Wie Tüten die Imkerin flott macht

  • Hallo Bienenbekloppte,


    ich hatte letzte Woche eine seltene Gelegenheit zur Verhaltensbeobachtung:


    Volk mit älterer Zuchtmutter, diese hatten zum zweiten mal zwei bis drei Zellen angesetzt, weshalb ich auch mit Wunsch nach Erhalt und Nachzucht die Alte mit einem kleinen vorweggenommenen Kunstschwarm entnommen hatte, eine dicke fette Zelle auf Wabe Nr 3 zurückließ und mir dachte: schau da nochmal rein, Schlupftermin spätestens am Folgetag.


    Wabe Nr 3 in den Händen: Zelle ist ein schöner Turbo geworden, geschlossen aber unten bereits total blank, als ob die nur in den Startlöchern zum Schlupf steckt.


    Dann: es tütet! :eek:


    Die Imkerin hört es, ist ja mehr so ein lautes, hohes Sirren in einer Tonlage, und denkt (was nicht sein kann, das nicht sein darf): "Was ist das denn, wen hast Du denn da eingeklemmt?" Weitere Wiederholungen des Tütens, dabei sogar ein Hauch von einem spürbaren Vibrieren in den Fingern, wie ich fand.
    Und nein, es tütete auf der Dadantwabe eher oben links als unten rechts, da wo die Zelle war. Ist ja auch unlogisch, schlupfreife Königinnen IN der Zelle tüten nicht, die quaken so dumpf, da war aber nichts.
    Zunehmend die Erkenntnis: Mann, bist Du blöd! Da ist eine frisch Geschlüpfte auf der Wabe! Also FINDEN unbedingt!! Sonst sind die morgen mit der raus...
    Ich find eigentlich immer die Königin, immer.... also in aller Ruhe, ohne Stress.:wink: Ich hatte die Wabe ja in der Hand, wo sollte sie also hin, zumal es schön regelmäßig weiter tütete. Also in Ruhe weiter gucken und gucken.
    Mittendrin hab ich sie dann entdeckt: Thorax auf die Wabe gepresst, Beine abgespreizt und "tüüüüüüt"
    Eine schöne große Jungkönigin.
    Dann die Zelle auf der abe nachgesehen: schon beim Berühren schlüpfte quasi Nr. 2 aus dieser in einem Affenzahn und verschwand auf der Wabenrückseite, ebenfalls schön fett und äußerlich einwandfrei.


    Da die ohne diese zufällige Entdeckung am Folgetage eh ausgezogen wären und womöglich als Nachschwarm noch unwiederbringlich verloren gegangen, mir Honig auch nicht so wichtig ist in diesem Falle,
    hab ich die Tüterin abgefangen und mit ein paar Jungbienen verkunstschwarmt und abends in eine Beute einlaufen lassen.


    Die Frage war dann noch: woher kam Nr 2? Die Imkerin hatte doch nur eine Zelle belassen oder?
    Die vorbildlich mit weggeklapptem Deckel leere Zelle habe ich dann auf auf der Randwabe in einer bei Reparaturbau entstandenen Rille neben einer Zone mit Drohnenbau genau in dieser Vertiefung angelegt im unteren Drittel mitten auf der Wabe gefunden, dort hatte ich ein Stück Drohnenbrut zum Zählen des Befalls geschnitten. Mit Bienen bedeckt gewesen unsichtbar.


    Fazit: auch wenn an es eh schon weiß, sollte man auch immer und tatsächlich alle Waben abstoßen, bevor man behauptet, man habe alle Zellen gebrochen. :lol:


    Und seinem Gehör auch trauen: Es darf nur eine geben!


    Das Konzert nicht nur akustisch sondern auch noch live in Beobachtung vor Augen war schon Klasse:daumen: Leider, leider hatte ich kein Handy dabei, der Film wäre genial geworden...



    Grüße


    Marion ohne Schwarmverlust

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Hallo,
    herzlichen Glückwunsch, Normal ist, dass immer die, welche Zellen ziehen sollen keine ziehen.

    Zitat

    Mann, bist Du blöd!

    War das nicht in diesem Falle frau? Ob das allerdings blöd ist, ist einen andere Frage. Man kommt in solch einer Situation leicht in Stress. Besonders bei wertvollen Königinnen. Wenn ich im Moment die finden würde, welche ich suche?


    Lieben Gruß:lol:
    Herbert

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol:

  • Ich geb zu, bei selbstgestelltem Ziel der Rettung von einer von beiden wird einem dochmal kurz ganz schön warm!
    Aber es galt bloß noch, die Wabe nicht zurückzusetzen, sondern zu suchen.


    Möglichkeit zwei wäre gewesen, die wollten gar nicht schwärmen, und sie hätte die Rivalin dann abgestochen. Variante eins mit Schwarm führt bekanntlich zu den dazugehörigen Unwägbarkeiten inclusive fehlender Planbarkeit seitens der Imkerin.


    Aufgrund von Anfragen zum Thema noch:
    Die tüten auch woanders als auf der Wabe (Schlupfkäfig, Lockenwickler etc.), das Geräusch ist nicht an das Anpressen gebunden. Da kommen die Flügel ins Spiel, Vibration ist was anderes.
    Je nach Situation, Alter und Wetter kann die Tüterei eine ganze Weile geboten werden; es geht immer darum, entweder Rivalinnen ausfindig zu machen oder denen zu signalisieren: drinbleiben, mit dem Schlupf warten, bis das Tüten aufhört = die Erstgeschlüpfte raus ist.
    Ob Kontakt entsteht zur Rivalin bzw Zelle oder nicht, sprich: Schwarm oder nicht, da hat das Volk ne Menge mit zu sagen.
    Weiß der Imker aber nun mal nicht unbedingt, und der will ja immer steuern oder auf Nr sicher gehen :wink:

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Letzten Donnerstag ist mir gleiches passiert. Zehn Imker des Kurses standen um die Beute. Eine Königin lief im oberen Stockwerk (Demaree), weitere Zellen waren auch noch da und keiner hatte ein Käfig dabei. 3 hätten gerne die Dame gehabt.


    Du bist also nicht alleine


    Herbert

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol:

  • in diesem Jahr habe ich den Fangkäfig in der Brusttasche deponiert, damits beim Sichten von Majestäten zuschnappen kann. Ist zwar nach Abschleudern der Frühtracht ruhiger geworden, aber die Kästen sind nach wie vor sehr voll, das man leicht Wz oder Nz übersehen kann.
    Wenn gesichtet, wird die Kö bis zum Ende der Durchsicht sichergestellt und man kann unbefangener die Waben abstossen und bis dann entschieden, ob wieder raus oder es ein ABleger oder Kunstschwarm wird. Die ersten im Mai gebildeten Ableger haben HR bekommen, nachdem die Brutnester in der Robinie verhonigt sind.
    Gruß fred