Unabhängig von Schwarmzeit: Verhalten von Schwärmen?!

  • Ich weiß kein passenderes Unterforum, darum schreibe ich das hier, wenn ein besseres dafür passt, bitte verschieben.


    Warum ich hier gesondert ein Thema eröffne? Ich hatte gestern wieder ein Erlebnis der dritten Art, aber die Beobachtung ist so merkwürdig, dass auch mein Imkerkumpel (nicht mein Kollege, das sind zwei verschiedene Personen) das so noch nicht gehört hat. Vielleicht gibt es dazu Quellen von Experten, die sich schon ausführlicher oder gezielter damit befasst haben.


    Gestern gegen 1115 - 1120 habe ich unerwartet wieder mal einen Schwarm beobachten können, der in einem hohen Baum einzieht und sich dort sammelt.
    Eine alte Linde, ca. 20-25m hoch, von meinem Stand etwa 40 - 50m entfernt.
    Das ist nicht das erste Mal, dass ich das so beobachten konnte. Mir wird das allmählich suspekt. Ich habe meine Völker durchgesehen aber keine Hiweise auf einen ausgebrochenen Schwarm finden können, nur in dem Volk, aus dem vor Wochen ein Schwarm abging, aber das wusste ich.


    Was mich stutzig macht sind folgende Details:
    1. die Uhrzeit. bisher habe ich Schwärme nur nach 1200 selbst abgehen sehen. Gestern war es deutlich vor 1200, und der Schwarm war noch nicht gesammelt, er muss also noch deutlich vor 1100 gestartet sein. Wie lang das vom Auf(s)bruch zum Stillstand in der Traube dauert, weiß ich ja mittlerweile...
    2. die Sammelstelle - ca. 20m im Kronenbereich und ca, 40 - 50m weg vom eigenen Stand, obwohl genug Bäume dichter bei und bequemer wären
    3. keine Fraßlücken oder "Vorrats-Plünderung" in den Waben/Völkern, wie Schwarmwaben aussehen weiß ich auch mittlerweile
    4. sind "Schwarmrouten" ein Mythos oder gibt es belegte Hiweise, dass es solche Zugstrecken von Schwärmen gibt.


    Ich bin da jetzt ziemlich irritiert und noch unsicherer als vorher...


    Gruß Andreas

  • Guten Morgen!
    was irritiert Dich?
    Die Uhrzeit ist auch stark Wetterabhängig.
    Ich sah schon Abends 17 Uhr Schwärmen


    Die Sammelstelle weist auf eine Jungkönigin- unbegattet hin - diese hängen sich gerne wesentlich höher und weiter


    Fraßlücken und Vorratsplünderung muss ich ganz ehrlich gestehen, habe ich nie drauf geachtet und auch selber noch nie was drüber gelesen ( herrjeh, man lernt wohl níe aus!)


    Über Schwarmrouten kann ich kaum was erzählen, aber ich kann berichten, dass Schwärme, welche auch mal bei mir ausziehen immer an den selben Stellen hängen, Jahr für Jahr.

    Man muß keinen Wind machen, aber man muß segeln können.

  • Hallo Andreas,


    so oder ähnlich konnte ich es in diesem Jahr auch schon beobachten: neben dem Bienenstand auf unserem Grundstück befinden sich Ahornbäume, die in diesem Jahr öfters von Schwärmen genutzt wurden (einer davon aus meinem Bestand). Sie hingen ausnahmslos in großer Höhe - unerreichbar ohne spezielle Hilfsmittel. Ich habe im Mai fort mindestens 4 Schwärme hängen sehen. In der direkten Umgebung sind ausreichend Büsche und Bäume, aber sie hängen just in diesem Ahornbestand und nein, bis auf einen waren es keine von meinen Völkern, was ich anhand der gez. Königinnen in meinen Völkern feststellen konnte.


    Gibt es Schwarmstraßen mit bevorzugten Rastplätzen ?


    Beste Grüße


    Rainer

  • Hallo Andreas


    wie ich aus deinem Schreiben entnehmen kann, muß der Schwarm nicht unbedingt von dir sein. Mir ist bekannt das Schwärme, die irgendwo über Nacht gehangen haben, unentdeckt vom Imker, sich am nächsten Tag früh aufmachen und ihre neue Wohnung in Beschlag nehmen und da lassen sie sich von niemandem aufhalten. So ein Schwarm würde ohne Kellerhaft sofort wieder aus einer Beute ausziehen, die Zeit würde auch so passen. Aber man kann den Auszug der Schwärme nicht unbedingt auf eine bestimmte Zeit festlegen, Einfluß auf das Schwärmen hat, wie Anni schon schrieb, der Faktor Wetter. Auch mir ist bekannt, das hohle Bäume die schon einmal von Bienen besetzt waren immer wieder von Schwärmen genutzt werden.


    Als Schwarmrouten würde ich das nicht bezeichnen, aber es gibt ein bestimmtes Muster, das Vergleiche zuläßt. Meines Wissens nach müssen die Bienen in der Lage sein, auf ihrem Wabenwerk Nachrichten zu hinterlassen, wo Wasserquellen, Nektarvorkommen und besonders wo Drohnensammelplätze sind, diese Aussage kann ich zur Zeit nicht belegen, aber ich glaube es so gelesen zu haben.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Meines Wissens nach müssen die Bienen in der Lage sein, auf ihrem Wabenwerk Nachrichten zu hinterlassen, wo Wasserquellen, Nektarvorkommen und besonders wo Drohnensammelplätze sind, diese Aussage kann ich zur Zeit nicht belegen, aber ich glaube es so gelesen zu haben.


    Das klingt spannend... aber dazu ist mir bei allen Seeleys, Menzels und Tautzens noch keine Aussage dazu begegnet... kannst du da noch mal in dich gehen, ob es dazu eine wissenschaftliche Aussage gibt?


  • 4. sind "Schwarmrouten" ein Mythos oder gibt es belegte Hiweise, dass es solche Zugstrecken von Schwärmen gibt.


    Die Aussagen von Seeley gehen ja eher dahin, dass ein Schwarm von seinem ersten Sammelpunkt erst dann aufbricht, wenn sie das ausdiskutiert haben. Dann würden sie direkt und ohne Umwege ins neue Nest einziehen. Also eher nix mit Diskussion - Umziehen - Diskussion - Umziehen -Diskussion - Einzug. Dies würde eher gegen Schwarmrouten sprechen, sondern darauf hindeuten, dass in der näheren Umgebung Bienen schwärmen...

  • Richtig, so las ich das auch.
    Stimmt aber anscheinend nicht.
    Dieses Jahr hing ein Schwarm bei uns im Baum - gerade entdeckt zog er weiter.
    ich lachte meinen Mann noch aus, dass er hinterher lief!
    Als er jedoch nicht wieder kam, machte ich mir Sorgen und fand ihn ca 500 m weiter samt des in einem Gartenzaun hängenden Schwarm.
    So konnten wir ihn an seinem zweiten Rastplatz einfangen.
    ich räume aber ein: es war sehr windig an diesem Tag!

    Man muß keinen Wind machen, aber man muß segeln können.

  • Danke erstmal, also sehen gelegentlich auch andere Imker sowas.
    Das ist jetzt auch keine direkte oder annähernd "reproduzierte" Wiederholungsbeobachtung oder ein exaktes "déja-vu", aber das mit der unbegatteten Königin könnte passen, auch das Wetter. Wir hatten hier gestern zum ersten Mal seit Tagen wieder blauen Mittagshimmel, wenn auch nur für etwa 2-3h. In meinen Ablegern ist es aber seltsamerweise ruhig, ich hatte auch schon einen Ablegerschwarm, direkt aus der Ablegerkiste - was aber ein sehr blöder Voraus-Fehler war, wegen drei WZ in der Erwartung, dass die erste und stärkste Königin sich durchsetzt - hat sie dann ja auch, mit einem Schwarm...


    Was mich besonders stutzig macht ist, dass es mir so vorkommt, als würden die nachfolgenden, also "andere" oder spätere Schwärme sich immer höher und weiter entfernt sammeln, als die vorherigen. So als würde auch eine Information weitergegeben, wie z.B. "nehmt die Linde 20m weiter westlich, da kommt er mit seiner Leiter nie im Leben ran..." - bildlich gesprochen. Die letzten beiden (eigentlich ein zweiteiliger) haben sich am selben Baum, fast am selben Ast in derselben Höhe und Distanz zum Stand aufgehängt, bevor sie abgezogen sind, was aber mit den Pheromonen erklärbar ist, die dort nachduften. Der Baum steht neben dem, an dem sich der eingefangene Schwarm letztes Jahr hingehängt hatte, das war für mich irgendwie plausibel. Das waren meine Bienen, ich habe sie ausbrechen sehen. Diesmal war es aber anders. Mein erster Schwarm hatte sich noch in bequemen 2,2m Höhe an einem Apfelbaum hinter dem Stand auf meiner Wiese gesammelt, alle bis auf den Ablegerschwarm danach hingen höher und beim Nachbarn.


    Was die Herkunft des gestrigen Schwarms betrifft, sind Zweifel erlaubt. Auch im BI Celle hatte ich letztes Jahr diese Frage gestellt, aber dort konnte man es auch nicht beantworten. Zu der Zeit hatte ich täglich nach Sonnenuntergang gewogen und konnte auch nach dem Schwarm keinen eindeutig zuzuordnenden Gewichtsverlust erkennen. Da fehlte nirgends eine auffällige Menge, nichts...


    Was gegen die Schwarmroute spräche, wäre die Tatsache, dass meine Bienen kaum Überschneidung zu Bienen anderer Imkern haben und ich hier der einzige bin, dem welche abhauen können. Dafür spräche, dass meine Lage hier wie in einem Trog ist, der von zwei Seiten durch Hindernisse begrenzt wird, so dass auch Bienen anderer Imker hier vorbei kommen könnten oder sogar müssten.


    Anni :
    Wenn ein Schwarm losbricht, hinterlässt er auf einer Wabe im Brut- oder Honigraum eine unübersehbare Lücke, eher im HR. Da sind je nach Größe des Schwarms handtellergroße Flächen wie weggefräst, teilweise sogar gelöchert, weil die Bienen sich ihren Fluchtvorrat hektisch reinschlingen. Da stehen danach auch keine Zellenwände mehr, deswegen der auch wieder bildliche Ausdruck "Vorratsplünderung".


    Gruß Andreas