Wie hoch ist üblicherweise der Honigertrag?

  • Ich weiß, Imker reden nicht gern über die Mengen an Honig, die sie ernten. Deswegen sind die Zahlen, die üblicherweise kursieren, wohl zu niedrig.
    Dass das zum Problem werden kann, zeigt mir gerade die Biokontrolle, die ich heute im Haus hatte.
    Bei einem durchschnittlichen Ertrag pro Volk von 80 kg im letzten Jahr kam da bei den Kontrolleurinnen ein große Stirnrunzeln auf.
    Sie schlugen dann in irgeneiner Broschüre nach und kamen zu dem Ergebnis, dass 50 kg üblich wären, 70 kg ein Spitzenertrag und in außergewöhnlichen Trachtjahren auch mal 100 kg möglich sind. Noch mal Glück gehabt.
    Wenn das dieses Jahr mit der Tracht so weiter geht (ich liege jetzt schon weit über dem Vorjahresergebnis), kriege ich da wohl ein Problem. Dann kommt nach einem außergewöhnlichen Jahr noch ein außergewöhnlicheres.
    Ich hatte nicht gedacht, das man solche Problem haben kann.
    Habt jemand ähnliche Erfahrungen gemacht?


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Hallo Wolfgang!


    Die geschilderte Thematik ist mir glücklicherweise tatsächlich, unabhängig von der "Biokontrolle", unbekannt, das Stirnrunzeln noch dazu nicht nachvollziehbar.
    Weshalb solltest du mit durchschnittlichen 80 kg Honigertrag im letzten Jahr irgendein Problem bekommen? Wegen bio?


    Grundsätzlich ist der durchschnittliche Honigertrag von den korrekten Rechenfähigkeiten / dem -willen sowie zig anderen Faktoren abhängig, z. B. :
    - Wetter
    - wird gewandert? Falls ja, wie intensiv und in welche Trachten?
    - bei Nicht-Wanderung die lokalen Gegebenheiten des Bienenstandes (Agrarwüste vs. bspw. Naturschutzgebiet angrenzend an Raps, Phacelia, Buchweizen, sonstige blühende und bienenrelevante Kulturen)
    - Ausgangszustand der einbezogenen Völker
    - usw.
    - usf.


    Gespannte Grüße
    Patrick

    Et kütt wie et kütt und et hätt noch immer jut jejange!

  • durchschnittlichen Ertrag pro Volk???
    Was setzt du als "Volk" an?
    Alle die einen Honigraum bekommen haben? Alles was am 31.12. noch brummt?


    Mit Volk mein ich ausgewintere Wirtschaftsvölker. Falls ein Ableger noch Honig liefert, würde ich ihn getrennt rechnen.
    Ich muss wegen der Biokontrolle den Honigertrag jedes Volkes einzelnen erfassen. Im betreffenen Jahr lag der zwischen 64 und 95 kg pro Volk.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)


  • Weshalb solltest du mit durchschnittlichen 80 kg Honigertrag im letzten Jahr irgendein Problem bekommen? Wegen bio?


    Ja, die vermuten dann, ich würde mehr Honig verkaufen als ernten. Das läuft ja im Wesentlichen über Plausibilitätskontrollen.


    Ich mache reine Standimkerei, habe aber wie man sieht einen traumhaften Standort.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Im betreffenen Jahr lag der zwischen 64 und 95 kg pro Volk.


    Wolfgang


    Wow... wie geht denn das?! Obst-Löwenzahn-Raps-Robinie-Kornblume-Linde-Wald hintereinander weg? Im Schnitt kann ich hier ohne wandern 40kg pro Volk ernten- 30kg im Frühjahr, 10kg im Sommer. Wenn der Raps nicht wäre, sähe das auch im Frühjahr deutlich schlechter aus. Ich glaube, ich ziehe auch nach SüdWestMecklenburg :-D...

    'If you don't have a plan, you become part of somebody else's plan.'
    Terence McKenna

  • Wow... wie geht denn das?! Obst-Löwenzahn-Raps-Robinie-Kornblume-Linde-Wald hintereinander weg? Im Schnitt kann ich hier ohne wandern 40kg pro Volk ernten- 30kg im Frühjahr, 10kg im Sommer. Wenn der Raps nicht wäre, sähe das auch im Frühjahr deutlich schlechter aus. Ich glaube, ich ziehe auch nach SüdWestMecklenburg :-D...


    Waldhonig gibt hier nicht. Die Abfolge heißt: Obstblüte (viel Schlehe), Löwenzahn, Raps, Kastanie, Weißdorn, Kornblume, Linde, (evtl. noch mal Kornblume), dazwischen ein wenig Robine (nur wenige Bäume) und da und dort mal Sonderkulturen, z.B. Saatwicke. Weißklee gibt es auch massig, aber der honigt (wohl temperaturbedingt) kaum, ist aber neben der Kornblume jetzt Hauptpollenlieferant. Oft zwei späte Hauptrachten gleichzeitig (jetzt beginnt die Linde, obwohl noch üppig Kornblume blüht).
    Zwei Drittel der Acker- und Weideflächen im Flugkreis sind Bioflächen. Das spielt eine große Rolle, auch bei Pollentrachten (z.B. Klatschmohn).
    Es gab dieses Jahr bisher keine Trachtlücke. Ich war schon froh, dass es zu den Eisheiligen ein paar Tage kühl und nass war, damit der Honig reifen konnte. Allerdings kann es bei uns nach der Linde sehr trocken werden. Von Unwettern keine Spur, wir sind froh, dass für Montag Regen angesagt ist.
    Allein Raps und Linde liefern manchmal jweils 30 Kilo bei den starken Völkern. Nächste Woche ist wieder mal Ernte angesagt. Das ist die dritte vor der Linde. Dieses Jahr könnte ein Rekordjahr werden, obwohl ich mit Ablegern die Zahl der Völker fast verdoppeln werde. Ich schüttle selbst oft den Kopf, wenn ich was lese von 25 kg pro Volk und Jahr.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Deine Zahlen finde ich jetzt nicht so abwegig. Hab von einem Stand 3x geschleudert gestern mal einen großen Segeberger HR gewogen mit über 30kg. Darunter sind noch zwei rammelvolle 2/3 DN Honigräume. Ist nicht bei allen Völkern so aber bei vielen.

    Carnica und Buckfast in Segeberger Styro DN u. DN 1,5

  • Hallo zusammen,


    die Höhe des Honigertrags pro Volk führt auch oft zu Lachern auf so mancher Imkerversammlung :lol:


    Ich will hier gar keine Zahlen anzweifeln, aber der Honigertrag ist für mich das was sich später im Honigglas befindet, also der Nettowert!


    Nach meiner Erfahrung ergibt eine DNM Wabe 1,5Kg, eine Zanderwabe 1,8Kg Honigertrag.
    Das ist eine guter Durchschnittswert, der m.E. höchstens mal um +/- 10% abweicht.


    Entsprechend enthält ein wirklich volle 10er Zanderhonigzarge oder ein 12er DNM-Honigzarge ca. 18Kg Nettohonig.
    Das sind 36x 500g Honiggläser oder 3x 12er Honigkarton.


    Keine Ahnung warum ein großer Segeberger Honigraum 30Kg wiegt oder wieveil er überhaupt voll wiegen soll,
    für mich sind da Netto 11x 1,5Kg also 16,5Kg Nettohonig drin!
    Entsprechend würde ich 1DN und 2x2/3DN Honigräume, wenn sie wirklich voll sind, auf ca. 40Kg +/-10% Honig schätzen.


    Möglich dass meine Werte zu vorsichtig sind, aber diese Durchschnittswerte ergeben sich bei meiner Methode!


    Alle Honigzargen ohne Leerwaben werden pro Volk gewogen und das Gewicht der mitgewogenen Leerzargen abgezogen.
    Nach dem Schleudern wird die Gesamtmenge des Honigs anteilig auf das gewogene Gewicht pro Volk berechnet.
    Beim Standdurchschnitt wird jedes Wirtschaftsvolk gewertet, Schwärme oder Ableger werden dem jeweiligen Wirtschaftsvolk mit angerechnet.


    Wolfgang , wenn du 8 Wirtschaftsvölker hast und jedes hat weit über 60Kg Honig gebracht, dann sind das über 1000 Gläser, mehr als 84 Kartons oder mehr als 12 Hobbocks Honig! Wenn die wirklich bei dir jedes Jahr rumstehen, dann lebst du in einem echten Bienenparadies! :wink:


    Gruß Ulrich

    Eine hohe Rechenleistung des Imkers klärt so manches imkerliche Problem und spart manch unnötigen Eingriff :wink:

  • Ich finde, die sollen einfachmal Leute schicken, die nicht dumm gucken, sondern um die Möglichkeit wissen.:lol:


    Finde es auch nicht abwägig. Ich wandere nicht und bin trotzdem mehr als bedient mit dem Ertrag pro Volk, habe daher auch konsequent wenig (Völker).


    Dass groß geguckt wird, ist mir bekannt. Machbar ist es trotzdem. Da spielen noch so viele andere Dinge mit rein. Jedoch sind bei messbaren Tageszuwächsen bei ordentlich Tracht und entsprechendem Turmbau bei fetten, sammelwütigen Volkern doch etliche Zargen pro Jahr keine Zauberei.


    Wohlgemerkt lebe auch ich nicht in einer Agrarwüste. Bekomme viel Obst, Löwenzahn, Ahorn, dann kommt die Himbeer-/Brombeerklatsche und da gibt es traumhafte Ergebnisse. Wald evtl., Im Anschluss und ggf parallel läuft Linde und dann Springkraut, ich füttere übrigens gerade mal 5 kilo pro Volk im Bedarfsfall :cool:

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Hi,


    da ich gerade aus dem Norden Sachsen Anhalts komme, kann ich das mit dem Bienenparadies nachvollziehen.


    Sind ja nur ein paar Kilometer bis M-Pomm.


    Als kleiner Vergleich, das Bieneninstitut Celle hat letztes Jahr gut 70 KG pro Volk erwirtschaftet.


    Da bin ich leider noch weit von weg, aber ich bin ja auch noch recht frisch dabei.


    Gruss Joachim

  • ulrich : so haut es ja auch hin. 40kg bei Frühtracht, 15- 20kg Robinie, 20kg Linde, Sommerblüte(Phacelia) ca.15-20 kg und in etwa so nochmal beim Springkraut.


    Wenn man nanchen Leuten im Verein sowas erzählt wird man belächelt und wenn sie dann mal das Honiglager sehen klappt de Kinnlade runter.


    Und ich finde hier haben wir ein durchschnittliches Trachtgebiet.


    Aber das sind bei mir die besten Völker . Der normale Schnitt liegt bei 60kg.


    Ich denke wenn man richtig konsequent selektiert geht da einiges, ich schaffe es allerdings zeitlich einfach nicht.


    (Buckfast und Carnica auf DNM 1.5 ohne Schieden)

    Carnica und Buckfast in Segeberger Styro DN u. DN 1,5

  • Hallo Wolfgang,


    ich kann Dein Problem nach den Schilderungen eines Bio-Imkers (Naturland), den ich letzthin besucht habe (nördliches Sachsen-Anhalt), gut nachvollziehen. Prüfung der aufs Kilo genauen Aufzeichnungen pro Volk und Ernte, Gegenprüfung mit pauschalen Mengenangaben, die nicht auf Betriebsweise oder Trachtgebiet abgestimmt sind ...
    Ich selbst habe gestern die dritte Ernte dieses Jahr durchgeführt und bin bis jetzt bei 72 kg pro Wirtschaftsvolk brutto in Großgebinden. Für meine Verhältnisse schon außergewöhnlich viel (Standimkerei "auf dem Dorf" im südlichen Sachsen-Anhalt: Felder, Gärten, Flußaue; Haupttrachten Raps (wenn angebaut), Robinie, Linde), denn es kommt ja noch mindestens eine Ernte. :)
    Bei Durchschnittswerten von 30 - 40 kg standen bei mir aber schon immer paar Fragezeichen im Hinterkopf.


    Viele Grüße,
    Andreas

  • Jesses,


    ihr schreibt hier von Ernten pro Volk, die schaffe ich mit meinen gesamten Völker nicht.
    Bei mir sieht es nach der Frühtracht so aus, dass ich pro Volk bei 12 kg liege.
    20 kg im Jahr wären schon sehr gut. Ein Spitzenvolk hatte letztes Jahr 35 kg, das war der Hammer.
    Bei mir muss mann aber auch sagen, das ich direkt (100 m) hinter mir die Nordsee habe. An drei Seiten haben die Bienen keine Tracht, da Wasser leider keinen Nektar gibt. Nur nach vorn können die Bienen fliegen und sammeln (bei einer Torte wäre es ein viertel). Dann gibt es hier noch eine Biogasanlage, die viel Mais und Getreide anbaut, auch nix für uns.
    Aber ich will nicht jammern, es macht Spaß mit den Bienen und das ist die Hauptsache.


    Andreas