Milben - verzweifelt gesucht

  • Ich will für einen Imkerkurs ein paar Übungsbeispiele für die Gemülldiagnose erstellen und habe die Varroaeinschübe eingelegt. Es fand sich nach drei Tagen (in allen Völkern zusammen) nur eine einzige Milbe und auch die nur in einem Volk, das gerade brutfrei ist.
    Nun weiß ich, dass wenig Milben fallen, solange die Völker noch gut in Brut sind (und das sind sie bei mir noch) und dass die Gemülldiagnose nur ein vages Ergebnis liefert. Aber so gar kein Milbenfall? Mitte Juli!


    Ich nerve hier wahrscheinlich langsam mit meinen Luxusproblemen, aber ich wage die kühne These, das man mit einer Kombination aus TBE und OS-Bedampfung die Milbe komplett ausrotten kann.
    Ich hatte schon bei der letztjährigen Sommer- und Herbstbehandlung die Sorge, sie habe nicht angeschlagen, weil kaum Milben fielen.
    Nun wird der Einwand kommen, die Milbe in einem Volk auszurotten (wenn es denn wirklich geht) ist ohne Bedeutung, weil es ja immer wieder zu Reinvasionen kommt. Das gilt aber natürlich nur, wenn es andere Völker im Flugkreis gibt (was bei mir nicht der Fall ist).


    Meine eigentliche Frage: Würdet Ihr es riskieren, auf die Sommerbehandlung zu verzichten, wenn so gut wie keine Milben zu finden sind? Könnte man bei so geringem Befall (evtl. sogar dauerhaft) allein mit der Spätherbstbehandlung auskommen?
    Die Frage interessiert mich aktuell, weil es Zeit für die TBE wäre, ich aber noch auf eine Honigernte hoffe.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Habe vergangenes Jahr bei einem Volk etwa 1.7. TBE gemacht und, da später nur geringer Milbenfall, erst im Dez. OS geträufelt, was wohl ausreichte. Habe dieses Jahr am 4.7. TBE bei 3 Völkern gemacht und gestern von zweien noch zusammen 32 kg Sommertracht (wahrscheinl. überwiegend Lindenblüte) geerntet. Ob ich auf Spätsommerbehandlung verzichte, mache ich vom Milbenfall im August/September, evtl. auch Puderzuckerbeprobung, abhängig.
    Karl

    Etwa 10 Völker auf Dadant an etwa 3 Standorten. "Bienenrasse":roll:: was sich bei Nachbarimkern so bewährt hat.


  • Meine eigentliche Frage: Würdet Ihr es riskieren, auf die Sommerbehandlung zu verzichten, wenn so gut wie keine Milben zu finden sind? Könnte man bei so geringem Befall (evtl. sogar dauerhaft) allein mit der Spätherbstbehandlung auskommen?


    Das sind so die Gewissensfragen, die ich schon lange nicht mehr mit einem eindeutigen "ja" oder "nein" beantworte.


    Wenn man den Befall mit Milben ordentlich bestimmt hat, dann kann man sehr wohl die Sommerbehandlung weglassen (weil jede Behandlung auch die Bienen schädigt). Andererseits muß man im August/September sehr genau die Völker beobachten, denn die "Reinvasion" könnte sich in dieser Zeit zeigen (Hier mal suchen unter "Reinvasion von innen").


    Wer die Sommerbehndlung wegläßt, könnte im Frühjahr mit Verlusten von um die 50% der Völker rechnen, wenn er den Milbenbefall der Völker nicht real bestimmt hat.


    PS: Ich habe ein Volk, da sieht man z.z. milbengeschädigte Bienen und Milben auf den Waben ... in den anderen Völker am Stand findet man auch fast keine Milben.

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • Ob ich auf Spätsommerbehandlung verzichte, mache ich vom Milbenfall im August/September, evtl. auch Puderzuckerbeprobung, abhängig.


    Klar geht das und ist super! Bedarfsgerecht behandeln, warum soll man Medikamente einsetzen wenn es nicht sein muss! Du solltest nur sicher sein, dass deine Diagnosemethode funktioniert, ggf. auch mal zwei verschiedene Methoden anwenden und sich nicht auf eine Diagnoseart alleine zu lange verlassen. Gerade bei Brutfreiheit oder im Frühjahr bei starkem Bruteinschlag sind Phasen mit vielen bzw. sehr wenigen Milben über wenige Tage nicht sehr selten, daher empfiehlt die AGT etwa im Frühjahr die Gemülldiagnose über eine Woche und nicht nur drei Tage.


    Falls du erst mal nicht behandelst würde ich kurzfristig - ca. alle 2-3 Wochen nochmal nachschauen um nicht überrascht zu werden und dann im Oktober mit vielen Milben und schlechtem Behandlungswetter dazustehen.


    Erfahrungsgemäß kann man eher auf die Winterbehandlung verzichten als auf die Herbstbehandlung.


  • Erfahrungsgemäß kann man eher auf die Winterbehandlung verzichten als auf die Herbstbehandlung.


    Mit Herbstbehandlung meinte ich Winterbehandlung. Astronomisch gesehen ist ja Anfang Dezember noch Herbst.
    Oder behandelst Du im Herbst (wann?) und Winter?


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Moin Wolfgang,


    ich sehe auch keine Milben... Aber bei der TBE sind mir in manchen Völkern nach dem Bienen-abschütteln einige Krüppelflügel aufgefallen!


    Also: wachsam bleiben!


    Wenn Du Milben suchst, dann müsstest du sie eigentlich am ehesten in weisellosen Brutscheunen finden.


    Gruß Jörg

  • Mit Herbstbehandlung meinte ich Winterbehandlung. Astronomisch gesehen ist ja Anfang Dezember noch Herbst.
    Oder behandelst Du im Herbst (wann?) und Winter?


    Naja, ist dann Weihnachten Spätherbst? ;-) Keiner sagt zur OS-Behandlung im Dezember Herbstbehandlung, das ist bei den Imkern die klassische "Winterbehandlung". Klasisch - und bei entsprechendem Parasitendruck - ist auch die Spätsommer / Herbstbehandlung im Zeitraum nach dem Abschleudern bis in den Herbst, sprich September, bzw. bis AS 60% nicht mehr funktioniert. Ich mache das mit AS Schwammtuch und dann - je nach Milbenabfall - OS im Winter.

  • Hallo Wolfgang


    Das du jetzt kaum Milben findest, ist meiner Meinung völlig normal, die wirst du erst in 3-4 Wochen auf den Bienen finden, wenn die Brutflächen kleiner werden, aber da kann es schon zu spät sein. wenn du deine Überschrift noch Anfang September schreiben kannst, dann könnte man die Winterbehandlung wegfallen lassen. Ich führe sie angepasst für jedes Volk durch. Nach dem Abschleudern, was bei mir Ende Juli stattfindet, werde ich die Völker alle mit OS- Verdampfung oder in der Art behandeln, was sich vergangenes Jahr sehr gut bewährt hat. Besonders gefährdet sind Völker die ohne Unterbrechung durchgebrütet haben. Die Sommerbehandlung, dient eigentlich mehr zur Feststellung des Befalles.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)