Anorektisches Brüten????

  • Beobachtung:


    Meine großen Völker sitzen (fast) auf dem Trockenen. Im Brutraum ist schon gar nichts, was irgendwie futtermäßig aussieht, im Honigraum gibt es zumindest einige glänzende Bereiche. So gut wie alle bereits verdeckelten Honigwaben sind wieder weitgehend leer. Bienen und gefühlt fast in gleicher Anzahl Drohnen gibt es in rauhen Mengen, sie sitzen teilweise doppellagig auf den Brutwaben oder hängen unter den Waben. Dazu noch einige Spielnäpfchen ohne Inhalt und verteilt etwas Pollen.


    Seltsamerweise wird in diesem Zustand allenthalben gebrütet und bestiftet wie wild. Ich habe gerade in einem sehr starken Volk GANZ OHNE jeglichen Vorrat gut 6,5 vollkommen mit Brut und Stiften belegte Waben im Format Zander 1,5 gesehen! Davon bestanden mindestens die Flächen entsprechend zweier Waben aus Stiften. Dieses Volk, was eigentlich grantig am Hungertuch nagen müsste, war trotz einsetzenden Regens bei der Durchsicht superfriedlich, entspannt. Es wird nicht ausgeräubert, räubert auch seinerseits nicht. Gleich nebendran steht ein kleiner Ableger, wo die Königin gerade erst zu stiften begonnen hat. Der hat noch seine eingefütterten Futterkränze und wird nicht belästigt. So geht es allen vier Ablegern am Stand, keinerlei Räuberei.


    Ich fände es in dieser Situation logisch, wenn die großen Völker erst mal Personal reduzieren würden und wieder ein bisschen Vorrat horten, bevor sie in so großem Ausmaß Brut anlegen. Oder ihre Stärke nutzen und die Ableger ausräumen. Eigentlich macht doch so ein Verhalten gar keinen Sinn, Brut ohne Ende ohne Ressourcen? Wenn es jetzt nochmal drei Tage Landregen geben sollte, dann war es das und die Brut wird gefressen?


    Ein Ableger hat Drohnen rausgeschmissen und die empörten Jungs durch das sehr kleine Flugloch nicht mehr reingelassen. Bei den großen Völkern wird nur friedlich gekuschelt und offenbar von der Hand in den Mund gelebt. Alles easy-peasy?


    Dem oben genannten großen Volk habe ich eine Futterwabe spendiert, die dürfte morgen weg sein. Aber irgendwas tragen sie wohl ein, auch wenn es nur gerade eben so reicht.


    Verwundert
    Kikibee

    With lots of room for improvement.

  • *Moderne* Bienenherkünfte sind teils darauf selektiert, auch bei Trachteinbrüchen in der Zeit Mai- Juni/Juli NICHT die Brut einzuschränken.
    das trifft für die meisten Buckfastherkünfte zu und auch einige Carnica- Linien sollen so selektiert worden sein.


    Es gibt auch das Gegenteil, sogenannte *Hünglertypen*, die bei jedem Trachteinbruch die Brut einschränken.


    Die Nachteile liegen auf der Hand: Die *Hünglertypen* haben bei nachfolgender Tracht zuwenig Bienen, die anderen bei einem unaufmerksamen Imker, der bei anhaltend schlechter Tracht nicht füttert, aber auch. ;)


    PS: Übrigens sollen Ligustica ganz und gar aus der Art schlagen, die verbraten alles in kürzester Zeit. Aber das weiss ich nur vom Hörensagen.

    Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, ist vor 20 Jahren. Die zweitbeste Zeit ist jetzt. (afrik. Sprichwort)

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Erzgebirgler () aus folgendem Grund: PS:

  • Meine "moderne" Bienenherkunft :lol: ist eine vollkommen unselektierte Promenadenmischung. Selbstverständlich alteingesessene ordentliche hessische Carnica (mit vermutlichen Seitensprüngen beim Berufsimker im nächsten Dorf und sonstigem Gelichter :wink:).


    Es ist eine Sache, bei Trachtmangel nicht sofort mit der Brut aufzuhören, und eine andere, mit vollem Karacho in den Bankrott zu brüten. Selbst dann noch zu stiften, wenn gar nix mehr da ist, ist doch Selbstmord!


    Letzte Woche hatten sie noch eigenen Honig, jetzt kriegen sie halt Futter. Eigentlich blüht es rundherum, Linde, Brombeeren, Kleingärten mit ewig viel Blumen. Daher habe ich mich mit Zufüttern zurückgehalten.
    Bei den Ablegern habe ich das Gefühl, dass fast mehr reinkommt, als sie verbrauchen, obwohl sie nicht viel Mannschaft haben. Die Großen sind dagegen eher wie Riesenkonzerne, mit gigantischem Overhead und Zehnjahresplan. Da steht jetzt brüten und dann wird gebrütet. Vielleicht wissen die auch was, was ich nicht weiß, und alles ist im grünen Bereich. :confused:


    Viele Grüße
    Kikibee

    With lots of room for improvement.

  • Meine "moderne" Bienenherkunft :lol: ist eine vollkommen unselektierte Promenadenmischung. ........


    Es ist eine Sache, bei Trachtmangel nicht sofort mit der Brut aufzuhören, und eine andere, mit vollem Karacho in den Bankrott zu brüten. Selbst dann noch zu stiften, wenn gar nix mehr da ist, ist doch Selbstmord!
    .....


    Hmmm, deine Promenadenmischung setzt sich nicht unbedingt aus irgendwelchen ursprünglichen heimischen Bienen zusammen, die sich über jahrtausende an Tracht und Regionalklima angepasst haben. Sagst Du ja im Prinzip selbst.... Carnica, Seitensprünge...


    Aber wie ich schon sagte, es gibt eben solche und solche. Die Carnica- Linie von Sklenar wird zum Beispiel auf *angepasstes Brutverhalten* selektiert, die *Nordbiene* soll diese Eigenschaft besitzen, also eher Richtung Hünglertyp. Und es gibt das Gegenteil, vor allem bei den Buckfasttypen. Was ja auch Sinn macht, denn Bruder Adam wollte Heidehonig ernten und brauchte deshalb im August starke Völker....

    Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, ist vor 20 Jahren. Die zweitbeste Zeit ist jetzt. (afrik. Sprichwort)

  • .... Selbstverständlich alteingesessene ordentliche hessische Carnica.....:wink:).
    ....


    Hessische Carnica... ????


    Carnica, die *Kärnter Biene*, gibt es in D. erst seit Ende der 30- jahre des zwanzigsten JH. Man hat, weil die Zuchtbemühungen des Österreichers Guido Sklenar in Richtung Hochleistung erfolgreicher waren im Gegensatz zu der damaligen Dunklen Biene hier, verordnet, das zukünftig nur noch die Carnica zuchtwürdig sei. Also führte man zig Königinnen ein.


    Man sagt, durch die Vernachlässigung der Zucht und Selektion während des Krieges und der zwangsläufigen Hybridisierung mit der einheimischen Dunklen, sollen recht flächendeckend ziemliche Stecher entstanden sein, was die Dunkle hier entgültig in Verruf brachte. Deshalb wurden nach dem Krieg die Zuchtbemühungen in Richtig Carnica wieder verstärkt und die Dunkle tatsächlich verdrängt.


    nix hessisch... ;)

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  • Ein anständiger hessischer Imker hat selbstverständlich hessische Carnica! :wink: Deswegen hat der lokale Berufsimker auch "Bu... äh besonders schwarmträge Bienen". Wenn die Bienen zu gelb geringelt sind, dann wird man vom hiesigen BSV ermahnt, sich eine "ordentliche Königin" zu besorgen. Das muss hier schon seine Ordnung haben! Vor zwei Jahren gab es doch sogar den Versuch eines Marburger Imkervereins, Carnica für Hessen gesetzlich festlegen zu lassen und andere Rassen unter Strafe zu stellen.


    Die Gedanken sind frei - und die Drohnen auch...


    Kikibee (Anarchistin, da Zander 1,5 aus Holz)

    With lots of room for improvement.

  • ... Letzte Woche hatten sie noch eigenen Honig, jetzt kriegen sie halt Futter ...
    ... Vielleicht wissen die auch was, was ich nicht weiß ...


    Na klar: die wissen, dass sie ruhig drauf los brüten können, egal, was die Tracht macht, denn Kikibee wird schon rechtzeitig mit dem Futter kommen, wenn's nötig ist ... :wink:
    ... dann solltest Du aber bitte diese Linie nicht weiter züchten, sonst gibt es bald keine Honigernte mehr in Hessen, weil die Bienen gelernt haben, dass es Quatsch ist sich Arbeit zu machen, die auch die Imker für sie erledigen können ...


    Gruß, Jörg

    Eine Fischsuppe aus einem Aquarium zu machen, ist leichter als ein Aquarium aus einer Fischsuppe.

  • Ein anständiger hessischer Imker hat selbstverständlich hessische Carnica! :wink:


    Das kannte ich auch, als ich noch im Hessischen imkerte. Gelbbraune Ringe waren verpönt und man wurde zum Umweiseln aufgefordert. Ist ja vlt. nicht überall so eng gesehen.


    Ob Bienen Erfahrung haben und auf die Zukunft brüten, ist schwer zu sagen. Ausschließen würde ich das nicht; denn wenn jetzt der Regen nachlässt und die Blüten Nektar produzieren sind sie mit großer Kapazität goldrichtig. Momentan scheinen sie ja von der Hand in den Mund zu leben.


    In diesem Jahr darf der Nordosten mal frohlocken: Weniger Regen (momentan bis zum WE), viel Sonne und eine reichhaltige Frühtrachternte. Hoffen wir mal auf den Sommer...


    Beste Grüße


    Rainer

  • ... Nordosten ... eine reichhaltige Frühtrachternte. Hoffen wir mal auf den Sommer...


    Rainer? Was meinst Du mit Frühtracht im Nordosten? Nächste Woche ist Sommersondenwende und hier in Berlin läuft schon die Sommerlinde ... Es IST Sommer!
    Oder wie ist das bei Euch?


    Gruß, Jörg

    Eine Fischsuppe aus einem Aquarium zu machen, ist leichter als ein Aquarium aus einer Fischsuppe.

  • Am Niederrhein hat der Sommer noch gar nicht richtig angefangen ;) und zumindest die Robinie dürfte bei allen ausgefallen sein bei dem schönen Wetter in den letzten Wochen


    Liebe Grüße, Alfred