Alternatie Reinigung von Beuten und Rähmchen

  • Hallo zusammen
     
    Ich möchte gerne einen neuen Anlauf nehmen zum Thema Reinigung der Rähmchen und Beuten.
     
    Das empfohlene und zuverlässigste und auch durch meinen Imkerlehrer beigebrachte Verfahren ist das Reinigen mit Natronlauge. Da dies aber eine ziemliche Sauerei gibt, bin ich nicht so begeistert davon. Rähmchen verbrennen find ich irgendwie auch nicht so toll...
     
    Nundenn, ab auf die Suche nach neuen Möglichkeiten. Die Erste frage die sich dabei stellt ist: Von was müssen denn die Rähmchen und Beuten überhaupt gereinigt werden? Müssen Sie nur desinfisziert oder gar sterilisert werden?
     
    Hierzu ein bisschen Theorie die ich mir zusammengegoogelt habe:
     
    "Technisch unterscheidet man zwischen Desinfektion und Sterilisation. Von Desinfektion spricht man bei einer Keimreduktion in einem bestimmten Testverfahren mit bestimmten Prüfkörpern um einen Faktor von mindestens 10−5, das heißt, dass von ursprünglich 1.000.000 vermehrungsfähigen Keimen (sogenannten koloniebildende Einheiten (KbE)) nicht mehr als 10 überleben (Ausnahme: Wäschedesinfektionsverfahren: Keimreduktion um einen Faktor von mindestens 10−7). Bei der Sterilisation dürfen höchstens 10−6 KbE auf einer Einheit des Sterilisierguts enthalten sein, damit ist gemeint, dass auf einer Million gleich behandelter Einheiten maximal eine KbE vorhanden ist. Die Sterilisation ist also wesentlich effektiver als die Desinfektion." (Quelle, 1)
     
    Wikipedia unterscheidet zwischen 6 Resistenzstufen (Quelle, 2):
    1. Pathogene Streptokokken, Listerien, Polioviren
    2. die meisten vegetativen Bakterien, Hefen, Schimmelpilze, alle Viren außer Hepatitis-B
    3. Hepatitis-B-Viren, die meisten Pilzsporen
    4. Bacillus-anthracis-Sporen
    5. Bacillus-stearothermophilus-Sporen
    6. Prionen
     
    Nun zurück zur Frage. Um herauszufinden welche alternative Verfahren angewandt werden könnten, muss man wissen, bis zu welchem Grad die Rähmchen und Beuten gereinigt werden müssen.
     
    Die weit verbreitete Praxis Natronlauge zu verwenden, sugerriert, dass die Reinigung bis und mit Resistenzstufe 6 erfolgen muss (meine persönliche Schlussfolgerung). Für Reinigung der vorhergehenden Stufen würden weniger intensive Techniken reichen.
     
    Zum Thema Reinigung von Prionen (Stufe 6):
    "Lediglich die Sterilisation mit gesättigtem Wasserdampf bei hoher Temperatur sowie gewisse starke Alkalien (z.B. Natronlauge) und Oxidationsmittel (z.B. Natrium-Hypochlorit) können eine vollständige Inaktivierung der TSE-Erreger bewirken, indem sie die Proteinstruktur zerstören." (Quelle, 3)
     
    Wiederum wird im Buch "Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie" nur zwischen 4 unterschiedlichen Resistenzstufen unterschieden, wobei die 4te "in der Medizin keine Bedeutung hat". Wenn die 4te Stufe nicht einmal in der Medizin Relevanz hat, müssen wir sie denn beim Imkern überhaupt beachten? (Quelle, 4)
     
    Wie ihr seht bin ich kein Arzt und auch kein Wissenschaftler und auch noch nicht seit langem Imker.
     
    Wäre super wenn jemand dazu mehr zu sagen oder schreiben weiss.
     
    Grüsse, delijah
     
    --
    Quellenangaben:
    1. https://de.wikipedia.org/wiki/Desinfektion
    2. https://de.wikipedia.org/wiki/Sterilisation#Erhitzen_im_feuchten_Zustand...
    3. http://www.prionforschung.de/html/archiv_entry.php?id=it24
    4. https://books.google.ch/books?id=yPWoBgAAQBAJ, Seite 370-371

  • Hallo,


    ich finde Deinen Ansatz interessant.


    Allerdings beziehen sich die von Dir gelisteten Stufen auf menschliche Keime.
    Ich denke aber, dass die Liste für Bienen-Keime aufgestellt werden müsste.


    Also HIV raus aus der Liste, Nosema rein usw.


    Vielleicht kann ein Tierarzt dazu was sagen?


    Gruß
    Bärentatze

  • Hallo Bärentatze


    Danke für Deinen Beitrag.


    Ja da hast Du recht, danke Dir für den Hinweis!


    Ich warte mal ab ob es hier noch den einen oder anderen Spezialisten gibt, ansonsten finde ich den Vorschlag mit dem Tierarzt super.


    Grüsse, delijah

  • Es geht bei der Natronlauge in dem Fall mehr um die Reinigungswirkung. Das sterilisieren mit Dampf von ungereinigten Materialien macht keinen Sinn. Also wenn du Steril arbeiten willst was schwachsinnige ist musst du die mehr Gedanke über das Reinigungsverfahren machen als über die Sterilisation denn Dreck kann man nicht sterilisieren.
    Selbst in der Medizin wird zwischen kritisch und unkritisch unterschieden und dem entsprechend nur desinfiziert oder eben sterilisiert. Wenn du AFB hast klar sterilisieren aber das ist ja nicht bei jedem normalen Fall nötig.


    Gruß
    Sascha

  • Zitat


    Rähmchen verbrennen find ich irgendwie auch nicht so toll...


    Warum nicht? Das gibt ein wunderschönes Lagerfeuer in lauer Sommernacht! ;-)
    Ich sortiere jedes Jahr ungefähr 100, klapprige oder von der Motte angenagte, Rähmchen aus. Auch zu verbogene Rähmchen werden zu Asche.


    Das Einlöten in neue geht auch 100% flotter von der Hand!


    Meine Styroporzargen (-beuten) würde ich nur im Seuchenfall mit Natron in Verbindung bringen. Solange die Völker gesund sind machen die das ganz allein mit Propolis.


    Steffen Winde

    Mit freundlichen Grüßen


    Steffen Winde

  • Hallo Saschaa


    Danke Dir für Deine Ausführungen.


    Du hast das schon richtig erkannt, die Idee geht in Richtung Sterilisation mit heissem nassen oder trockenem Dampf.
    Ich muss zugeben ich habe noch keine praktische Erfahrung im Ausschmelzen oder Reinigen von Rähmchen. Jedoch habe ich mir gedacht, dass bei Temperaturen um die 200 Grad Celsius (trockener Dampf) die Waben in ihre Einzelteile zerfallen. D.h. der Wachs fliesst ab und die anderen Bestandteile fallen vom Rähmchen ab oder verglühen u.U. bereits? Somit hätte eine solche Behandlung bis zu einem gewissen Grad auch eine reinigende Wirkung nicht?
    Falls es noch kleine Rückstände gäbe, wären auch diese Sterilisiert bei entsprechender Behandlung. Ein paar wenige Rückstände würden mich aber nicht stören und die Bienen wohl auch nicht.


    Grüsse, delijah

  • Die alternative Reinigung von Beuten und Rähmchen findet händisch mit einem geeigneten Stockmeißel und dem Kartoffelschälmesser statt. Bislang hat mir das gereicht!:wink:
    Mit imkerlichem Gruß ...Ralf


    :daumen:


    Und wenn das nicht reicht, weil AFB-belastet, dann würde ich solche Rähmchen auch eher der thermischen Verwertung zuführen, als mit Natronlauge rumzumachen.
    Holzbeuten flamme ich immer aus, wenn sie mal wieder leer sind.

    Gruß Michi ☮ ------------- Spezialisierung ist was für Insekten! :-D

  • Die Erste frage die sich dabei stellt ist: Von was müssen denn die Rähmchen und Beuten überhaupt gereinigt werden? Müssen Sie nur desinfisziert oder gar sterilisert werden?


    Das ist genau die Frage. Wenn sie sauber sein müssen, also alle Propolis-und Wachsreste unbedingt runter sollen, tut es eine (alte) Spülmaschine mit Natronlauge für die Rähmchen und ausflämmen/abkratzen bei den Beuten. Die Bienen lassen da aber deutlich mehr durchgehen als der moderne Sagrotanimker. Für die Fraktion, die auch bei einem Schnupfen Antibiotika nimmt, bleiben natürlich nur Outbreak-Szenarien und 'Alles-so behandeln-als-sei-es-faulbrutverseucht'.


    Amüsierte Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Wir flämmen die leergefallenen Kisten schwarz aus, und kratzen mit ner Messingbürste nach, um den Ruß loszuwerden.
    Geht erheblich schneller, als das Getöse mit der Natronlauge, und schont das Material.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen