ... das freie Aufketten ... Vielleicht ist das für den Naturbau wichtig?


    Interessante Idee ... ist das ein wesentlicher Aspekt der besonderen Bauaktivität eines Schwarms? Bin gespannt, was die anderen dazu sagen!


    Gruß, Jörg

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  • Ja, die Zusammenfassung vom Günther ist klasse! Das hatte ich gar nicht auf dem Schirm.


    "einfach reingesteckt"? Hast Du einen Anhalt gehabt, wo die Königin ist? Oder echt einfach reingesteckt und geschaut, was passiert?...



    Nö, ohne Kö suchen. Es ist aber offensichtlich, wo das Zentrum ist. Ich schiede einfach die fast nicht besetzten 2...3 Rähmchen am Rand weg.


    Gruß Jörg

  • Hallo Jörg,
    deine "Anleitung" hier kann ich so nur bestätigen! Genau so mache ich es auch und immer wieder finde ich die Befürchtung vor Drohnenbau verteilt überall NICHT bestätigt. Sie haben da ihre "Ordnung", wo die Drohnenbrut hin soll und wer schneiden will, kann auch da das ohne Probleme tun.
    Ich schmelze alle 2-3 Jahre die Honigwaben aus, die sind nämlich bei mir auch Naturbau, die 2/3 - Rähmchen sind gedrahtet, und das Wachs nehme ich ebenfalls dann für neue Anfangsstreifen.

    Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier Einzelner (Mahatma Ghandi)
    Gruß
    holmi

  • ... und das Wachs nehme ich ebenfalls dann für neue Anfangsstreifen.


    Und wie stellst Du die her? Und wie sehen die bei Dir aus?
    Anfangsstreifen sind offenbar nicht gleich Anfangsstreifen ...


    Gruß, Jörg

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  • Ich gieße mit einer Silikonform die Mittelwände und schneide die, noch warm, in Streifen.

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    Gruß
    holmi

  • Hallo Naturbaufreunde,


    wollte hier mal ein kleines Update zu oben beschriebenen offenen Kunstschwarm aus einer Brutscheune (nach Abschluss TBE) geben. Hatte diesen am 24.07. auf Anfangsstreifen 10 x ZaDant im Kaltbau eingeschlagen und seither kontinuierlich mit 1:1 Zuckerwasser gefüttert.


    Hatte mich am Anfang gewundert, dass die nicht an einer Stelle anfangen ein quasi halbkugeliges Wabenwerk zu errichten, sondern an allen 10 Waben gleichmäßig anfingen zu bauen (ich dachte, dann könnte ich - wie Jörg K. vorschlug - nach ca. 7 Tagen ein Schied setzen ...).
    Habe also kein Schied gesetzt (wo auch?) und habe sie machen lassen.


    Heute Kontrolle (14 Tage): weiterhin sehr schöne Bauaktivität an allen (!) Waben. Alle sind jetzt ca. zu 2/3 ausgebaut, nur auf den jeweils beiden äußeren Randwaben mit Drohnen-/Speicherzellen (wie unterscheidet man die eigentlich?). In Richtung Flugloch sind die Waben bereits etwas weiter runtergezogen. Auf den Waben 2-9 findet sich unter einem schmalen Futterkranz ca. eine handbreit verdeckelte Brut, darunter junge Brut und Stifte (die Kö folgte also dem Baustil).


    Ich glaube, dass der Ausbau bisher so gut läuft, dürfte v.a. daran liegen, dass die Brutscheune damals (23.06.) mit insgesamt 24 verdeckelten BWs auf DNM eine ziemlich dicke Kiste ergeben hat. Deren Lebenszeit läuft nun aber ab, so dass sich das immer noch starke Volk schnell reduzieren wird. Mal sehen, was dann passiert.


    Weiterhin neugierig staunende Grüße, Jörg

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  • Ich hole das hier nochmal hoch, nachdem ich in einem anderen Thread zum "Zellmaß im Honigraum" Melanies Bemerkung gelesen habe:

    Meine machen Naturbau im Honigraum und das in der Regel im Drohnenmassstab...wunderbarer Honig und kein Problem mit der Feuchte.


    Ich habe in diesem Jahr 2 Völker auf 10 x ZaDant im Naturbau umgestellt. Nun steht für das kommende Frühjahr an, auch in den HRs Naturbau auszuprobieren. Nun habe ich aber noch keinerlei ausgebaute Rähmchen für die HR-Flachzargen (sondern nur die alten DNM-1,0).


    Wie macht Ihr das? Setzt Ihr einfach eine Flachzarge mit Rähmchen mit Anfangsstreifen auf - und übt Euch dann in Geduld? Andere Tipps?


    Gruß, Jörg

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  • Das funzt leider nicht, denn sie müssen leicht an eine Wabe drankommen, wenn sie hochgehen.Bei dir ist aer bis zum Anfangsstreifen von unten her viel Luft. Deshalb würde ich gleich 2 Flachzargen aufsetzen und 1-2 ausgebaute Waben reinhängen. Dort können sie sich hochhangeln und daneben die Rähmchen ausbauen.
    Ich habe die gleiche Erfahrung gemacht wie Melanie. Kommt vor, dass die Zellen imHR noch größer sind im Durchmesser als die Drohnenzellen. Hat aber keine Nachteile beim Honig.

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    Gruß
    holmi