Kann man so auch vereinigen?

  • Hallo,


    wenn es darum geht ein Völkchen (z.B. Ableger) mit einem anderen Völkchen oder einem großen Volk zu vereinigen, wird meist geschrieben "Aufsetzen über Zeitungspapier, Schwaches zum Starken setzen". Andererseits konnte ich auch schon lesen, dass das Volk mit der Königin das Flugloch beherrschen sollte.


    Das hilft mir jetzt gerade nicht ganz weiter (s.u.), daher bitte ich mal wieder um Rat:


    Folgende Situation(en):


    1) Ein Kg-Ableger ist auf 4 Waben gewachsen und sitzt bereits in einer 12er-Dadantkiste, hat nun aber plötzlich seine Königin durch einen Unfall verloren.
    Ich will aber NICHT von der Brut nachschaffen lassen, sondern einen anderen, ähnlichen Ableger von einem anderen Stand holen und mit dem nun nachschaffenden Ableger vereinigen, also aus zwei Ablegern einen machen, da ich eh genug Ableger habe und das Volk sich dann schneller entwickelt.
    Die Nachschaffungszellen sind bald so weit, dass ich sie breche und dann ist der Ableger endgültig weisellos und ich könnte die beiden vereinigen. Dazu wollte ich den neuen Ableger dazuhängen.


    Problem: Der weisellose Abeger beherrscht das Flugloch. Würde es trotzdem sicher funktionieren, wenn ich den weiselrichtigen Ableger einfach dazu hänge, z.B. hinter das Schied hänge, anstatt ihn über Zeitungspapier aufzusetzen?
    Was würdet ihr andernfalls für ein Vorgehen empfehlen?
    Der Empfänger (weiselloser Ableger) sitzt bereits in einer 12er-Dadant Kiste, der einzuweiselnden Ableger dagegen ist noch in einem Ablegerkasten (halbe 12er-Kiste) und müsste von einem anderen Stand herangeschafft werden.


     2) Etwas andere Situation, ähnliche Fragestellung: Ein Wirtschaftsvolk, von dem ich einen Kg-Ableger gemacht habe, hat vermutlich ebenfalls seine Nachschaffungskönigin verloren (zufällig vor den Flugloch eine flugunfähige Prinzessin krabbeln sehen, vermutlich behindert geboren).
    Sobald ich das betreffende, nun endgültig weisellose Volk identifiziert habe, würde ich es gerne mit einem bereits vor 3 Wochen gebildeten Kg-Ableger vereinigen, um es so wieder zu beweiseln.


    Wie vereinige ich da? Das Wirtschaftsvolk hat 2 Honigräume drauf, Aufsetzen über Zeitungspapier geht da also nicht. Und der Ableger mit der Königin beherrscht naturgemäß auch nicht das Flugloch des Wirtschaftsvolkes, in das er rein soll. Und Wirtschaftsvolk mit HR auf Ablegerkiste geht natürlich erst recht nicht...:wink:


    Auch hier hätte ich jetzt den Ableger vom Außenstand geholt, dann die Waben des Ablegers samt Bienen und Königin schnell hinter das Schied des Wirtschaftsvolkes gehängt. Wäre das ein gangbarer und sinnvoller Weg?


    Ihr merkt, mit Völker-Vereinigen habe ich noch nicht so viel Erfahrung gesammelt, war bisher auch noch nicht nötig.
    Bevor ich also was falsch mache, blamiere ich mich lieber mit zwei solchen Fragen.


    Gruß
    hornet

  • Ich vereinige Ableger mit weiselosen Völkern, indem ich den Ableger über einem Wandergitter (eigenes Flubgloch) aufsetze. Der Ableger mit der Königin kommt also oben drauf. Das bleibt dann so drei Tage, bis sich das weiselose Volk an den Geruch der neuen Konigin gewöhnt hat. Dann kommt das Wandergitter raus. Wieder ein paar Tag später kommen alles Brutwaben nach unten.
    Das hat immer funktioniert, auch wenn das Volk mit Königin das Flugloch nicht beherrscht. Im Prinzip ist das wie
    die Zeitungspapiermethode, nur sanfter.
    Das habe ich auch schon mehrfach zur Trachtzeit gemacht, wenn also ein Honigraum auf dem weisellosen Volk war.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Böse Mädels fliegen genau auf diese Art bei mir raus. Nachschaffungszellen brechen (7-9) Tage nach Königinnenverlust. Alle! Nach ca. 15-30 min merken die Damen, dass jegliche Möglichkeit eine Königin zu bekommen entschwunden ist. Dann den weiselrichtigen Ableger mit legender Königin auf mindestens zwei Waben, auf der Flugloch abgewandten Seitenwand einhängen. Gibt was an Unruhe, haben aber bei mir bisher alle Königinnen überlebt. Ohne Schied, Absperrgitter und Papier. (Meine Fluglöcher sitzen nicht mittig.)

    Tatsachen muss man kennen, bevor man sie verdrehen kann. (Mark Twain)

  • Ich würde es umgekehrt machen: Der Ableger sitzt am Flugloch in einer Beute und bleibt auch dort. Er wird geschiedet. Hinter dem Schied wird das weisellose Volk einfach dazu gehängt.
    Der Vorteil: Die Bienenkönigin wird nicht zum Rennen animiert, sondern führt inmitten ihres Volkes ihre Legetätigkeit fort. Die direkte Berührung beider Völker wird durch das Schied vermieden. Auf dem Weg zum Flugloch müssen die weisellosen Bienen unter dem Volk mit Königin durch und werden dabei mit dem Königinnenpheromon versorgt. Alles geht in Ruhe vonstatten. Statt eines Schieds kann man auch eine Futterwabe verwenden.


    Gruß Ralph

  • Es wird wohl beides gehen.
    Zu meiner Überlegung und Begründung:
    Schied bedarf es nicht, da nach 9 Tagen am Außenrand des Volkes sowieso fast immer eine Futterwabe sitzt. Gut, es schadet auch nicht. Außerdem bringt die Königin ja auch Gefolgschaft mit. Die Königin sollte vielleicht nicht gerade auf der Wabenseite sitzen, die direkt am anderen Volk liegt.
    Es geht um die ersten Kontakte der Völker. Sitzt der Weisel richtige Teil hinten kommen die Bienen des Weisel losen Teiles erst mal wenig bis gar nicht in Kontakt mit der Königin.
    Dann können sie sie auch nicht abstechen oder einknäulen. Anders herum müssen sie sofort an der Königin vorbei und merken "Oh hier ist aber was anders. Wir hatten doch bis eben noch super Kinderzimmer mit Belegung aus eigener Genetik. Ne, du fremde wirst erst mal um die Ecke gebracht."
    Hat sich die Aussichtslosigkeit der eigenen Nachzucht erst mal rumgesprochen, werden die Damen den Teufel tun, die voll funktionstüchtige Chefin einfach abzumurksen.

    Tatsachen muss man kennen, bevor man sie verdrehen kann. (Mark Twain)

  • Am wichtigsten ist wohl, dass keiner rennt. Und schon gar nicht die Queen. Wenn sie schon von eigenen Kindern umgeben ist, also schon 4 Wochen legt, wird sie sich ruhig verhalten, wenn man ruhig und mit wenig Rauch arbeitet. Ein bisschen offenes Futter lenkt auch noch ab.


    LG Olivia

    Wiedereinsteigerin nach 20 Jahren. :Biene:

  • Ich vereinige Ableger mit weiselosen Völkern, indem ich den Ableger über einem Wandergitter (eigenes Flubgloch) aufsetze. ...Im Prinzip ist das wie die Zeitungspapiermethode, nur sanfter.


    Danke, das klingt sehr schonend, wenn auch arbeitsintensiv. D.h. aber auch, die haben sich nicht daran gestört, dass das Flugloch plötzlich 50cm tiefer ist? Denn ungefähr so viel wäre es bei mir nämlich.


    Ich würde es umgekehrt machen: Der Ableger sitzt am Flugloch in einer Beute und bleibt auch dort. Er wird geschiedet. Hinter dem Schied wird das weisellose Volk einfach dazu gehängt.
    Der Vorteil: Die Bienenkönigin wird nicht zum Rennen animiert, sondern führt inmitten ihres Volkes ihre Legetätigkeit fort. Die direkte Berührung beider Völker wird durch das Schied vermieden. Auf dem Weg zum Flugloch müssen die weisellosen Bienen unter dem Volk mit Königin durch und werden dabei mit dem Königinnenpheromon versorgt. Alles geht in Ruhe vonstatten. Statt eines Schieds kann man auch eine Futterwabe verwenden.


    So etwa hatte ich mir das am Anfang auch vorgestellt. Problem ist aber, dass die Situation bei mir genau umgekehrt ist: der weisellose Ableger ist bereits an dem Standort, an dem er bleiben soll und außerdem bereits im Standmaß, während der weiselrichtige Ableger dort erst noch dazu kommen muss derzeit noch an einem anderen Stand in einem Ablegerkasten steht, da muss er also raus..


    Ginge es eigentlich auch, wenn ich daher den weisellosen Ableger vom Flugloch wegrücke, ein Schied setze und dann den neuen, weiselrichtigen Ableger direkt ans Flugloch "vor" das Schied setze?
    Dann hätte ich genau die von dir beschriebene Situation, nur mit dem Unterschied, dass eben der weiselrichtige Ableger vorne reingehängt wird, statt der weisellose hinten.


    Gruß
    hornet

  • Danke, das klingt sehr schonend, wenn auch arbeitsintensiv. D.h. aber auch, die haben sich nicht daran gestört, dass das Flugloch plötzlich 50cm tiefer ist? Denn ungefähr so viel wäre es bei mir nämlich.


    Die Flugbienen sind ja eh schon weg, wenn der Ableger umgesetzt wird. Ich hatte da keine Probleme.
    Nun stehen meine Völker aber in Reihe und finden immer irgendein Flugloch.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Wieso sind die Flugbienen weg?


    Es handelt sich bei mir um zwei Kg-Ableger, also mit legenden Altköniginnen von Anfang an, die nun schon 2-3 Wochen alt sind, die haben alle Stadien an Bord.


    Die fliegen schon prächtig und ich würde die Kiste daher abends packen, zum Standort mit dem weisellosen Ableger fahren, diesen öffnen, Wandergitter drauf, neue leere Beute drauf, die vier Waben des mitgebrachten Ablegers quasi im Licht der Dämmerung/Taschenlampe da rein umhängen und Kiste zu.


    Am nächsten Morgen dürften beide normal fliegen, die einen unten, die anderen oben. Wenn nach ein paar Tagen alle unten hängen, gibt es ja nur noch ein Flugloch, da werden sie schon reinfliegen und nicht oben suchen, hoffe ich.


    Alternativ würde ich den alten Ableger nach hinten schieben und die vier Waben des mitgebrachten Ablegers quasi im Licht der Dämmerung/Taschenlampe da rein umhängen.


    Oder ist so eine abendliche Umhäng-Aktion zu viel Aufregung für die Bienen und lieber tagsüber machen und ein paar Flugbienen verlieren?
    Wobei in diesem Falle sowieso kein anderes Volk da wäre, in das sie sich verfliegen könnten.


    Gruß
    hornet

  • Wieso sind die Flugbienen weg?


    Weil die Ableger ja woanders standen (bei mir am gleichen Bienenstand und nicht in mehr als 3 km Entfernung, das war gemeint)
    Das habe ich freilich nicht bedacht, dass das bei Dir anders sein kann.


    Wolfgang.

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Hallo,


    ich hoffe ich darf mich mit einer ganz ähnlichen Fragestellung hier dranhängen.


    Auch ich habe zwei Völker die ich gerne vereinigen würde.
    Das eine ist ein sehr kleiner Kunstschwarm, der aufgrund der geringen Bienenmasse nicht aus den Puschen kommt. Er hat inzwischen etwas mehr als eine Dadantbrutwabe Brut und sonst nicht viel. Die Königin aus diesem Volk würde ich gerne erhalten.
    Das andere ist ein Schwarm unbekannter Herkunft. Er hat inzwischen insgesamt ca 2 Waben Brut angelegt. Dieses Volk ist für mich zu aggressiv, weshalb ich die Königin auch so schnell wie möglich wieder loswerden will.
    Da ich im Moment mit dem Kunstschwarm 4 Schwärme und ein Wirtschaftsvolk habe, aber auf lange Sicht nur 3 Völker haben möchte würde es mir sehr gelegen kommen die fiese Königin loszuwerden, den KS zu stärken und meiner Wunschvölkerzahl näher zu kommen.


    Ich würde also die Schwarmkönigin wegnehmen und das Schwarmvolk hinter dem Schied zu dem Kunstschwarm hängen. Muss ich warten bis der Schwarm merkt dass er weisellos ist oder kann ich ihn einfach ohne Königin direkt zuhängen? Oder hat das ganze Unterfangen bei Schwärmen keine Erfolgschancen?


    Über eure Erfahrungen in solchen Dingen würde ich mich sehr freuen, ich hatte bis jetzt mit Schwärmen nichts am Hut.
    Vielen Dank
    Hannah

  • Hallo Hannah,


    ich würde es so machen:


    1. Am Abend (inkl. der eigenen Flugbienen) Kunstschwarm (KS) mit guter Kö an die Stelle des "unbekannten" Schwarms stellen, Zweige vor das Flugloch (damit sich die Flugbienen neu einfliegen). Den "unbekannten" Schwarm irgendwo anders hin (in einige Entfernung) => die Flugbienen des "unbekannten" Schwarms fliegen dem KS zu und verstärken diesen. Gleichzeitig verliert der "unbekannte" Bienenmasse, wodurch es Dir später leichter fallen wird, die aggressive Kö zu finden und abzudrücken.


    2. Ca. 2 Tage später dann Suchen und Abdrücken der aggressiven Kö im "unbekannten" Schwarm. 2 Stunden später (die Bienen haben gemerkt, dass sie keine Weisel mehr haben) werden dann die Brutwaben des "unbekannten" Schwarms mit allen Bienen hinter das Schied des KS gehängt => das Brutnest des KS am Flugloch wird nicht angetastet, bleibt also in seiner Intergrität intakt, die Kö im Brutnest geschützt; die weisellosen Bienen des "unbekannten" Schwarms müssen so zum Ausfliegen am Nest der KS-Kö vorbei und werden diese (sehr wahrscheinlich) akzeptieren.


    3. Nach weiteren 2 Tagen Schied entfernen und Brutnest zusammenschieben. Fertig.


    Gruß, Jörg

    Eine Fischsuppe aus einem Aquarium zu machen, ist leichter als ein Aquarium aus einer Fischsuppe.

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von iWei () aus folgendem Grund: Feintuning

  • Wenn ich auf die Flugbienen verzichte (sie sich einfach an meinem Stand einbetteln lasse) würde ich also einfach die Schwarmkönigin abdrücken, 2 Stunden warten und die Waben mit aufsitzenden Bienen dem KS hintet dem Schied zusetzen, 2 Tage warten und die Brutnester zusammenrücken.


    Oder wäre es besser den Schwarm noch 9 Tage stehen zu lassen, Weiselzellen zu brechen, dann zu warten bis die Mädels merken, dass sie keine Möglichkeit mehr haben eine eigene Weisel nachzuziehen und dann zusammensetzen?


    (die Königin zu finden ist für mich kein Problem. So riesig ist nämlich der Schwarm auch nicht)

  • Ja, so kannst Du es natürlich auch machen.


    Hängt davon ab, worauf Du Lust hast: Flugbienen zur gezielten Verstärkung ist mir sympathisch - Weisel abdrücken, 9 Tage warten & Zellen brechen inkl. dafür notwendiges großes Durchsehen, heulende Bienen mag ich nicht so sehr. Du kannst auch beides kombinieren ...

    Eine Fischsuppe aus einem Aquarium zu machen, ist leichter als ein Aquarium aus einer Fischsuppe.