Amtstierärztliche Aussagen: Hyperthermie als alleinige Methode zur Varroabekämpfung

  • Hallo,


    sorry, das Titelfeld war nicht lang genug.


    Es soll gehen um:
    "Amtstierärztliche und sonstige Aussagen über Hyperthermie als nicht allein geeignete Mehthode zur Varroabekämpfung (in Deutschland)".


    An verschiedenen Stellen im Netz wird betont, dass Hyperthermie (mit welchem Gerät auch immer) "nicht zugelassen ist" als alleinige Methode gegen die Varroa.


    Ich möchte nun meine Betriebsweise vorstellen, wie ich damit leben kann.


    Die Voraussetzungen:
    a.) Ich will kein Gift in meinen Völkern.
    b.) Ich will keinen Ärger mit dem Vet.
    c.) Ich will keine Varroen.
    Ich habe eine Bienensauna (oder sonst ein geeignetes Gerät).


    Die Betriebsweise:
    1.) Ich beginne zwei Wochen bevor der Rest der Welt Varroen zählt, mindestens 2x im Jahr:
    2.) Ich zähle Varroen und trage das in die Stockkarte ein.
    3a.) Wenn eine Behandlung mit Chemie nach dem ermittelten Befall notwendig wäre, behandle ich mit der Bienensauna (und trage das in die Stockkarte ein!). Ich warte den erhöhten Milbenfall ab, putze die Windel. Weiter bei 2.)
    3b.) Wenn eine Behandlung mit Chemie nach dem ermittelten Befall nicht notwendig wäre, notiere ich das in der Stockkarte. a) bis c) erfüllt.
    4.) Wenn eine Hyperthermie-Behandlung ansteht wegen der Regel "Mindestens 2x im Jahr", behandle ich mit der Bienensauna trotzdem (und trage das in die Stockkarte ein!). (Ende).


    Da bei der ersten Hyperthermie-Behandlung die Milben stets bis unter den Grenzwert rausgeschmissen werden, wird "mit Chemie behandeln" niemals erreicht.
    Wenn die Sauna irgendwie nicht funktioniert haben sollte (kaputt, Fehlbedienung, extrem niedrige Außentemperaturen lassen die Solltemperatur nicht erreichen, Stromausfall, Sabotage, sonstiges ähnlich Unwahrscheinliches), würde ich das durch die Zählung danach merken, und könnte notfalls doch noch rechtzeitig mit Chemie behandeln.


    Fazit:
    Da die Behandlung mit Chemie optional ist, und nur durchgeführt werden muss, wenn Milben in gewisser Menge nachweisbar sind, ist eine alleinige Behandlung mit Hyperthermie sehr wohl möglich.


    Es ist also meiner Meinung nach unsinnig, zu formulieren: "Ist als alleinige Methode nicht zugelassen"
    Man kann das zwar machen, weil noch keine vernünftige Studie durchgeführt wurde.
    Aber solange Hyperthermie nicht verboten ist, kann man sie benutzen. Offensichtlich auch alleinig.


    Meinungen, Hinweise, Verbesserungsvorschläge?
    Ich denke, so kann ich jedem Amtstierarzt gegenüber ein wohlorganisiertes Vorgehen nachweisen.


    Gruß
    Bärentatze

  • Das Problem stellt sich doch ohnehin nicht, wenn die Saunabehandlung funktioniert:
    Die Bienenseuchen-Verordnung sieht eine Behandlungspflicht nur für den Fal vor, dass "ein Bienenstand mit Varroamilben befallen" ist.
    Da ja nun jeder Stand befallen ist, kann es nur auf den Befallsgrad ankommen.
    Es wäre also nur Folgendes denkbar: Dein Bienenstand wird so sehr zur Varroenschleuder, dass die Behandung behördlich angeordnet wird.
    Aber ist das in der Praxis irgendwo schon mal passiert?


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • In den genannten Links geht es aber teilweise um AFB und um "Allgemeinverfügungen", also um nicht mehr als das, was die Bienenseuchen-Verordnung ohnehin vorschreibt.
    Was ich meinte war, dass ein einzelner Bienenhalter konkrete Behandlungsauflagen erhält.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)


  • Was ich meinte war, dass ein einzelner Bienenhalter konkrete Behandlungsauflagen erhält.


    Sinn und Vereinfachungseffekt einer Allgemeinverfügung ist ja gerade, daß sie allgemein für den gesamten Adressatenkreis (hier: Bienenhalter eines bestimmten Verwaltungsgebietes) gilt - ohne daß sie an jeden einzelnen noch einmal adressiert/versendet/zugestellt werden muß. Auch wenn ein einzelner Imker aus dem Geltungsgebiet der Allgemeinverfügung diese nicht gelesen hat bzw. gar nichts weiß von der Allgemeinverfügung, unterliegt er trotzdem der verfügten Behandlungspflicht. Die ist freilich in den jeweiligen Allgemeinverfügungen jeweils recht unterschiedlich ausgestaltet. In ganz Thüringen wurde z.B. jeder Imker beauflagt, "ausschließlich mit zugelassenen TAM" seiner Behandlungspflicht innerhalb der verfügten Frist nachzukommen. Es gibt Juristen, die eine solch weitgehende Beauflagung für unwirksam halten, weil sie über die gesetzliche Ermächtigungsgrundlage (BienSeuchVO) hinausgeht. Das weiß das Thür. Landesverwaltungsamt auch und verfährt trotzdem so. Die unterschiedlichen Auffassungen dazu können dann im Konfliktfall wohl nur von einem Gericht entschieden werden. Ob Jemand das will, hängt wohl u.a. vom Naturell des Strafenden wie des Bestraften ab...


  • Es soll gehen um:
    "Amtstierärztliche und sonstige Aussagen über Hyperthermie als nicht allein geeignete Mehthode zur Varroabekämpfung (in Deutschland)".


    An verschiedenen Stellen im Netz wird betont, dass Hyperthermie (mit welchem Gerät auch immer) "nicht zugelassen ist" als alleinige Methode gegen die Varroa.


    Wer sagt denn das? Es geht doch bei der "nicht zugelassenen" Behandlung vor allem um Zeug, das du in die Beute kippst und ggf. den Honig belastet. Wenn deine Varroen unproblemaitsch sind wird kein Amtstierarzt was sagen und ich habe auch noch nie gehört, dass irgendwer den natürlichen Milbenfall o.ä. irgendjemand nachweisen müsste. Ich habe auch noch nicht gehört, dass jemand zur Varroa-Behandlung amtstierärztlich gezwingen wurde (auch wenn das bei manchen "KollegInnen" wünschenswert wäre).


    "Nicht zugelassen" ist ein Problem der OS-Bedampfung, der technischen AS, nicht in Deutschland zugelassenen Mitteln. Nicht aber bei biotechnischen Methoden.

  • Hallo Remstalimker,


    Im September 2015 gab es noch eine Ameisensäurebehandlung bei meinen Völkern.
    Ich hab mich total geekelt.
    Seit dem sind keine Chemikalien mehr eingebracht worden (außer Wasser / Zuckerwasser).


    Ich habe bisher 2x mit der Sauna behandelt.


    Anfangs hatte ich Probleme mit dem Auszählen, ich habe die Unterlege-Zeiten nicht genau genug dokumentiert,
    um nachher verlässliche Zählungsergebnisse zu haben.


    Bei der anstehenden Behandlung werde ich gewissenhafter dokumentieren, ich mache auch Fotos.
    Es soll ja eine belastbare Aussage dabei heraus kommen. Kritiker gibt's genug.


    Hey, ich habe einen Bekannten in Weingarten. Wenn ich mal in der Nähe bin, melde ich mich ^^


    Gruß
    Bärentatze

  • Juristisch kommt es darauf an, wie stringent die Behandlungspflicht verfügt wurde -> regional unterschiedlich.
    Biotechnische Methoden sind naturgemäß einer arzneimittelrechtlichen Zulassung gar nicht zugänglich, können also gar nicht nach AMG "zugelassen" sein. Ob und wann der Amtsvet. gegen welche Sorte von "Nicht-(mit TAM-)-Behandlern" einschreitet, muß und wird er jeweils nach Einzelfall entscheiden und dabei - so hoffe ich - zwischen Geizhälsen, Schlampersäcken, Beschaffern illegaler TAM bis hin zu notorischen Nichtbehandlern einerseits und Jüngern anerkannter, wissenschaftlich basierter biotechnischer varroadezimierender biotechnischer Verfahren zu unterscheiden wissen.


    p.s.: Für Toleranzzüchter gibt es in den Allgemeinverfügungen jeweils ein geregeltes Ausnahmegenehmigungsverfahren.

  • Hallo,


    an die Juristen unter uns:
    Im Link http://www.thueringertierseuch…/BienSeuchV_v20150603.pdf (das ist der von weiter oben aus Thüringen),
    steht die Formulierung:


    "Für die Behandlung dürfen ausschließlich dafür zugelassene Arzneimittel eingesetzt werden."


    Bedeutet das, dass damit der "Einsatz von Arzneimitteln" vorgeschrieben wird?
    Oder bedeutet das, dass "Wenn Arzneimittel eingesetzt werden, nur dafür zugelassene eingesetzt werden dürfen"?


    Diese "dürfen" Formulierung sollte doch gängiges Juristendeutsch sein, oder?


    Ich finde das ganze doch sehr beängstigend, da es sich nicht auf Honigbienen beschränkt, sondern von "gehaltenen Bienenvölkern" spricht, was ja auch gehaltene Hummelvölker einschließen würde ?!


    Ist der Verbraucherschutz überhaupt zuständig?


    Was gilt, wenn die in der Verfügung getätigte Annahme der Brutfreiheit im November nicht eintritt?
    Gilt dann der Termin der nächsten Brutfreiheit, oder der nächste November? Oder gar nichts? (Der nächste November kann es nicht sein, da die Verfügung am 31.12. auslief).


    Das klingt für mich alles wie mit der heißen Nadel von einem Nicht-Imker formuliert.


    Aber zum Glück steht auch das Schlupfloch drin.
    Ich beginne dann mal ab heute vorsichtshalber eine Varroa-Resistenz-Zucht, damit ich gewappnet bin, falls man in Niedersachsen was ähnliches verfügt.
    Ihr seid mein Zeuge!


    Gruß
    Bärentatze.

  • ...mit der heißen Nadel von einem Nicht-Imker formuliert...
    Schlupfloch Varroa-Resistenz-Zucht,... falls man in Niedersachsen was ähnliches verfügt.


    1. Die verantwortliche Referentin ist selbst langjährige Imkerin und hatte wohl die allfälligen Klagen über Reinvasion aus nichtbehandelten Nachbarbeuten satt...
    2. Zum Schlupfloch kommt man nur über einen entsprechenden (Einzel-)Bescheid, der förmlich und rechtzeitig vor Fristende beantragt werden muß. Unsere Zeugenschaft nützt da gar nichts. In Nds. bzw. seinem Landkreis oder Kommune muß jeder Imker selber danach suchen, ob die BienSeuchVO auch für ihn bspw. per Allgemeinverfügung konkretisiert wurde. Da kommt es jeweils auf den genauen Wortlaut an.


    p.s.: @ Bärentatze: In den Augen kritischer Juristen bringst Du es auf den Punkt: Die BienSeuchVO läßt höchstens eine Auslegung zu, die Deiner Formulierung entspricht: Wenn TAM eingesetzt werden, dann nur dafür zugelassene. Weitergehende Verfügungen wären nicht mehr von der BienSeuchVO gedeckt, also unwirksam.

  • Meine Methode wäre also konform :-)


    Bezogen auf Thür.: Wenn Du auf einen kritischen Juristen träfest. Es gibt aber genauso die strengere Auslegung in Richtung TAM-Benutzungspflicht. Ich bin zwar nicht Toyotafan, aber ich finde es schon eigenartig, daß zu einem relativ einheitlichen Zeitpunkt in vielen Regionen plötzlich Allgemeinverfügungen auftauchen mit auffallend ähnlichen Formulierungen, die von interessierten Kreisen als TAM-Benutzungspflicht gelesen werden. Mglw. hat da ein Pharmareferent Formulierungshilfe geleistet...
    Ob es in Deiner Region Allgemeinverfügungen zur BienSeuchVO gibt und wie diese formuliert sind, mußt Du selbst herausfinden.

  • Zeig mir mal die Vorschrift, die verbietet, seine Bienenvölker mehrmals im Jahr etwa zu erwärmen. Und eine Behandlungspflicht jenseits von Notlagen gibt es bei der Varroa nicht.
    Also wird entweder Deine Sauna funktionieren. Oder irgendwann wieder klassisch behandelt.

    Viele Grüße
    Marcus


    Beekeeping is not about honey. It’s not about money. It’s about survival.
    "Regional gehört die Zukunft." H. Lichter