Sommer-Honig impfen mit Rapshonig

  • Moin Kollegen!
    Wie letztes Jahr wollen wir auch dieses Jahr wieder unseren Sommerhonig mit Frühjahrshonig impfen.
    Als ganz passend haben wir letztes Jahr pro 20-25kg Hobbock 2x 500g Gläser Frühjahrshonig mit in den Sommerhonig gegeben, ihn entsprechend ca. 1 Woche gerührt und dann abgefüllt.
    Das Ergebnis war ein schöner, aromatischer, leicht cremiger Sommerhonig, bei dem die sonst üblichen großen Kristalle gefehlt haben (die dann sost auf der Zunge "knirschen").


    Um dieses Jahr nicht unbedingt Honig zu nehmen, den wir bereits einige Tage gerührt und dann in Gläser gefüllt haben, habe ich einfach eine geschätzte Menge X in einem Eimer ungerührt stehen gelassen, um den dann zum Impfen in den Sommerhonig mit einzurühren.


    Jetzt hat mich meine bessere Hälfte ein wenig verunsichert:
    Der Honig in dem Eimer ist ja zum einen Fest geworden (was ich jetzt erst mal als nicht so schlimm erachte) und er ist ja bereits schon fertig auskristallisiert (was vielleicht schon blöder ist).


    Kann ich den Honig jetzt trotzdem einfach so aus dem Eimer rausschneiden und in den Sommerhonig mit einrühren?
    Werden die Honigklumpen, die ich zum Impfen aus dem stehen gelassenen Eimer herausschneide (vielleicht nehm ich auch einen Eiskugellöffel oder so), vollständig in dem Sommerhonig untergerührt (Doppelpropeller-Rührer)?
    Oder muss ich den stehen gelassenen Honig auftauen, bevor ich ihn unterrühre, um ihn erstens vollständig untergerührt zu bekommen und zweitens die Kristallisation auf Anfang zu setzen?
    Ich bin grundsätzlich kein Fan vom auftauen, denn ich finde, dass ein bereits kristallisierter und wieder aufgetauter Honig nicht mehr so kristallisiert wie beim ersten Mal.
    Zum anderen befürchte ich halt einen negativen Effekt, wenn ich den bereits kristallisierten Honig unterrühre, dass die Kristalle nicht so fein werden wie letztes Jahr (oder sogar noch gröber?).

    Grüße aus HH Andreas


    Man kann sich den ganzen Tag aufregen :evil: ------- Ist aber nicht verpflichtet dazu :cool:

  • Tach Andreas!


    Du hast meines Erachstens mit

    Zitat

    einfach eine geschätzte Menge X in einem Eimer ungerührt stehen gelassen, um den dann zum Impfen in den Sommerhonig mit einzurühren.

    genau den Dreh-, Angel- und zugleich auch Knackpunkt wunderbar erfasst.
    Ich würde vermuten, der einfach ungerührt ungerührt herumstehende Rapshonig im Eimer ist nicht feinkristallin / feinsteif auskrisstallisiert wie du es dir wünschen würdest, sondern als ein grobkristalliner Klotz.
    Ob man da schneiden oder sonstwas überhaupt zielführend und materialschonend tun, ich zweifel`ebenfalls dran.


    Feinskristallinen Impfhonig bekommt man, so glaube ich, nur mit feinkristallin gerührtem Honig hin. Ob der sich dann im Eimer oder im Glase aufhält ist zweitrangig. Wobei natürlich für größere Impfmengen ein Eimer solchen Honigs einfacher zu händeln wäre als die selbe Menge einzeln aus Gläsern zu löffeln / schaben.


    Solltest du den ungerührten, ggfs. grobkristallinen Eimerhonig in den Sommerhonig einrühren und dieser sollte sich tatsächlich und wider Erwarten gleichmäßig darin verteilen ohne das du rührst wie irre, dann wird der Sommerhonig ziemlich sicher auch gröber auskristallisieren als gewünscht. Ob dies mit Rühren positiv zu beeinflussen ist weiß ich nicht.


    Zitat

    muss ich den stehen gelassenen Honig auftauen, bevor ich ihn unterrühre, um ihn erstens vollständig untergerührt zu bekommen und zweitens die Kristallisation auf Anfang zu setzen?


    Ich befürchte ja.


    Zitat

    ich finde, dass ein bereits kristallisierter und wieder aufgetauter Honig nicht mehr so kristallisiert wie beim ersten Mal.


    Dito.


    Zitat

    Zum anderen befürchte ich halt einen negativen Effekt, wenn ich den bereits kristallisierten Honig unterrühre, dass die Kristalle nicht so fein werden wie letztes Jahr (oder sogar noch gröber?).


    Siehe oben.


    Ich würde dir raten, den Honig entweder aufzutauen, mit allen möglichen, unerfreulichen Begleiterscheinungen oder einfach doch feinsteif gerührte Gläser bzw. deren Inhalt zum Animpfen zu nehmen, auch wenn`s mehr Fummel ist.
    Allemale aber besser als sich eine ganze Charge Honigs mehr oder minder wissentlich ungut zu impfen.


    Viel Erfolg und schöne Grüße
    Patrick, ebenfalls sommertrachtanimpfend und -rührend :wink:

    Et kütt wie et kütt und et hätt noch immer jut jejange!

  • Um nicht das Risiko einzugehen, dass der Sommerhonig grobkristallin wird oder der harte Frühtrachthonig sich beim Impfen nicht gleichmäßig verteilen lässt, würde ich folgendermaßen vorgehen, falls Du möglichst wenig von den cremigen Frühtracht-Gläsern opfern willst:
    Eine kleine Teilmenge des Sommertracht-Honigs mit ca. 5% bis 10% cremiger Frühtracht mischen und 2x täglich 5 Min rühren, bis so cremig, dass er sich gerade noch rühren lässt. Diese "Impfstammlösung" (ca. 5% bis 10% der Sommertracht-Gesamtmenge) zum Impfen der "großen" Menge Sommertracht benutzen und 2x täglich rühren, bis gerade noch fließfähig zur Abfüllung. Siehe auch http://www.die-honigmacher.de/kurs3/seite_32603.html .
    Karl

    Etwa 10 Völker auf Dadant an etwa 3 Standorten. "Bienenrasse":roll:: was sich bei Nachbarimkern so bewährt hat.

  • Moin Ihr Zwei!
    Danke für die Info.
    Hab grad noch mal mit meiner Frau beratschlagt, aber wir sind der Meinung, dass wir nicht den Sommerhonig durch schlecht vorbereiteten Impfhonig versauen wollen.
    Daher werden wir den bereits cremig gerührten Frühjahrshonig zum impfen nehmen und den fest gewordenen Honig aus dem Eimer zum backen und kochen nutzen wollen.

    Grüße aus HH Andreas


    Man kann sich den ganzen Tag aufregen :evil: ------- Ist aber nicht verpflichtet dazu :cool:

  • ... den fest gewordenen Honig aus dem Eimer zum backen und kochen nutzen wollen.


    Habt ihr den überhaupt schonmal probiert ? Mein Eimer mit festem Frühlingshonig ist nach 2 Tagen in der Küche so weich, das ich mal einen Löffel Abgekratztes probieren konnte, das ist super cremig. Festgewordenen Honig gleich als Backhonig zu degradieren ist ziemlich schade. Probiert doch erstmal, den so weich zu bekommen, das ihr Ihn mit dem Löffel/Schaber kratzen könnt. Ihr werdet sehen, der ist sicher ok.


    Grüsse, Robert


    PS ich würde mich auch ganz uneigennützig anbieten, dieses Honig einer angemessenen Verwertung zuzuführen [emoji12]


  • ...und den fest gewordenen Honig aus dem Eimer zum backen und kochen nutzen wollen.


    Hallo Andreas,


    ich würde den einfach stehen lassen und auf das vielgerühmte *Weihnachtswunder* warten. Es ist erstaunlich, aber irgendwann wird der härteste Honig cremig weich, wenn man nur lang genug wartet- 1/2 Jahr plus x und der Honig ist streichfähig. Probiert es mal aus!

    'If you don't have a plan, you become part of somebody else's plan.'
    Terence McKenna

  • Ämmmm - Nö, das Weihnachtswunder bezieht sich auf einen gerührten Frühjahrshonig, insbesondere auf den Rapshonig.


    Trotz vorbildlichen Rührens kann er hart werden, das bezieht sich aber auf das feste Gesamtgefüge, nicht auf die Kristallgrößen! Der wird dann nach etlicher Zeit doch noch wieder weich und ist dann cremig (das aber vom vorherigen Rühren!)


    Einfach stehen lassen und nicht rühren: Das ist never ever ein feincremig-schmalziger, schmelzender Impfhonig. Und mit diesem steht und fällt der Erfolg des Impfens: Je feincremiger, desto besser.


    Also: das nächste mal eine passende Menge in einem Gebinde zum Impfen ist praktisch, da man ihn nicht aus zig Gläsern schaufeln muss. aber darin muss er gerührt werden oder gerührter in Großmenge dort hinein abgefüllt werden. Dann ist alles gut :daumen:

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • You're right, Marion- daß der gar nicht gerührt war, habe ich wohl überlesen :oops:... Das Weihnachtswunder bezieht sich natürlich auf bereits gerührten Honig, der trotzdem knochenhart ist (weil extrem niedriger Wassergehalt).

    'If you don't have a plan, you become part of somebody else's plan.'
    Terence McKenna