Ableger tot

  • Hallo zusammen,


    am 25.05. habe ich 2 Ableger gebildet, davon war einer jetzt am Wochenende (also gut 1 Woche nach Erstellung) mausetot.


    Ich bin bei der Ablegerbildung so vorgegangen:

    • Bei der Durchsicht bei den Spendervölkern zur Schwarmkontrolle habe ich aufgrund der Bienenmasse die Bienen von den Waben abgestoßen, um keine Schwarmzelle zu übersehen, bzw. eine Wabe mit Schwarmzelle für den Ableger zu verwenden.
    • So habe ich 2 Brutwaben aus verschiedenen Völkern mit etwas Futter in eine neue Zarge gehängt (FW-BW-BW-MW). Da ich keine Möglichkeit habe, die Ableger außerhalb des Flugkreises zu verbringen, habe ich Bienen von mehreren Brutwaben und von einer Drohnenwabe in den Ablegerkasten dazugefegt. Die beiden Ablegerkästen stehen in einer Reihe mit 6 Wirtschaftsvölkern.
    • Da die Futterwabe bei weitem nicht voll mit Futter war, habe ich am frühen Abend ca. 1 Liter Apiinvert im Tetrapack neben die letzte Wabe auf das Gitter gestellt. Flugloch auf "klein" (2 Bienenbreiten).
    • Noch am selben Abend habe ich sehr starken, hektischen Betrieb am Flugloch beobachtet. Auf der eingelegten Windel fand ich am nächsten Tag aber keine abgebissenen Flügel oder Beine, aber viel Wachsschrot. Keine Futterspritzer vor dem Flugloch, keine erhöhte Anzahl toter Bienen.
    • Eine Woche nach Erstellung lag das Bodengitter komplett voll mit toten Bienen. Die Waben waren staubtrocken (kein Futter). Keine Kotspuren, keine Varroen. Die Woche war von durchwachsenem Regenwetter gekennzeichnet. Die Brutwaben waren noch verdeckelt, bei einzelnen schlüpfenden Bienen hing der Kopf aus den Zellen.


    Nach einigem Nachdenken vermute ich folgende Fehler:



    • Bienen aus 2 Völkern in eine neue Beute gefegt, und sie dabei vermischt. Das hat Unruhe ausgelöst.
      Ich hätte die beiden Brutwaben MIT ansitzenden Bienen in den Ableger hängen müssen. Dann vermischen sich die Bienen erst wenn eine Königin im Volk ist. Bis dahin bleiben sie auf ihren Waben sitzen und bilden 2 Einheiten. (zumindest meine ich dass ich das mal so gelesen habe?)
    • Zu früh abends gefüttert, während noch Flugbetrieb herrschte.
      Ich vermute stille Räuberei, denn das Futter hätte von der Menge her locker reichen müssen.
      Die Bienen finden das Futter und teilen ihren Schwestern Qualität (gut), Entfernung (nah) und Richtung (indifferent) mit. Diese fliegen zum Flugloch raus und fangen an zu suchen. Eigentlich nicht schlimm - kann das Räuberei bei den anderen Völkern ausgelöst haben?


    Frage an Euch: Liege ich mit meiner Diagnose richtig?


    Ganz schön traurig so viele tote Bienen zu sehen :-(



    Viele Grüße


    Johannes

  • Hallo Johannes,
    mir zumindest fehlt bei Deiner Aufzählung das mehrmalige Verstellen am Tag der Ablegerbildung, damit die zurückfliegenden Flugbienen sich die "Futterquelle" garnicht erst merken.
    Für ungünstig halte ich derner die Aufstellung in Reihe mit Wirtschaftsvölkern...


    Räuberei kann man das nicht nennen, denn ohne Verstellen waren die Ableger ein toller SB Laden...


    LG
    Andreas

  • Hektischer Flugbetrieb ist nicht "stille" Räuberei. Lauter wird Räuberei nie.
    Meine Glaskugel-Ferndiagnose: zuerst wurden sie beraubt, dann ist der kümmerliche Rest verhungert.


    Gruß vom Sammler, dem am letzten Wochenende bei viel Regenwetter ein vor einer Woche eingeschlagener Schwarm auf MW beinahe verhungert wäre

  • Hallo Johannes,
    mir zumindest fehlt bei Deiner Aufzählung das mehrmalige Verstellen am Tag der Ablegerbildung, damit die zurückfliegenden Flugbienen sich die "Futterquelle" garnicht erst merken.
    Für ungünstig halte ich derner die Aufstellung in Reihe mit Wirtschaftsvölkern...


    Räuberei kann man das nicht nennen, denn ohne Verstellen waren die Ableger ein toller SB Laden...


    LG
    Andreas



    Das mehrmalige Verstellen erscheint mir sehr umständlich. Ich könnte aber mit dem Füttern warten, bis alle Flugbienen abgeflogen sind? Z.B. bis zum nächsten Abend?


    Und anstatt die Ableger in eine Reihe mit den Wirtschaftsvölkern zu stellen, könnte ich sie hinters Haus stellen. Wie lange sollte ich sie dort lassen? (Hierfür bräuchte ich viel Überzeugungskünste bei meiner Regierung...)

  • Keine Ableger von verschiedenen Völkern zusammenfassen


    Eine offene Brutwabe und eine verdeckelte abschütteln und in den Honigraum über Absperrgitter hoch hängen und nächsten Tag mit den ansitzenden Bienen verwenden, dazu eine ausgebaute, in Wasser getränkt Wabe und eine Mittelwand und eine volle Honigwabe mitgeben. Den Rest der Ablegerbeute mit einer dicken Styroporbeute absperren.


    Flugloch unbedingt auf zwei Finger breit einengen



    Erstellung bald im Frühjahr, am besten bei der ersten Tracht, dann sind die Vollvölker mit Obstbaumblüte und Löwenzahn beschäftigt. Außerdem können sich die Ableger in der restlichen Jahreszeit auch bei kleinerer Erstellung noch gut entwickeln?


    Anfangs keine Flüssigfütterung



    Die fett geschriebenen Grundsätze könnten ( müssen aber nicht unbedingt) Fehler bei der Räuberei bei deinen Ablegern sein.


    Ich erstelle alle Ableger so an meinem Bienenstand inmitten der Wirtschaftsvölker und hatte noch nie Probleme.

  • Und anstatt die Ableger in eine Reihe mit den Wirtschaftsvölkern zu stellen, könnte ich sie hinters Haus stellen. Wie lange sollte ich sie dort lassen? (Hierfür bräuchte ich viel Überzeugungskünste bei meiner Regierung...)

    Hallo, wichtig wäre das alle Flugbienen abgeflogen sind... wenn Du hinterm Haus Platz hast wäre das für ein paar Stunden eine Option... dort bis zum Abend nach Ende des Flugbetriebs stehen lassen und dann Franz Xaver vertrauend die Ableger an den angedachten Aufstellungsort verbringen. In der Regel herrscht dann ein paar Tage Flugstreik beim Ableger.... LG Andreas

  • Die Anzahl der ansitzenden Flugbienen auf der offenen und der verdeckelten Wabe, die in den Honigraum gehängt wurden hält sich in Grenzen. Meist sind es Jungbienen, die sich auf den offenen und Brutwaben rumtreiben.


    Zwecks fehlender Wasserholerinnen gebe ich eben eine wassergetränkte, die ich so aus dem Wasserbad ziehe, dass die Zellen die immer leicht nach oben gebaut sind mit Waser gefüllt bleiben in den Ableger. Der Ableger ist so fast ohne Flugbetrieb.


    Wie heißt es so schön in Bayern: Alle reden vom Saufen, aber vom Durst redet niemand . :lol:


    Probieren geht übers studieren....

  • Tut mir Leid, daß dieses Mißgeschick passiert ist. Mit Deiner Diagnose liegst Du zwar richtig, aber die Ursache ist noch komplexer. Ein Ableger ist ja noch kein Volk und hätte deshalb mindestens 5 Meter Abstand zu den Wirtschaftsvölkern benötigt. Da die Bienen von Völkern am Stand waren, darf auf gar keinen Fall gefüttert werden, solange noch keine legende Königin vorhanden ist. Eine verdeckelte Futterwabe eventuell, aber nur wenn ein Kälteeinbruch herrscht und die Völker nicht fliegen können. Ableger nach Möglichkeit nicht von Völkern bilden, die in Schwarmstimmung sind, denn gerade diese Bienen werden sehr schlecht zu einem Volk zusammenfinden, bzw. sind wenig geeignet zur "Volkswerdung", da sie zu aufgeregt und sprunghaft sind.

  • Hallo


    um sicher zu gehen das nicht so viele Flugbienen in den Ableger kommen, kann man die ausgewählten Waben auch 10min auf einen Wabenbock stellen, dann sind die meisten Flugbienen abgeflogen.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)


  • Warum, warum macht man sich immer erst hinterher wirkliche Gedanken was schief gelaufen ist.
    Hier hattest nun Zeit 5 Minuten alles zusammen zu tragen, nachdem das Kind in Brunnen gefallen und ertrunken ist. Warum geht sowas nicht im Vorfeld um nicht unnötig Lebewesen zu töten? Die Schuld trägt immer derjenige der sich als der Betreuer hinstellt und das Problem verursacht.

    Gruß Markus


    Ubi apis, ibi salus 
    Wo Bienen sind, dort ist Gesundheit

  • Warum, warum macht man sich immer erst hinterher wirkliche Gedanken was schief gelaufen ist.
    Hier hattest nun Zeit 5 Minuten alles zusammen zu tragen, nachdem das Kind in Brunnen gefallen und ertrunken ist. Warum geht sowas nicht im Vorfeld um nicht unnötig Lebewesen zu töten? Die Schuld trägt immer derjenige der sich als der Betreuer hinstellt und das Problem verursacht.


    Hallo Mc Fly!


    "Wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein", so lautet eine Stelle im neuen Testament. Übersetzt würde das heißen, wem noch nie ein Fehler passiert ist, der schreibe den ersten Beitrag hier im Forum. Ich würde aber sagen, der hat noch nie eigenständig mit Bienen gearbeitet.




    Hallo Apibus!


    Ablegerbildung am eigenen Stand ist immer mit gewissen Gefahren verbunden. Da kommen ein paar ungünstige Faktoren zusammen. Erstens wird das Volksgebilde geschwächt da die Flugbienen abfliegen, weiters kommt dazu, dass die Flugbienen den gleichen Stockgeruch haben und noch dazu die "Futterquelle", sprich den neu erstellten Ableger kennen.


    Dem kann auf verschiedene Weise entgegengewirkt werden. Wie schon erwähnt wurde, z.B. durch nochmaliges Umstellen. Eine weitere Möglichkeit wäre "Kellerhaft". Auf diese Weise wird die Volksharmonie und das Zusammengehörigkeitsgefühl der Bienen gestärkt. Voraussetzung ist natürlich, dass die Ablegerkästen mit Lüftungsgitter versehen sein müssen, welches sich auch nicht verstopfen darf.


    MfG
    Honigmaul

  • Hallo Mc Fly!


    "Wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein", so lautet eine Stelle im neuen Testament. Übersetzt würde das heißen, wem noch nie ein Fehler passiert ist, der schreibe den ersten Beitrag hier im Forum. Ich würde aber sagen, der hat noch nie eigenständig mit Bienen gearbeitet.


    Genau deswegen wären Gedanken im Vorfeld und Fragen in die Runde hilfreich gewesen. Denn jeder hier hat schon Mist gebaut und Lehrgeld bezahlt. Nur gab es damals noch kein Imkerforum, kein Imkerpate, Handys waren noch in Kofferform und der eine Imker wollte vom anderen möglichst wenig wissen.
    Die Zeiten sind vorbei und jeder der länger als 5 Jahre Bienen betreut, wird hier passenden Rat geben können.
    Daher lieber 10 "dumm" anmutende Fragen und dadurch wird dann schlimmeres verhindert als eine diagnostische Rückmeldung nach dem Scheitern.
    Gerade dafür haben wir doch solche Medien wie dieses Forum.

    Gruß Markus


    Ubi apis, ibi salus 
    Wo Bienen sind, dort ist Gesundheit

  • "Handys in Kofferform" :)
    Die Bienenzucht ist so komplex, da ist die Fehlerdiagnose sehr sehr wertvoll. Manches eröffnet sich leider erst, wenn es schiefgelaufen ist. Ein Olympiagewinner hat einmal gesagt: "Der Weg zur Goldmedaille geht über Niederlagen", und ich denke das stimmt.

  • Genau deswegen wären Gedanken im Vorfeld und Fragen in die Runde hilfreich gewesen. Denn jeder hier hat schon Mist gebaut und Lehrgeld bezahlt. Nur gab es damals noch kein Imkerforum, kein Imkerpate, Handys waren noch in Kofferform und der eine Imker wollte vom anderen möglichst wenig wissen.
    Die Zeiten sind vorbei und jeder der länger als 5 Jahre Bienen betreut, wird hier passenden Rat geben können.
    Daher lieber 10 "dumm" anmutende Fragen und dadurch wird dann schlimmeres verhindert als eine diagnostische Rückmeldung nach dem Scheitern.
    Gerade dafür haben wir doch solche Medien wie dieses Forum.


    Klar wäre "vorher" immer besser als "nachher" ... aber "nachher" ist ja auch noch besser als garnicht! Und auch dafür ist dieses Forum.


    Und hier lesen doch viele mit - so wie ich -, denen die Fragen und Kommentare als sehr hilfreiche (Mit)Denkübungen dienen: als eben noch kein alter Hase überlege ich selbst, welche Antwort ich auf die Probleme hätte, und schaue dann, wie die wirklich alten Hasen (wie Du) sie kommentieren (... und freue mich bei Übereinstimmung ... und lerne wenn keine, worüber ich mich dann auch freue).


    Also:
    Apibus : weitermachen, weiterschreiben, weiterlernen - waren doch klasse Tipps dabei!
    @Mc Fly: bei allem Respekt vor klaren Worten, hoffe ich auf Nachsicht mit den Unerfahrenen (... auch wenn es immer wieder dieselben Fehler seien mögen) ... und: unterschreibst Du auch die genannten Kommentare der anderen oder hast Du noch weitere Tipps zusätzlich zu denen oben? (Lass uns nicht blöd sterben)


    Gruß, Jörg

    Eine Fischsuppe aus einem Aquarium zu machen, ist leichter als ein Aquarium aus einer Fischsuppe.