Richtige Verarbeitung Rapshonig

  • Nun habe ich mir modernes Equipment angeschafft und ich bin mit der Honigkonsistenz nicht zufrieden.


    Werdegang:
    1. Rapshonig geschleudert und in Hobbocks stehen gelassen. (war natürlich knochenhart mittlerweile )
    2. Bei ca. 40 Grad im Wärmeschrank aufgetaut
    3. Aufgetauten Honig durch das Melitherm gejagt inkl. Seihtuch
    4. einen Tag später den noch flüssigen Honig mit 500g feinsten cremigen Rapshonig vom befreundeten Imker geimpft
    5. gerührt mit Rührmeister mind. 10 min. und das 2 Tage in Folge


    Nach einer Kostprobe musste ich feststellen, dass der Honig geschmacklich auf der Zunge eine "sandige" Konsistenz aufweisst.
    Habe gehofft den Honig so zu bekommen das Kristalle nicht mehr fühlbar sind.
    Wollte den Honig am nächsten Tag noch einmal rühren und dann abfüllen.


    Wo kann ich denn einen Fehler gemacht haben ?
    Ich bin irgendwie mit dem Gesamtergebnis unzufrieden trotz "tollster" Gerätschaften.


    Bin über jeden Tipp dankbar.


    Vg.
    Enno

  • Du hast "zu selten" gerührt und damit die Kristallisation nicht ausreichend "gestört". Daher haben sich auch gröbere Kristalle (Sand) gebildet.


    Lösung: 3 x am Tag (1x früh, 1x Mittag, 1 x Abend) für 5 Minuten rühren und das so oft wiederholen bis der Honig cremig ist. Natürlich vorher nochmals durch den Wärmeschrank + Melitherm + impfen. Wobei auch 100g zu impfen genügen.


    VG Martin

  • Das ist ja gerade die Gradwanderung welche ich beschreite, die richtigen Zyklen zu finden.
    Für einen tagsüber arbeitenden Freizeitimker ist es natürlich schwierig 3x am Tag zu rühren.


    Frage ist ab wann man nach dem Meliterhm impfen und rühren sollte. ( in Stunden )
    Die von mir bereits angewendete Methode hat mir so ein ein Berufsimker empfohlen welcher auch mit dem Melitherm arbeitet.


    Also muss der "sandige" Honig erneut durch das Melitherm ?

  • Nehm daß mit früh/mittag/abend nicht so wörtlich, mach halt früh/nach der Arbeit/vor dem Bett gehen.
    Impfen? So das der cremige Impfhonig sich nicht spurlos "flüssig macht". Wenn der Honig auf ca. 30° C abgekühlt ist paßt das.
    Der sandige Honig muß nochmal durch den Wärmeschrank, sonst lösen sich die groben Kristalle nicht auf.

  • Zum besseren Verständnis - Kristallbildung wird durch Zeit und Temperatur geregelt. Je länger Zeit zwischen den einzelnen Rührvorgängen ist, desto gröber die Kristalle.
    Daher um so häufiger man rührt, desto feiner die Kristalle. Und nicht zu lange rühren, das ist auch nicht so toll. Der Honig soll halt 1x komplett gerührt sein.

  • Das beste Equipment ersetzt nicht sauberes Handwerk: Man muss den Honig nicht erst fest werden lassen und auftauen. Wenn er nach dem Schleudern gerührt wird (zwei Mal am Tag genügt) und abgefüllt wird, wenn er gerade noch flüssig genug dafür ist, gibt das einen zwar steifen Honig, aber mit einer Textur wie Butter.
    Geschmacklich ist das auch besser.
    Das Auftauen machen den Honig weicher und es es gibt keinen ausblühenden Zucker - aber für den optimalen Geschmack ist jeder Arbeitsschritt einer zuviel.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Moin zusammen!


    Ich bin voll und ganz bei Wolfgang:

    Zitat

    Man muss den Honig nicht erst fest werden lassen und auftauen. Wenn er nach dem Schleudern gerührt wird (zwei Mal am Tag genügt) und abgefüllt wird, wenn er gerade noch flüssig genug dafür ist, gibt das einen zwar steifen Honig, aber mit einer Textur wie Butter.


    Das ist auch dem berufstätigen Imker möglich, wenn auch mit zeitweisen Abstrichen bei anderen Sachen des alltäglichen Lebens - weil der Honig MUSS dann zeitnahest ins Glas.
    Doch bin ich der Überzeugung, dass nur so Rapshonig bester Güte und optimaler Konsistenz und Textur zu erreichen ist.


    Schöne Grüße und viel Erfolg!
    Patrick

    Et kütt wie et kütt und et hätt noch immer jut jejange!


  • Das ist auch dem berufstätigen Imker möglich, wenn auch mit zeitweisen Abstrichen bei anderen Sachen des alltäglichen Lebens - weil der Honig MUSS dann zeitnahest ins Glas.
    Doch bin ich der Überzeugung, dass nur so Rapshonig bester Güte und optimaler Konsistenz und Textur zu erreichen ist.


    ...- aber für den optimalen Geschmack ist jeder Arbeitsschritt einer zuviel.


    Wolfgang


    :daumen: genau! Ich bin auch eine von diesen "Auftaugegnern" ...da muss dann mal ne Nachtschicht eingelegt werden...bevor ihr dann einschlaft schon mal Etiketten aufkleben, während sich der Honig ins Glas faltet:cool:


    Mir persönlich ist es lieber, wenn der Honig etwas fester ist, als diese überrührte und gewärmte Schlicke...
    Mein nahezu reiner Raps wird 2x am Tag gerührt (sofern ichs nicht vergesse) und zwar nur so lang, bis ich denke, er ist einmal durchbewegt worden. Und wird sofort abgefüllt. Konsistenz wie Nutella.
    Blütenbildung kann man dem Kunden erklären, und das Aroma überzeugt.


    Steht zur natürlichen Konsistenz von Honig und informiert den Kunden! Hört auf einem Industrieprodukt nachzueifern!


    Wie sagte mir mal ein Imker:" bei mir verlässt kein Honig der nicht "aufbereitet" wurde das Haus..." gruselig! möchte nicht wissen was der alles macht:roll:


    Beste Grüße
    Jule

    Begeisterung ist der Schlüssel zum Tor der ungeahnten Möglichkeiten.


  • Steht zur natürlichen Konsistenz von Honig und informiert den Kunden! Hört auf einem Industrieprodukt nachzueifern!


    Das kann ich nur unterstreichen!


    Und dann hört man von Kunden: "Seit ich Ihren Honig probiert habe, schmeckt mir kein anderer mehr!"



    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)


  • Mir persönlich ist es lieber, wenn der Honig etwas fester ist, als diese überrührte und gewärmte Schlicke...


    Mir auch. Und mir kann keiner erzählen, daß man den Unterschied nicht schmeckt...

    'If you don't have a plan, you become part of somebody else's plan.'
    Terence McKenna

  • Das ist auch dem berufstätigen Imker möglich, wenn auch mit zeitweisen Abstrichen bei anderen Sachen des alltäglichen Lebens - weil der Honig MUSS dann zeitnahest ins Glas.


    Nö. Bei der richtigen Temperatur kannst Du den Honig parken, ohne das er fester oder flüssiger wird. Der bleibt dann genauso, bis zum Abfüllen. Aber hier isses schon wieder arg religiös.


    Zitat

    Mir persönlich ist es lieber, wenn der Honig etwas fester ist, als diese überrührte und gewärmte Schlicke...


    :daumen:


    Überrührt ist gruselig. Gewärmt find ich persönlich ok, wenn das Ergebnis stimmt. Wobei zwischen erwärmt und erhitzt schon ein Unterschied bestehen sollte :)


    Amen.


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Überrührt kenne ich persönlich nicht, zu heiß finde ich nicht gut. Aber Wärmeschrank mit unter 40 Grad sollte kein Problem sein. Ist schließlich ungefähr die gleiche Temperatur wie in der Beute. Da geht der ja auch nicht kaputt, wenn er zulange in der Wabe bleibt.


    Liebe Grüße, Alfred


  • Steht zur natürlichen Konsistenz von Honig und informiert den Kunden! Hört auf einem Industrieprodukt nachzueifern!


    Das ist doch mal ein Satz, der sich super als Signaturtext eignet!


    Man kann auch Rapshonig problemlos kaputtrühren. Und zum Thema Wärmen: Man kann den Prozess, wenn es denn unbedingt sein muss, in der Tat durch leichtes Temperieren im Spektrum der Stocktemperaturen etwas in der Schwebe halten. Das Problem etwa bei beheizten Behältern: Du brauchst Bewegung, um die Temperatur gleichmäßig zu verteilen. Ich arbeite mit 300 Kilo-Behältern, von denen nur einige eine Bodenheizung haben. Die kommt quasi nur zum Einsatz, wenn ich


    a) nen sehr zähen Honig durch die Abfüllmaschine ziehen möchte, dann auch nur unterhalb von 40 Grad und kurz vorher aufgedreht oder
    b) wenn ich den Behälter oder darin geparkte Schläuche sauber machen möchte: Wasser rein, oberhalb von 60 Grad, Deckel ohne Spannverschluss drauf und ein wenig warten..

    Viele Grüße
    Marcus


    Beekeeping is not about honey. It’s not about money. It’s about survival.
    "Regional gehört die Zukunft." H. Lichter