Wirtschaftsvolk weisellos, mit Ableger vereinigen?

  • Hallo liebe Imker,


    Wir haben letzte Woche bei der Kontrolle den Drohnenbrutrahmen entnommen und auf der Zarge abgesetzt, um die Bienen abzufegen. Da löste sich die Wabe aus dem Rahmen und kippte samt aufsitzender Königin auf das Volk. Wir konnten die Königin nicht mehr sehen, daher hofften wir, dass sie es überlebt hat.
    Diese Woche (heute) bei der Kontrolle stellte sich jedoch heraus, das Nachschaffungszellen vorhanden waren und keine Stifte mehr zu sehen sind. Das heißt, die Königin hatte es leider doch erwischt.


    Jetzt ist die Frage, einfach abwarten und die Nachschaffungskönigin(nen) schlüpfen lassen?
    Oder mit einem Ableger vereinigen, deren Königin gerade in Brut gegangen ist?
    Und wenn ja, wie geht es? Das weisellose Volk ist ja noch sehr stark und würde den Ableger wahrscheinlich "überrennen", oder?


    Das weisellose Volk ist sehr sammelfreudig und hat in der Zwischenzeit schon alle Waben mit Nektar gefüllt. Von diesem Volk konnten wir bereits 10 Waben Honig schleudern.
    Wir hatten mit diesem Volk das Problem, dass sie die neuen Waben (rüchstandsfrei, nach Rauch riechend) sehr zögerlich ausgebaut haben und statt Brut immer sehr schnell Futter drin hatten. Auch vor der Weisellosigkeit war das Brutnest sehr klein und dafür die Schwarmlust groß.


    Wir müssen nicht unbedingt noch mal Honig ernten dieses Jahr, wär natürlich schön, da es unser einziges Wirtschaftsvolk ist.


    Für Tips sind wir sehr dankbar.
    Vielen Dank,


    Nora


  • Hallo Nora. Mach einfach von 2 schönen Nachschaffungszellen Ableger. Sollten die Ableger am Stand verbleiben gieb Von 3-4
    Brutwaben Bienen dazu und mach das Flugloch kleiner so das nur 1ne Biene durchpasst.


    Gruß Josef

    Buckfast . 10 Völker . DNM Holzbeuten 13 ner Zargen . Dadant US Frankenbeute. Königinnenzüchter.

  • Guten Morgen,
    ich würde nicht vereinigen. Das Volk scheint sehr harmonisch und gut organisiert zu sein, die würden auf jeden Fall eine eigene Nachschaffungskö einer fremden Weisel vorziehen.
    Selbst, wenn Du die Nachschaffungszellen vernichten würdest, wären sie noch lange Zeit nicht dazu bereit, eine neue zu akzeptieren, es muss erstmal eine gehörige Unruhe und schliesslich Verzweiflung eintreten.
    Wenn Du tatsächlich auf Honig verzichten magst, kannst Du das Volk aufteilen, wie Josef es Dir geraten hat.
    Ansonsten: lass sie mal machen. Von den Nachschaffungszellen würde ich aber, wenn Du das Volk NICHT aufteilen und die Zellen dort verwenden willst, nur die 2 besten stehen lassen. Viel Glück.
    Ach, und solltest Du im Laufe des Sommers feststellen, dass die Volksentwicklung nicht so ist, wie erwünscht (ob nun beim Altvolk oder bei evtl gebildeten Ablegern), kannst Du DANN vereinigen oder neu beweiseln.

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  • Ich habe da andere Erfahrungen gemacht: Das Beweiseln über das Vereinigen mit einem Ableger geht gut. Ich habe das letztes Jahr zur Trachtzeit insgesamt vier mal gemacht. Die Völker blieben in Trachtstärke, entwickelten sich alle gut und lieferten ordentlich Honig.
    Der Vorteil: das Volk bleibt stark, die junge Königin kann sich voll ins Zeug legen. Wenn keine junge Brut mehr da war, wird auch in der Regel nicht mehr nachgeschaffen. Da das Ablegervolk die eigene Königin schützt, wird sie auch problemlos angenommen.
    Meine Empfehlung: Mache es so und pack die Nachschaffungszellen in einen Ableger.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Ansonsten: lass sie mal machen. Von den Nachschaffungszellen würde ich aber, wenn Du das Volk NICHT aufteilen und die Zellen dort verwenden willst, nur die 2 besten stehen lassen. Viel Glück.


    Was passiert denn ggf., wenn die vorher schon immer schwarmlustig waren und Du zwei Zellen stehen läßt?


    Laß mal besser nur eine Zelle im Volk und eine Zelle auf einer anderen Wabe entnimmst Du mit dieser und stellst sie mit einer Mittelwand und 'ner Futterwabe woanders auf. Als Reserve, falls was schiefgeht.


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Ralf,
    jetzt müsste man sich am besten selbst vor Ort ein Bild machen.Meine (rein) theoretische Überlegung ist die, dass Nachschaffungszellen stets eine zweite Wahl darstellen, weil das Volk der ersten, besseren Wahl beraubt wurde. Aus welchen Gründen auch immer. Das birgt aber auch eine wesentlich grössere Wahrscheinlichkeit für die so gezogenen Prinzessinnen, nicht ganz optimal entwickelt zu sein. Selber schon erlebt, das NS-Zellen sich nicht voll zuende entwickelt haben oder die daraus geschlüpte Kö nicht zum legen kam. DESHALB, um der besseren von beiden eine Chance zu geben.
    Wie gesagt, ich wüsste zu gerne, wie es denn genau in der Beute aussieht, wie die Tracht und die tatsächliche Volksstimmung sich darstellen. Aber das kann man eben nur vermuten.
    Lieben Gruss
    Landpomeranze

  • Und dann hast Du ggf. eine schlechter entwickelte Prinzessin in der Kiste und eine besser mit der Hälfte Deiner Bienen im Baum. Deswegen mein Rat, zwei behalten, aber nicht in der selben Kiste. Bei einen Einwabenableger würd ich auch drei oder fünf Zellen auf einer Wabe stehenlassen, die machen das schon untereinander aus. Aber bei eine Volk in Schwarmstimmung würd ich das tunlichst vermeiden.


    Zitat

    Auch vor der Weisellosigkeit war das Brutnest sehr klein und dafür die Schwarmlust groß.


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Hallo, Deine Bienen haben bei zwei Weiselzellen im Volk genau zwei Möglichkeiten:
    1. Die erste Kö hängt sich mit der hälfte der Bienen in den nächsten Baum
    2. Die erste Kö sticht die eventuell/wahrscheinlich bessere 2. Kö noch in der Zelle ab...
    ... was willst Du?

    Hätten wir was getan, als noch Zeit war, bräuchten wir uns nicht vorzustellen, wie es wäre, wenn wir was getan hätten, als noch Zeit war.

  • Ich würde den Ableger mit den Flugbienen des Wirtschaftsvolks verstärken, dazu die Plätze von Ableger und Wirtschaftsvolk tauschen. Im Wirtschaftsvolk würde ich alle Nachschaffungszellen brechen. Nach 3 Tagen würde ich das Wirtschaftsvolk auf der Stelle, wo dann der Ableger sitzt, mit diesem vereinigen. Dann hast du wieder ein leistungsfähiges weiselrichtiges Volk ohne wesentlichen Trachtverlust.


    Gruß Ralph

  • Moin,


    der Vorschlag von Ralph hat sicher sein Gutes, wenn man auf Honig aus ist. Da es aber

    unser einziges Wirtschaftsvolk ist


    und Honig keine Rolle spielt, würde ich das Volk mit den 2 Zellen eher in 2 starke Ableger teilen als mit dem vermutlich ebenfalls einzigen Ableger zu vereinigen. Lieber mit 3 Völkern in den Winter, Einvolkimkerei ist zum Scheitern verurteilt.

    Mit freundlichen Grüßen -- Traugott Streicher

  • Hallo an Alle,


    vielen Dank erst mal für die zahlreichen, ausführlichen Antworten. Da haben wir jetzt erstmal was zum Nachdenken..


    Zu Traugott: Wir haben noch einen zweiten Ableger, erstellt aus Wabe mit Schwarmzelle, deren Königin schon geschlüpft, allerdings noch nicht begattet ist.


    Im Moment tendiere ich eher zum Vereinigen in Verbindung mit Ablegererstellung. Wäre das ein eure Ratschläge beherzigender, sinnvoller Plan:


    1. Also die Flugbienen zum Ableger gehen lassen (Beutenplätze tauschen).
    2. Verdeckelte Brutbretter ohne Weiselzellen könnte man doch ohne aufsitzende Bienen auch schon mal in den Ableger umhängen, oder?
    3. Je ein Brutbrett mit Weiselzelle plus Futterwaben und Ammenbienen als Ableger separieren.
    4. Auf den erstarkten Ableger den zweiten Brutraum mit den ehemaligen Honigwaben (Platz zum stiften) und darüber den Honigraum mit Mittelwänden? Oder ist das zu früh?


    Dankeschön und viele Grüße,
    Nora

  • auf wieviel Waben sitzt der Ableger, Maß?
    1-BW-Ableger sind Hungerableger- die bringen auch keine optimalen Kö zustande. Ich nehme je 2-4 BW+2 Deckwaben Fu/Pollen.


    Den Ableger auf 1 BR lassen (FuWA in HR, +2 Leerwaben zum Stiften reichen) und sofort 1-2 HR geben , die Flugbienen schleppen Nektar & Pollen ein.
    Wenn sie die stinkigen afrikanischen Bio-MW nicht mögen, lasse sie doch mit Anfangsstreifen(senkrecht gedrahtet) beim Auffüttern selbst bauen, jetzt neigen Völker ohne MW mehr zu Drohnenbau im Brutraum. HR -vorn und Mitte ausgebaute Waben, blockweise MW, wenn Tracht ist werden sie schon Lagerkapazität ausbauen.


    Gruß Fred

  • Wäre das ein eure Ratschläge beherzigender, sinnvoller Plan:?


    Das kann man einfach nicht sagen.
    Auch hier sind wieder viel zu viele Fragen offen.
    Es scheint, dass mit zwei Bruträumen gearbeitet wird.
    Es scheint, dass die Ableger zu früh erstellt wurden und das Wirtschaftsvolk zu sehr geschwächt wurde.
    Wie schon erwähnt, könnte eine Jungkönigin bei einem angenommenen 1-Wabenableger nicht optimal versorgt worden sein und du weiselst somit eine eventuell minderwertige Königin in dein einziges Wirschaftsvolk ein.
    Es gibt noch so viele "könnte"


    Auch wenn es noch eine verwirrende Variante mehr ist, da das Volk angeblich noch groß ist, würde ich
    jetzt, (normal nach 9 Tagen) eine Wabe mit Weiselzelle (von Bienen gut belaufen) entnehmen, Futter- und Leerwabe dazu als Sicherheitsableger.
    Bis auf eine Zelle (auch gut belaufen, möglichst mittig im Brutnest sitzend) alle Zellen im Wirtschaftsvolk brechen.
    Auf eine Brutraumzarge drücken und im Honigraum Platz zum Einlagern geben.
    Ableger lassen wie sie sind.
    So wirst du noch Honig bekommen, und wahrscheinlich ausreichend Völker.
    Sollte irgendwo die Begattung nicht klappen, kannst Du immer noch später vereinigen.

    Tatsachen muss man kennen, bevor man sie verdrehen kann. (Mark Twain)