Ansteigender Wassergehalt im Honig

  • Ich habe leider wegen etwas voreiliger Ernte der Frühtracht im Honig einen Wassergehalt von 17,2% feststellen müssen. Jetzt hat sich herausgestellt, daß der Wert innerhalb von 4 Wochen bei einer Raumfeuchte von 68% auf die problematische Größe von 18% angestiegen ist, obwohl der Eimer immer fest verschlossen war. Lediglich zum Rühren habe ich ihn zweimal geöffnet. Offensichtlich ist "fest verschlossen" nicht luftdicht verschlossen.


    Um für die Sommertracht besser gerüstet zu sein, überlege ich, einen passenden Raumluftentfeuchter anzuschaffen. Hat jemand Erfahrung mit solchen Geräten? Reicht der Effekt, um den Honig zu schonen?
    Gruß,
    Jürgen

  • Hallo Jürgen,


    wenn Du Honigeimer in Neuqualität hast, dann sind die dicht. Und 68 ist auch nicht sonderlich viel. (Eher wenig)
    Honig muß zum Messen absolut flüssig sein, ohne Kristalle. Und 18 % ist auch kein Problem.
    Wenn Du allerdings verkaufst, dann nicht mehr als 18%.
    Für den Eigengebrauch sind auch 20% kein Problem, wenn er kühl steht und nicht mehrere Jahre halten soll.


    Es kommt immer auf die Menge an, und wie und ob er in Verkehr gebracht wird.


    Gruß
    Ulrich


    Meßungenauigkeiten, bzw Kalibrierung des Refraktometers würden mich schon nicht 100% an die ermittelten Werte glauben lassen.

  • Hallo Ulrich,
    danke für Deine Antwort.
    Den ursprünglichen Wert von 17,2 % hatte ich in der flüssigen Phase, kurz nach dem Schleudern, gemessen. Die 18% habe ich jetzt nach einem Rührvorgang, also während des Kristallisierungsphase gemessen. Ich habe die Kalibrierung des Refraktometers nochmal überprüft und keine Abweichung gefunden.


    Den Honig verkaufe ich im Freundeskreis, und meine, daß ich die 18% riskieren kann, wenn ich nur die rel. kurze Zeit als Überbrückung bis zur Sommertracht einplane. Den Überschuß möchte ich mit dem (hoffentlich) trockenen Sommerhonig mischen.


    Gruß,
    Jürgen

  • Könnte mir auch vorstellen, dass die Differenzen der WG-Messung evtl. auf Messungenauigkeiten beruhen, z. B. auf Grund unterschiedlicher Temperaturen des Refraktometers bei den Messungen. Refraktometer weisen zwar häufig eine Temperaturkompensation auf; ich weiß allerdings nicht, wie genau diese arbeitet.
    Honig mit >18% WG darf zwar nicht im DIB-Glas vermarktet werden, ist nach Honigverordnung aber bis 20% durchaus verkehrsfähig. Selbst habe ich letztes Jahr solchen Honig mit einem Mindesthaltbarkeitsdatum von 6 oder 12 Monaten in Verker gebracht, ohne dass es Probleme/Reklamationen gab. Ein mündlicher Hinweis, dass der Honig nicht viele Monate im Küchenschrank sondern besser im Keller gelagert werden sollte, kann nicht schaden.
    Karl

    Etwa 10 Völker auf Dadant an etwa 3 Standorten. "Bienenrasse":roll:: was sich bei Nachbarimkern so bewährt hat.

  • Der Honig muss zur Messung absolut flüssig sein, sonst zeigt das Refraktometer einen zu hohen Wert an! Zur Verflüssigung kannst du eine kleine Menge Honig entnehmen, möglichst in einem verschlossenen Gefäß (damit kein Wasser verloren geht) 5 Stunden auf 50 Grad erwärmen, danach abkühlen lassen. Dann hast du eine valide Messung.

  • Das werde ich ausprobieren. Selbst wenn der Ursprungswert nicht erreicht wird, aber unter 18% liegt, bin ich mit meiner Frühtracht zufrieden.
    Danke für die Tipps.

  • Hallo,


    ... Messung des Wassergehalt ....

    Dann hast du eine valide Messung.


    Um valide zu sein, solltest Du bei einem Honigeimer aber auch nach der
    DIN 10742 "Untersuchung von Honig - Leitfaden zur Probennahme" vorgehen.
    Annähernd dürfte hier sicher ausreichen.


    GdBK

    Aus der Übertreibung der Warnungen,
    ist die Unterschätzung der Realität geworden.

  • wenn Du Honigeimer in Neuqualität hast, dann sind die dicht.


    Das stimmt leider nicht.


    Zumindest Hobbocks gibt es mit wasserdichtem Deckel und es gibt "normale" Deckel. Den normalen Deckel erkennt man daran, dass man beim Draufdrücken hört, wie die Luft entweicht und beim Loslassen wird die Luft wieder eingesaugt. Das passiert beim wasserdichten nicht.


    AFAIR ist der wasserdichte Deckel mit einem "W" gekennzeichnet.


    Zitat

    Honig muß zum Messen absolut flüssig sein, ohne Kristalle.


    ... und gerührt. Laut DIN mindestens 3 Minuten.


    Da Zucker schwerer ist als Wasser, bildet sich unten eine Schicht "trockener" und oben eine Schicht "feuchterer" Honig.


    Zitat

    Für den Eigengebrauch sind auch 20% kein Problem


    Für den Verkauf auch nicht, mit entsprechend kurzem MHD :eek:

  • Ich habe gerade heute festgestellt, dass mein ATC-Refraktometer für ca. 50€ deutlich temperaturabhängig ist. Nach dem Abspülen mit warmem Wasser und neuer Beprobung zeigte es 18,3%, nach 15min bei 25°C ca. 18,0% an, nach 5min Kühlschrank 17,3% und nach weiterer Lagerung für 15min bei 25°C 17,6%. Es scheint also wichtig zu sein, in der Nähe der Kalibriertemperatur (20°C) zu messen oder eine Temperaturkurve für die Korrektur auf 20°C aufzunehmen.
    Vielleicht gibt es auch höherwertige Refraktometer, die besser kompensiert sind.


    Gruß Ralph

  • Jetzt habe ich das Refraktometer für eine Nacht bei 21°C beim zu messenden Honig gelagert, dann die Probe aufgestrichen. Ergebnis: 17,3%. Wie man sieht, muss man lange warten, um hinreichende Genauigkeit zu erzielen und man sollte in der Nähe von 20°C messen.


    Gruß Ralph

  • Jetzt habe ich das Refraktometer für eine Nacht bei 21°C beim zu messenden Honig gelagert, dann die Probe aufgestrichen. Ergebnis: 17,3%. Wie man sieht, muss man lange warten, um hinreichende Genauigkeit zu erzielen und man sollte in der Nähe von 20°C messen.


    Woher weisst Du, dass 17.3 der richtige Wert ist?


    Den gleichen Wert hattest Du nach dem Kühlschrank...

  • Hallo joew,
    ich bin jetzt etwas irritiert. Wenn der Honig absolut flüssig sein soll, ohne Kristalle, ist "gerührt" nicht praxisnah. Wer rührt denn schon, wenn es noch keine Anzeichen von Kristallisierung gibt, also nur um den trockenen und feuchten Teil umzuschichten.


    Ich habe jetzt abgefüllt und ein MHD von 18 Monaten eingesetzt, in der Erwartung, daß der Honig ohnehin innerhalb der nächsten 8-10 Monate verbraucht wird.


    Die DIN 10742 hat in der Praxis für die Feststellung, ob der Honig reif ist, keine Bedeutung. Es ist doch so, das entweder nur eine Spritzprobe gemacht wird, oder, wenn man es genauer wissen will, am Volk eine oder 2 Honigwaben angestochen und mit dem Refraktometer geprüft werden.
    Unmittelbar nach dem Schleudern gibt es keine unterschiedlichen Schichten, und der Durchschnittswert der geschleuderten Waben ergibt einen hinreichend genauen Wert. Mein Fehler war eine überflüssige Messung während der Kristallisation.


    Dennoch fürchte ich, das die Eimer nicht dicht genug sind und deshalb betraf meine Frage das Problem der Umgebungsluft.


    Leider hat sich noch niemand gemeldet, der Erfahrungen mit einem Luftentfeuchter hat.
    Gruß, Jürgen

  • An den Versuchen von Kleingartendrohn und Joews Frage "woher weißt Du, ob die 17,3 % richtig sind", zeigt sich die ganze Problematik.
    Welcher Wert gilt denn beim Verkauf?
    Die einzige Lösung ist wahrscheinlich ein deutlich unter 18% oder noch besser unter 17% liegender Wert, damit man sich solche Fragen verkneifen kann.


  • Dennoch fürchte ich, das die Eimer nicht dicht genug sind und deshalb betraf meine Frage das Problem der Umgebungsluft.


    Leider hat sich noch niemand gemeldet, der Erfahrungen mit einem Luftentfeuchter hat.
    Gruß, Jürgen


    Wenn du die Eimer richtig dicht haben möchtest, musst du die Eimer mit Frischhaltefolie verschließen und dann den Deckel drauf machen.
    68% Luftfteuchte ist IMHO schon ganz schön viel. Ich bemühe mich um die 40-45% zu haben, beim Schleudern noch weniger.


    Gruß
    Reiner

    42

    ganz sicher

    nur nicht beim bee-space