Tageszeitabhängige Nektarproduktion und Blütenstetigkeit

  • Hallo Bieneneingeweihte,


    wenn es einerseits Trachtpflanzen gibt, die nur zu bestimmten Tageszeiten honigen, und andererseits die Sammlerinnen blütenstet sind, dann gibt es also Bienen, die z.B. nur morgens ausfliegen, wenn "ihre" Pflanze Nektar bietet, und den Rest des Tages bleiben sie zu Hause? Oder fliegen sie morgens immer die eine und nachmittags immer eine bestimmte andere Pflanze an?


    :confused:
    Kikibee

    With lots of room for improvement.

  • Die Bienen sind selbstorganisierend. Wenn eine reinkommt, und von ihrer Blüte nix mehr zu holen ist, macht sie was anderes, wie schlafen, oder guckt auf dem Tanzboden, ob da Verstärkung gebraucht wird.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Nachtrag: die Bienen gucken ja in einem anderem Spektrum, und die Blüten zeigen den Bienen schon an, ob sie voll oder leer sind- per UV-Anzeige, sozusagen.
    Irgendwo gab es mal eine Grafik, wie die Blüten anzeigen, ob sie Nektar abholbereit haben, oder eben nicht.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Dass die Bienen das mitkriegen, ob auf ihrer Blüte noch was zu holen ist, ist klar. Es wird aber immer wieder erwähnt, dass bestimmte Pflanzen nur in den Morgenstunden honigen, die anderen nur abends etc. Die Frage ist also, ob eine einzelne Biene nur ein einziges Abo gleichzeitig hat, das ggf. Frühschicht verlangt, und danach ist Feierabend bis zum nächsten Morgen. Oder ob sie sich morgens nur um die Blüten A kümmert und abends nur um die dann nektartragenden Blüten B. Also quasi zwei oder mehr Jobs nebeneinander, die sich nicht überschneiden.


    Und wenn sie nur einen Job hat, was macht sie dann den Rest des Tages? Fliegt sie dann immer wieder mal zu ihren Blüten hin, um nachzusehen, oder hat sie irgendwann kapiert, dass das nur morgens Sinn macht?


    Naja, das sind wahrscheinlich sinnlose Theoriefragen einer Biologin...
    Als solche gute Nacht
    Kikibee

    With lots of room for improvement.

  • Martin Lindauer hat das schon gut beschrieben - aber ich kann hier kein ganzes Buch zusammenfassen. Er und Hans Wille haben da echte Grundlagenforschung betrieben.
    Man kommt allerdings kaum noch an die Bücher.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • ELK : nix mit nachts ausruhen - es muß gefüttert und geputzt werden, die Klimaanlage gewartet werden, Nektar wird getrocknet, etc.
    Und die Bienen schlafen im Schnitt tatsächlich 8 Stunden, aber nie lange am Stück.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Kann schon sein, daß die einzelne Sammelbiene nur zu ihrer Lieblingsblüte und auch nur morgens fliegt, denn:
    http://www.abendblatt.de/vermi…182/Bienen-sind-faul.html
    Irgend wo anders hatte ich schon mal einen ähnliche Artikel gelesen, in dem stand, das die einzelne Sammelbiene tatsächlich nur 2-3 mal im Durchschnitt pro Tag einen Sammelfug macht.
    Ah!, hab`s gefunden, 3,4 ist der Durchschnitt laut Prof. Dr. Tautz:
    http://www.bee-careful.com/de/…ve/fleissige-honigbienen/

  • Danke Kruppi,


    das würde dann schon passen. Morgens drei bis viermal je eine halbe/dreiviertel Stunde ausfliegen, dann noch Nektar übergeben, Pollen verstauen, Kommunikation, persönliche Hygiene, ausreichend Schlaf... Vielleicht "schläft" eine Sammelbiene auch länger als 8 Stunden, oder sie legt nach den anstrengenden Touren zumindest mal auch einfach so die Flügel hoch.


    Kikibee

    With lots of room for improvement.

  • :lol::lol: wie man so über seine Bienchen grübelt....- ob sie genug Schlaf haben, was sie so den Tag über treiben, usw. !! Ich erzähl auch immer von meinen Mädels :p
    und meine Arbeitskollegen denken schon ich sei bekloppt wenn ich meine Königinnen als hübsch bezeichne ... hab auch schon gegrübelt wie die das machen mit Blütenstetigkeit und Schlaf - da sind wohl alle Imker gleich? :cool:

  • Da sind aber einige Annahmen, die es zumindest zu hinterfragen gilt. Die zitierten Durchschnittsberechnungen haben doch einige offene Stellen.


    Honig-Bienen sind nicht konsequent blütenstet. Machte eine Biene zum Ende der Rapstracht ihre ersten Flüge, und wartete dann bis ihre Blüte wieder Nektar anbietet, wäre sie für die nächsten Wochen ihres Lebens ja vollkommen nutz- und arbeitslos. Schon aus diesem Grund kann das nicht sein.
    Die Kombibienen, die Pollen und Nektar sammeln, könnten ebenfalls nicht vorkommen; zumal oft auch unterschiedliche Arten hierfür angeflogen werden. Die Blütenstetigkeit ergibt sich aus der Masse des Angebots. Mit Kostproben gibt die Spurbiene Angaben weiter, wo, welche, große Tracht zu finden ist; viele schließen sich der Empfehlung an. So ergibt sich die Stetigkeit. So lange es dort etwas zu holen gibt, fliegen die Bienen in großer Menge da hin, bis die Quelle versiegt.
    Gestern war zum Beispiel ein Brutraumvollknalltag. Jedes Loch wird mit süßer Flüssigkeit aufgefüllt. Plötzlich besteht das ganze Volk nur noch aus Himbeerblüten-Experten. Sterben die alle, wenn die Tracht aufhört? Oder hängen die erst mal 4-6 Wochen noch ab und chillen, bis dass der Tod sie scheidet? (...oder sie meinen, dass heute ein guter Tag zum Sterben wäre...)


    Wie stellt Ihr Euch die Informationweitergabe vor?
    Kommt eine Spurbiene mit der Info: "Topp Löwenzahnangebot" zurück zum Stock, sortiert sie dann zunächst erst mal aus, wen sie anrempelt? "Weg da vom Tanzboden, du bist doch Kirschblütenexpertin." Oder es hat morgens geregnet und die Info geht erst Nachmittags ein. "Hallloooohhh Löwenzahntruppe, aufwachen, es gibt noch Arbeit. Die Kirschblütenbrigarde kann noch 2 Stunden rumlungern."


    Wann und wie werden denn die Bienen vor (oder mit) ihrem ersten Ausflug auf ihre Quelle geeicht?
    Neee, das passt alles nicht.
    Die Stetigkeit ist immer nur für einen sehr begrenzten Zeitraum. Viele fliegen auch morgens Löwenzahn (Pollen und Nektar) und nachmittags (na, vielleicht) Apfel (Pollen und Nektar) ein.

    Tatsachen muss man kennen, bevor man sie verdrehen kann. (Mark Twain)